30 Mrz 2013

DSi-Rezension: Star Trek Enterprise Staffel 1 auf Blu-ray (HD)

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Die Enterprise NX-01 startet ins Blu-ray-Zeitalter. Die erste Staffelbox ist jetzt im Handel erhältlich.

Die Enterprise NX-01 startet ins Blu-ray-Zeitalter. Die erste Staffelbox ist jetzt im Handel erhältlich. Foto: (c) Paramount Pictures

Neues Material für die Freunde gestochen scharfer Star Trek-Serien. „Enterprise“ wird mit seinen vier Staffeln im Gegensatz zu TNG ein kürzeres Vergnügen. Die Blu-ray-Veröffentlichung der jüngsten und vorerst letzten Star Trek-Serie ist trotzdem mehr als eine Nebensache. Dafür sorgen alleine schon die Extras.

Von Malte Kirchner 

Vorwort

Mit welchen Gefühlen würden wir Enterprise sehen, wenn die Serie erst ein Jahrzehnt später erstmals ausgestrahlt worden wäre? Das ist die Frage, die sich einem beim Betrachten der ersten Blu-ray-Staffelbox aufdrängt. Denn warum diese Serie nur vier Staffeln durchhielt, ist aus heutiger Sicht ein Rätsel. An der Qualität lag es sicher nicht. Enterprise hatte eine tolle Optik, gute Schauspieler und gute Handlungen.

Die Erinnerung an Enterprise ist leider zum Teil negativ geprägt. Die Blu-ray-Box leistet einen Beitrag zum selbstkritischen Umgang mit der Serie.

Vielleicht lag es daran, dass die Fans einfach noch nicht für eine neue Serie bereit waren, bei der sich die Macher obendrein erdreisteten, das beliebte 24. Jahrhundert zu verlassen, um die Anfänge des Star Trek-Zeitalters zu beleuchten. Die Serie wagte einen neuen Blickwinkel, einen, der sich nicht nur an Science Fiction-Fans richtete: Wohl deshalb hat Enterprise auch allerlei Fans, die mit TNG & Co. nicht so viel anfangen können. Weniger Technik und Perfektion, dafür mehr Pioniergeist und Menschlichkeit – das zeichnet die fünfte und vorerst letzte Star Trek-Serie aus.

Vielleicht werden einem die Qualitäten von Enterprise erst jetzt so richtig klar, wo es den Gegenentwurf von J. J. Abrams gibt. Der Erfolgsproduzent hat ebenfalls eine Art Prequel geschaffen. Nur nahm er sich die künstlerische Freiheit, ein Paralleluniversum zu erschaffen, um sich der Zwänge der Kontinuität zu entziehen.

Wenn nämlich Enterprise ein Hemmnis hatte, war es das Bewahren der durchgehenden Zeitlinie. Die Autoren gaben sich alle Mühe, die Vorhersehbarkeit zu vermeiden. Dennoch kann das Wissen um die Zukunft schnell zum erdrückenden Korsett werden. Wer kann zum Beispiel einen Zweifel haben, dass die Menschheit ihre von den Vulkaniern gefürchteten Unzulänglichkeiten doch überwinden wird, wenn doch klar ist, dass drei Jahrhunderte später Captain Picard das Flaggschiff der Föderation kommandiert.

Die Erinnerung an Enterprise ist leider zum Teil negativ geprägt, weil mit dieser Serie die großen Zeiten von Star Trek endeten. Der Trend war schon vorher erkennbar. Auch Voyager tat sich mit den Quoten zusehends schwer. An Erfolge wie zu TNG-Zeiten war eh nicht mehr zu denken. Doch der Abbruch der Serie nach vier statt der üblichen sieben Staffeln und die Tatsache, dass eine jahrelange Pause folgte, sind eng mit Enterprise verknüpft.

Wie sollten da die Extras einer Blu-ray-Veröffentlichung ausfallen? Welchen Tenor sollten sie haben? Die üblichen Loblieder wären unangemessen gewesen. Und erfreulicherweise bewiesen die Verantwortlichen bei CBS/Paramount den Mut, selbstkritisch mit sich und der Serie umzugehen. Rick Berman und Brannon Braga nehmen in einem einstündigen Gespräch kein Blatt vor den Mund, gestehen Quotenhunger und Ausgelaugtheit ein. Und nicht zuletzt vernimmt der Fan vieles, was geradezu entschuldigend klingt: Braga sagt, es habe sehr wohl Fans von Enterprise gegeben – doch bestand daran ein Zweifel?

Da Enterprise parallel zu TNG veröffentlicht wird, könnte diese Serie leicht zur Nebensache geraten. Doch damit würde der Serie ein weiteres Mal Unrecht getan, wie die nachfolgende Rezension aufzeigen soll.

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Die Episoden

Keine erste Staffel kann sich von dem Pflichtprogramm befreien, die Hauptcharaktere und die Umgebung einzuführen. Einer ersten Weiterentwicklung der Charaktere sind dadurch zeitliche Grenzen gesetzt. Bei Star Trek hat das oft dazu geführt, dass die ersten Staffeln der Serien nicht die beliebtesten waren. Auch Enterprise hat einiges an Vorarbeit zu leisten. Trotzdem ist es den Autoren mehr als in den vorherigen Serien gelungen, die Charaktere schon in der ersten Staffel etwas zu entwickeln.

