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Episodenbeschreibung
Sternzeit: 41463,9
Die Enterprise soll auf Velara III den
Fortschritt der Terraformingstation überprüfen und
sich vom Wohlergehen der vier Wissenschaftler
überzeugen, die hier in völliger Abgeschiedenheit
arbeiten und leben. Erst nach mehreren Rufen
antwortet der Leiter der Station, Direktor Mandel,
der keinen Besuch erwartet hatte. Er versichert zwar,
es sei alles in bester Ordnung, doch Troi spürt,
daß er etwas zurückhält. Picard beschließt, ein
Außenteam herunterzuschicken, um sicher zu stellen,
daß es keine Probleme gibt.
Auf der Station, die mitten in der Einöde des kargen
Planeten errichtet wurde, wird Rikers Außenteam von
Louisa Kim, der Botanikspezialistin, begrüßt, die
auch gleich den Rest ihres Teams vorstellt: zum einen
den Hydraulikspezialisten Arthur Melancon, zum
anderen den Chefingenieur Bjørn Benson. Im Gegensatz
zu Mandel ist sie sehr offen und berichtet begeistert
von ihrer Arbeit und ihren Fortschritten. Sie
erklärt, daß dieser Planet ideal ist für ihr
Vorhaben: vor allem beherbergt er kein Leben und wird
nach Kenntnis der Föderation auch niemals in der
Lage sein, welches hervorzubringen. Damit ist der
Arbeit der Terraformer Tür und Tor geöffnet, die
hier im Laufe von knapp 30 Jahren eine üppige
Biosphäre erschaffen wollen. Data bewundert die
Arbeitsmethoden, während Troi und Riker eher davon
fasziniert sind, daß die Wissenschaftler die
Entbehrungen der Einsamkeit auf sich nehmen, um hier
eine neue Welt zu erschaffen.
Bald darauf kommt Mandel herein und entschuldigt sich
für sein etwas unfreundliches Verhalten während des
vorigen Gesprächs mit der Enterprise. Er erklärt,
daß man gerade in einer kritischen Phase sei und
deswegen keine Ablenkung gebrauchen könne. Nebenbei
schickt er Melancon in die Hydraulikkammer, um dort
weiter zu arbeiten.
Nach kurzer Zeit meldet Troi, daß Melancon in Gefahr
schwebt: sie spürt, daß er große Angst hat.
Sogleich hört man ihn aus der Kammer heraus um Hilfe
schreien, zugleich ertönen Geräusche von Schüssen.
Die Tür der Kammer läßt sich jedoch erst öffnen,
als es bereits zu spät ist: Melancon wurde von einem
Laserbohrer getroffen und ist schwer verletzt. Riker,
Troi, Kim und Mandel begeben sich zusammen mit dem
Verwundeten auf die Enterprise, während Geordi und
Data herauszufinden versuchen, was vorgefallen ist.
Data begibt sich in die Kammer und reproduziert
Melancons Arbeit. Plötzlich wird auch er von dem
Bohrer angegriffen, doch es gelingt ihm, den Bohrer
zu zerstören - was Benson nicht gerade glücklich
stimmt, da in dem Bohrer die Arbeit eines ganzen
Jahres steckte. Dennoch ist er natürlich froh, daß
Data nichts passiert ist.
Data ist sich sicher, daß der Angriff des Bohrers
von einem Verstand gelenkt wurde, da er sich Datas
Ausweichmanövern angepaßt und sie vorausgesehen
hat. Interessanterweise wurde der Bohrer aber nicht
vom Hauptcomputer aus gesteuert.
Picard
konfrontiert in seinem Bereitschaftsraum Mandel
damit. Jener gibt vor, von nichts zu wissen und das
für sehr mysteriös zu halten. Allerdings habe er
einen Zeitplan einzuhalten und müsse unverzüglich
mit der Arbeit fortfahren, worauf Picard erwidert,
daß der Zeitplan bis zur Klärung des Zwischenfalls
ausgesetzt ist. Zusammen mit Riker und Tasha
überlegt er, wer für den Angriff verantwortlich
sein könnte; es kommen nur die Terraformer in Frage,
da sich niemand anders auf dem Planeten aufhielt.
Doch was ist das Motiv? Er beauftragt Tasha, Dossiers
zusammen zu stellen und zu überprüfen, welcher der
Wissenschaftler überhaupt zu der Manipulation des
Bohrers in der Lage gewesen wäre.
