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Episodenbeschreibung
Sternzeit: 5928,5
Die Enterprise fliegt nach einem Notruf zum Planeten Camus II. Dort untersucht eine archäologische
Expedition die Überreste einer untergegangenen Zivilisation. Im Orbit des Planeten angekommen, beamen
Kirk, Spock und McCoy auf den Planeten. Alle Expeditionsmitgieder sind getötet worden. Nur Dr. Arthur
Coleman und Dr. Janice Lester haben überlebt. Allerdings ist Lester ohne Bewusstsein. Coleman berichtet,
dass dies an einer Strahlenvergiftung liegt. Lester ist eine Jugendliebe Kirks aus Akademiezeiten. Kirk
bleibt bei Lester, während die anderen nach Überlebenden suchen. Lester kommt zu sich und sie und Kirk
unterhalten sich über ihre Beziehung. Lester fühlte sich von Kirk nie ernst genommen, sie dachte,
Kirk wäre der Meinung Frauen hätten bei der Erforschung des Weltraums nichts zu suchen. Lester aktiviert
plötzlich ein Gerät mit dem sie Kirk lähmt, dann kann sie mit Hilfe einer Maschine ihr Bewusstsein in
Kirks Körper transferieren und umgekehrt. Sie möchte Kirk in Lesters Körper töten, doch da kommen die
anderen zurück und können berichten, dass niemand mehr lebt. Alle kehren auf die Enterprise zurück.
Coleman und McCoy sind sich über die Behandlung von Dr. Lester nicht einig. Dr. Lester, im Körper von
Kirk, entscheidet sich dafür Coleman den Fall zu übertragen, was McCoy verärgert und stutzig macht.
Coleman hält Kirk betäubt, damit dieser nicht erzählen kann, was auf dem Planeten passiert ist. Lester
übernimmt in ihrem neuen Körper inzwischen die Aufgaben des Captains. Sie ist jedoch sehr aufbrausend
und legt sich sehr schnell mit Spock und den anderen Offizieren an.
McCoy ist sich mit Spock einig, dass etwas mit Kirk nicht stimmt und McCoy möchte eine Untersuchung am
Captain durchführen. Lester streubt sich dagegen zunächst, sie hat jedoch keine Wahl, da McCoy in
medizinischen Fragen höher gestellt ist, als der Captain. Die Untersuchung ergibt jedoch nichts. Alle
Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass es sich bei Lester um den wirklichen Captain
handelt.
Kirk ist in Lesters Körper wieder zu sich gekommen, wird von Coleman jedoch in der Krankenstation
festgehalten. Spock kann mit Kirk sprechen und er lässt sich von ihm überzeugen, dass der
Bewusstseinstransfer wirklich stattgefunden hat und eine Gedankenverschmelzung beseitigt für Spock
jegliche Zweifel. Spock will das Kommando übernehmen, doch sein Versuch scheitert und Lester lässt ihn
wegen Meuterei anklagen.
Es kommt zur Anhörung wegen Spocks Vergehen. Spock legt die Anhaltspunkte für den Persönlichkeitstausch
vor, doch selbst McCoy und Scotty müssen zugeben, dass nach der Untersuchung von McCoy diese Beweislage
eindeutig gegen Spock spricht. Während der Anhörung verliert Lester jedoch mehrfach die Beherrschung und
als Scotty und McCoy sich unterhalten wird klar, dass sie für Spock stimmen werden und anschließend
vermutlich das Schiff übernehmen müssen, da Lester das Urteil nicht annehmen wird. Lester hat McCoys und
Scottys Unterhaltung mitgeschnitten und spielt sie dem Gericht nun vor. Sie lässt die beiden zusammen mit
Kirk und Spock einsperren und will alle wegen Meuterei hinrichten.
