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  2.3 Sherlock Data Holmes  
  E l e m e n t a r y ,   D e a r   D a t a  
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 42286,3
Die Enterprise ist drei Tage zu früh am Treffpunkt mit der USS Victory eingetroffen. Da es zur Zeit wenig zu tun gibt, schlägt Geordi, der gerade ein Modell des Segelschiffes Victory für Commander Zembada, unter dem er als Fähnrich diente, fertig gestellt hat, Data vor, aufs Holodeck zu gehen und endlich einmal einen Sherlock Holmes-Kriminalfall durchzuspielen. Er hat sogar eine echte Pfeife für Data organisiert. Data ist begeistert, und nachdem sich die beiden zeitgenössisch gekleidet haben, betreten sie das Holodeck und lassen einen beliebigen Holmes-Roman von Sir Arthur Conan Doyle laufen, wobei Data den Meisterdetektiv Holmes spielt, und Geordi seinen Gefährten Dr. John Watson.

Nachdem sich die beiden ein wenig in Holmes' Zimmer umgesehen haben, wo Data all die Erinnerungsstücke identifiziert, die Holmes im Laufe der Zeit gesammelt hat, meint Data, es würde gleich an der Tür klopfen. Zu Geordis großer Verwunderung ist das tatsächlich der Fall: Inspektor Lestrade kommt mit einem ausländischen Gentleman herein, der ein Abgesandter des Königs von Bömen ist und soeben bestohlen wurde. Data erläutert dem verblüfften Inspektor, daß der Gentleman in Wahrheit das gestohlene Photo selbst versteckt hat und es als Druckmittel zur Erpressung des Königs verwenden will, für den er vorgeblich arbeitet.
Geordi hat genug gesehen: angesäuert verläßt er das Holodeck, gefolgt vom verdutzten Data. Im Zehn Vorne erklärt er Data, daß es langweilig ist, einen Fall nachzuspielen, dessen Ausgang man bereits kennt. Der Nervenkitzel bei der Sache wäre, daß man auch verlieren kann. Da mischt sich die am Nebentisch sitzende Dr. Pulaski ein: sie ist der Meinung, Data wäre gar nicht in der Lage, einen Fall zu lösen, dessen Ausgang er nicht kennt. Geordi ist sich da nicht sicher, und Data nimmt die Herausforderung an: zusammen mit Geordi und dem Doktor will er einen völlig neuen Fall spielen, dessen Ende er noch nicht kennt.

Nachdem sich auch Dr. Pulaski in Schale geworfen hat, betreten die drei das Holodeck, und Geordi fordert den Computer auf, auf Basis von Conan Doyles Romanen einen neuen Fall zu erschaffen.
Doch schnell zeigt sich, daß der Computer lediglich zwei Romane kombiniert hat, so daß Data die Lösung ähnlich schnell wie beim ersten Versuch findet. Pulaski sieht sich bestätigt, doch Geordi wendet sich noch einmal ans Terminal:
"Computer: so wie die Sherlock Holmes-Fälle ablaufen, generiere jetzt einen Kriminalfall für Data, und zwar mit einem Gegner, der die Fähigkeiten hat, Data zu schlagen!"

Auf der Brücke registriert Worf eine plötzliche Energiespitze...

