DSi

TNG 5.10 Die Soliton-Welle


N e w   G r o u n d

von Yann-Patrick Schlame

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 45376,3
Auf Bilana III wird ein großes Experiment vorbereitet: mit Hilfe einer Solitonwelle soll ein Raumschiff ohne Antrieb auf Warp beschleunigt werden. Die Enterprise soll das Experiment überwachen und die Telemetriedaten an den zuständigen Wissenschaftler, Dr. Ja'Dar, übermitteln.
Bei dieser Gelegenheit bekommt Worf Besuch von seiner Pflegemutter, Helena Rozhenko, die seinen Sohn Alexander bei sich hat. Sie ist der Meinung, von nun an sollte sich Worf um die Erziehung kümmern, da sie und ihr Mann Sergej langsam zu alt dafür werden. Widerwillig stimmt Worf erst einmal zu und meldet Alexander in der Schule des Schiffes an. Doch schon am Nachmittag gibt es ein Problem: bei einer Führung mit den anderen Schülern und ihren Eltern steckt sich Alexander ein Spielzeug in die Tasche, leugnet das aber, als die Lehrerin ihn darauf anspricht. Worf ist bestürzt und führt mit Alexander eine ausführliche Unterhaltung, in der er ihm erklärt, wie wichtig für einen Klingonen die Ehre ist und daß zu lügen einen schweren Verstoß gegen die Ehre darstellt. Alexander gibt sich verständig, und Worf ist beruhigt, bis er Deanna davon berichtet und sie ihm zu bedenken gibt, daß es nicht immer so einfach ist.
Währenddessen zündet man die Solitonwelle, und alles sieht gut aus: das unbemannte Testschiff wird mit der Welle, die auf Bilana initiiert wurde, auf Warp 2.35 beschleunigt. Doch bald gibt es Probleme, das Testschiff wird einer starken Belastung ausgesetzt und explodiert. Durch die Druckwelle wird die Enterprise beschädigt, Sensoren und Warpantrieb sind zunächst ausgefallen.
Worf wird erneut zur Lehrerin gerufen, die Alexander dabei beobachtet hat, daß er anderen Schülern Sachen gestohlen hat, ohne es anschließend zuzugeben. Außerdem fängt er Prügeleien an, behauptet aber, andere wären schuld. Worf findet Alexander auf dem Holodeck, wo er in einem von Worfs Trainingsprogrammen gegen ein Monster kämpft und sogar gewinnt. Trotzdem ist Worf sauer und verbannt Alexander zunächst in sein Quartier. Er denkt, daß er als Vater versagt hat und will Alexander auf eine klingonische Schule schicken. Deanna ist sich nicht sicher, ob das richtig ist, da Alexander einen Vater braucht, und Worf war bisher noch nie für ihn da.
Als die Sensoren wieder funktionieren zeigt sich, daß die Solitonwelle inzwischen an Energie gewonnen hat und auf Lemma II zurast, von wo aus eigentlich ein Gegenimpuls gestartet werden sollte, um die Welle dann zu zerstreuen, doch ist die Welle so stark, daß sie den ganzen Planeten mit sich reißen wird, wenn man nichts unternimmt. Geordi sieht zwei Möglichkeiten: nah heranfliegen und mit gezielten Impulsen die Welle zerstreuen, was aber nur geringe Erfolgsaussichten bietet, oder vor der Welle einige Torpedos zünden. Allerdings müßte man dafür die Welle durchfliegen, da keine Zeit mehr ist, sie zu umfliegen. Picard entscheidet sich für diesen gefährlicheren Plan und läßt Kurs auf die Welle setzen, da der Warpantrieb wieder funktioniert.
Währenddessen geht Alexander ins Biolabor 4, wo er bei der Führung einige interessante Tiere entdeckt hatte.
Das durchfliegen der Welle klappt, aber die Achterschilde sind zum Teil ausgefallen, einige Sektionen müssen vor dem Abschuß der Torpedos evakuiert werden. Schlimmer noch: im Biolabor 4 ist Feuer ausgebrochen, das automatische Löschsystem versagt, aber Alexander ist noch dort. Außerdem liegt der Raum in dem zu evakuierenden Bereich. Riker und Worf machen sich sofort auf den Weg, und Picard gibt ihnen drei Minuten, da auch der Antrieb etwas abbekommen hat und das Schiff nicht mehr lange vor der Welle herfliegen kann. Im letzten Moment können Riker und Worf den Jungen retten, als Picard den Feuerbefehl gibt und die Welle zerstreut wird.
Alexander ist noch einmal glimpflich davongekommen. Worf hat seine Entscheidung noch einmal überdacht und fragt Alexander, ob er bei seinem Vater bleiben will. Alexander meint, daß er das gerne würde, und die beiden scheinen glücklich.