Sulu und Chekov können nicht akzeptieren, dass es zu einer Hinrichtung kommt, denn Hinrichtungen sind in
der Sternenflotte verboten. Außerdem müssen auch sie zugeben, dass sich der Captain sehr merkwürdig
verhält. Sie schließen sich der Meuterei an. Durch die Aufregung wird der Bewusstseinstransfer von Kirk
und Lester für kurze Zeit rückgängig gemacht. Lester geht zu Coleman und dieser sagt, dass man dies nur
verhindern kann, indem man Kirk in Lesters Körper tötet. Die beiden machen sich auf, um Kirk zu töten,
doch es kommt zum Kampf zwischen Coleman und Kirk. Dabei wird der Bewusstseinstransfer rückgängig gemacht.
Kirk ist nun wieder in seinem eigenen Körper und Lester erleidet einen Zusammenbruch. Coleman gesteht,
dass er sie liebt und er will sich um sie kümmern. Kirk bedauert es, dass er Janice nicht helfen kann.
Bewertung
Als Abschluss der allerersten Star Trek Serie bekommen wir noch einmal ein reines Charakterdrama
präsentiert. Die Folge konzentriert sich sehr stark auf Kirk und Gaststar Janice Lester. Ähnlich, wie in
2.04: Ein Parallel-Universum kommt es auch in dieser Folge zu einer Kirk-Spock
Rivalität. Doch während es in 2.04: Ein Parallel-Universum der parallele Spock
war, der die Rivalität ausgelöst hat, ist dieses Mal der falsche Kirk, der in Wirklichkeit Janice Lester
ist, die Ursache.
Die Folge beschäftigt sich vor allem mit dem Thema, was einen Menschen ausmacht. Es gibt viele
Charakteristika, die uns Menschen festlegen. Beispielsweise die Art, wie wir Gefühle zeigen, unsere
Ansichten über bestimmte Themen, unsere Reaktionen auf bestimmte Situation, unsere Gestik, unsere Art
Probleme zu lösen, oder mit Stress fertig zu werden. Doch, was definiert uns Menschen, ist es nur das
Aussehen, oder ist es eher unsere Persönlichkeit mit den erwähnten charakteristischen Eigenschaften, die
einen Menschen bestimmen. Die Folge stellt letztendlich die Frage, ob es die Mitmenschen merken würden,
wenn es tatsächlich möglich wäre, den Körper zu wechseln. Würden sich die Mitmenschen, die die Person
wirklich gut kennen, vom äußeren Erscheinungsbild täuschen lassen, oder würden sie am veränderten
Charakter merken, was los ist? Da in unserer heutigen Gesellschaft wohl kaum einer an einen vollständigen
Bewusstseinstransfer glaubt, ist diese Fragestellung natürlich nur im Star Trek Umfeld möglich, wo dieser
Transfer nicht unbedingt unglaubwürdig erscheint. Die Folge entscheidet sich ganz klar für die
Persönlichkeit. Die Folge ist der Meinung, dass sie es ist, die uns wirklich definiert, auch wenn sie mit
einem völlig anderen Aussehen kombiniert wird, ist es unsere Persönlichkeit, die uns zu dem macht, was wir
sind.
Viele Fans können diese Folge nicht leiden, weil sie anbgeblich eine versteckte Frauenfeindlichkeit
beinhaltet. Man kann durchaus einige Szenen auf diese Weise interpretieren, beispielsweise als der
vermeintliche Kirk abfällig auf Janice Lester hinabschaut und Spock in sarkstischem Tonfall fragt, ob er
dieser Person das Kommando übertragen will. Dies kann man so interpretieren, dass es im 23. Jahrhundert
keine Frau auf den Stuhl des Captains schafft (tatsächlich musste man bis zu
Star Trek IV - Zurück in die Gegenwart warten, bis man zum ersten Mal einen
weiblichen Captain sehen durfte).