Geordi, Data und Dr. Pulaski schreiten wieder in die Straßen Londons ein, während einer der Männer, die in der Nähe der Dreiergruppe gestanden hatten, zu sich selbst sagt, daß er sich wie ein neuer Mensch fühlt. Ihm fällt auf, daß einer der Fremden eben das Wort "Alterieren" gebrauchte, und als er es selbst verwendet, verwandelt sich ein Teil einer Wand in das Holodeck-Terminal. Der Computer gibt freudig über seinen Verwendungszweck Auskunft, und der Mann mit Namen Moriarty hat vorerst genug gesehen...
Bald darauf wird Dr. Pulaski entführt. Data kombiniert, daß es zwei Männer sein müssen, die sie geknebelt und dann gegen ihren Willen fortgeschleppt haben. Hiermit hat, wie er meint, das entscheidende Spiel begonnen. Data und Geordi glauben schon, die Flüchtigen in einer Gasse in die Enge getrieben zu haben, doch dann stehen sie plötzlich vor einer Wand. Zurück auf der Straße werden sie von Inspektor Lestrade angesprochen: es ist ein Mord geschehen. Data meint, jener hätte nichts mit seinem Fall zu tun, doch Geordi beugt sich über die Leiche und zieht einige Schlußfolgerungen - die Data sogleich als falsch deklariert. Er erklärt, was sich tatsächlich abgespielt hat, und daß eine der in der Menge stehenden Frauen die Mörderin des Mannes ist. Lestrade ist höchst beeindruckt und nimmt die Frau fest, während Data und Geordi die Suche nach Pulaski wieder aufnehmen - denn Data hat soeben Professor Moriarty gesehen, den Meisterverbrecher, der Holmes' größter Gegner war. Er folgt einigen sehr offensichtlichen Spuren, und bald kommen er und Geordi in einem Lagerhaus an, in dem der Professor sie bereits erwartet. Zu ihrem Erstaunen erklärt er, daß Holmes nicht Holmes und Watson nicht Watson sei - als Holodeckfigur sollte er aber genau das zu wissen glauben. Des weiteren führt er aus, daß es hier eine große Macht gibt, die man Computer nennt, und dieser Computer befände sich innerhalb eines großen Gebildes. Dann reicht er Data eine Zeichnung. Data betrachtet sie, und stürmt sofort aus dem Holodeck, gefolgt vom verdutzten Geordi. Datas Versuch, das Programm zu beenden, kann vom Computer nicht ausgeführt werden, denn das globale Steuerungsprogramm wurde überbrückt. Data schreitet in Richtung des nächsten Turbolifts, als Geordi wissen will, was hier eigentlich los ist. Data zeigt Geordi das Bild, das ihm der Professor gab: darauf ist die Enterprise abgebildet...

In einer eilends einberufenen Crewbesprechung will Picard zunächst einmal wissen, wie es dazu kommen konnte. Geordi erläutert Schritt für Schritt, was er getan hat, und dann kommt er darauf: er hatte vom Computer verlangt, einen Gegner zu erschaffen, der nicht etwa Holmes, sondern Data ebenbürtig wäre. Um dies zu ermöglichen, mußte der Gegenspieler zwangsläufig ein Bewußtsein entwickeln. Picard erkennt das Dilemma und stößt ein "Merde!" aus...
Dann werden die Alternativen diskutiert: abschalten läßt sich das Holodeck nicht ohne weiteres; man könnte es mit hoch energetischen Partikeln fluten, doch wäre dies auch für Dr. Pulaski sehr gefährlich. Also beschließt Picard, sich selbst aufs Holodeck zu begeben.

Begleitet von Data geht er ins Lagerhaus, wo ihn der Professor bereits erwartet hat. Nachdem Picard sich überzeugen konnte, daß der Doktor wohl auf ist - Moriarty meint, er sei ein zivilisierter Entführer -, läßt ihn Moriarty wissen, wie mächtig er ist: er bewegt einen Hebel, und die gesamte Enterprise wird kurz, aber heftig durchgeschüttelt. Picard will wissen, worauf es der Professor abgesehen hat. Moriarty erwidert, daß er nur das will, was alle wollen: existieren. Picard meint, die Transportertechnologie würde auf dem gleichen Prinzip basieren, wie die Holodecktechnologie. Möglicherweise könnte man eines Tages einen Weg finden, Moriarty durch die Kombination dieser Techniken zu einer realen Existenz außerhalb des Holodecks zu verhelfen. Doch besteht monentan noch keine Möglichkeit, diese Umwandlung von Energie in Materie vorzunehmen. Schließlich gibt Moriarty auf: er transferiert sämtliche Kontrollen zurück auf die Brücke und legt sein Schicksal in Picards Hände. Picard speichert Moriarty und beendet anschließend das Programm.

