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DVD-Review: ST6 - Das unentdeckte Land
von Malte Kirchner (malte@startrek-index.de)

Nachdem die TNG-Fans dank der rückwärts gerichteten Reihenfolge bei der DVD-Veröffentlichung der Star Trek-Filme bereits voll auf ihre Kosten gekommen sind, dürfen sich nun die Classic-Fans freuen: Mit ,,Star Trek VI - Das unentdeckte Land" fand der bei vielen Classic-Fans beliebteste Film der Reihe seinen Weg in die Ladenregale. Die Europa-Premiere (Code 2) der Classic-Crew in digitaler Form vermag zu überzeugen - wir haben uns die DVD einmal für Sie angesehen.

Handlung
Nachdem der klingonische Mond Praxis, eine wichtige Rohstoffquelle der Klingonen, durch Mißwirtschaften zerstört wurde, bitten die Klingonen die Föderation Friedensverhandlungen einzuleiten, um jahrezehntelange Streitigkeiten zu beenden. Admiral Kirk und die Besatzung der Enterprise werden daraufhin beauftragt, Kanzler Gorkon zur Friedenskonferenz zu eskortieren.

Doch es kommt zu einem tragischen Zwischenfall, bei dem der klingonische Kanzler ermordet wird und Kirk sowie McCoy in das Fadenkreuz der Anklage gelangen. Während Spock Ermittlungen aufnimmt, um zu beweisen, dass es sich um eine Verschwörung in den eigenen Reihen handelt, werden Kirk und McCoy auf einen eisigen Gefängnisasteroiden gebracht, wo sie bald die Bekanntschaft eines unbekannten Wesens machen, das ihnen die Augen öffnet.

Zurück an Bord der Enterprise begibt man sich umgehend zur Friedenskonferenz, wo man die wahren Mörder des klingonischen Kanzlers letztlich stellen kann.

Bewertung:  
Nachdem 1990 in der Gegenwart der kalte Krieg endete, nahm sich auch Star Trek dieses Themas an und beendete die seit jeher bestehende Feindschaft mit den Klingonen. Wie immer denkt Star Trek schon einen Schritt weiter und zeigte damals schon die Probleme auf, die auf die Menschheit noch zukamen: Konservative Kräfte, die auf keinen Fall den Konflikt enden lassen wollten, gegenseitiges Mißtrauen und gleichzeitig die Notwendigkeit, selber den anderen einen Schritt entgegenzukommen - auch wenn er riskant ist. Bezeichnend ist die Szene, in der die Chronos I über der Enterprise fliegt und Chekov (ein Russe) Kirk (einen Amerikaner) fragt, ob er die Schilde hochfahren soll. Kirk entgegnet dem lediglich, sichtlich entgeistert: "So nah waren wir noch nie!"

Star Trek VI ist ein wohlverdientes Ende der Classic-Crew. Getreu dem Motto "Man soll aufhören, wenn es am besten läuft", lieferte man mit dieser Symbiose aus Realität und Fiktion ein Meisterwerk ab, das die einzelnen Charaktere der Enterprise ein letztes Mal voll zur Geltung kommen ließ. Eines wird klar: Nicht nur die Charaktere haben sich weiterentwickelt, sondern auch die Darsteller sind in ihren Rollen gewachsen.

Bild & Ton
Bereits mit Verkaufsstart musste sich Star Trek VI Kritik gefallen lassen. Grund dafür war der entgegen angeblich anderslautenden Ankündigungen nicht vorgenommene anamorphe Transfer des Films.

Erläuterung: Bei DVDs gibt es zwei Arten der Speicherung der Bilder. Die erste ist in anamorpher Form, indem in einem Frame (Einzelbild) das gesamte Bild gestreckt gespeichert wird und der Player mittels einer (virtuellen) anamorphen Linse das Bild auf das gewünschte Format bringt (Pan&Scan, Letterbox, Widescreen). Dieses Prinzip hat man den Kinos entnommen, wo man das 4:3-Format der Einzelbilder damit voll ausnutzt und das Bild mittels einer anamorphen Linse in die Breitversion umwandelt. Die Alternative ist die Speicherung mit Balken, die man Letterbox nennt.

