Deutscher StarTrek-Index  
    6.18 Inquisition  
  I n q u i s i t i o n     
 

von Thorsten Kroke

 
 
 

Episodenbeschreibung

Bashir packt seine Sachen auf der Krankenstation, eine Reise zur medizinischen Konferenz nach Casteia Prime steht bevor, allerdings muß Bashir vorher noch Chief O'Brien behandeln, der sich beim Kanufahren auf der Holosuite schwer an der Schulter verletzt hat, er wird in nächster Zeit noch Schmerzen haben nach Bashirs Diagnose. Am nächsten morgen bereitet sich ein sehr müder Bashir auf die Abreise vor, wird aber noch zur Ops zu den anderen leitenden Offizieren gerufen: Direktor Sloan von der internen Sicherheit der Sternenflotte stattet Sisko einen Besuch ab - es gibt ein Sicherheitsleck auf der Station. Alle Offiziere müssen in ihren Quartieren bleiben, Bashirs Reise ist gestrichen.

Als Julian zu Sloan gerufen wird, herrscht eine hektische und düstere Atmosphäre auf den Korridoren, allerdings zeigt sich Sloan sehr freundlich und spricht ganz normal mit dem Arzt über seine Internierung im Gefangenenlager des Dominions oder seine Arbeit mit den genetisch Aufgewerteten. Zurück in seinem Quartier bemerkt Bashir dann, daß sein Teddy verrückt ist und seine Sachen durchsucht wurden, als O'Brien sich meldet, sagt er, sie hätten ihn zwei Stunden nur über Bashir ausgequetscht. Prompt wird er wieder zu Sloan gerufen und ein Verhör beginnt: Sloan erklärt Bashir, daß er für das Dominion arbeite, da sie ihn in der Gefangenschaft gebrochen hätten und ihm außerdem die Flucht erleichtert hätten. Bashir besitze eine engrammatische Dissoziation, sodaß er nach einer Gehirnwäsche bewußt nicht wisse, daß er ein Spion sei. Bashir bleibt stur und erklärt, daß er nichts damit zu tun habe, daraufhin läßt ihn Sloan in Handschellen über das Promenadendeck abführen. In Odos Büro trifft man nur Sloans Leute, Bashir kommt in eine Zelle. Ein sehr verärgerter Sisko besucht Bashir, der ihn aus der Zelle holen will. Er erzählt, daß Sloan damals einen Sohn verloren hätte und er deshalb fanatisch einen Spion sucht. Sloan tritt hinzu und beide Captains diskutieren über Bashirs Behandlung: Sisko setzt sich durch, er wird bei jedem Verhör nun anwesend sein.

Sloan packt im Verhör nun alle besonderen Geschichten von Bashir aus, wie er die Jem'Hadar damals von der Ketracel-White Sucht auf Vopak 3 losbekommen wollte, angeblichen Sympathien für das Dominion, seine Kapitulationspläne für den Krieg oder seine Lebenslüge: Die genetische Aufwertung, die erst vor kurzem enttarnt wurde.

Zurück in der Zelle gibt Sisko zu, daß er unsicher ist, was Bashir angeht, der Doctor selbst resigniert schon langsam, da sich Sloan festgebissen hat. Später kommt der Direktor und bietet Bashir ein falsches Geständnis an, andernfalls wird er in eine Hochsicherheitszelle auf Sternenbasis 53 gebracht. Plötzlich beamt Bashir hinaus und findet sich auf einem cardassianischen Schiff wieder, wo er von Weyoun begrüßt wird. Dieser erklärt, Bashir sei ein Spion und er könne sich anfangs nie an die Treffen der beiden erinnern. Bashirs Motivation war moralisch; er hätte eingesehen, daß durch die Niederlage die meisten Mensch gerettet werden können, immerhin sei ihm das wichtig, da er Arzt sei. Bashir kann trotz Weyouns Überredungsversuche nicht akzeptieren, daß er ein Spion sein soll. Bashir wird nun klar, daß Weyoun und Sloan Hand in Hand arbeiten, als Sisko mit der Defiant das Schiff angreift und Worf und Kira an Bord beamen, um Julian zu retten.

Auf der Brücke glaubt Sisko Bashir nicht und hält ihn für einen Verräter, er will ihn von der Brücke werfen. Bashir wendet sich erfolglos an Jadzia, dann an O'Brien, der ihn mit dem Arm zurückdrängt. Bashir fällt auf, daß O'Brien keine Schmerzen mehr im Arm hat und testet O'Brien, der auf Bashirs Falle hineinfällt. Jetzt merkt Bashir, daß er in einem Holodeck ist und die Umgebung enttarnt sich und Sloan kommt hinzu: Nach der Entfernung eines Implantates, das Bashirs Gedanken überwacht, gibt Sloan zu, daß dies ein Test für Bashir war: Er arbeitet nicht im internen Bereich der Sternenflotte, sondern in einem autonomen Geheimbund der Sternenflotte namens "Sektion 31", der nicht bekannt ist und sich niemanden verantworten muß. Gefahren der Sternenflotte werden einfach unauffällig ohne Zustimmung des Rates entfernt. Bashir soll nun rekrutiert werden, seine Loyalität wurde in Streßsituation getestet. Bashir lehnt dankend ab, da ihm eine Organisation, die sich nicht an die Gewaltenteilung hält und absolut arbeitet, suspekt ist, da sie wichtige Prinzipien der Föderation mißachtet. Bashir ist der Meinung, daß das Ziel nicht die Mittel rechtfertigt, Sloan entgegnet, daß man Bashir kontakten wird, da er es sich überlegen soll, danach wird Julian betäubt.

