Deutscher StarTrek-Index  

Bericht von der Star Trek World Tour (1)
von Michael Schmitz für den DSi

Sternzeit -30.2192.91 (8.12.1998-14.00 Uhr): Während sich andere Menschen vermutlich auf der Jagd nach Geschenken durch Kaufhäuser schiebt und im Keller nach den Christbaumkugeln sucht, gehe ich auf das Messegebäude in Düsseldorf zu. Die STAR TREK WOLD TOUR hat ihre Türen seit drei Tagen geöffnet. Der rote Teppich vor dem Eingang signalisiert mir, daß ich willkommen bin; das will ich auch hoffen, schließlich kostet das Ticket (für „Flug" und allem anderen inklusive) 51.90 deutsche Mark im Vorverkauf. Gespannt betrete ich das Foyer des Messegebäudes und wende mich den Gates zum einchecken zu. Alles ist sehr frisch und unverbraucht mit noch sauberem Teppichboden ausgelegt, der mich von der Farbgebung sehr an die bekannte Serie erinnert. Nachdem ich dem Wegweiser gefolgt bin, stehe ich mit vielen anderen Besuchern vor einer Absperrung, hinter der zwei Rampen zu jeweils einer noch geschlossenen Türe führen. Nachdem die Großgruppe in zwei kleinere (immerhin noch ca. 50 Personen) Gruppen aufgeteilt wurden bekommen wir noch einige Anweisungen von einem Starfleet Fähnrich und dürfen dann über die Rampe in das Operations-Center eintreten. Was ich da vor mir sehe, ist schon beeindruckend: eine großzügige halbrunde Anlage in der sich neben zwei Großleinwänden zahlreiche Konsolen und Pads mit den berühmten Okudagrammen befindet. Diese Konsolen und Okudagramme wirken schon auf die Entfernung verblüffend echt und leuchtstark. Die akustische Hintergrundbeschallung (das typische Piepsen und Rumoren) ist auch gut. Während auf den Großbildschirmen verschiedene Alienrassen vorgestellt werden (Orginalton:englisch mit deutschem Untertitel) warten wir auf unsere Tour. Endlich dürfen wir weitergehen, und in einem anschließenden Briefingraum bekommen wir unsere weitere Tour erklärt: Wir werden gleich einen Transporterraum betreten und zur Enterprise gebeamt werden. Während der Uniformierte noch erklärt, wird er an einem Bildschirm von einem guten Bekannten unterbrochen: Q erscheint auf einem Bildschirm und reißt fortan die gesamte Darbietung an sich, allerdings, und das wirkte sich schon vorher störend aus, in Englisch. Die ganze Darstellung wirkt dadurch nicht homogen und zum Teil extrem durcheinander-ein großer Teil der aufgebauten Atmosphäre geht verloren. Der Transportvorgang wird eingeleitet und einige Licht- und Vibrationseffekte später öffnen sich die Türen wieder und wir betreten den zweiten Briefingraum, nun alllerdings, so will man uns glauben machen, an Bord der Enterprise. Zwei Wissenschaftsoffiziere laufen emsig zwischen verschiedenen Konsolen umher und drücken die Sensorflächen, während ein dritter uns auf den Maschinenraum vorbereitet: ein sensibler Bereich, in dem man bitte nichts anfassen soll! Die Türen öffnen sich und wir treten in einen Turbolift, der sehr gut mit Beleuchtungs- und Soundeffekten uns Besucher auf Deck 36 bringt. Zusammen treten wir mit der anderen Gruppe von zwei Seiten in den Maschinenraum auf den berühmten Kontrolltisch (Billardtisch) zu, von wo aus sich der Status des Warpkerns und vieler anderer technischer Einrichtungen ablesen und beurteilen lässt. So weit so gut: der Warpkern ist im hinteren Bereich erkennbar (und sieht auch recht gut aus), der Konsolentisch ist liebevoll mit den üblichen Okudagrammen beleuchtet und im hinteren Bereich neben dem Warpkern sind gefährlich nah weitere Konsolen angebracht. Was völlig fehlt, sind verschiedene Wartungslifte, Geordis Chefingenieurbüro mit runder Scheibe als Sichtkontrolle zum Warpkern und die Hilfsingenieureinheit. Während die Ingenieurin uns die Funktionsweise eines Warpantriebes erklärt, schaltet sich (natürlich) wieder mal Q ein, um die dargestellten menschlichen Aktivitäten (auf Englisch mit deutschen Untertiteln) herunterzumachen und um eine Krisensituation herbeizuführen: Der Warpkern wird durch ihn (und mittlerweile seinen Sohn) nur so zum Spiel überhitzt; aufgeregt läuft die Crew von einer Konsole zur nächsten, um die Situation in den Griff zu bekommen. Die Rauch-, Licht- Geräusch-, und Vibrationseffekte tun ihr übriges, um den Besucher zumindest für eine Weile zu verunsichern, und mehrere Crewmitglieder evakuieren die Besucher in einen Turbolift, der sich dann, wie schon beschrieben, in „Bewegung" setzt und uns (natürlich) zur Brücke bringt. Wir werden von dem diensthabenden Commander empfangen und in den hinteren Bereich, also Taktische Station, und hinter uns Wissenschaftsstation, Maschinenstation und Lebenserhaltung gewiesen. Dort haben wir Blick auf den großen Hauptbildschirm, die Flugsteuerungskonsole (Conn) und die Einsatzleitungskonsole(Ops). Dahinter angeordnet die unverzichtbaren Throne des Captains und seiner beiden Berater. Die einzelnen Elemente sind von ihrer Darstellung gelungen und man erkennt bei näherem Hinsehen der Okudagramme witzigerweise in Kürzeln die Insignien der verschiedenen Designer, wie zum Beispiel Mike und Denise Okuda, Herman Zimmermann u.a.