Man kann die Folge jedoch auch so interpretieren, dass es prinzipiell gegen einen weiblichen Captain
nichts auszusetzen gibt, dass es hier lediglich an Lesters labiler Psyche scheiterte und sie deswegen
nicht fähig war ein Schiff zu befehligen. Letztendlich geht es ja gerade darum in dieser Folge. Wie oben
bereits geschrieben, sagt die Folge ganz deutlich, dass uns nicht das Aussehen definiert, sondern unsere
Psyche, unser Bewusstsein, oder unsere Seele, wie immer man es auch nennen mag. Janice Lester konnte also
noch solange das Aussehen Kirks annehmen, durch ihre psychische Labilität war sie nicht für den Posten des
Captains geeignet. Es bleibt letztendlich jedem selbst überlassen, in dieser Folge eine
Frauenfeindlichkeit zu sehen oder nicht, aber man sollte bedenken, dass Gene Roddenberry, der maßgeblich
am Drehbuch beteiligt war im ursprünglichen Entwurf Star Treks eine Frau auf dem Posten des ersten
Offiziers haben wollte (siehe 1.00: Der Käfig) und lediglich NBC dies abgelehnt
hat, weil das Fernsehen in den 60ern einfach noch nicht soweit war.
Wie schon mit einigen anderen Folgen in der dritten Staffel hatte der Produzent der Staffel, Fred
Freiberger, auch mit dieser Geschichte im Sinn etwas Neues auszuprobieren, um die Quoten zu steigern. Das
Vorhaben wurde von William Shatner sehr begrüßt, da er der Meinung war bei diesem Drehbuch größere Chancen
für eine kreative Entfaltung zu haben. Sowohl Sandra Smith in der Rolle von Janice Lester als auch William
Shatner mühen sich redlich mit Hilfe von Gestik und Betonung der Sprache in die Rolle des jeweils anderen
zu schlüpfen. Dabei hat natürlich Sandra Smith eine weitaus schwierigere Rolle, da sie ja Shatners Gestik
imitieren muss, die bereits aus 78 anderen Folgen festgelegt ist, während Shatner einen Charakter spielt,
der nur in dieser Folge auftaucht. Leider wirkt die Person der Janice Lester sehr klischéehaft verrückt
und größenwahnsinnig. Dies wird durch Shatners Spielweise, die dieses Mal sehr zur Übertreibung neigt,
noch unterstrichen. Leider kommt Shatner in dieser Folge nicht an herausragende Leistungen, wie in
1.13: Kodos, der Henker heran.
Eine gute Abschlussfolge sollte uns die Hauptcharaktere nochmal von ihren starken Seiten präsentieren und
noch einmal einen Höhepunkt der Serie setzen. Das gelingt der Folge leider nicht so gut.
Da Kirks Bewusstsein in einer anderen Person steckt, haben wir in dieser letzten Folge leider auch nicht
noch einmal die Gelegenheit Kirk in Aktion zu erleben. Er darf zum Beispiel nicht die Crew aus einer
aussichtslosen Situation retten oder eine unkonventionelle Lösung für irgendein Problem entwickeln, wie er
es sonst gerne tut. Kirk ist sogar in der gesamten Folge zur Passivität verdammt, da er in einem anderen
Körper gefangen ist. Diese Konstellation ist für eine abschließende Folge natürlich nicht ideal. Doch auf
das Versagen dieser Folge als Abschluss für die Originalserie wird später genauer eingegangen.
Spock verhält sich in der ganzen Folge gewohnt logisch. Er tritt hier auf, wie wir ihn kennen. Doch mehr
als eine Standardvorstellung ist das leider auch nicht.
McCoy präsentiert sich von seiner guten Seite. Er versucht es bei Kirk zunächst als Freund, doch als er
damit nicht weiterkommt, erfüllt er seine Pflicht gewissenhaft und stellt seine Karriere hinter die
Sicherheit und dem Wohlergehen der Crew und des Schiffes an.
Auch Scotty, wenn auch zunächst skeptisch, zeigt sich als guter Kenner des wahren Captains. Er lässt sich
nicht beirren und setzt seine Karriere aufs Spiel, um Kirk und das Schiff zu retten. Schade jedoch, dass
Scotty keine Szene im Maschinenraum mehr hat.
