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Spice Williams

Entgegen dem Programm bestritt Spice Williams das Panel um 12:15 ohne Mary Kay Adams.

Zur Einleitung erläuterte die lebensfrohe Frau erst einmal, dass sie neben der Schauspielerei auch noch als Stuntfrau arbeitet und in mehreren Kampfsportarten trainiert ist. Spice musste während des gesamten Wochenendes einen Verband am Knie tragen und erläuterte im Panel, wie es dazu kam: kurz vor der Con hatte sie noch am Training teilgenommen und einem hochnäsigen 18-jährigen eine Lektion erteilt - dieser sei so wütend über den Sieg der immerhin knapp 50-jährigen gewesen, dass er ihr anschließend kräftig ins Bein getreten habe. Spice meinte, sie könne es nun kaum erwarten, dass das Knie endlich wieder gesund wird, um dem 18-jährigen zu zeigen, wie fairer Kampfsport aussieht.

Im Anschluss erläuterte Spice, wie sie an die Rolle der Klingonen Vixis in Star Trek V kam: in den 70er Jahren spielte sie in der Rock'n Roll-Gruppe "Sugar and Spice" Keyboard. Auf der Suche nach einem guten Platz für regelmäßige Auftritte landete die Truppe in Las Vegas, und dort begab sich etwas merkwürdiges: jeden Tag gegen 16:15 schienen die Menschen alles stehen und liegen zu lassen und verschwanden in die Wohn- und Fernsehzimmer. Nach kurzem hatte Spice das Geheimnis ergründet: nachmittags wurde dort Star Trek ausgestrahlt, und so wurde sie in kurzer Zeit zu einem riesigen Fan von Captain Kirk und seiner Crew. Als sie in den späten 80ern Schauspielerin war und das Angebot bekam, in Star Trek V eine Figur namens Vixis zu spielen, schwebte sie im 7. Himmel - sie würde Kirks neue Freundin werden!

Also ging sie zum vorgesehen Termin zu den Paramount-Studios und erzählte jedem voller Stolz, dass *sie* bei Star Trek mitspielen würde. Beim Casting war Bill Shatner, der Regie führte, persönlich anwesend, und Spice hatte das Gefühl, es könne kaum besser werden - bis sie erfuhr, dass sie eine Klingonen spielen solle... Zu allem Überfluss hatte sie auch noch klingonischen Text zu sprechen. Zusammen mit ihrem Kollegen Todd Bryant, der Captain Klaa spielen sollte, übte sie wochenlang ihre klingonischen Textpassagen. Unterstützt wurden die beiden dabei vom Erfinder und Entwickler der klingonischen Sprache, Marc Okrand. Als Spice und Todd dann erstmals ihre Szenen gemeinsam probten, ergab sich ein weiteres Problem: sie wussten nicht, wann der jeweils andere geendet hatte. Also mussten sie weitere Arbeit investieren, um auch noch den Text des anderen zu lernen. Das Resultat kann sich auf alle Fälle hören lassen: Spice gab sogleich einige Textpassagen wieder, die kaum klingonischer hätten klingen können.

Während des gesamten Panels machte Spice immer wieder scherzhafte Anmerkungen in Richtung des Publikums, vor allem die als Klingonen verkleideten Gäste bezeichnete sie als ihre Brüder und Schwestern. Sie erklärte, wie großartig es für sie ist, ein Teil der riesigen Star Trek-Familie zu sein. Sie meinte, dass sich die Leute in den Autogrammstunden etwas Zeit mitbringen sollten, denn sie würde jede einzelne Person nach ihrem Namen fragen, um neue Freunde zu gewinnen. Beim nächsten Treffen auf einer Convention würde sich diese Freundschaft dann festigen.