In
einem der Löcher, das von der Station aus in die
Erdkruste des Planeten gebrannt wurde, entdeckt
Geordi indes ein pulsierendes Licht, das von
anorganischer Materie stammt. Data stellt die
Hypothese auf, daß es sich um eine Lebensform
handeln könnte, obwohl bisher keine anorganischen
Lebensformen bekannt sind. Man beamt das
mikroskopische Objekt auf die Enterprise. Auch
Crusher und der Schiffscomputer sind überfragt,
kommen aber zu der Schlußfolgerung, daß es sich
anhand der gegebenen Informationen offenbar
tatsächlich um Leben handelt, zumal es auf die Nähe
von Menschen mit Summen reagiert - offenbar eine
instinktive Handlung eines mehr oder minder
intelligenten Wesens.
Mit
diesen Informationen konfrontiert, erklärt Mandel,
er hätte von dieser möglichen Lebensform nichts
gewußt - immerhin ist es seine Aufgabe, Leben zu
schaffen, und nicht, es zu zerstören. Deanna glaubt
ihm, daß er keine bösen Absichten hegt, meint aber
gegenüber Picard, daß Mandel etwas über die
Lebensform weiß. Interessanterweise sind der
mittlerweile verstorbene Melancon und Mandel die
einzigen, die die nötigen Kenntnisse zum
Manipulieren des Bohrers haben; falls Mandel also von
der Lebensform wußte, hätte er ein Motiv gehabt,
Melancon zu töten, sollte jener ebenfalls davon
gewußt haben, da die Föderationsdirektiven klar
besagen, daß ein Planet, auf dem bereits Leben in
welcher Form auch immer existiert, keinem
Terraforming unterzogen werden darf. Damit wäre das
Projekt gescheitert gewesen. Doch ist Mandel wirklich
der Mörder? Sein Motiv ist jedenfalls noch lange
kein Beweis.
Dann
wird der Captain ins Labor gerufen: die Lebensform,
wenn sie denn eine ist, verändert ihren Zustand,
scheint inaktiv zu werden, nur um anschließend um so
lauter zu summen - und sich dann zu teilen, so daß
plötzlich zwei Zellen existieren. Der Prozeß der
autonomen Fortpflanzung kann nur von Lebewesen
vollzogen werden - damit ist diese Frage also
beantwortet. Allerdings hat das Eindämmungsfeld,
unter dem das Wesen vorsichtshalber gehalten wird,
dem Energiestoß nicht standgehalten, und Crusher
scheucht sofort alle hinaus aus dem Labor. Man
errichtet ein Kraftfeld um das gesamte Labor herum,
um sicher zu stellen, daß keine Gefahr von der
Lebensform ausgeht.
In
einer Besprechung mit den Wissenschaftlern zeigt
sich, daß Mandel in der Tat von den Lebensformen
wußte, aber nach eigenem Bekunden hielt er sie nicht
für lebendig - immerhin hatten
Sternenflottenwissenschaftler mehrfach bescheinigt,
auf Velara III gäbe es absolut kein Leben. Auch
Benson, der sich über die merkwürdigen Muster
gewundert hatte, die seit Errichtung der Station ab
und zu im Sand zu sehen waren und mitunter ihre Form
veränderten, hatte nicht geglaubt, daß es sich
dabei um Lebewesen handeln könne.
Als die
unbekannte Lebensform sich mehrfach geteilt hat,
sinkt die Integrität des Quarantänefeldes immer
weiter, die umliegenden Sektionen werden
vorsichtshalber evakuiert. Dann gelingt es dem
Universaltranslator, die Lichtmuster in Sprache zu
übersetzen, und so kann man erstmals mit der
Lebensform kommunizieren. Sie erklärt, daß die
häßlichen Beutel, die hauptsächlich mit Wasser
gefüllt sind (wie Data erklärt, ist das eine genaue
Beschreibung der Menschen, die zu über 90% aus
Wasser bestehen), nicht hören wollten; Mandel hätte
gewußt, daß die Lebensform existiert, und dennoch
wären die Arbeiten fortgesetzt worden. Nun wird es
Krieg geben.
