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    6.12 Das Schiff in der Flasche  
  S h i p   i n   a   B o t t l e     
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 46424,1
Data und Geordi spielen auf dem Holodeck einen Sherlock Holmes Roman nach, doch es gibt eine Fehlfunktion: der linkshändige Bösewicht fängt einen Gegenstand mit der rechten Hand auf. Lt. Barclay soll den Fehler beheben, doch er stößt auf ein Programm aus dem gesicherten Speicher: Professor Moriarty, der sich seiner Identität als Holodeckfigur bewußt ist und und verlangt, Captain Picard zu sprechen.
Jener kümmert sich derweil um eine bevorstehende Kollision zweier Planeten im Detrian-System, die man um keinen Preis verpassen möchte. Doch Picard nimmt sich die Zeit und geht mit Barclay und Data aufs Holodeck, wo Moriarty ihn damit konfrontiert, die letzten vier Jahre geschlummert zu haben, ohne daß man versucht hätte, ihm das Verlassen des Holodecks zu ermöglichen. Nun ist er der Meinung, er könnte das Holodeck auch so verlassen, da er ein denkendes Wesen ist: Verstand über Materie. Zu aller Verwunderung funktioniert es, er verläßt das Holodeck!

Dr. Crusher meint, Moriarty hätte absolut reale, menschliche Lebenszeichen. Also macht er mit Picard einen Rundgang und bemerkt erstmals, daß die Enterprise ein Raumschiff ist, und nicht etwa ein Segelschiff. Er bittet Picard, daß man seiner Gefährtin, der Countesse Bartholomew, ebenfalls das Verlassen des Holodecks ermöglicht. Picard ist der Meinung, man sollte nichts überstürzen, immerhin weiß man noch nicht einmal, wie Moriarty überhaupt einen Fuß aus dem Holodeck setzen konnte.
Moriarty scheint nicht warten zu wollen, denn er transferiert die Kommandofunktionen von der Brücke weg, und auch Picards Versuch, sie mit seiner Autorisation wieder herzustellen, schlägt fehl. Da die Enterprise in unmittelbarer Nähe der in fünf Stunden bevorstehenden Sternenkollision ist, besteht große Gefahr. Also bemüht sich die Crew nach Leibeskräften, einen Weg zu finden, wie auch die Countesse das Holodeck verlassen kann.
Data meint, man könnte sie evtl. herausbeamen, wenn man ihr Muster ausreichend verstärken kann. Er läßt Barclay einige Musterverstärker im Holodeck installieren und versucht, einen Stuhl als Testobjekt herauszubeamen, der jedoch sofort nach dem Transporterzyklus seine Integrität verliert und sich sprichwörtlich in Luft auflöst. Als Data das Transporterprotokoll betrachten will, macht er eine interessante Entdeckung: es ist leer...
Er informiert Picard über seinen Verdacht: Moriarty hat das Holodeck nie verlassen, vielmehr befinden sich Picard, Barclay und er selbst immer noch im Holodeck, in dem Moriarty auf geschickte Weise die komplette Enterprise nachgebildet hat. Da jedoch Picard innerhalb dieses Programms versucht hat, die Kommandofunktionen wiederherzustellen, hat Moriarty nun auch die Gewalt über die echte Enterprise - und es bleiben nur noch drei Stunden bis zur Sternenkollision.

Währenddessen fordert Moriarty vom echten Riker, einen Weg zu finden, die Countesse und ihn in die reale Welt zu bringen und berichtet, was man in der Holodecksimulation der Enterprise versucht hat. Da sich die Enterprise immer noch in der Nähe der beiden Planeten befindet, bleibt Riker nichts übrig, als auf die Forderung einzugehen und alles daran zu setzen, daß es funktioniert.

Picard besucht derweil die Countesse und erklärt ihr ausführlich, wie er sie und den Professor herausbeamen zu können glaubt. Sie erklärt es Moriarty, nachdem Picard gegangen ist, und Moriarty kontaktiert erneut den realen Riker - wie er zumindest glaubt - und berichtet jenem, wie Picards Lösungsvorschlag aussieht. Riker läßt alles vorbereiten, und der Transport in die reale Welt klappt - Moriarty und die Countesse sind endlich frei, zu gehen, wohin sie wollen. Sie nehmen sich ein Shuttle und verlassen die Enterprise. Anschließend transferiert Moriarty die Kommandofunktionen wieder zurück.

