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Star Trek IX: Der Aufstand
Die Special Edition im Test

von Yann - Patrick Schlame

Der Film

Cover der Special Edition von ST IX auf DVD
Das Cover der Special Edition orientiert sich am etablierten Standard
Das dritte Kinoabenteuer der TNG-Besatzung dreht sich vor allem um eine Frage: "Wie viele Menschen sind nötig, bevor aus Recht Unrecht wird?" Doch bevor Picard dazu kommt, diese Frage zu stellen und seine Uniform bei Seite zu legen, um den Wenigen beizustehen, werden erst einmal alle Figuren in Position gebracht, die Bösen und die Guten vorgestellt.

Mit ungewohnter Leichtigkeit und vielen humorvollen Szenen beginnt "Der Aufstand", der gemäß den Wünschen des Studios nach dem dunklen und actionlastigen Kapitel "Der erste Kontakt" eher an den ebenfalls erfolgreichen "Zurück in die Vergangenheit" anknüpfen sollte. Vor allem nach der Ankunft beim malerischen Planeten der Ba'ku wirkt die gesamte Besatzung Jahre jünger - Riker flirtet mit Troi, Worf kommt in die klingonische Pubertät und Geordis Sehnerven regenerieren sich, so dass er das erste Mal einen Sonnenaufgang ohne Visor oder Implantate sehen kann. Auslöser dafür ist die metaphasische Strahlung in der Umgebung des Planeten - sie wirkt wie ein Jungbrunnen.

Um genau diesen Jungbrunnen entwickelt sich der Konflikt des Filmes dann auch: die Son'a - einstmals waren sie selbst Ba'ku - wollen die Energie des Jungbrunnens mit einem Kollektor aufsaugen, wobei allerdings der Planet unbewohnbar wird. Die Sternenflotte will ein Stück vom Kuchen abhaben, fordert aber eine friedliche Umsiedlung der Ba'ku. Mitten in die heiße Phase des Projektes platzt Picard mit der Enterprise und glaubt nicht, was ihm sein Vorgesetzter Admiral Dougherty da erzählt, dass die Föderation solch ein Vorgehen zulassen würde.
Also legt er die Uniform bei Seite und probt mit seiner Führungsriege den Aufstand gegen die Son'a unter ihrem verbitterten Anführer Ru'afo. Am Ende stirbt Ru'afo, doch die Son'a geben ihren Plan auf und beginnen sogar eine langsame Wiederannäherung an ihre früheren Familien.

Gespickt ist das Abenteuer mit viel Humor, der von wunderbaren Charakterszenen bis hin zu überflüssigen Slapstickeinlagen fast alles bietet, mit alten und neuen Romanzen und sehr ordentlichen Spezialeffekten. Im Kern aber steht der moralische Konflikt, und der Film greift eine der Kernaussagen Star Treks wieder auf: "Das Wohl von Wenigen wiegt genau so schwer wie das Wohl von Vielen" (z.B. in Star Trek III: "Auf der Suche nach Mr. Spock") bzw., wie es hier formuliert wird: "Wie viele Menschen sind nötig, Admiral, bevor aus Recht Unrecht wird? 1.000? 50.000? Eine Million? Wie viele Menschen sind nötig, Admiral?"

Die Special Edition DVD

Szenenbild aus Star Trek IX
Die Crew steht dieses Mal wieder voll hinter dem Captain
Wie kaum anders zu erwarten, ist die technische Umsetzung des Filmes auf der ersten der beiden DVDs einwandfrei. Das klare und scharfe Bild bleibt selbst in dunklen Szenen frei von störenden Artefakten und bringt die erstklassigen Spezialeffekte des Filmes ebenso gut zur Geltung wie die Charaktere und die vielen Außenaufnamhen. Der deutsche Ton steht mit Dolby Digital 5.1 und DTS gleich in zwei Formaten zur Verfügung, dafür muss man dieses mal auf einen gesprochenen Audiokommentar verzichten, wie er auf den letzten Special Editions verfügbar war. Stattdessen gibt es einen Textkommentar von Michael und Denise Okuda, der sich als Untertitel einblenden lässt. Leider erfährt man nicht, wer von den beiden welchen Teil der Kommentare beisteuert, dafür gibt es den Textkommentar sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch - gegenüber den Audiokommentaren ist das natürlich von Vorteil. Hinweise unter anderem auf das erst vor wenigen Wochen gezeigte Finale von "Enterprise" zeigen, dass der Kommentar ganz frisch für die Special Edition gemacht wurde.

Von besonderem Augenmerk sind bei den Special Editions natürlich die Extras, denen wie gewohnt eine eigene Scheibe gewidmet wurde. Mit über vier Stunden Gesamtlaufzeit umfassen die Extras mehr als das Doppelte der Laufzeit des eigentlichen Films, allerdings auf Kosten der Bildqualität.

Im Bereich Produktion erfährt man unter anderem, welcher Aufwand allein für das Dorf der Ba'ku betrieben wurde und welche Drehorte genutzt wurden. Michael Piller berichtet ausführlich über die Erstellung des Drehbuches und wie viele Änderungen es bereits gab, lange bevor die eigentliche Produktion begann. Besonderes Highlight in diesem Bereich sind aber ganz klar die "Notizen des Regisseurs" Jonathan Frakes (Riker); in der knapp 20 Minuten umfassenden Featurette plaudert Frakes aus dem Nähkästchen, gibt viele Hintergründe zur Produktion und dem guten Verhältnis der TNG-Darsteller untereinander. Frakes, gern gesehener Gast auf Conventions, stellt darin einmal mehr unter Beweis, dass er nicht nur ein erstklassiger Schauspieler und Regisseur ist, sondern auch ein guter Erzähler.