Es gelingt der Lebensform, Zugriff auf den
Schiffscomputer zu nehmen und das Schiff mehrfach
kräftig durchzuschütteln, was Picard gar nicht
gefällt. Doch der Versuch, die Lebensform auf den
Planeten zurückzubeamen, mißlingt, die
Transporterenergie wird von der Lebensform abgelenkt.
Auch der Versuch, die Luft abzupumpen und damit ein
Vakuum im Labor zu erzeugen, mißlingt.
Data ist inzwischen klar geworden, daß die
Salzwasserschicht, die unter der Kruste des Planeten
liegt, die Verbindung für die einzelnen Zellen der
Lebensformen darstellt - ohne diese Verbindung sind
die Zellen nicht in der Lage, intelligent zu handeln,
da sie nur zusammen Intelligenz besitzen. Melancon
hatte vorgehabt, das Salzwasser abzupumpen, daher
hatten die Lebensformen den Bohrer manipuliert und
Melancon zum Zwecke des Selbstschutzes getötet.
Außerdem wird Data klar, daß die Lebensform an der
Bord der Enterprise die Energie zur Zellteilung nicht
etwa aus den Schiffssystemen abzapft, sondern daß
sie - wie Pflanzen - Photosynthese betreibt. Als
Riker das Licht im Labor abschaltet, wird die
Lebensform sofort inaktiv und meldet kläglich, daß
man das Licht wieder anschalten solle. Picard
veranlaßt dies und erklärt, daß man der Lebensform
freundlich gesonnen sei und daß man sie nur aus
Unwissenheit bedroht hatte, nicht jedoch mit Absicht.
Die Lebensform stimmt zu, den Krieg zu beenden,
läßt Picard aber wissen, daß sie den häßlichen
Beuteln nicht vertraut, da sie viel zu arrogant und
primitiv seien. Daher sollen sie in 300 Jahren noch
einmal wiederkommen, vielleicht würde man sich dann
ja besser verstehen. Anschließend läßt sie sich
ohne Widerstand auf den Planeten zurückbeamen.
Picard
verhängt über Velara III eine unbegrenzte
Quarantäne und verläßt den Orbit mit den
Terraformern an Bord.
Bewertung
Nach "Die Sorge der Aldeaner" beschäftigt sich auch "Ein
Planet wehrt sich" mit den möglichen
Konsequenzen eines übersteigerten Glaubens an
Technik und Wissenschaft: die Sensoren und führende
Wissenschaftler sagen, es gäbe auf Velara III kein
Leben, also verschwenden die Wissenschaftler vor Ort
auch keinen Gedanken daran, daß die merkwürdigen
Lichter, die sich seit ihrer Ankunft im Sand
beobachten ließen und mitunter komplexe Muster
bildeten, eine Form von intelligentem Leben
darstellen könnten, sondern gaben sich mit der
Erklärung zufrieden, es würde sich wohl um ein
natürliches Phänomen handeln, das auf diesem
Planeten auftritt.
So fuhren sie mit ihrer Arbeit so lange fort, bis es
zur unvermeidlichen Konfrontation kam: die
Lebensformen sahen sich bedroht, denn die
Salzwasserschicht, die die Wissenschaftler abpumpen
wollten, stellt ihre Existenzvoraussetzung dar.
Von
diesem Standpunkt betrachtet ist die Episode einmal
mehr sehr ansprechend, da ein interessanter Konflikt
aufgeworfen wird. Etwas ungewohnt erscheint die Lebensform, die
sich hier zu Wort meldet. Unser Leser T.S. schreibt dazu:
Unter "organischer Chemie" versteht man die Chemie der
Kohlenstoffverbindungen. Kohlenstoff (C) ist aufgrund seiner 4
Valenzelektronen in der Lage, an 4 Seiten andere Atome zu binden
und dadurch komplexe Riesenstrukturen aufzubauen. Alle
Lebensformen der Erde aus dem Tier- und Pflanzenreich basieren auf
Kohlenstoffverbindungen. Das dem Kohlenstoff ähnlichste Atom wäre
Silizium. Es ist durchaus denkbar, dass sich auf Siliziumbasis
Lebewesen entwickeln, die bei entsprechender Komplexität sogar
intelligent sein könnten. Solche Lebewesen wären dann in den
chemischen Einteilung als "anorganisch", also nicht auf
C-basierend, zu bezeichnen.
Freilich ist die deutsche Übersetzung wieder einmal komplett
falsch, weil Silicon mit "Silikon" statt mit "Silizium" übersetzt
wurde, was völliger Unsinn ist.