Später besucht er Geordi im Maschinenraum, wo der Chefingenieur gerade die Schäden am Modell der Victory sichtet: eine Rah war gebrochen, als das Modell bei einem von Moriartys Schüttelmanövern herunter gefallen war, doch insgesamt ist sie in Ordnung. Picard bedient sich eines Ausspruchs aus der Sprache der Segler, um Geordi aufzumuntern: man hat nun wieder "Klar Schiff".

Bewertung

"Sherlock Data Holmes" ist eine schöne Episode über die Frage nach Intelligenz, Leben und Existenz. Vor allem im Finale zwischen Picard und Moriarty geht es geradezu philosophisch zu. Doch beginnen wir am Anfang:

Endlich einmal beobachtet man zumindest einen Teil der Crew bei der Gestaltung der Freizeit. Geordis Modell der Victory ist ein herrlicher Anachronismus. Als Data meint, es wäre aber doch lediglich ein Produkt des Replikators, erwidert Geordi, daß so etwas nur dann Spaß macht, wenn man es selbst baut, was Data nicht recht nachvollziehen kann. Sogleich begeben sich die beiden aufs Holodeck, und Datas Naivität wird noch deutlicher: hoch erfreut löst er den Fall, noch bevor man ihm sagte, was der Fall eigentlich ist. Verständlich, daß Geordi das langweilig findet. Die Einmischung Pulaskis ist eine gute Idee, zweifelt sie doch schließlich schon seit Beginn der Staffel an Datas Intelligenz bzw. Kreativität. Um den Gegenbeweis anzutreten, ist das Holodeck genau der richtige Ort. Doch das Programm kombiniert zunächst nur zwei Data bereits bekannte Fälle, so daß die Anweisung, einen gänzlich neuen Fall zu erschaffen, eine gute Idee ist.
Doch ab diesem Punkt beginnt die Episode, unlogisch zu werden: als Geordi dem Computer die Anweisung gibt, einen Gegner zu erschaffen, der Data ebenbürtig ist, ist es doch sehr merkwürdig, wie wörtlich der Computer das nimmt. Und vor allem: wenn ein Computer mit einer so einfachen Anweisung in der Lage ist, ein Bewußtsein in Form eines Programms zu erschaffen, wäre das nicht möglicherweise schon längst jemandem aufgefallen? Oblgeich die Folgen dieser Aktion interessant dargestellt werden, ist doch die Ausgangssituation mehr als fragwürdig.

Beim Betreten des Holodecks mit Dr. Pulaski erklärt Geordi, wie das Holodeck funktioniert: die Gegenstände, die man in unmittelbarer Umgebung wahrnimmt, werden von den Holoemittern aus Energie erzeugt, und nur hier auf dem Holodeck haben sie Masse. Weiter Entfertes wird so perfekt auf die Wände projeziert, daß man eine Wand berühren müßte, um zu merken, daß sie da ist. Doch innerhalb des Holodecks legen die Personen Hunderte von Metern zurück - wie ist das möglich? Befinden sich auf dem Boden Laufbänder, die dafür sorgen, daß man sich nicht wirklich bewegt? So schön das Holodeck auch ist, es wird wohl nie gelingen, alle Ungereimtheiten aufzuklären.
Besonders markant ist hierbei, daß sich die Episode sogleich selbst widerspricht: man erfährt, daß Holomaterie außerhalb des Holodecks nicht existieren kann. Was ist mit dem Bild, das Moriarty von der Enterprise gezeichnet hat und das Data anschließend mit hinaus nimmt?
Zudem erwähnen Picard und Pulaski später, daß Moriarty, würde er das Holodeck verlassen, aufhören würde, zu existieren. Es ist verständlich, daß das Bild, das man von ihm sieht, mit Verlassen des Holodecks verschwindet, seine scheinbare Masse wird dann wieder zu Energie. Aber wieso sollte Moriarty dann aufhören zu existieren? Sein Programm befindet sich ja schließlich nicht im Kopf einer projezierten Figur, sondern irgendwo im Speicher des Computers. Wieso sollte dieser Speicher gelöscht werden, wenn die Projektion nicht mehr dargestellt wird?
Dazu kommt noch die Frage, ob man nicht einfach "den Stecker ziehen" kann: die Holoemitter müssen schließlich irgendwo ihre Energie herbekommen, und der Speicher, in dem sich Moriartys Programm befindet, muß irgendwo physisch vorhanden sein, also real existieren. Wenn man diesen Speicher vom Netz trennt, wäre das Programm zwangsläufig beendet oder kaputt. Warum kommt niemand auf die Idee, das zu tun? Wieso leitet niemand die Energie für die Emitter um, bevor sie zu den Emittern gelangt?

