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  5.19 Ein mißglücktes Manöver  
  T h e   F i r s t   D u t y  
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 45703,9
Captain Picard soll auf der Erde die Rede zur Verleihung der akademischen Grade der Sternenflottenakademie halten und freut sich schon besonders darauf, Wesley Crusher endlich einmal wiederzusehen. Doch bereits vor der Ankunft erfährt er von Admiral Brand, daß Wes in einen Flugunfall verwickelt war, bei dem ein Kadett aus seiner Staffel, Joshua Albert, getötet wurde. Es wird am nächsten Tag eine offizielle Anhörung geben, bei der auch Picard zusammen mit Beverly Crusher zugegen sein will.
Doch zunächst besucht er einen alten Bekannten: den Gärtner Boothby, mit dem er sich ein wenig über die alten Zeiten und die neuen Kadetten unterhält.
Bei der Anhörung erwähnt Wesleys Geschwaderführer, Nicholas Locarno, daß Albert einige Probleme hatte und daß jener auch den Unfall verursacht hat, was zwei weitere Kadetten bestätigen. Obwohl die Akademie über hervorragende Telemetrie- und Überwachungsgeräte verfügt, wurden doch alle fünf Shuttles zerstört und nur ein einzelner Flugschreiber gibt noch einige Daten preis, so daß Picard Geordi und Data darauf ansetzt, den Unfall zu rekonstruieren und zu beweisen, daß Wesley keine Schuld trifft.
Bei einem zweiten Anhörungstermin bestätigt Wes noch einmal, daß sich das Geschwader kurz vor dem Unfall in einer sog. Diamantenformation befand. Doch der Admiral legt die Aufnahmen eines Navigationskontrollsatelliten vor, die das Geschwader in einer gänzlich anderen Formation zeigen. Wes sagt, daß er dafür keine Erklärung hat. Als Beverly ihn kurz darauf besucht, vertraut sie ihm voll und ganz und vermutet, daß möglicherweise die Satellitenbilder manipuliert wurden.
Picard spricht noch einmal mit Boothby und erfährt, daß das Nova-Geschwader, dem Wes angehört, zu den stolzesten der Akademie gehört und bereits jede Menge Preise bei Flugvorführungen gewonnen hat. Boothby meint, daß der Führer, Locarno, sein Team wie eine Eins hinter sich versammelt hat und jeder jedem absolut vertraut. Picard dämmert, was wirklich vorgefallen sein könnte. Er spricht noch einmal mit Geordi und Data, die aus den Flugschreiberdaten ersehen, daß kurz vor dem Unfall das Kühlmittelinterlock von Wesleys Shuttle geöffnet wurde, was sehr merkwürdig und gefährlich ist, da man damit eine Plasmaexplosion hervorrufen kann.
Picard ruft Wes auf die Enterprise und konfrontiert ihn mit seinem Verdacht, daß die Nova-Staffel ein "Kolvoord-Sternenexplosion" genanntes Manöver durchgeführt hat, das wegen seiner Gefährlichkeit streng verboten ist, seit bei einem Unfall vor über 100 Jahren alle fünf Beteiligten Piloten ums Leben kamen. Er stellt Wes vor die Wahl, es entweder zu gestehen, oder aber Picard wird berichten, wie er die Sache sieht.
Wes bespricht sich mit Locarno, der nach wie vor meint, man könne alles zum Guten wenden, indem man weiterhin die Wahrheit verschweigt, immerhin hat selbst Picard keine Beweise. Als dann die Abschlußanhörung stattfindet, meint auch der Admiral, daß es keine Beweise für ungebührliches Verhalten gibt, so daß alle Beteiligten einen offiziellen Verweis in ihren Akten erhalten, ansonsten aber ungeschoren davonkommen. Doch Wes kann nicht mit dem schlechten Gewissen leben und berichtet, daß die Staffel das Kolvoordmanöver durchgeführt hat, obwohl alle wußten, daß Albert vielleicht noch nicht soweit war. Locarno wird von der Akademie geworfen, die anderen drei müssen neben dem Verweis auch das letzte Jahr komplett wiederholen, können aber immerhin an der Akademie bleiben. Picard ist froh, daß Wes die Wahrheit gestanden hat, obwohl er natürlich enttäuscht ist, daß Wes überhaupt gelogen hat und wünscht ihm weiterhin viel Glück.