Bewertung
Der eigentlich interessante Teil dieser Episode ist die Handlung um Worf und Alexander, der von hier an von Brian Bonsall gespielt wird, während er bei seinem ersten Auftritt in "Tödliche Nachfolge" von Jon Steuer verkörpert wurde. Für Worf brechen harte Zeiten an, da er als stolzer Krieger und Sicherheitsoffizier nicht die nötige Zeit hat, sich um die Erziehung seines Sohnes zu kümmern. Zudem hat er es nicht leicht, da sich bisher andere um die Erziehung gekümmert haben und diese nicht in Worfs Sinne durchführten. So ist sich Alexander nicht bewußt, wie wichtig seinem Vater die Ehre ist und klaut fleißig weiter, ohne seine Schuld einzugestehen. Deanna beleuchtet die Situation von einem gänzlich anderen Standpunkt: als K'Ehleyr (Alexanders Mutter) getötet wurde und Worf den Jungen daraufhin zu seinen Pflegeeltern schickte, verlor Alexander gewissermaßen Vater und Mutter gleichzeitig. Da er seine Gefühle nicht wie ein Erwachsener analysieren kann, ist sein aggressives Verhalten wohl eine Kompensation für seinen Verlust. Worf scheint diese Lektion zu begreifen, denn schließlich sieht er ja ein, daß er durch seine Abwesenheit selbst die Schuld an Alexanders schlechter Erziehung trägt. So wird er von nun an versuchen, seinem Sohn klingonische Ideale beizubringen, was aber komplizierter wird, als das Ende dieser Episode glauben läßt.
Die Nebenhandlung ist hingegen langweilig, unlogisch und deplaziert. Zum einen spielt sie sich ganz nebenbei ab, wodurch ihre eigentliche Bedeutung nicht unterstrichen wird. Geordi vergleicht die Möglichkeit, mittels Solitonwelle Warpgeschwindigkeit zu erreichen, mit dem ersten Überschallflug von Chuck Yeager oder dem ersten Warpflug von Zephram Cochrane. Was sich dann aber abspielt, ist trivial: das Experiment wird gestartet - es schlägt fehl - Picard entscheidet sich für den riskanten Weg zur Rettung - alles wird gut. Das ist Schema F, war so schon vielfach zu sehen und wirkt überflüssig. Außerdem stellen sich mehrere Fragen:
- die Enterprise muß die Torpedos vor der Welle zünden. Wieso aber muß man hindurchfliegen? Die Welle mag in zwei Dimensionen eine große Ausbreitung gehabt haben, nach oben/unten war sie aber nicht sehr groß. Da die Enterprise bei knapp über Warp 7 auf Picards Befehl hin eine Überschußgeschwindigkeit von Warp 0.2 hatte und die Welle in wenigen Sekunden durchflog, hätte sie bei Warp 9 in derselben Zeit mehrere Kreise um die Welle drehen können. Die Erklärung für die Notwendigkeit, mittendurch zu fliegen, klingt nicht überzeugend.
- Worf und Riker müssen Alexander schnell retten, da die Sektion, in der er festsitzt, bei der Torpedodetonation von gefährlichen Partikeln geflutet wird. Als die Torpedos gezündet werden, sind Riker und Worf mit Alexander direkt vor der Tür von Biolabor 4, also zwangsläufig im gefährdeten Bereich, aber von einer Kontamination ist keine Rede mehr.

Insgesamt ist "Die Soliton-Welle" ein wenig enttäuschend, lediglich Worfs neu erwachende Vaterfreuden, die später wieder aufgegriffen werden, retten die Situation zum Teil.

Spannung: 4 SFX: 5 Handlung: 3 Gesamt: 4
Zusammenhänge

  • Geordi erwähnt Chuck Yeager und Zephram Cochrane. Yeager hat tatsächlich den ersten Flug mit Überschallgeschwindigkeit durchgeführt. Cochrane war erstmals in TOS 2.9 Metamorphose zu sehen, und in Star Trek: Der erste Kontakt wird Geordi ihn auch persönlich treffen.
  • Von Alexanders Existenz weiß Worf seit "Tödliche Nachfolge", wo Alexanders Mutter K'Ehleyr vom bösen Duras getötet wurde.
--------------------------------
Ausdruck vom: 30. 08. 2014
Stand des Reviews: 15. 11. 2013
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tng5_10.htm