Sulu und Chekov haben zwar sehr kleine, dafür aber ganz gute Rollen, denn sie zeigen Charakterstärke und
Zivilcourage, als sie sich dazu entschließen, Kirks Befehle zu ignorieren.
Leider ist Uhura nicht mehr mit von der Partie. Nichelle Nichols hatte sich bereits in Folge
3.22: Seit es Menschen gibt verabschiedet.
Dafür hat Majel Barrett den letzten ihrer 25 Auftritte als Schwester Chapel. Allerdings hat sie dieses Mal
kaum Dialog.
Man erfährt in dieser Folge noch einmal ein wenig über Kirks früheres Leben. Offenbar hatte er in
Akademietagen eine etwas ernsthaftere Beziehung zu Janice Lester, als man dies von ihm gewöhnt ist. Sie
spricht vom Zeitraum eines Jahres. Sie ist eine von vielen alten Bekannten und alten Jugendlieben, auf die
Kirk im Laufe der Serie getroffen ist.
Die Verhandlungsszenen erscheinen etwas merkwürdig ziellos. Man muss sich fragen, wieso Spock eigentlich
nicht einfach nach Begebenheiten aus Kirks früherem Leben fragt, die nur der wahre Kirk wissen kann. Damit
hätte man Janice Lester relativ leicht überführen können.
Kirk macht in Lesters Körper zwei Bemerkungen zu früheren Erlebnissen, um Spock von seiner Identität zu
überzeugen. Er erwähnt dabei die Geschehnisse aus den Folgen
3.09: Das Spinnennetz und 3.12: Der Plan der Vianer.
Ebenfalls erwähnt wird die General Order IV aus 1.11 + 1.12: Talos IV-Tabu
(in diesen beiden Folgen war noch von General Order VII die Rede), welches die einzige Vorschrift ist, auf
deren Verstoß auch im 23. Jahrhundert noch die Todesstrafe steht. Es ist selten, dass in der Originalserie
direkter Bezug auf andere Folgen genommen wird.
In der letzten Folge der Originalserie gibt es noch einmal ein Wiedersehen mit Christine Chapel und
Lieutenant Galloway.
Die Story zu dieser Folge stammte von Star Trek Schöpfer Gene Roddenberry selbst, das Drehbuch schrieb
Drehbuchredakteur Arthur H. Singer, der nur dieses eine Skript verfasste.
Regisseur Herb Wallerstein hatte bereits die Folgen
3.14: Wen die Götter zerstören und
3.17: Gefährliche Planetengirls inszeniert.
Die deutsche Version wurde dieses Mal von Sat.1 erstellt und enthält alle Szenen. Trotzdem ist sie an
Konfusion kaum zu überbieten. Der Sinn vieler Dialoge wurde völlig verdreht und man wird nur selten
schlau aus den Ereignissen.
Bereits die Vorgeschichte zwischen Kirk und Lester, die vor dem Vorspann in einem Dialog zur Sprache
kommt, wurde leicht verdreht. Die Verwirrung ist perfekt, als Lester später in der Krankenstation in
Kirks Körper sagt: "Sie muss wieder zu sich kommen, sonst stirbt sie uns ja noch unter den Händen weg. Wir
müssen doch wissen, wie das ganze passiert ist." Der Satz ergibt überhaupt keinen Sinn, da nur Coleman
und Lester anwesend sind, muss sie wohl kaum so tun, als wüsste sie nicht, was passiert ist. Im Original
sagt sie hingegen, dass sie nicht will dass sie (bzw. er) zu sich kommt und alles erzählt.
