Deutscher StarTrek-Index  
    1.7 Doppeltes Spiel  
  T h e   A n d o r i a n   i n c i d e n t    
 

von Thorsten Kroke

 
 
 

Episodenbeschreibung

(Stern-) Zeit: 22. Juni 2151
In einem ruhigen und idyllischen Tempel beten einige Vulkanier, als die Türen aufgebrochen werden: Vier bewaffnete blauhäutige Blonde mit Fühlern auf dem Kopf stehen vor den Toren. Es sind Andorianer.

Captain Archer und "Trip" Tucker unterhalten sich in Archers Bereitschaftsraum über diese Region, als sie einen vulkanischen Außenposten bemerken und beschließen, diesen zu besuchen. Sie rufen T'Pol und die klärt die beiden darüber auf, daß der Ort "P'Jem" heißt und ein heiliger sowie spiritueller Ort für die Vulkanier zur Meditation ist. Archer läßt trotzdem Kurs setzen.

Nachdem Archer und seine Crew keinen Kontakt herstellen können, erklärt T'Pol Archer und Tucker einige Verhaltensregeln, bevor sich die drei mit einem Shuttle dem Tempel nähern. Alle drei betreten den ruhigen und fast leeren Tempelraum, nur ein vulkanischer Priester ist darin, der die drei wegschicken will, da sich die Vulkanier zur Zeit im "Kolinahr" Ritual befänden und nicht gestört werden wollen. T'Pol fällt dabei auf, daß diverse Artefakte im Tempel zerstört sind, während Archer und Tucker hinter einer Bretterwand einen Andorianer sitzen sehen. Nachdem sie ihn enttarnen, stürmen die anderen drei Andorainer hinzu und zerren alle sehr aggressiv in eine Halle, wo die anderen Vulkanier festgehalten werden. Der Wortführer der Andorainer namens Shran vermutet eine Verschwörung der "Schweinegesichter" mit den Vulkaniern und glaubt Archers der Wahrheit entsprechenden Erklärungen nicht. Als Archer fragt, was denn die Andorianer hier wollen, schlägt Shran den Captain brutal zu Boden; dann erklärt er, daß er hinter dem Heiligtum mehr vermutet, als es vorgibt zu sein. Als die Andorianer die Halle verlassen haben, klärt T'Pol Archer und Trip über die Andorianer auf: Sie seien ein sehr gewaltbereites und paranoides Volk, daß auf P'Jem zu Unrecht eine Sensorphalanx vermutet.

Auf der Brücke der Enterprise entdecken Reed und Mayweather das andorianische Schiff und beratschlagen mit Hoshi, was zu tun ist. Reed will erstmal abwarten.

Währenddessen verhören die Andorianer mit Schlägen Archer, der die Wahrheit erzählt, daß er wirklich nichts von der Sensorphalanx weiß. Archers Kommunikator piepst, da Reed ihn versucht, zu kontakten. Shran spricht mit Reed, daß alle in seiner Gewalt seien und die Enterprise sich ruhig verhalten soll, bevor er alle Kommunikatoren der Crew zerstört.

In der Halle kommen Archer und Co. zu dem Schluß, daß die Enterprise kontaktet werden muß, ein Priester erklärt, daß in den heiligen Katakomben ein alter Transmitter steht. Trip will ihn holen, doch ein junger Priester begleitet ihn, damit er die Grabstätten mit Respekt behandelt und sie nicht berührt. Nach dem Finden des Transmitters macht sich Tucker in der Halle an die Reperatur. Archer bespricht mit T'Pol seine Pläne: Mit dem Transporter will er ein bewaffnetes Team heruntersenden, das die Andorianer überraschen soll. T'Pol wirft ein, daß hier im Tempel Gewalt nicht mit Gewalt bekämpft werden soll, doch Archer bemerkt, daß niemand eine bessere Idee hat. Auf die Frage, wie loyal T'Pol sein wird, dreht sich die stolze Vulkanierin beleidigt weg: Sie war Archer immer loyal und das wird auch so bleiben.

Tucker kontaktet die Enterprise wegen dem Status, danach schmieden Archer und Co. einen Plan. Der Captain erinnert sich an ein großes Reliefgesicht im Raum der Andorainer, dessen Augen und Mund Öffnungen hatten, die eventuell in den Raum dahinter gehen. Das ganze muß aber überprüft werden: Archer ruft die Andorianer, daß er Informationen für sie hätte, er gibt aber nur einige unwichtige Bemerkungen zum besten und wird von den Andorianern wieder brutal zusammengeschlagen. Dabei wirft er eine kleine Statuette unbemerkt in die Öffnung des Reliefs und wird wieder zur Halle gebracht. Im Höhlensystem der Katakomben findet Tucker die Statuette. Obwohl der Hohepriester Gewalt nicht billigt, ignoriert Archer ihn und gibt seine Befehle an Reed durch: Er und zwei Bewaffnete beamen hinter das Relief und bringen Bomben an. Durch das Beamen orten die Andorianer eine Energiefluktuation und lassen eine Wache in der Halle zurück. Archer und Tucker versuchen, die Wache zu überwältigen und werden in einen heftigen Kampf verwickelt, erst Reed kann die Wache kampfunfähig schießen, nachdem er die Bombe gezündet hat und einen Andorianer ausgeschaltet hat. In dem danach anschließenden Feuergefecht flüchtet Shran und ein weiterer in das Höhlensystem der Katakomben.

