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Spieleecke > Bericht: Chat-Rollenspiel SF-HQ

von Sebastian Müller

Nachdem sich die Spieleecke bisher vor allem mit kommerziellen Computerspielen beschäftigt hat, wird dieses mal eine andere Art von Spiel, nämlich eines der vielen Chat-Rollenspiele, die das Leben und Handeln im Star Trek-Universum simulieren, behandelt.
Gegenüber kommerziellen Titeln hat ein Chat-Rollenspiel jedoch einige Vorteile, erstens benötigt man nur ein Chatprogramm (zum Beispiel Mirc oder MS Chat), da die Handlung nur als Text erscheint.
Zweitens ist die Teilnahme für gewöhnlich umsonst, da die Privatpersonen, die ein RS betreiben dies aus Spaß an der Sache tun und keine kommerziellen Zwecke verfolgen.
In diesem Bericht werde ich vor allem auf das Rollenspiel SF-HQ (Externer Link www.sf-hq.de) eingehen, in dem ich seit mittlerweile über einem Jahr Mitglied bin.
Jedoch sind die grundlegenden Eigenschaften in allen Rollenspielen mehr oder weniger identisch.

Art des Spiels

Vielen mögen beim Wort Rollenspiel Pen and Paper-Titel wie "Das Schwarze Auge" (DSA) oder „Shadowrun“ einfallen. Computerspielern vielleicht Titel wie "Fallout", "Baldurs Gate" und Onlinespielern Titel wie "World of WarCraft" oder "Star Wars: Galaxies".
Ein Chat-Rollenspiel kann man sich als eine Art Mischung dieser Titel vorstellen.
Ähnlich wie in Pen and Paper-Rollenspielen fehlt die grafische Darstellung des Ortes, sowie das Bedienen des Spiels.
Außerdem folgt das Spiel keiner vorgegebenen Programmierung wie klassische Computerrollenspiele.
Wie beim Pen and Paper-Rollenspiel entscheidet der Spielleiter anhand der Handlung der Akteure, denn erst durch die Zusammenarbeit der Spieler entsteht ein richtiges Spielgefühl.
Dem Spieler steht die Entwicklung seines Charakters vollkommen frei. Einzige Einschränkungen sind eventuelle Vorgaben, sowie Logik und Vernunft.

Ablauf der Missionen

Normalerweise verfügt ein Chat-Rollenspiel über eines oder mehrere Schiffe, deren Besatzungen sich zu festgelegten Terminen in der Woche treffen.
In der SF gibt es derzeit 5 aktive Schiffe, wobei je eines montags, dienstags und mittwochs fliegt, am Sonntag sind es sogar 2.
Dabei wird jedem Mitglied gemäß seiner Zeitdaten ein Stammschiff zugewiesen, an dessen Missionen die Teilnahme verpflichtet ist, außer das Mitglied kann mal aus besonderen Gründen nicht teilnehmen.
Eine Mission dauert 2 Stunden. Zu Beginn versammeln sich alle Mitglieder der Stammcrew, sowie etwaige Gäste anderer Schiffe, die ebenfalls an der Mission teilnehmen möchten, im Chat-Raum des Schiffs.
Die Stammcrew nimmt ihre durch die Personalabteilung zugewiesenen Posten ein und der CO (Kommandierende Offizier) weist den Gästen Posten zu, um auch ihnen eine Teilnahme an der Mission zu ermöglichen.
Anschließend macht der CO einen kurzen Logbucheintrag in Form eines Textes, damit die Besatzung grob weiß, was sie erwartet.
Anschließend gibt der CO seine Anordnungen an die Besatzung und an die Asse.
Als Ass bezeichnet man die Spieler, die für die Dauer einer Mission die Aufgabe übernehmen die NPCs (Nichtspieler-Charaktere) zu spielen.
Dabei reicht die Bandbreite der Ass-Rollen von einem klingonischem Botschafter, über Seekühe bis zu Borg-Kuben oder Umweltphänomenen.
Sollte sich nicht jedes Besatzungsmitglied durch die direkte Haupthandlung in die Mission einbinden lassen, spielen die anderen Crewmitglieder in Absprache mit dem CO Nebenhandlungen.
Zum Beispiel kann das Schiff eine Weltraumanomalie untersuchen, was nicht jedes Besatzungsmitglied beschäftigt.
Zusätzlich zur Haupthandlung wird dann eine Nebenhandlung gespielt, in der z.B. ein klingonischer Botschafter zu einer Konferenz gebracht werden muss.
Da dieser mit den Verzögerungen der Reise nicht einverstanden ist, ist Unterhaltung vorprogrammiert.
Durch die "militärische" Gestaltung des RS ist auch eine Befehlsstruktur gegeben, sodass es nicht zu allzu großem Chaos kommen sollte.
Natürlich kann es immer zu Missverständnissen kommen, doch hier greift dann der Spielleiter ein, der je nach persönlichen Vorlieben mehr oder weniger Vorgaben macht.
Natürlich wird ein Spieler auch befördert oder ihm werden Auszeichnungen verliehen.
Dies wird durch ein Punkte-System geregelt, bei dem der Spieler nach jeder Mission je nach Teilnahme Punkte zugeschrieben bekommt.
Die Verwaltung des Punktestands und der Personalakten übernimmt die Personalabteilung, über die später noch berichtet wird.