Für die Besitzer eines entsprechenden Breitbildfernsehers hat die Letterbox-Variante den Nachteil, dass sie kein so scharfes Bild abliefert, wie es die anamorphe Widescreen-Variante gewährleistet.
Bei aller Kritik daran - auch, weil man letztlich nur auf den anamorphen Transfer verzichtete, da man in den USA angeblich keine andere Version des Films in Europa haben wollte -, sollte man diesen Sachverhalt allerdings auch nicht überbewerten. Für Besitzer eines normalen 4:3-Fernsehers, so wie er nach wie vor weiträumig verbreitet ist, nimmt das Letterbox-Format dem DVD-Player lediglich ein wenig Arbeit ab und es kommt nicht zu sichtbaren Qualitätseinbußen.

Die Beurteilung der Bildqualität fällt für den Film sehr gut aus. Die Schärfe der Bilder lässt einen selbst kleine Details im Hintergrund sehr gut erkennen und spiegelt sich zudem in den Szenen wieder, in denen stark mit Lichtunterschieden und Lichtmustern gearbeitet wird.

Auch in dunklen Szenen, wie in dem unterirdischen Gefangenenlager im Asteroiden, treten keine sichtbaren Störungen auf. Einzig und alleine bei der Flucht durch das Schneegestöber fielen bei der Betrachtung leichte Bildirritationen auf, die vermutlich durch die Geschwindigkeit und die vielen einzelnen Schneeflocken verursacht wurden, jedoch die Betrachtung des Films nicht beeinflussen.

Ebenfalls bemerkenswert gestaltet sich der Ton der DVD. Obwohl der Film von 1991 ist, sind die Unterschiede, wenn man den Ton über den Fernseher oder über ein entsprechendes Dolby 5.1-System hört, ziemlich deutlich. Insbesondere der Soundtrack kommt im Digital-Ton besonders zur Geltung und nutzt Vorder- und Hintergrund geschickt aus. Weiterhin auffallend sind die Effektszenen. Wenn z.B. die Druckwelle des explodierenden Mondes dem Zuschauer entgegenkommt, durchdringt sie tatsächlich auch den Zuschauer. Aber auch die Fluggeräusche der Enterprise im Hintergrund machen die Szenen zu einem realer wirkenden Erlebnis als mit analogem Ton.

Der deutschsprachige Ton ist gegenüber dem englischsprachigen - wie so oft bei US-Filmen - deutlicher und lauter. Dafür wirkt der englischsprachige natürlich unmittelbarer - eine Eigenschaft, die die Synchronisation nicht übernehmen kann.

Insgesamt kann man bei Bild & Ton auf alle Fälle von einem guten Ergebnis sprechen. Der nicht-anamorphe Transfer wird zugunsten aller Besitzer eines Breitbildfernsehers als Kritikpunkt angerechnet, der letztlich dafür ausschlaggebend ist, dass keine sehr gute Bewertung erfolgt.

Extras
Nachdem "Generations" (ST7) kein einziges Extra enthielt, erfreut sich Star Trek VI wie auch zuvor "First Contact" wieder zweier Trailer. Dennoch ist die Meinung vieler Fans nicht von der Hand zu weisen, dass diese beiden Extras gerade für das Phänomen Star Trek als ziemlich dürftig angesehen werden können. Nicht einmal ein Making-Of legte man bei. Von etwaigen Cut Scenes, Interviews, etc. einmal ganz abgesehen. Andere Produktionsfirmen machen es vor, teilweise sogar mit einer Extra-DVD, wie man die Freude am Film durch liebevolle Extras ergänzen kann, wobei das Extrem der Extra-DVD ja noch nicht einmal unbedingt dem Wunsch der Fans entspricht. Zumindestens ist es schade, dass es auch mit ST6 bei den Trailern geblieben ist, da dies die Zusatz-Möglichkeiten der DVD im Grunde unberührt lässt und sicherlich für viele potentielle Käufer ein Grund mehr gewesen wäre, abgesehen von der besseren Ton- und Bildqualität, neben der VHS-Version des Films, vielleicht auch noch die Anschaffung der DVD-Version zu erwägen. Anscheinend geht man aber davon aus, dass die bessere Qualität der DVD-Version selbige zu einem Selbstläufer macht, was die bisherigen Verkaufszahlen offenbar auch bestätigt haben. Dennoch: Mehr Extras wären mehr Attraktivität!