Mit dem jungen Priester geht die Crew in die Katakomben, doch vor einem Durchgang macht der Priester halt, denn dieser beherberge alte Reliquien. Archer läßt sich nicht aufhalten und setzt den Andorianern nach, was in dem Raum eine Schießerei mit den Andorianern nach sich zieht. Im Gefecht findet Archer ein Metalltor, was er öffnet. Dahinter befindet sich tatsächlich eine hochmoderne Sensorphalanx, alle Beteiligten lassen erstaunt die Waffen sinken. Alle betreten den großen Raum und die selbst erstaunte T'Pol sammelt Daten auf ihrem Tricorder. Plötzlich bedroht der junge Priester Archer, da er dies nicht sehen soll, doch Reed und Archer überwältigen ihn. Archer sieht nun ein, daß Shran Recht hatte und er befiehlt T'Pol, ihre Tricorderdaten Shran zu geben, damit dieser endlich verschwinden kann. T'Pol überreicht sie ihm und schickt den Andorainer von dem Planeten. Shran verabschiedet sich bei Archer dankend, indem er sagt, daß er in Archers Schuld steht. Die Crew und eine über ihr Volk enttäuschte T'Pol machen sich auch auf dem Heimweg.

Bewertung

"Doppeltes Spiel" ist die erste Folge in Enterprise und eigentlich in Star Trek, die sich mit den Andorianern beschäftigt. Wie zuvor in Enterprise bei den anderen Völkern und Spezies entsteht der erste Kontakt durch eine Konfliktsituation (wie es zum Beispiel auch in "Aufbruch ins Unbekannte" zu sehen war), in die Archer mit seiner Crew einfach hineingezogen wird.

Die Andorainer werden hier als sehr gewaltbereit und emotionell dargestellt, was im genauen Gegenteil zu den Vulkaniern steht. Durch ihre Paranoia handeln sie relativ einseitig, wenn auch nicht primitiv. Archer und Tucker können sich so ein Bild der Andorianer machen, sie müssen es sogar schmerzhaft erfahren. Wiedereinmal bekommt Archer Prügel, er ist bis jetzt schon der Captain, der die Härte des Weltraums in den ersten Folgen am meisten zu spüren bekam, um hier einmal einen sarkastischen Vergleich zu ziehen. Ein schönes Beispiel für die Zähigkeit eines Andorianers ist die Szene, in der es Trip und Archer zusammen nicht schaffen, den Andorianer zu überwältigen. Mich wundert nur, warum die Vulkanier oder mindestens T'Pol nicht eingreifen. Zwar wäre das auch eine gewalttätige Handlung, aber T'Pol betonte vorher ja ihre uneingeschränkte Loyalität zum Captain.

Kommen wir zur Analyse der Handlung: Kernthema ist natürlich die Befreiung der Vulkanier von ihren Besatzern, Archer löst dies mit einer Mischung aus Überlegenheit - durch den technischen Vorteil des Transporters - und Gewalt, denn er muß mehr als einmal brutale Schläge der Andorianer einstecken, was ihn vielleicht dazu bringt, die von den Vulkaniern angestrebten friedlichen Lösungen zu ignorieren. Leider behalten die Andorianer am Ende Recht und dies rückt die Vulkanier in ein anderes Licht, sie sind ab nun für Archer und seine Crew nicht immer die ehrenhaften und edlen Bewohner des Alphaquadranten, auch sie bedienen sich verdeckter Methoden, um zu Spionieren. Gerade T'Pol trifft dies schwer, denn selbst als Vulkanierin wirkt sie am Ende überrascht und enttäuscht über ihr stolzes Volk, glaubte sie doch an die Überlegenheit der Vulkanier durch Ruhe und Passivität. Die Handlung ist an sich gut durchdacht, der Aufhänger mit dem Besuch des Außenpostens und das überraschende Ende überzeugen den Zuschauer, auch Archer, Tucker und T'Pol handeln nachvollziehbar. Einzig die Initiativlosigkeit an Bord der Enterprise stört mich etwas: Trotz ihrer Unerfahrenheit unternehmen Reed, Mayweather und Hoshi nichts auf eigene Faust, sie hätten doch mindestens das Schiff der Andorianer untersuchen können. Schön ist wiederum das Ende, wo sich Shran bei Archer bedankt. Die Handlung bekommt eine "Zwei".