Das Drumherum

Im Gegensatz zu den kleineren Rollenspielen gibt es in der SF und anderen großen Rollenspielen auch ein Spiel außerhalb der Missionen.
Ein Beispiel für aktives Rollenspiel außerhalb der Missionen ist der Pub.
Hier treffen sich die RS-Mitglieder außerhalb der Missionen und spielen das Leben ihres Charakters außerhalb dem regulären Dienst.
Hier ist alles erlaubt, von Liebeleien über Saufgelage, Schlägereien bis zum Feiern von Parties usw..
Außerdem ist eine der drei Abteilungen des Rollenspiels der aktiven Gestaltung des Rollenspiels gewidmet.
Diese Abteilung nennt sich Deep Space 12.
In ihr sind wiederum mehrere Arbeitsgemeinschaften (AGs) vereint, die verschiedene Aufgaben verfolgen. Zur Zeit sind dies folgende AGs:

  • Storyline: Diese AG beschäftigt sich damit dem ganzen Rollenspiel eine einheitliche Geschichte zu geben. Außerdem werden hier größere schiffsübergreifende Handlungsbögen geplant.
  • Diplomatisches Corps: Diese AG arbeitet neue Rassen speziell für die SF aus. Diese können dann zur Gestaltung der Missionen herangezogen werden.
    Außerdem hält das Diplomatische Corps auch Kontakt zu anderen Rollenspielen, um z.B. einen Offiziersaustausch oder Kooperationen anderer Art zu organisieren.
  • Utopia Planitia: Diese AG ist für die Instandhaltung der Schiffe und der Konstruktion neuer Schiffe verantwortlich.
  • Jupiter Werft: Diese AG forscht an neuen Technologien für das RS und zur Verwendung in den Missionen.
  • Medical Unit: Diese AG widmet sich der Forschung auf medizinischem Gebiet.

Es steht jedem Mitglied des Rollenspiels frei in einer dieser AGs mitzuarbeiten und so auch außerhalb der Missionen das Rollenspiel gestalterisch zu erweitern.

Die Administration des RS

Je nach Größe des Rollenspiels muss man der Verwaltung auch mehr Aufwand widmen.
Im Rollenspiel fällt dies vor allem zwei Abteilungen, sowie den Führungsoffizieren und dem Rat zu.
Die Führungsoffiziere der Schiffe stehen in Kontakt zur RS-Leitung und geben nach der Mission Bewertungen der Besatzungsmitglieder ab, die dann zu Beförderungen und Orden führen.
Außerdem sind sie erster Ansprechpartner sollten Probleme bei Missionen auftreten.
Der Rat stellt eine Art repräsentative Versammlung dar.
Jede Ranggruppe wählt aus ihren Reihen einen Vertreter, der dort die jeweiligen Interessen vertritt.
Der Rat findet sich einmal pro Monat ein und fällt Entscheidungen über Regeländerungen, wichtige Ernennungen (wie z.B. die von Kommandanten und Abteilungsleitern) oder über weitere Arten von Anträgen, die von jedem RS-Mitglied gestellt werden können.
Die Akademie ist für die Ausbildung der Spieler zuständig.
Hier erhält jeder Spieler seine allgemeine und fachspezifische Ausbildung.
Natürlich steht es den Spielern frei zusätzlich zu ihrer ersten Ausbildungen auch weitere Vorlesungen zu besuchen und sich so für weitere Posten zu qualifizieren.
Außerdem ist für Offiziere mit dem Rang des Lieutenant Commander Pflicht den Kommandokurs zu besuchen.
Die Hauptlast der Verwaltung trägt jedoch die Personalabteilung.
Diese verwaltet den Punktestand jedes Mitglieds und versendet Beförderungsmail, Ordensverleihungen und Versetzungen, was bei derzeit 50 Mitspielern und 5 aktiven Schiffen einen großen Aufwand darstellt.
Außerdem ist der Personalabteilung die AG der Mentoren untergeordnet.
Diese führen neue Mitspieler ins Rollenspiel ein, beantworten ihnen Fragen, begleiten sie in den ersten Missionen und stehen ihnen als Ansprechpartner immer zur Verfügung.