Die Besichtigung wird (natürlich) wieder von Q unterbrochen und er initiiert wieder mal eine Krisensituation und verlangt, daß jemand von den Besuchern an der OPS Platz nimmt, um einmal einen normalen Menschen zu testen. Die Besucherin, die an der OPS Platz genommen hat, muß in einem „dramatischen" Moment eine richtige Knopfkombination drücken um uns alle zu „ retten".

Glücklicherweise schafft sie es und wir dürfen (müssen) die Brücke wieder verlassen. Wir betreten die Space Dock Lounge in der sich (leider) nur drei verschiedene „Aliens" aufhalten: ein recht großer Klingone, ein zu großer Ferengi und ein Romulaner. Alle drei sind hervorragend geschminkt und der Klingone pöbelt glaubwürdig die ankommenden Gäste (vor allen Dingen die, die sich in Uniform hergewagt haben) an.

Nach etwa 30 Minuten sind wir mit der Tour fertig und dürfen die Gänge weiter durchgehen um auf die Holosuite (eine magere Darstellung von unscharfen und zusammenhanglosen Dingen und einer durchschnittlichen Lasershow) und den galaktischen Markt zu stoßen. Für diesen Markt gilt der Spruch „mehr Schein, als Sein". In einer riesigen Halle verlieren sich mehrere kleine, auseinandergezogene Stände, deren Angebot allenfalls durch die Preise und nicht durch die Vielfalt galaktisch wirkt. Auf meiner Suche nach den einschlägigen Fanartikeln wie Poster, Anstecker, Kalender etc. scheitere ich kläglich und das einzige Poster, auf daß ich stoße, ist das Veranstaltungposter der WORD TOUR in Düsseldorf-dies aber dann gleich in vierfacher Variation.

Im Spacerestaurant darf man verschiedenartige Gerichte von verschiedenen Welten essen (meist nur umgetaufte irdische Speisen, aber dennoch witzig dargeboten) und in einem Kino wartet noch ein sehensnswerter Zusammenschnitt der STAR TREK Legende.

Dieser Zusammenschnitt ist wirklich gelungen. Er beleuchtet die Anfänge, die Fortsetzungen und die filmischen Umsetzungen von Roddenberrys Idee um dann verschiedenartige Akzente schlaglichtartig zu beleuchten: Liebe in Star Trek, Kampfszenen Mann gegen Mann in Star Trek; Aliens in Star Trek (unglaublich wie viele es gibt), Technik in Star Trek, Weltraumkämpfe in Star Trek , Medizin in Star Trek, u.v.a. Alles unglaublich unterhaltsam zusammengeschnitten und mit mit witziger Musik hinterlegt. Hier fanden sich viele Fans sogar zweimal ein, um den ca. 15 minütigen Film noch einmal zu sehen. Das Museum zeigt viele Reliquien und Objekte aus Serien und Filmen, auch schon zu sehen auf der Ausstellung in 1996.

Das wars. Nach ca. 45- bis 50 Minuten ist der Fan um 52 DM ärmer und um zahlreiche visuelle Eindrücke reicher.

FAZIT: Die Besichtigung der Teile der NCC 1701-D ist für FANS sicherlich kein Quantensprung, aber liebevoll umgesetzt und in der Gestaltung sehenswert. Die Adaptierung auf deutsche Verhältnisse hätte dem Projekt sicherlich gut getan (Synchronisation!). Die angeheuerte Sternenflottencrew wirkt zum Teil etwas hölzern , aber tut ihr bestes.

Die Detailtreue ist in Einzelheiten (Konsolen, Pads, Monitore, Grafiken, etc.) sehr genau, aber erhebt im architektonischen (Türöffnungen, Abzweigungen) keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die in der Space Dock Lounge anzutreffenden Aliens könnte man sicherlich noch „vermehren" und die Holosuite sollte man besser „deaktivieren". Das Museum ist witzig und bietet Kurzweil beim Stöbern. Der galaktische Markt ist vom Angebot her lächerlich klein und überteuert, hingegen der Videosampler im Spacekino ein echter Lichtblick. (Davon hätte es Kaufvideos geben sollen-schade Paramount/Viacom eine verpasste Chance!!)

Ein 641 Meter langes Schiff der Föderation auch nur in Ausschnitten darzustellen, ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. Die visuelle Präsentation scheint gelungen und wer größeren Anspruch auf Vollständigkeit und Authenzität legt, möge sich bitte nach Las Vegas zur Experience begeben.

Als „Reisetaschentour" halte ich dieses Vehikel für durchaus gelungen; etwas teuer, aber kann es dem Fan empfehlen.

- Michael Schmitz

Grundriss der Enterpriseaufbauten bei der STWT

Quelle: Rheinische Post Extra zur World Tour am Dienstag 1.12.1998
   
 

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