Die Charaktere in dieser Folge handeln schon ziemlich unterschiedlich, aber schon fast vollständig ausgearbeitet, wie bei anderen Serien erst zu einem späteren Zeitpunkt. Hervorzuheben ist das angespannte Verhältnis zwischen Archer und T'Pol, das in die nächste Runde geht. Obwohl Archer langsam seine Vorurteile ablegt, heizt er die Spannungen zu T'Pol weiter an: Erst gibt er ihr die Decke, danach fragt er nach ihrer Loyalität. T'Pol war wirklich immer loyal sowie bemüht und hat Archers Kommentar wirklich nicht verdient. Daher ist die Vulkanierin beleidigt, was von Jolene Blalock durch gutes Minenspiel toll gezeigt wird, denn einem Vulknaier sieht man natürlich nicht direkt die Enttäuschung an. Ebenso erfrischend wirkt Charles "Trip" Tucker, der durch seinen bekannten Sarkasmus und seine schnippigen Bemerkungen die Stimmung auf P'Jem auflockern will. Ansonsten sind auch andere Kleinigkeiten schön anzusehen, wie zum Beispiel die Szene, in der ein Crewman Angst vor dem Transporter hat oder eben die Darstellung von Shran, der von Jeffrey Combs erst Leben eingehaucht bekommt.

Die Spezialeffekte sind ganz ordentlich, das Phaserfeuer wirkt realistisch und die altertümliche Kulisse auf P'Jem wurde detailliert angefertigt. Einzig die Außensequenz wirkt wie eine viel zu oft gesehene Außensequenz in Star Trek, ebenso die Sensorphalanx kann nicht überzeugen. Echte Höhepunkte gibt es nicht, aber dank der atmosphärischen Kulisse bekommt die Episode eine "Drei".

Die Spannung hat eine "Zwei" verdient: Als Zuschauer möchte man wissen, wie sich Archer aus dieser Situation bringt, und man fragt sich ständig, wie sich die Andorianer verhalten. Gerade Shrans Schritte möchte man verfolgen und er ist als "Bösewicht" direkt unsympathisch, was brilliant von Jeffrey Combs in Szene gesetzt wird. Manchmal erinnert einen das wieder an Weyoun aus DS9, doch Combs schafft es, Shran anders darzustellen. Das Eingreifen von Reeds Trupp und die Schießereien haben fördern die Spannung ungemein, das Ende kommt unverhofft und überraschend, denn die Andorianer waren tatsächlich im Recht. Archers Reaktion wirkt auch nachvollziehbar. Kritisierbar sind nur zwei Punkte: Zum einen ist klar, was hinter dem Metalltor ist, das Archer am Ende sieht und zum anderen kann man sich den Ausgang von Reeds Eingreifen auch denken.

Alles in allem ist "Doppeltes Spiel" eine spannende und gute Episode der ersten Staffel der Serie, aber leider muß ich noch die Übersetzung des Titels bemängeln: Im Original heißt die Folge "The Andorian incident", was ein guter Titel für die Folge ist, da es ja direkt mit den Andorianern anfängt und sich alles um sie dreht. Mit "Doppeltes Spiel" wird direkt verraten, daß ein zweites "Spiel gespielt" wird, was bedeutet, daß es noch etwas gibt, was nicht offensichtlich scheint. Damit wird klar auf die vorhandene Sensorphalanx der Vulkanier angespielt, was der Episode leider die gesamte Überraschung am Ende nimmt. Daher ist der Titel "Doppeltes Spiel" einfach unpassend gewählt, warum übersetzte man "The Andorian incident" denn nicht? Anscheinend werden die Titelübersetzungen trotz der "Fan-Redaktion" in der Synchronisation und Eindeutschung weiterhin sinnlos vorgenommen. Anzurechnen ist der Synchronisation, daß Jeffrey Combs seine als Weyoun bekannte Stimme bekommen hat.

Markant: Roxann Dawson, die in VOY B'Elanna Torres verkörperte, führt hier Regie.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

  • Die Ereignisse auf P'Jem werden in "Im Schatten von P'Jem" weitergeführt, auch Shran ist dann wieder mit dabei.
  • Mehr über T'Pol und auch ihr Verhältnis zu Tucker erfährt man in "Das Eis bricht".


 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  31. Oktober 2001
  
 Erstausstrahlung D:
  2. Mai 2003
  
 Regie:
  Roxann Dawson
  
 Buch:
  Rick Berman,
  Brannon Braga,
  Fred Dekker
 
 Gaststars:
  Jeffrey Combs,
  Bruce French,
  Steven Dennis,
  Jamie McShane,
  Jeff Ricketts,
  Richard Tanner



  zuletzt geändert:
  2004-06-08, 01:24
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