Wie dem auch sei, von diesen logischen Mängeln abgesehen ist "Sherlock Data Holmes" eine sehr interessante Episode. Data und Geordi scheitern zunächst daran, Moriarty zu überlisten, und schließlich ist es Picard, der erstaunliche Fähigkeiten beweist; fast scheint er sich im historischen London richtig wohl zu fühlen. Der verbale Showdown zwischen Picard und Moriarty ist in höchstem Maß interessant, denn einige der bedeutenden Thesen der Menschheit werden hier verwertet:
"Cogito Ergo Sum - Ich denke, also bin ich!", zitiert Moriaty, und Picard stimmt zu, daß dies eine Definition von Leben ist. Da der Computer diese Lebensform hervorgebracht hat, ist es nun Picards Pflicht, die Lebensform auch als solche zu behandeln und nach Möglichkeit sogar zu erforschen. In einem sehr schönen Dialog treffen der Captain und der Professor aufeinander und klären ihre Probleme, ohne Gewalt einzusetzen. Moriarty ist bereit, seine Existenz wieder in irgendwelche Speicherkreise zurück zu transferieren, bis man einen Weg gefunden hat, ihn aus dem "Gefängnis" Holodeck zu befreien, und Picard versichert ihm, daß man sich darum kümmern wird.
Freilich hört man in den nächsten vier Jahren kein Wort über Moriarty oder die Bemühungen, ihn zu befreien, so daß er in "Das Schiff in der Flasche" sein Schicksal wieder selbst in die Hand nimmt, um für seine Befreiung zu sorgen.

Die Effekte sind sehr ordentlich; zwar wirkt das historische London nicht wirklich realistisch, aber man sieht doch, daß einige Arbeit in die Kulissen investiert wurde.
Die Spannung bewegt sich eher auf mittlerem Niveau; zwar bedroht Moriarty die ganze Enterprise, doch ist es absehbar, daß er sie nicht zerstören wird, und so ist das spannendste wie üblich die Frage, wie man den Konflikt lösen wird, und nicht ob.
Die Handlung ist grundsätzlich interessant, doch um all den Logikfehlern Rechnung zu tragen, wird sie schwach bewertet.
Insgesamt ist "Sherlock Data Holmes" eine sehr schöne Episode, die man auf jeden Fall gesehen haben sollte.

Bestes Zitat, als sich Geordi, Data und Dr. Pulaski im Zehn Vorne unterhalten:
Pulaski zu Geordi: "... Ihr künstlicher Freund wäre nicht in der Lage, einen Holmes-Kriminalfall zu lösen, wenn er ihn nicht vorher gelesen hat."
Darauf Data: "Ich habe sie alle gelesen."

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

In "Das Schiff in der Flasche" wird Moriarty wieder aktiviert, und macht sich sogleich daran, die Crew der Enterprise dazu zu bringen, ihm eine reale Existenz zu ermöglichen. In beiden Episoden wird er von Daniel Davis dargestellt.



 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  5. 12. 1988
 
 Erstausstrahlung D:
  27. 4. 1991
 
 Regie:
  Rob Bowman
 
 Buch:
  Brian Alan Lane
  
 Gaststars:
  Daniel Davis
  Biff Manard
  Richard Merson
  Anne Elisabeth Ramsey
  Alan Shearman
  Diz White



  zuletzt geändert:
  2010-04-25, 18:02
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