Ebenfalls merkwürdig ist eine Bemerkung auf der Krankenstation, als Kirk in Lesters Körper zum ersten Mal
versucht Spock und McCoy zu erklären, was vorgefallen ist. Lester in Kirks Körper schlägt Kirk nieder
und gibt als Erklärung an: "Sie hat jemanden getötet." Im Original sagt er/sie hingegen, dass sie
jemanden hätte töten können, was deutlich mehr Sinn ergibt.
Auch die Verhandlung wurde in der Synchronisation stark verändert, so dass sie keinen rechten Sinn mehr
ergibt.
Ebenfalls immer wieder gern (so auch hier) falsch übersetzt wird das amerikanische Wort Court Martial,
welches als Kriegsgericht übersetzt wurde. In Friedenszeiten spricht man jedoch von einem
Militärgericht und nicht von einem Kriegsgericht.
Außerdem wurden 2 Bezüge zu anderen Episoden in der deutschen Version eliminiert. Um Spock von seiner
Identität zu überzeugen, berichtet Kirk
Spock davon, dass sie beide sofort gehandelt hätten, als McCoy in die Hände der Romulaner fiel. McCoy fiel
aber in keiner einzigen Folge in die Hände der Romulaner und die Föderation traf zum ersten Mal in
1.14: Spock unter Verdacht auf die Romulaner. Das müsste also ein Ereignis
gewesen sein, welches sich zwischen zwei Folgen abgespielt hat. Außerdem macht Kirk eine weitere
verwirrende Aussage. Er sagt zu Spock: "Sie haben mir doch unten auf Camus II das Leben gerettet, in dem
Glauben, ich sei Dr. Lester. Ich saß doch dort in einem Gefängnis. Bitte helfen Sie mir jetzt auch."
Beide Ereignisse sind Erfindungen des Synchronstudios, im Original erwähnt Kirk sowohl die Ereignisse
aus der Episode 3.09: Das Spinnennetz, als auch die Geschehnisse aus
3.12: Der Plan der Vianer. Während es bei manchen ZDF-Episoden sinnvoll war
die Bezüge zu anderen Episoden im Deutschen wegzulassen oder zu ändern, da die erwähnten Episoden
noch gar nicht ausgestrahlt waren, bleibt der Grund für die Änderung der beiden Bezüge hier völlig
rätselhaft. Wie auch im Original war diese Episode in Deutschland die letzte, die den TV-Schirm
erblickt hat, somit waren also beide im Original erwähnten Episoden in Deutschland schon gelaufen.
Insgesamt ist die letzte fürs Fernsehen angefertigte TOS-Synchronisation an Schlampigkeit kaum zu
überbieten. Auch wenn keine Szenen entfernt wurden und im Vergleich zu anderen Episoden wenig flotte
Sprüche eingefügt wurden, so enthält diese Episode doch viele der negativen Aspekte der deutschen
Bearbeitung der Originalserie.
Für die DVD-Version wurden glücklicherweise alle Fehler korrigiert.
Alles in allem bietet uns "Gefährlicher Tausch" ein prinzipiell interessantes Charakterdrama, aus welchem
man aber bestimmt nicht das Maximum ausgeschöpft hat, sowohl vom Drehbuch als auch von den
Darstellerleistungen her. Auch die Effekte halten sich sehr in Grenzen. Im Großen und Ganzen handelt es
sich um eine budgetsparende Bottleshow, die durch und durch in den Bereich durchschnittlich fällt.