Zurück auf DS9 erzählt er es Sisko und Co., die dachten, daß Bashir auf der Konferenz ist. Laut Siskos Recherchen scheint die Sternenflotte Sektion 31 zu vertuschen und er schätzt die Organisation gefährlich ein: Er gibt Bashir den Befehl, das nächste Angebot von Sektion 31 zum Schein anzunehmen, um als Spion der DS9-Crew zu arbeiten.

Bewertung

Nachdem wir Bashir als Spion schon auf dem Holodeck in der Folge "Unser Mann Bashir" bewundern konnten, übernimmt der überragende Bashir in dieser Folge beinahe die Rolle des echten Geheimagenten.

Damit wären wir auch bei der sehr guten Handlung, die die "Eins" verdient hat: "Inquisition" versteht es, den Zuschauer mit Bashir sympathisieren zu lassen, denn man sieht auch eine ganze Menge von Bashirs Privatleben, als er sich beispielsweise anfangs auf die Reise zur Konferenz vorbereitet. Mit allen Sympathien auf seiner Seite fühlt man mit Bashir mit, als Sloan seine Verhöre anwendet, man leidet regelrecht, als Sisko und Co., die Bashir vorher vehement verteidigt haben, langsam den Glauben verlieren. Gepaart mit Sloans Hinweise auf Bashirs zwielichtigere Taten in der Vergangenheit und schließlich Weyouns Auftritt fragt man sich wirklich, was es mit Bashir auf sich hat, wo er doch schon zweimal als Agent ersetzt wurde, man denke da an "Der Widersacher" oder an "Im Licht des Infernos". Julian jedoch bleibt konsequent bei seiner Meinung, obwohl er bei Weyouns Gerede sich die eine oder andere Unsicherheit anmerken läßt, was sowohl die Tiefe des Charakters als auch die tolle Leistung von Alexander Siddig zeigt. Doch seine Loyalität erinnert ihn dann immer an die Sternenflotte, was für Sloan ein Bestehen des Tests bedeutet. Auf der anderen Seite verhindert diese Loyalität zur Föderation und ihren Gesetzen schließlich auch die Rekrutierung des Arztes bei Sektion 31, was die richtige Entscheidung seitens Bashir ist, da gerade sein Glaube an die Ideale der Föderation ihn stark gemacht hat. Es ist einfach nicht richtig, gerade diese Föderation durch Brechen dieser Ideale zu schützen, es muß andere Mittel geben.

Das ist auch das Stichwort, um genauer auf "Sektion 31" einzugehen: schockierend, daß die Föderation einen solchen autonomen Geheimbund hat, der die Ideale der so sauberen Sternenflotte bricht. Kein Wunder, daß Sisko an der Enttarnung der Organisation interessiert ist, die von einem brillianten Kopf gelenkt wird. Damit ist kein geringerer als Sloan gemeint, der genial von William Sadler, bekannt aus Hollywoodstreifen wie "Die Verurteilten" oder "The green mile", dargestellt wird. Er gibt dem Geheimbund die richtige unsympathische Note. Man wird im Verlaufe von DS9 noch zweimal von der ominösen Sektion 31 hören, waren sie ferner maßgeblich an der Krankheit der Gründer beteiligt, wie sich in "Extreme Maßnahmen" herausstellt und was während der Ereignisse in "Die Front" geschah.

Der andere Höhepunkt der Folge ist mal wieder ein toller Bashir: Diese Star Trek Figur hat sich während einer Serie sichtlich und nachvollziehbar weiterentwickelt, aus dem nervtötenden Grünschnabel ist durch Freundschaft mit O'Brien, der Härte des Krieges und seiner Enttarnung ein nachdenklicher, gestandener und moralischer Arzt geworden, der einfach sympathisch ist und jegliche Arroganz verloren hat, die ihm viele unterstellen. Diese Folge ist wie einige Bashirfolgen in der fünften Staffel eine Weiterentwicklung des ungeheuren Potenzials Bashirs, das jedoch hier durch seine Ethik zwar keine berufliche, doch eine moralische Verbesserung durch Ablehnung des Sektion 31 Postens erfährt. Einfach nur eine gelungene und tolle Charakterskizze des Arztes, die sich hier zeigt.

Die Spannung in dieser Folge ist auch vom feinsten, um es einmal salopp zu formulieren: Bereits nachdem Bashir am Anfang der Folge eingeschlafen war, wird er entführt, und wie man später von Sloan erfährt, kurz danach geweckt, was Bashirs starke Müdigkeit erklärt. Bis zum Ende hin tappt der Zuschauer mit Bashir im Dunkeln; daß mit ihm wie mit der Ratte im Käfig ein Experiment durchgeführt wurde, wirkt täuschend echt. Und das ist es gerade, was den Reiz an dieser Episode ausmacht, die ungewöhnliche Handlungsstruktur, die Bashir glänzen läßt.

Die Spezialeffekte sind von gewohnter Qualität, allerdings auch nur solide und mäßig spektakulär, trotzdem recht ordentlich, was eben eine mittelmäßiger Benotung nach sich zieht.

Alles in allem eine geniale Folge mit Bashir und der Einführung der Sektion 31, die ein "Sehr gut" verdient.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  8. April 1998
  
 Erstausstrahlung D:
  5. September 1998

 Regie:
  Michael Dorn

 Buch:
  David Weddle,
  Bradley Thompson

 Gaststars:
  William Sadler,
  Jeffrey Combs,
  Samantha Mudd,
  Benjamin Brown



  zuletzt geändert:
  2002-10-09, 21:56
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