Bewertung

Wesleys zweiter Gastauftritt seit Wil Wheatons offiziellem Ausscheiden aus der Serie zeigt den hochbegabten Jungen in einem ganz neuen Licht. Auf der Enterprise erweckte er stets den Eindruck, unter Gleichaltrigen ein Außenseiter zu sein und sich allein auf seine Pflichten zu konzentrieren. Bei seinem letzten Auftritt in "Gefährliche Spielsucht" wirkte er bereits viel offener gegenüber anderen Jugendlichen, zumal er sich in Fähnrich Robin Leffler verliebte, die man in dieser Episode leider vergebens zu sehen hofft. In "Ein missglücktes Manöver" hat Wes nun einen weiteren Entwicklungsschritt getan, und zwar einen sehr unangenehmen: um seine Freunde zu schützen, ist er bereit zu lügen und streitet zunächst, auch wenn ihm nicht wohl dabei ist, ab, ein verbotenes Manöver geflogen zu haben.
Es scheint, daß ihm die Erwachsenen auf der Akademie Fremde sind, denn immerhin besinnt er sich erst, nachdem Picard, zu dem er nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis hat, ihn beinahe zwingt, die Wahrheit zu sagen. Durch all dieses wirkt Wesley zwar unsympathischer, aber in gewisser Weise auch normaler, menschlicher, verglichen mit dem Genie, daß er früher in TNG darstellte. Diese Entwicklung wird zukünftig fortgesetzt, Wes wird mit seiner Laufbahn zunehmend unzufrieden und geht schließlich mit dem "Reisenden", bricht also die Akademie ab ("Am Ende der Reise").

Eine weitere Überraschung, und eine angenehme noch dazu, ist das Treffen mit einem alten Bekannten, obgleich er freilich in dieser Episode das erste mal zu sehen ist, während er zuvor nur von Picard und Wesley in Gesprächen erwähnt wurde: die Rede ist vom Gärtner Boothby (hervorragend dargestellt von Ray Walston), den Picard bereits in "Die letzte Mission" erwähnte und der offensichtlich immer noch alle Gärten auf dem Gelände der Akademie pflegt und vieles über die Kadetten weiß (siehe auch VOY "In Fleisch und Blut". Er scheint auf den ersten Blick ein griesgrämiger alter Mann zu sein, doch der Schein trügt, denn er kann einiges erzählen und ist Picard eine große Hilfe bei der Suche nach der Wahrheit.

Ebenfalls markant ist Robert Duncan McNeills erster Auftritt bei Trek, und zwar als Nicholas Locarno, Wesleys Staffelführer, der vor einer Verschwörung der Staffelmitglieder nicht zurückschreckt, um den Unfall zu tarnen, der auf seinen Mist gewachsen ist, da es seine Idee war, das Kolvoordmanöver durchzuführen. Bei VOY spielt McNeill Lt. Tom Paris. Die beiden Rollen haben einige Gemeinsamkeiten: Paris hat vor seinem Einsatz auf der Voyager im Gefängnis gesessen, da er zum Maquis übergelaufen war. Auch Locarno scheint ein Rebell zu sein und seine persönlichen Vorteile über die Ideale der Sternenflotte zu stellen.

Desweiteren fällt die Bajoranerin Sito auf, gespielt von Shannon Fill: sie wird in der Episode "Beförderungen" an Bord der Enterprise dienen und bei einer Geheimmission getötet werden.

Insgesamt ist das Wiedersehen mit Wesley in dieser Episode gut gelungen, solide in Szene gesetzt und überzeugt durch fast ausnahmslos gute Darsteller. Eine gelungene und sogar spannende Episode.

Bestes Zitat, zwischen Picard und Boothby, als Picard den Gärtner das erste mal aufsucht:
Picard: "Jean-Luc Picard; Jahrgang '27."
Boothby: "Das weiß ich! Aber wo haben Sie Ihre Haare gelassen?"

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

  • Robert Duncan McNeill (Locarno) spielt in VOY Lt. Tom Paris.
  • Shannon Fill ist als Fähnrich Sito in "Beförderungen" in der siebten Staffel noch einmal mit von der Partie und übernimmt für die Sternenflotte eine Geheimmission.


 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  30. 3. 1992

 Erstausstrahlung D:
  29. 4. 1994

 Regie:
  Paul Lynch

 Buch:
  Ronald D. Moore
  Naren Shankar

 Gaststars:
  Walker Brandt
  Jaqueline Brooks
  Richard Fancy
  Shannon Fill
  Ed Lauter
  Robert Duncan McNeill
  Richard Rothenberg
  Ray Walston
  Wil Wheaton



  zuletzt geändert:
  2004-05-05, 01:59
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