Die Offizierslaufbahn

Jede Mitgliedschaft beginnt mit einer Anmeldung.
Hier werden allgemeine Informationen, wie die Wochentage, an denen man Zeit hat, die gewünschte Ausbildung, sowie Spezies, Name und Alter des Charakters angegeben.
Anschließend erhält man eine Bestätigung der Personalabteilung und bekommt einen Mentor zugewiesen, der den Neuling von nun an bis zum Erreichen des Rangs Ensign begleitet.
Es folgt eine Einladung zur jeden Donnerstag um 20.00 Uhr stattfindenden Akademie, wo man seine Ausbildung bekommt.
Von nun an trägt man den Rang Kadett und ist zur aktiven Teilnahme an den Missionen berechtigt.
Zur Ausbildung gehören der Grundkurs, der allgemeine Informationen zum RS vermittelt und der fachspezifische Kurs.
Folgende Fachrichtungen werden an der Akademie gelehrt:
Technik, Ops (Wissenschaft), Conn (Steuerung und Kommunikation), Taktik/Sicherheit, Medizin, Counselor (als Fortbildung zu Medizin) und Kommando (ab dem Rang Lieutenant Commander).
Eine Woche nach Erhalt der Kurse findet eine theoretische Prüfung statt, die den Inhalt der Kurse abfragt, sowie eine praktische Prüfung, in der eine verkürzte Mission geflogen wird, in der geprüft wird, ob der Kadett mit dem Ablauf einer Mission zurechtkommt.
Sollte man donnerstags keine Zeit haben, kann die Ausbildung und Prüfung auch an anderen Wochentagen stattfinden.
Nach bestandener Prüfung wird man in den Rang eines Crewman befördert und gemäß Zeitdaten und Ausbildung auf eines der Schiffe versetzt.
Von nun an ist man vollwertiges Mitglied des RS und nimmt wie oben beschrieben an der Stammmission und weiteren Missionen teil.
Beim Erreichen eines bestimmten Punktestands oder Erreichen einer gewissen Dienstzeit (vorausgesetzt, man ist zu seinen Pflichtmissionen erschienen) folgt nach einiger Zeit die erste Beförderung.
Diese begleiten einen Offizier die ganze Laufbahn lang, ebenso wie Ordensverleihungen.
Außerdem kann ein Mitglied ab Crewman sich auch um freie Abteilungsposten bewerben, sollten die Rangbeschränkungen das zulassen.
Des Weiteren kann es zu personell bedingten Versetzungen kommen, sodass man auch ein wenig auf den Schiffen herumkommt und so eine Menge Leute mit ähnlichen Interessen kennen lernt und auch außerhalb des Spiels Kontakte knüpfen kann.
Außerdem eröffnen sich durch einen höher werdenden Rang auch weitere Möglichkeiten, zum Beispiel die Möglichkeit zur Aufnahme eines Professorenamts an der Akademie, eines Mentorenpostens, Abteilungsleiterpostens oder einem leitenden Posten auf einem Schiff, bis hin zum eigenen Kommando, eben eine „echte“ Sternenflottenkarriere.
Bei einigen Mitgliedern dauert diese Karriere schon 4 Jahre (= 48 Jahre im RS)

Fazit

Für Personen, die nur ein paar Minuten zwischendurch zocken wollen, eignet sich die Mitgliedschaft in einem Chat-RS nicht, da diese den Spielbetrieb eher behindern, als fördern.
Jedoch kann ich Personen, denen die mangelnde Handlungsfreiheit und Unpersönlichkeit in „normalen“ Computerspielen schon immer ein Dorn im Auge war, die Teilnahme an einem Chat-RS nur empfehlen.
Außerdem finden sich in den Reihen der SF auch einige ehemaliger Pen and Paper-Rollenspieler, die zwar schon RS-Erfahrung hatten, aber das Nichtvorhandensein von Regeln (oder Würfelwürfen) begrüßen.
Meine eigenen Erfahrungen waren größtenteils positiv, natürlich gab es Reibereien, aber anders als bei einem verbuggtem Computerspiel kann man etwaige Probleme durch Aussprache mit den betreffenden Personen regeln.
Als ich vor über einem Jahr diese Art des Spiels noch kritisch beäugte, hätte ich nicht gedacht, dass es mir einmal so viel Spaß machen würde.

Interview mit Fleet Admiral Cascal

DSi: Stell dich und deine Aufgaben im RS bitte kurz vor.

