Deutscher StarTrek-Index  
    5.11 Der einzige Überlebende  
  H e r o   W o r s h i p     
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 45397,5
(Original: 45397,3)
Die Enterprise macht sich auf die Suche nach dem Forschungsschiff Vico, daß seit zwei Tagen beim "schwarzen Schwarm" verschollen ist. Der schwarze Schwarm ist ein Phänomen, in dem extrem starke Gravitationskräfte herrschen. Man findet die Vico knapp außerhalb des Schwarms schwer beschädigt vor und ortet keine Lebenszeichen. Da sich keine direkte Computerverbindung etablieren läßt, beamt Riker mit Geordi und Data herüber, um den Computerkern direkt anzuzapfen. Dabei finden sie doch einen Überlebenden: den jungen Timothy, der unter einigen Trümmern eingeklemmt ist. Wegen Abschirmungsfeldern in diesem Raum kann man nicht beamen, und Data muß den Jungen von Hand befreien, bevor die restliche Struktur des Raumes einstürzt. Anschließend begibt er sich in einen geeigneteren Bereich und kehrt mit Timothy auf die Enterprise zurück. Der Junge ist unverletzt; er berichtet, daß Männer mit Lila Helmen und mit Phasergewehren auf dem Schiff alle umgebracht haben, bloß ihn hätten sie übersehen. Picard läßt zunächst noch einmal die gesamte Vico absuchen, um sicherzugehen, daß nicht noch weitere Überlebende übersehen wurden, was nicht der Fall ist.
Leider sind die Computerdaten der Vico unvollständig, so daß man keine Rückschlüsse auf die Angreifer ziehen kann. Der Schaden des Schiffes läßt auf Romulaner oder Klingonen schließen, doch ist man weit außerhalb deren Territorien. Auch die Breen kämen in Frage, die aber in dieser Region ebenfalls nicht verbreitet sind.
Indes kümmert sich Data um Timothy, dessen Eltern beide auf der Vico umgekommen sind. Der Junge mag Data sehr und beginnt schnell, Datas Verhalten nachzuahmen, nachdem Data berichtete, daß Androiden keine Gefühle haben, also weder Freude noch Trauer empfinden können. Troi meint, daß Timothys Unterbewußtsein auf diesem Wege eine Möglichkeit gefunden hat, das erlittene Trauma zu verarbeiten und bittet Data, Timothy in seiner Rolle als Android zu bestärken, was Data gerne tut.
Am nächsten Morgen läßt Picard Kurs in den Schwarm hinein setzen, um herauszufinden, wer die Vico angegriffen hat. Direkt nach dem Eindringen wirken starke Gravitationswellen auf die Enterprise, die Geordi aber zunächst durch eine Remodulation der Schilde kompensieren kann. Worf jagt einigen Zielen hinterher, die sich aber als Sensorenechos der Enterprise entpuppen. Picard läßt zum Test einen Phaserschuß abgeben, der plötzlich in mehrere Richtungen reflektiert wird. Er folgert, daß hier, wo Waffen, Sensoren und vermutlich auch Tarnvorrichtungen nutzlos sind, sicherlich niemand die Vico angegriffen hat. Er läßt Timothy in den Bereitschaftsraum bringen und stellt ihn zur Rede. Zögerlich gibt Timothy zu, daß er für die Zerstörung der Vico verantwortlich sei: als das Schiff zu rumpeln anfing, fiel er um und traf mit dem Arm ein Computerboard. Noch im selben Moment wurde das Schiff zerrissen. Deanna und Data können Timothy überzeugen, daß er gar nichts zerstört hat: da er keinen Zugangscode eingegeben hat, hätte er alle beliebigen Tasten auf der Konsole drücken können, ohne daß etwas passiert wäre. Als ein Rumpeln durch die Enterprise geht, meint er, daß es auf diese Weise auch auf der Vico angefangen hat.
Man kehrt auf die Brücke zurück, als immer stärkere Wellenfronten eintreffen. Geordi tut sein Bestes, um die Schilde zu verstärken, doch die Wellen werden ebenfalls immer stärker. Zudem versagt der Antrieb. Timothy sagt zu Data, daß auf der Vico dasselbe passiert ist: "Mehr Energie auf die Schilde" hatte der Captain gefordert. Data geht sofort mit Timothy zur Wissenschaftskonsole, und kurz darauf meint Geordi, er würde jetzt die Warpenergie auf die Schilde umleiten. Timothy sagt, daß auch das auf der Vico passiert sei. Data bittet den Captain, sofort die Schilde zu senken. Widerstrebend vertraut ihm Picard und läßt die Schilde herunternehmen; die nächste Wellenfront, die die Enterprise vernichtet hätte, verliert an Stärke und verpufft wirkungslos. Data erklärt, daß die Schilde einen harmonischen Verstärkungseffekt im Schwarm hervorriefen, durch den die Gravitationswellen immer stärker wurden.