Sonstiges / Trivia
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Als äusserst umfangreich kann man das Sprachenangebot bei den Untertiteln bezeichnen. Ganze 11 Sprachen (+ Englisch für Hörgeschädigte) stehen zur Verfügung. Inwieweit sich dadurch ein konkreter Nutzen für die Mehrheit der Betrachter ergibt, ist zweifelhaft - wer jedoch einer oder mehrerer der angebotenenen Sprachen mächtig ist, kann daran seine Fähigkeiten messen.

 - Der deutsche Untertitel ist eine Übersetzung des englischen Untertitels. Dementsprechend unterscheidet sich der Wortlaut des deutschen Untertitels teilweise auffällig von der deutschen Synchronisation, wenngleich aber der Sinn gewahrt bleibt. Was der Übersetzer allerdings übersehen hat, ist die deutsche Übersetzung von "Klingons". Während Kirk&Co. von Klingonen sprechen, heißt es im Untertitel durchweg Klingons.

 - Je nach Sprachversion erhält man auch individuelle Untertitel, wenn im Film klingonisch gesprochen wird. Statt fester Untertitel wählte man die wählbare Untertiteloption, die die DVD mitbringt.

 - Die DVD-Fassung des Films ist 3:16 Minuten länger, als die damalige Kinoversion. Der Unterschied sollte vor allem in der deutschen Fassung auffallen, da die Synchronstimmen teilweise ganz andere sind. Der Grund dafür ist, dass die Szenen nachsynchronisiert wurden, als einige der Synchronsprecher längst verstorben waren.
Leider sind die betroffenen Szenen im Film nicht markiert, so dass einem nur das Internet auf der Suche nach ihnen weiterhelfen kann. Die gesonderte Behandlung dieser Szenen, z.B. in einem Extra, wäre wünschenswert gewesen.

Hier die neuen Szenen in der Auflistung:

   37:16  : Col. West präsentiert dem UFP-Präsidenten seinen Eingreifplan
   41:26  : Spock und Scotty unterhalten sich im Torpedoraum
1:38:25  : Entdeckung, dass das Blut des Klingonen rot ist
1:38:32  : Der falsche Klingone wird als Col. West enttarnt

 - Fans von "Deep Space Nine" werden es bemerkt haben: Col. West wird gespielt von René Auberjonois (Odo in DS9), Admiral Cartwright von Brooke Peters (Siskos Vater in DS9) und der klingonische Verteidiger von Kirk und McCoy sollte sowohl TNG- als auch DS9-Fans als Worf (gespielt von Michael Dorn) bekannt sein.
Die Situation, dass Seriendarsteller vor Beginn der Serie (im Fall von Auberjonois und Peters) in Star Trek-Filmen zu sehen sind, wird sich in "Generations" ein weiteres Mal mit Tim Russ (VOY: Tuvok) wiederholen.

 - Die Verpackung und die DVD selber fallen mal wieder sehr schlicht aus. Der Außenaufdruck ist vielversprechend, doch innen erwartet einen nur schwarze Plastik. Lediglich eine Karte (Szenenauswahl) ist enthalten. Die DVD selber ist wie von den Star Trek-DVDs gewohnt nur mit Schrift bedruckt. Es gibt keinen Bildaufdruck. Wie beim Inhalt der DVD setzt man auf Schlichtheit und Funktionalität.