Als Abschluss für eine ganze Serie (oder auch nur für eine Staffel) ist die Folge natürlich gänzlich
ungeeignet. Es handelt sich nicht um einen Zweiteiler, wie wir es von den nachfolgenden Star Trek Serien
gewohnt sind, es sind nicht alle Hauptpersonen mit dabei, die Folge ist noch nicht mal besonders
spektakulär. Dies liegt natürlich vor allem daran, dass die TV-Landschaft in den 60er Jahren noch völlig
anders ausgesehen hat. Heute plant man Serien im Voraus. Es wird am Anfang der Produktion einer Staffel
grob festgelegt, in welche Richtung sich die Handlung und die Charaktere entwickeln. Oft weiß man zu
Beginn einer Staffel bereits, ob es die letzte Staffel der Serie sein wird, oder nicht (es sei denn eine
Serie wird völlig überraschend abgesetzt, was duchaus auch vorkommt). Eine derartige Planung war in den
60er Jahren nicht üblich. Oft wussten die Verantwortlichen beim Dreh der letzten Folge noch gar nicht,
dass es die letzte Folge sein würde. So auch hier bei dieser Episode. Schon bei den ersten beiden Staffeln
hatte NBC erst einige Wochen nach Produktionsschluss über eine Fortsetzung der Serie entschieden. Meistens
war die Zukunft während der Ausstrahlung der letzten Folgen einer Staffel dann gesichert, doch der
Produktionsstab zitterte jedes Mal einige Wochen.
Deswegen kann man bei TOS auch nicht davon reden, dass die Serie abgesetzt wurde, denn wirklich abgesetzt
hat man sie ja nie. Die Produktion wurde einfach nicht verlängert. Nach 24 Folgen in der dritten Staffel
(eigentlich waren wieder 26 geplant, jedoch beauftragte NBC Paramount für die letzten beiden Folgen schon
nicht mehr) wurde einfach kein neuer Auftrag für die vierte Staffel gegeben. Der Sendeplatz von TOS wurde
anderweitig vergeben (selbst diese Folge wurde nicht zusammen mit den anderen Folgen der dritten Staffel,
sondern auf einer Sendeplatzlücke im Juni 1969 gesendet).
"Gefährlicher Tausch", die nicht nur als letzte gesendet, sondern auch als letzte Folge produziert wurde,
wurde als einzige Folge nach den Weihnachtsferien gedreht. Nach der Folge gab es die obligatorische
Abschlussfeier, die es nach jeder Staffel gab, allerdings handelte es sich um nichts besonderes, im
Gegenteil fiel sie in diesem Jahr eher kleiner aus, da fast alle erschöpft waren, als die Episode erst
sehr spät abends fertig gestellt wurde. Die Schauspieler wussten theoretisch ja auch noch gar nicht, ob es
nicht vielleicht doch noch weiterging. Auch wenn den meisten wohl klar war, dass NBCs Interesse nicht mehr
groß sein konnte, hatte die Vergangenheit gelehrt, dass man nie wissen konnte, ob es sich der Sender nicht
doch nochmal anders überlegt.
In einer der beiden Folgen, die eigentlich noch für die dritte Staffel hätten produziert werden sollen,
sollte William Shatner Regie führen. Dafür hatte er sehr lange gekämpft. Da NBC die Folgen nicht mehr
haben wollte, führte Shatner zum ersten Mal bei
Star Trek V - Am Rande des Universums Regie.
Keiner der Hauptdarsteller erlangte in den folgenden Jahrzehnten größere Bekanntheit außerhalb Star Treks.
Shatner und Nimoy versuchten es neben dem Theater vor allem mit Gastauftritten und Hauptrollen in Serien
(zum Beispiel "T.J. Hooker" bei Shatner und "Mission Impossible" bei Nimoy). DeForest Kelley hatte kaum
noch Rollen im Film- oder TV-Geschäft. Er verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem Theater. Vor allem aber
die Nebendarsteller kamen über kleinere Standardrollen in Filmen oder Serien nie hinaus. James Doohan
beklagte sich zum Beispiel auch lange Zeit darüber, dass er nach dem schottischen Charakter Scotty zu sehr
in dieser Schublade gefangen war.