Dann gab es eine Frage zur Kleidung der Klingonen, und sofort hatte Spice eine weitere Geschichte parat: beim Vorsprechen und in den Proben trug sie meist eine schwarze Trainingshose, die von einer guten Freundin hergestellt wurde. Die Kostümdesigner waren davon begeistert und meinten, so würde auch die Hose von Vixis aussehen; sie wollten sie aber auf jeden Fall selbst herstellen. Nach 3 Monaten und einer Investition von immerhin 8.000$ saßen aber die dort gefertigten Hosen immer noch nicht richtig, und so griff man schließlich auf die Freundin von Spice zurück und kaufte die Hosen dort ein. Ähnlich spontan ergab sich die Frage der Augenbrauen: das Script sah vor, dass Vixis als Klingonin möglichst sexy wirken sollte. Tagelang wurden die verschiedensten Augenbrauen ausprobiert, doch nie war man mit dem Ergebnis zufrieden - bis Spice vorschlug, dass Vixis ganz einfach gar keine Augenbrauen hat.

Auf eine weitere Frage hin ging Spice auf ihre Stuntrolle in "From Dusk till Dawn" ein: während der Szenen im Titty Twister, wo sie eine Vampirin spielte, habe sie ganz schön etwas abbekommen. Denn im Gegensatz zu ihren männlichen Stuntkollegen könnte sie keinerlei Knie- und Ellbogenschützer etc. tragen, und die Kampfszenen waren sehr heftig, damit das Resultat möglichst realistisch wirkte. Sehr makaber waren die Scherze, die am Set gemacht wurden, denn für immerhin drei Wochen war die Crew beim Dreh von falschen Leichenteilen umgeben. So kursierten dann Scherze wie: "Could you give me a hand, please?"

Dann schwenkte Spice um auf ein Musikvideo für einen Meatloaf-Song, wo sie ebenfalls als Stuntfrau mitgewirkt hatte. Das Video sollte einen "Indiana Jones"-mäßigen Stil haben. Es gab Szenen, in denen jemand an einem langen Seil aus einem Hubschrauber heraus hing, ein extrem gefährlicher Stunt. Dennoch ging alles gut, und niemand wurde verletzt. Nach dem Abschluss der Dreharbeiten hatte sich Spice gerade auf den Weg nach Hause gemacht, als der Hubschrauber direkt neben ihrem Auto abstürzte. Der Pilot und der Kameramann, mit denen sie wochenlang zusammen gearbeitet hatte, starben in den Flammen, ohne dass sie ihnen helfen konnte. Dabei hatte sie eine spontane Assoziation: die beiden Leichen sahen genau so aus wie die Leichtenteile beim Dreh von "From Dusk till Dawn". Seitdem muss Spice bei diesem Film immer an den Hubschrauerabsturz zurückdenken. Während sie dies erzählte, wirkte sie etwas nachdenklich, bewahrte sich aber trotzdem die Fröhlichkeit, die sie am ganzen Wochenende zur Schau trug.

Die nächste Frage lautete, ob es Stunts gebe, vor denen Spice Angst hat. Sie antwortete darauf, dass sie eigentlich vor gar keinem Stunt Angst hat. Allerdings würde sie nicht so gern von Häusern fallen, genau so wie sie ungern von Motorrädern fällt. Viel lieber seien ihre da Pferde, von denen könne man viel besser herunterfallen. Ansonsten gefalle es ihr auch sehr gut, angefahren zu werden und Treppen herunterzufallen. Anschließend fragte Spice, ob jemand im Publikum schon einmal gestorben sei - ihr ist das nämlich mit 18 passiert. Nach einem schweren Unfall wurde sie auf dem Operationstisch für tot erklärt. Ihr Bewusstsein hat dabei ihren Körper verlassen, sie sah ein helles Licht, und das Leben kam ihr weit entfernt vor. Aber sie beschloss, dass sie weiterleben wollte, und plötzlich war sie wieder in ihrem Körper zurück.

Damit war die Zeit um, und Spice bedankte sich herzlich bei dem Publikum. Sie meinte noch einmal, dass die Star Trek-Fans eine große Familie bilden und sie sehr geehrt ist, ein Teil dieser Familie zu sein. Unter großem Applaus beendete Spice damit das Panel. (ys)

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