Nun klärt Picard die vollständige Verwirrung auf: nachdem er, Data und Barclay durchschaut hatten, daß sie immer noch im Holodeck waren, haben sie das Holodeck im Holodeck benutzt, um Moriarty mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, indem sie ihm eine Simulation von Riker vorgesetzt haben. Also befindet sich Moriarty nach wie vor in einer Simulation. Nachdem Picard, Data und Barclay zweimal das Holodeckprogramm beendet haben, befinden sie sich tatsächlich wieder in der realen Welt, wo sie nun endlich Abstand zu den beiden Sternen nehmen können, um sich den großen Knall aus sicherer Entfernung zu betrachten. Das Programm mit Moriarty und der Countesse lassen sie in einem Miniaturholodeck weiterlaufen, in dessen Speicher quasi die gesamte erforschte Galaxis enthalten ist, so daß Moriarty glaubt, er wäre in der realen Welt; in gewisser Weise hat er also bekommen, was er wollte.

Bewertung

Nach immerhin vier Jahren, die sich sowohl Moriarty als auch die Zuschauer gedulden mußten, wird hier die Handlung aus "Sherlock Data Holmes" wieder aufgegriffen. Damals hatte Picard dem zu Bewußtsein gelangten Holo-Moriarty zugesichert, nach einem Weg zu suchen, wie er das Holodeck verlassen könnte.
Zunächst einmal muß man ganz klar sagen, daß Moriartys Verärgerung sehr gut nachvollziehbar ist, denn in den 109 Episoden, die seitdem vergangen sind, hat man vergeblich darauf gewartet, von Moriarty auch nur in einem Nebensatz zu hören. Picards Beteuerung, das Problem weitergeleitet zu haben, so daß sich die besten Wissenschaftler der Sternenflotte darum kümmern, wirkt auf den Zuschauer genauso falsch, wie es Moriarty vorkommen muß.
Auf der anderen Seite ist klar, daß Moriarty zwar in gewisser Weise eine neue Lebensform darstellt, aber immer noch auf einem der größten Verbrecher seiner Zeit basiert, so daß zu befürchten ist, daß er auch im 24. Jahrhundert seinen kriminellen Machenschaften nachgeht. Und wie er schon früher bewiesen hat, lernt er sehr schnell, insbesondere in Bezug auf die technischen Veränderungen, die seit Sir Arthur Conan Doyles Zeiten ins Lande gezogen sind. So wäre es mit Vorsicht zu genießen, ihn ohne weiteres dem realen Leben zu übergeben.

Doch zurück zur Bewertung dieser Episode:
die Handlung erfreut durch immer neue, geschickte Veränderungen und Überraschungen. Am Ende wird es gar so komplex, daß man beginnt, den Überblick zu verlieren, so daß man erst einmal nachdenken muß, welche Realität für wen zutrifft. Die Auflösung ist brilliant, da man gleichermaßen dafür sorgt, daß Moriartys Wunsch in Erfüllung geht, als auch das 24. Jh. vor ihm schützt.
Picard fällt gnadenlos auf Moriartys Trick herein, als er versucht, mit seiner Autorisation die Kommandofunktionen wieder auf die Brücke zu übertragen, da er sich ja noch auf dem Holodeck befindet. Die Erklärung dafür, daß Data den Schwindel durchschaut, ist ebenfalls glaubwürdig: für den durchgeführten Transportversuch gibt es kein Protokoll, da der simulierte Transporter keine Daten hat, auf die er zugreifen kann, um den simulierten Transport zu protokollieren.
So erklärt Data dann auch, daß er schlußfolgert, sich nach wie vor auf dem Holodeck zubefinden; dies ist eine wunderbare Überleitung zum Beginn der Episode, immerhin verkörperte Data ja mit großem Enthusiasmus den Meisterdetektiv Sherlock Holmes.
Des weiteren ist es angenehm, daß kein Weltbild zerstört wird, obwohl es zunächst danach aussieht: als Moriarty das Holodeck verläßt, scheint etwas Unmögliches wahr zu werden; man weiß, daß sich die Holoemitter nur auf die Holodecks beschränken; was im Holodeck scheinbar Materie hat, kann außerhalb nicht existieren. Picard und Geordi verwenden den treffenden Begriff: es ist absolut unmöglich, daß der Professor das Holodeck verläßt, selbst wenn man sieht, daß er es tut. Doch alles fügt sich wieder in den Rahmen des technisch Erklärbaren, als Data feststellt, Moriarty hätte das Holodeck gar nicht verlassen.