Neben den Filmen I-VI waren alle TOS Hauptdarsteller, bis auf Nichelle Nichols noch einmal in Star Trek zu
sehen. DeForest Kelley spielte McCoy in TNGs 1.01: Der Mächtige. Leonard
Nimoy hatte in TNG Auftritte in den Folgen
5.07: Wiedervereinigung? Teil 1 und
5.08: Wiedervereinigung? Teil 2. James Doohan war sowohl in der TNG
Folge 6.04: Besuch von der alten Enterprise, als auch in
Star Trek VII - Treffen der Generationen zu sehen. In diesem Film gab es
auch ein Wiedersehen mit William Shatner und Water Koenig. George Takei spielte schließlich in der Voyager
Folge 3.02: Tuvoks Flashback mit. Mit DeForest Kelleys Tod im Jahr
1999 sind inzwischen auch die letzten Hoffnungen der Fans auf eine erneute Wiedervereinigung der
Originalcrew auf dem Bildschirm begraben.
Star Treks Schöpfer Gene Roddenberry kümmerte sich nach dem Ende von TOS um neue Projekte. 1969 heiratete
er Majel Barrett. Obwohl er Star Trek als abgeschlossenes Kapitel ansah, ahnte Roddenberry wohl, dass bei
Star Trek noch Geld zu holen war, denn er versuchte früh sich die Rechte an der Serie zu sichern, konnte
sie sich jedoch nicht leisten. Anfang der 70er Jahre wurde TOS von verschiedenen Regionalsendern in den
USA ausgestrahlt und wurde von Wiederholung zu Wiederholung beliebter. Es entwickelte sich ein
regelrechter Kult um die Serie. Bald schon fanden die ersten Conventions statt und die ersten Stimmen nach
einer Neuauflage der Serie wurden laut. Zusätzlich änderte sich Anfang der 70er Jahre das System zur
Bestimmung der Einschaltquoten und man fand heraus, dass TOS wohl unerkannterweise bereits bei der
Erstausstrahlung beliebter war, als eigentlich laut Einschaltquoten behauptet. NBC wollte nun natürlich
auch am Erfolg teilhaben und wollte neue Episoden haben, doch Paramount, welches die Rechte besaß, war
zunächst skeptisch, wegen der damit verbundenen Kosten. Auch als es sich Paramount doch anders überlegte,
weigerte sich Roddenberry lange Zeit standhaft an einem neuen Star Trek Projekt zu arbeiten. Lediglich die
Zeichentrickserie (The Animated Series: 1973-1974) ließ er zu und unterstützte diese auch. Besonders
vehement wehrte er sich gegen einen Film mit niedrigem Budget. Auch wenn Paramount im Prinzip die
alleinigen Rechte für Star Trek hatte, konnte man nichts ohne Roddenberry machen. Die Serie wurde auch in
der zweiten Hälfte der 70er noch beliebter, wurde außerdem ein Exportschlager und Paramount verdiente sich
mit ihr eine goldene Nase.
Erst nach etlichen Flops begann Roddenberry Mitte der 70er Jahre an einigen Drehbüchern für einen
eventuellen Star Trek Film zu arbeiten, allerdings gefielen Paramount die Ideen nicht und sie lehnten ab.
Außerdem konnte man sich nicht auf die Form der Wiedergeburt Star Treks einigen. Paramount schwankte
zwischen einer neuen Serie, einem Kinofilm und einem TV-Film. Auf diese Weise zog sich das Ganze lange hin
und als Roddenberry und Paramount sich 1977 geeinigt hatten und erneut das Gerücht eines Star Trek
Kinoabenteuers aufkam, hielten dies viele, sogar die Darsteller, für einen Promotion-Gag.
Zwischenzeitlich wollte man doch wieder eine zweite Serie produzieren, doch aller Widrigkeiten zum Trotz
begannen am 09. 08. 1978 die Dreharbeiten zu Star Trek - The Motion Picture
und läuteten damit eine neue Star Trek Ära ein. Die Filme hatten einen durchschlagenden Erfolg und ebneten
damit den Weg zur Nachfolgeserie "Star Trek - The Next Generation", welche mit 178 Folgen, sieben
erfolgreichen Staffeln, vier Kinofilmen und drei weiteren Nachfolgeserien inzwischen ebenfalls Geschichte
geschrieben hat.
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