Das Star-Trek-Universum lässt Maskenbildner Michael Westmore ausgiebig zu Wort kommen, der seit den ersten TNG-Folgen Hunderte von Aliens für Star Trek entworfen hat und auch bei "Der Aufstand" wieder für das Aussehen der vielen Außerirdischen verantwortlich war.
Außerdem gibt es einen Einblick in die "Traumhaften Aliens" (auf Englisch "Star Trek's Beautiful Alien Women"), was sich deutlich weniger sexistisch darstellt, als der englische Titel vermuten lässt. Neben Frakes kommen unter anderem Connor Trinneer (ENT: Trip Tucker), Robert Picardo (VOY: Holodoc), Terry Farrell (DS9: Jadzia Dax) und Chase Masterson (DS9: Leeta) zu Wort und erläutern, welche Alien-Frauen sie aus welchen Gründen besonders angenehm fanden bzw. warum sie sie gerne gespielt haben.

In Erschaffung der Illusion werden drei ausgewählte Szenen (die Shuttlejagd, die Dronen sowie der getarnte Beobachtungsposten) des Films näher beleuchtet und vom Storyboard bis zur fertigen Version genau dargestellt.
Im Archiv gibt es als Slideshow ausgewählte Storyboards und eine Fotogalerie zu begutachten, die ohne weiteren Kommentar und in geringer Auflösung allerdings nicht den Ansprüchen der anderen Extras gerecht werden.
Im Bereich Trailer gibt es den Kinotrailer, die Original Promotion-Featurette sowie einen Heißmacher auf die "Borg Invasion" in Las Vegas.

Sehr interessant sind dann noch einmal die Entfernten Szenen, die es gar nicht oder nicht in der Form in den Film geschafft haben. So gibt es nun eine erweiterte Bibliotheksszene zwischen Riker und Troi auf der Enterprise, in der man mehr über die Son'a erfährt und auch Max Grodenchiks (DS9: Rom) Statistenrolle zu sehen bekommt. Ebenso gibt es nun den Kuss zwischen Picard und Anij während des "Perfekten Momentes" zu sehen, den sich die Zuschauer bisher vorstellen mussten.
Am interessantesten ist aber wohl das alternative Ende des Filmes, in dem Ru'afo nicht von Picard auf dem explodierenden Kollektor zurückgelassen wird. Stattdessen versucht Picard, Ru'afo zu retten, doch Ru'afo nimmt die Hilfe nicht an, sondern schießt sich mit der Kapsel des Kollektors mitten in die metaphasischen Ringe um den Planeten, woraufhin er in wenigen Augenblicken verjüngt wird (man sieht nach und nach F. Murray Abraham unter der Maske zum Vorschein kommen) bis hin zum Embryo. Koproduzent Peter Lauritson erläutert, dass dem Studio dieses Ende zu seicht erschien, weshalb man sich für die eher brutale Variante entschied.

Alles in allem werten die zahlreichen Extras den Film, der vielleicht am stärksten den Geist der Serie widerspiegelt, noch einmal deutlich auf. Die vielen Einblicke in die Entwicklung des Films von den ersten Ideen bis hin zum Feinschliff an Effekten und Szenen zeigen einmal mehr, welch riesige Menge an Arbeit in einer solchen Produktion steckt. Nicht nur alle Hauptdarsteller inklusive der Gäste wie F. Murray Abraham kommen zu Wort, sondern vor allem auch die eigentlichen Schöpfer der Illusion wie Herman Zimmerman, Michael Westmore, Rick Berman und noch viele, viele mehr.
Etwas schade ist, dass manche Szenen des Filmes beinahe in jeder einzelnen Featurette aufzutauchen scheinen, obwohl alle Featurettes von der selben Crew erstellt wurden. Wenn Picard des Nächstens in der Captains Yacht zum fünften Mal von seiner loyalen Crew überrascht wird, mag man die Szene einfach nicht mehr sehen, so schön sie im Film auch ist. Interessant auch, dass F. Murray Abraham und Donna Murphy (Anij) vielfach erwähnt werden und zu Wort kommen, dass aber der Ba'ku Sojef (gespielt von Daniel Hugh Kelly) in den Extras keines Wortes gewürdigt wird; immerhin hat mit Kelly nun auch der zweite Hauptdarsteller der 80er-Serie "Hardcastle and McCormick" sein Star Trek-Debüt gegeben, nachdem Brian Keith bereits in der ersten DS9-Staffel in "Mulliboks Mond" zu sehen war.

Fast schon wie üblich lässt sich festhalten, dass die Special Edition auch des neunten Star Trek-Filmes eine wertvolle Erweiterung für jede Sammlung ist. Während einige der Extras etwas lieblos zusammengestellt wirken, überwiegt der positive Eindruck, den die Special Edition hinterlässt. Vor allem der umfassende Einblick in die Produktion und die Interviews mit den Darstellern und Kreativen machen diese DVD zu einer wunderbaren Ergänzung des Star Trek-Universums.

Erschienen: 16. 06. 2005

Technische Details:
Star Trek IX "Der Aufstand" Special Edition Doppel-DVD
DVD Format: DVD 9
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 99 min.
Ton: Dolby Digital 5.1, DTS, Dolby Surround
Sprachen: USA (Dolby Digital 5.1 / Dolby Surround), D (DTS / Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 2.35:1 anamorph
Untertitel: USA, DK, D, F, I, POL, GR, SERB, KROAT, BG, FIN, NL, IS, N, S, POR, UNG, TSCH, RUM, SLO, HEBR, ARAB, TR, Engl. f. Hörgeschädigte

Preis: ca. 22 €

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