Die Charaktere überzeugen in gleichem Maße wie die Handlung. So sind Geordis und besonders Barclays Miene angesichts Moriartys scheinbarem Verlassen des Holodecks beinahe unbezahlbar.
Das eigentliche Augenmerk der Episode liegt auf Picard und Moriarty, die sich dieses technisch ausgefeilte Duell liefern, ohne dabei Anstand und Höflichkeit zu vergessen; beide verhalten sich während der ganzen Zeit wie Gentlemen, was man vor allem an ihrem Umgang mit der Countesse festmachen kann; hier zeigt auch Picard, daß er sein Ziel mit Charme und verbaler Geschicklichkeit erreichen kann, als er die Countesse manipuliert, damit sie dem Professor erklärt, was er Riker sagen soll, denn erst dadurch geht Picards Bluff mit dem Holodeck im Holodeck richtig auf.
Data spielt ebenfalls gut, und Reginald Barclay steht angenehmerweise nicht im Zentrum der Episode; Dwight Schultz war bisher immer die wichtigste Person gewesen, wenn er einen Gastauftritt hatte, und das ist hier nicht mehr nötig; er fügt sich in die Episode geschickt ein, ohne dabei unterzugehen; man kann sagen, daß dieser Auftritt genau paßt, da er weder aufdringlich noch bedeutungslos ist.

Eine Beobachtung am Rande: am Anfang trägt Deanna eine reguläre Uniform, wie es ihr von Cpt. Jellico in der vorhergehenden Doppelepisode "Geheime Mission auf Celtris III" aufgetragen wurde, doch in der Schlußszene hat sie wieder ihre bekannte Spezialanfertigung an, die keinen Aufschluß über ihren Rang gibt. Das könnte möglicherweise daran liegen, daß sie zunächst ja eigentlich eine Holofigur war, während sie zum Schluß wieder sich selbst verkörperte. Vielleicht ist es aber auch einfach Unachtsamkeit seitens der Regie oder Unentschlossenheit seitens Darstellerin Marina Sirtis.

Im Ganzen betrachtet, macht diese Episode richtig Spaß. An einigen Stellen kann man über Data lachen, die Darsteller sind gut, die Zeichnung der Charaktere und die ausgefeilte Handlung stehen nicht im Widerspruch zu "Sherlock Data Holmes", und eine hintergündige Ironie kommt noch dadurch hinzu, daß Moriartys Wiedererweckung durch Barclay genaugenommen ein Unfall ist, so daß die Episode insgesamt eine sehr gute Bewertung erhält.

Bestes Zitat, von Barclay ganz am Ende der Episode:

"Computer... Programm beenden!"

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

  • Die Episode schließt die Handlung ab, die in "Sherlock Data Holmes" in der zweiten Staffel angefangen wurde.
  • Dwight Schultz, bekannt u.a. als H. M. Murdock in der Serie "Das A-Team", spielt erneut den immer schusseligen Reginald Barclay, der zuletzt in "Todesangst beim Beamen" zu sehen war.


 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  23. 1. 1993
 
 Erstausstrahlung D:
  2. 6. 1994
 
 Regie:
  Alexander Singer
 
 Buch:
  René Echevarria
  
 Gaststars:
  Stephanie Beacham
  Daniel Davis
  Clement Von Franckenstein
  Dwight Schultz
  


  zuletzt geändert:
  2002-03-28, 17:52
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