Als das Schiff gerettet ist, legt Timothy auch seine Rolle als Android wieder ab und gesteht sich selbst seine Trauer ein. Deanna meint, er hätte eine schwere Zeit vor sich, doch das Schlimmste wäre überstanden, und der Junge wird sich sicherlich mit der Zeit von den schrecklichen Ereignissen auf der Vico und vom Verlust seiner Eltern erholen.

Bewertung

Es drängt sich zunächst einmal ein Vergleich zu "Die Solitonwelle" auf, da in beiden Episoden ein einsamer Junge im Zentrum der Handlung steht. Im Gegensatz zu jener Folge sind hier aber beide Handlungsstränge, also die Suche nach dem Grund für die Zerstörung der Vico und das Verhalten von Timothy, direkt miteinander verwoben und ergänzen sich gegenseitig.

Charakterseitig fallen vor allem Joshua Harris, der Timothy spielt, und Brent Spiner alias Data aus dem Rahmen. In der Zeit, die die beiden miteinander verbringen, lernt man ein wenig über Data, vor allem aber sieht man den verängstigten Jungen, der als Kompensation in die Rolle eines Androiden schlüpft und damit seine Gefühle unterdrücken sowie seine vermeintliche Schuld aus dem Kopf verbannen kann.
Beide liefern eine hervorragende Vorstellung ab, verkörpern die Rollen glaubwürdig. Data sorgt für Wut, als er Timothy wahrheitsgemäß antwortet, daß es einem von ihm gebauten Modell an Harmonie mangelt. Er sieht ein, daß die Wahrheit nicht immer das ist, was Menschen hören wollen und gewinnt Timothy zurück, als er gleich darauf erwähnt, daß das Fundament des Modells sehr stabil ausgeführt wurde. Mit seinem geduldigen Verhalten über die ganze Episode hinweg gewinnt er Timothys Herz - und das des Zuschauers.

Handlungsseitig ist die Episode ebenfalls gut. Logische Mängel gibt es wenige, und die beiden Handlungsstränge führen am Ende geschickt zusammen, als Timothy die Wahrheit sagt und man dadurch die Enterprise retten und die Ursache für die Zerstörung der Vico herausfinden kann.
Etwas merkwürdig ist Timothy, von der Logik her betrachtet: er mag ein intelligenter Junge sein, doch gelingt ihm die Nachahmung Datas beinahe perfekt. Solange er sich bemüht, wie Data zu sein, mangelt es ihm nicht an Data-typischen Aussprüchen und Bemerkungen, die er in der kurzen Zeit eigentlich nicht alle von Data gehört und im Kopf behalten haben kann. Dies schmälert aber die schauspielerische Leistung keineswegs.

Unserem Leser Lambert S. ist ein kleiner Übersetzungsfehler aufgefallen:

[Mir ist] ein kleiner Fehler in der Szene aufgefallen, in der Data und Timothy zusammen malen. Timothy sagt, das ihm die farbe Ockergelb aus gegangen sei. Data antwortet daraufhin, dass er seine Farbe benutzen könnte. Danach greift Timothy aber zu einer Dose mit roter Farbe und nicht zu Ockergelb.

Gut beobachtet: in der Originalfassung redet Timothy von "red ocher", also "rotem Ocker", was sowohl zum Farbfläschchen als auch zu seinem Bild passt. Das "Ockergelb" in der deutschen Fassung ist also ganz klar ein Übersetzungsfehler.

Richtig peinlich wird es, wenn man die deutsche DVD-Untertitelspur einblendet. Timothy sagt in der deutschen Fassung: Mir ist Ockergelb ausgegangen. Der Untertitel dazu lautet: Ich habe kein Rot mehr.

Und auch bei der Sternzeit hat man es nicht so genau genommen. In der Deutschen Fassung nennt Picards Eintrag in das Computerlogbuch die Sternzeit 45397,5, in der Originalfassung ist es 45397,3.

Die Effekte sind erneut vom Feinsten, sowohl die ruinierte Vico von innen und außen als auch der Schwarm, der etwas Ähnlichkeit zu verschiedenen Nebeln aufweist, sind perfekt gestaltet.

Mit "Der einzige Überlebende" ist Patrick Stewart eine gute Regiearbeit gelungen, die, um den Vergleich hier noch einmal aufzugreifen, die ähnlich angelegte Episode "Die Solitonwelle" bei weitem übertrifft.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

Im Kindergarten wird zum Ende der Episode der Song "Row, row, row your Boat" gesungen, welcher den Auftakt und Abschluß von Star Trek V: Am Rande des Universums bildet.

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  27. 1. 1992
 
 Erstausstrahlung D:
  13. 4. 1994
 
 Regie:
  Patrick Stewart
 
 Buch:
  Joe Menosky
  
 Gaststars:
  Steven Einspahr
  Sheila Franklin
  Joshua Harris
  Harley Venton
  


  zuletzt geändert:
  2014-01-21, 05:16
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