Cascal: Ich bin Fleet Admiral Cascal, Leiter und Mitbegründer dieses Rollenspiels.
Inzwischen beschränke ich mich auf die reine Managementtätigkeit im RS und nehme selber nicht an Missionen teil.
Ich plane als Leiter der Personalabteilung die Crews, sodass jeder einen Posten bekommt in dem er ausgebildet wurde und dies auch an den Tagen an denen er Zeit hat.
Im Großen und Ganzen kümmere ich mich um alle administrativen Arbeiten die anfallen.

DSi: Wie lange gibt es die SF schon?

Cascal: Seit April 2000, also seit über 4 Jahren, was für ein Rollenspiel im Internet eine recht lange Zeit ist. Ich hoffe es werden 40 Jahre draus ;-)

DSi: Wie seid ihr auf die Idee gekommen ein Online-Rollenspiel zu machen?

Cascal: Admiral One und ich waren bereits vorher in einem Chat-Rollenspiel. One hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte mit ihm selbst ein RS nach unseren Vorstellungen aufzuziehen.
Es hat sich als lohnend erwiesen. Wir bieten inzwischen 50 Members ein Hobby.

DSi: Wie viele Personen wart ihr am Anfang.

Cascal: Gründungsmitglieder 3 wovon 2 Überlebt haben.
Plus 4 oder 5 Mitglieder der ersten Stunde.

DSi: Gab es Anlaufschwierigkeiten, wenn ja welcher Art?

Cascal: Schwierigkeiten gab und gibt es immer wieder. Zum Beispiel, wenn Mitglieder nicht zu ihren Stammmissionen kommen und das, ohne sich abzumelden kann die Mission in Gefahr auszufallen. Das zieht den Unmut der Members mit sich, die da sind und nicht spielen konnten, weil andere einfach wegblieben. Klar, es kann immer was dazwischen kommen (Beruf / Krankheit / Familie) aber man soll wenigstens bescheid sagen. Nur weil bei uns kein Geld gezahlt wird, heißt es nicht, dass man machen kann was man will. Schließlich investieren manche Members auch viel Zeit in das Rollenspiel.
Es war schwierig an Members zu kommen, da es auch noch andere Rollenspiele gab und diese manchmal etwas liberaler sind als wir.

DSi: Wie viel Zeit investierst du in die SF?

Cascal: Hm, wollt ihr das wirklich wissen?
Circa 20-30 Stunden in der Woche.
Um niemanden zu verscheuchen: Bei einem normalen Mitglied wird erwartet, dass es 2 Stunden für die Mission übrig hat und vielleicht jeden oder alle 2 Tage seine Emails abruft und regelmäßig ins Forum guckt. Da würde ich auf 3-4 Stunden kommen.

DSi: Gab es große Veränderungen im Rollenspiel, seitdem es existiert?

Cascal: Das Rollenspiel ist einem ständigen Wandel unterworfen. Um mithalten zu können muss es ständig verbessert werden. Außerdem lernt man ständig dazu. Inzwischen hat es 3 Punktereformen in der SF gegeben. Neulich erst haben wir eine Verfassung im Rat verabschiedet, in der (fast) alle Regelungen der SF stehen.
Da jedes Mitglied Anträge im Rat stellen kann, ist eine ständige Verbesserung des Rollenspiels ständig gegeben.

DSi:Warum machst du dir überhaupt so viel Arbeit?

Cascal: Es macht mir einfach Spaß. Besonders wenn ich sehe, was erreicht wurde. Wir bieten, wie schon erwähnt, 50 aktiven Members ein Hobby, wobei das Alter von 14 bis 40 reicht. Durch das Rollenspiel entwickeln sich viele Freundschaften, die auch im Real-Life bestand haben.

DSi: Warum habt ihr einen Zeitpunkt soweit von den Serien entfernt als Handlungszeitraum für das RS gewählt?

Cascal: Wir haben uns entschlossen, dass ein RS-Jahr einem Monat Reallife entspricht, sodass ein Altern eines Chars auch gegeben ist. So machen die Beförderungen auch mehr Sinn. Schließlich wird man eher nach Jahren befördert und nicht nach Monanten. Somit ist ein Zeitpunkt entstanden der weiter von den Serien liegt. Außerdem wollen wir uns ja auch weiterentwickeln und neue Technologien schaffen. Dies ist nur möglich, wenn das RS in der Zukunft spielt

DSi: Von welchen Faktoren hängt die Entwicklung der Mitgliederzahl ab?

Cascal: Wenn ich das wüsste hätten wir schon 100 ;-)
Zum einen sicherlich durch die Beliebtheit der Serien. Dann haben wir im Winter mehr Zugänge und während der Ferien, meist zum Ende der Ferien.

DSi: Was plant ihr im RS für die Zukunft?

Cascal: Die Mitgliederzahl halten und verbessern. Ansonsten schauen wir mal, was da kommt.

DSi: Vielen Dank für das Interview

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