Dem ist also wenig hinzuzufügen: die anorganische Lebensform ist
ein faszinierendes neues Lebewesen, von dem wir aber insgesamt
nicht sehr viel erfahren.
Die Entwicklung der Handlung gestaltet sich nichts
desto trotz gut: vermutet man anfangs ein
Mordkomplott unter den Wissenschaftlern, zeigt sich
im Laufe der Zeit, daß die Erklärung anderswo
gesucht werden muß. Dennoch bleiben bis zur
Aufklärung die Zweifel gegenüber Dr. Mandel
bestehen, da er sich weigert, mit der Wahrheit
herauszurücken: er gibt sich zwar unfreundlich und
kurz angebunden, scheint aber nicht der Typ zu sein,
der aufgrund von Besessenheit einen Kollegen
umzubringen im Stande wäre. Was also ist sein
Geheimnis? Zum Schluß erfährt man es dann: er
wußte von den merkwürdigen Wesen, hat dieses Wissen
aber geheimgehalten, um seine Arbeit fortsetzen zu
können. Dabei hat er sich an den Strohhalm
geklammert, daß es sich schon nicht um Leben handeln
würde, da das ja ausgeschlossen ist und auch von der
Sternenflotte bestätigt wurde. Abschließend hat
sein anfangs eindimensionaler Charakter deutlich an
Tiefe gewonnen, da seine Motive grundsätzlich
ehrenvoll sind (Leben erschaffen), seine
Vorgehensweise dies aber nicht ist (Ignorieren aller
Anzeichen auf bestehendes Leben).
Weniger
Ansprechend als die Entwicklung von Handlung und
Charakteren ist leider die Inszenierung.
Mittelmäßige Kameraeinstellungen und größtenteils
fade bzw. übertriebene Musik tragen nicht gerade zum
Fernsehvergnügen bei, was die Gesamtnote ein wenig
herunterdrückt.
Die
Spannung ist nicht unbedingt hoch, obwohl die
Enterprise kurzzeitig in höchster Gefahr schwebt.
Allerdings spricht die Entwicklung der Handlung für
die Spannung, da man bis zum Schluß auf eine
Erklärung wartet und diese mehr oder weniger
überraschend ist.
Die
Effekte sind nicht gerade spektakulär, jedoch
ordentlich. Insbesondere die Terraforming-Station
wurde sowohl von außen als auch von innen mit einer
Reihe von Details ausgestattet. Leider bekommt man
lediglich zwei Räume innerhalb der Station zu sehen,
die von außen riesig wirkt.
Vollkommen zurecht ergänzt unser Leser T.S. noch einen Aspekt:
Das bei weitem Unwahrscheinlichste an dieser Folge ist m.E. dass
das Übersetzungsmodul wieder einmal Signale einer völlig
unbekannten Spezies ohne Vorinformationen über Wortschatz und
Syntax in fließende englische Sätze verwandeln kann.
Eine weitere Anmerkung kommt von unserem Leser N. H.:
Ich möchte anmerken, dass es seltsam anmutet, wenn "noch nie
anorganisches Leben nachgewiesen wurde", diesem aber schon in
Das Duplikat in Form des "Kristallwesens"
in sehr bedrohlicher Form begegnet wurde.
Insgesamt
ist "Ein Planet wehrt sich" eine weitere
Episode, die man nicht unbedingt mehrfach anschauen
muß, die aber durchaus die grauen Zellen anzuregen
vermag. Wünschenswert wäre eine solidere
Inszenierung gewesen.
Den
Preis für die intelligenteste Aussage der gesamten
Season gewinnt Captain Picard in dieser Episode mit
folgendem Wortwechsel:
Geordi:
"LaForge an Enterprise: es gibt neue
Schwierigkeiten!"
Picard: "Bitte präzisieren!"
Geordi: "Data ist allein im Hydraulikraum, und
der Laser spielt anscheinend verrückt..."
Picard: "Sie müssen ihn befreien!"
Worf
hingegen sammelt Punkte, als der Computer sich mal
wieder in eine Diskussion zwischem ihm, Data und
Geordi einmischt:
Worf:
"Die Frage bleibt... ist es wirkliches
Leben?"
Computer: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit."
Worf: "Dich habe ich nicht
gefragt."
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