Fazit
Wer ST6 noch nicht als Videokassette im Regal stehen hat und sich zwischen VHS-Kassette und DVD entscheiden muss, für den stellt sich die Frage bei entsprechenden technischen Möglichkeiten (sprich: DVD Player) eigentlich nicht: Hier kommt ganz eindeutig die DVD als erstes in Betracht, weil sie qualitativ weitaus besser als die VHS-Version ist und zudem die typischen Vorzüge der DVD-Technik mit sich bringt (z.B. ausbleibender Qualitätsverlust bei häufigem Abspielen oder längerer Lagerung). Der höhere Kostenfaktor rentiert sich für den Käufer auf alle Fälle.

Ganz anders stellt sich die Frage aus der Sicht jenes potentiellen Käufers, der die VHS-Version bereits sein eigen nennt und nun über den Zukauf der DVD-Fassung nachdenkt - was wohl bei ziemlich vielen Fans der Fall sein wird.

Perfektionisten werden mit der DVD wohl nicht unbedingt glücklich, wenn man nur als Beispiel dafür die teilweise recht massive Kritik von Käufern wg. des fehlenden anamorphen Transfers bedenkt. Inwieweit diese Feinheiten jedoch für die Mehrheit der Besitzer eines DVD-Abspielgeräts wirklich relevant, ja überhaupt ersichtlich sind, sei mal so dahingestellt. Im Test der DVD konnten unsererseits keine Mängel oder Beeinträchtigungen festgestellt werden. Ferner ist die Bildqualität ersichtlich besser als die auf der VHS-Fassung und auch die Tonqualität entfaltet - auf einem Dolby Digital 5.1-System abgespielt - ganz neue Dimensionen. Unter qualitativen Gesichtspunkten - anamorpher Transfer hin, Letterbox her - ist das "Upgrade" auf die DVD eindeutig zu empfehlen.

Leider beläßt man es aber auch bei den Vorzügen von Bild und Ton. Die Extras gestalten sich mit den Trailern äußerst spärlich. Und das obwohl der Reiz einer DVD - gerechtfertigt oder nicht gerechtfertigt - oft gerade von diesen Zusätzen maßgeblich ausgeht. Gerade bei einer Kultserie wie Star Trek wäre es angemessen gewesen, die DVD liebevoller zu gestalten, indem sie einige Extras enthalten hätte. Es wäre wünschenswert, wenn man diesen Verbesserungsvorschlag, der von vielen Star Trek- und DVD-Fans geteilt wird, bei den künftigen Erscheinungen der restlichen Filme berücksichtigen würde.

Alles in allem ist "Star Trek VI - Das unentdeckte Land" aber auf alle Fälle empfehlenswert, da der Film - der ja letztlich ausschlaggebend ist - eine absolut sehenswerte Produktion darstellt, bei der die Vorzüge des digitalen Zeitalters in vielerlei Hinsicht zum Tragen kommen. 

Daten zur DVD

           Titel: STAR TREK VI - Das unentdeckte Land
Original: STAR TREK VI - The Undiscovered Country
Darsteller: William Shatner, Leonard Nimoy, DeForrest Kelley, James Doohan, Walter Koenig, Nichelle Nichols, George Takei, Kim Cattrall, David Warner, Christopher Plummer
Regie: Nicholas Meyer
Musik: Cliff Eidelman
Erschienen: USA, 1991
Studio: Paramount Pictures
DVD-Veröffentlichung: 19. Februar 2001
Freigabe: FSK 12
Region: 2
Preis: ca. 55,- DM
Sprachen: Englisch (5.1), Deutsch (5.1), Tschechisch (Surround)
Untertitel: Englisch für Hörgeschädigte, Englisch, Arabisch, Dänisch, Deutsch, Finnisch, Holländisch, Isländisch, Norwegisch, Polnisch, Schwedisch, Türkisch
Features: Kino Trailer & Teaser Trailer
Länge: ca. 109 Minuten
Format: 2,35:1 Widescreen (Farbe)

 
Wir danken Paramount Pictures für die Bereitstellung der Test-DVD!

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