Captain Jonathan Archer. Foto: (c) Paramount Pictures

Captain Jonathan Archer. Foto: (c) Paramount Pictures

Vielleicht hat es damit zu tun, dass der Zuschauer Zeuge wird, wie die Menschheit sich in dieser Serie als ganzes weiterentwickelt. Das Warp-Zeitalter ist zwar schon seit längerer Zeit angebrochen. Mit der Möglichkeit, erstmals Warp-5-Flüge zu unternehmen, wird der Radius deutlich ausgeweitet. Plötzlich wird die Menschheit in die Lage versetzt, nicht nur das aufzusuchen, was die Vulkanier schon kannten, sondern auch Forschung in unbekannten Gegenden zu betreiben. Nicht zuletzt müssen sich die Menschen von der Protektion der Vulkanier befreien, deren Absicht augenscheinlich nicht nur die Unterstützung der Menschen ist, sondern auch das Bestreben, sie etwas zurückzuhalten.

Wer kann es ihnen verübeln? Captain Jonathan Archer und viele seiner Crewmitglieder wirken ungestüm und ungehalten. Dies ist ein Gegenentwurf zu früheren Star Trek-Crews, die zu Beginn schon auf viel Raumfahrerfahrung zurückblickten. Und eben deshalb fiel es den Autoren offenbar auch leicht, die Charaktere in der ersten Staffel nicht nur einzuführen, sondern auch schon etwas reifen zu lassen.

Zum sympathischen Eindruck dieser ersten Staffel tragen aber auch die Wiedersehen mit einigen bekannten Spezies bei. Andorianer, Klingonen und Ferengi sind dabei. Und für die Zuschauer gibt es ferner Begegnungen mit ihnen vertrauten Schauspielern wie Rene Auberjonois (DS9: Odo) oder Jeffrey Combs (DS9: Weyoun).

Wie bei TNG (Q), DS9 (Propheten), VOY (Deltaquadrant) wird auch in Enterprise mit der Pilotfolge „Broken Bow“ mit dem temporalen kalten Krieg ein Thema eingeführt, das eine Menge Potenzial hat.

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Die Blu-ray-Fassung

Enterprise bringt als jüngste Star Trek-Serie die besten technischen Voraussetzungen mit, auf Blu-ray veröffentlicht zu werden. Ton und Bild wurden Anfang der 2000-er Jahre schon in digitaler Qualität aufgenommen. Das erleichterte die Umsetzung. Für die Zuschauer bedeutet dies, dass der Qualitätssprung allerdings auch nicht so gewaltig ausfällt, wie zum Beispiel bei TNG, wo erheblicher Aufwand investiert wurde, um die Bilder neu aufzubereiten. Enterprise hatte schon bei der DVD-Fassung eine sehr gute Bildqualität.

Die Effekte für die Serie entstanden am Computer. In höherer Auflösung ist dies den Bildern anzusehen.

Die HD-Auflösung der Blu-rays lässt die Episoden noch brillianter und schärfer aussehen. Dies kommt vor allem auf größeren Fernsehen zum Tragen. Auch der 5.1-Ton dürfte Besitzer entsprechender Geräte erfreuen. Im Gegensatz zu TNG, wo für die Raumschiffszenen noch Modelle genutzt wurden, setzten die Macher von Enterprise ausschließlich auf computergenerierte Szenen. Die höhere Auflösung der Blu-rays sorgt dafür, dass dies für den Zuschauer sichtbar wird, was nicht unbedingt zum Vorteil ausfällt. Gegenüber TNG wirken die ENT-Effekte etwas künstlicher. Kompensiert wird das allerdings dadurch, dass die Szenen detailreicher sind, wie zum Beispiel im Pilotfilm „Broken Bow“, wenn die Enterprise durch die Atmosphäre eines Gasriesen fliegt.

Positiv fallen auch die Bildschirmmenüs auf, die sehr ansprechend gestaltet wurden. Im Gegensatz zu TNG ist die Schriftgröße auch auf kleineren Bildschirmen gut lesbar.

Etwas konfus ist die Verteilung der Extras auf alle Blu-rays. Dies kommt Zuschauern entgegen, die Scheibe für Scheibe anschauen und zwischen den einzelnen Blu-rays gerne einmal ein paar Extras einstreuen. Wer jedoch die Extras alle am Stück anschauen oder erstmal die einzelnen kurz betrachten möchte, wird unweigerlich zum Disc-Jockey. Hier wäre eine Zusammenstellung auf einer eigenen Blu-ray sinnvoller gewesen.

Optisch ansprechend ist die Verpackung dieser Staffelbox. Wie bei TNG, setzt CBS auch bei ENT auf einen Pappschuber, in den eine Blu-ray-Hülle eingeschoben wird. Dieser Pappschuber zeigt die Enterprise-Besatzung, die als Relief eingeprägt wurde – ein schöne Idee, die der Verpackung Wertigkeit verleiht. Ärgerlich ist allerdings das Fehlen eines Booklets. Wer wissen möchte, welche Folge auf welcher Blu-ray zu finden ist, muss dafür leider die erste und letzte Blu-ray aus der Hülle nehmen, weil sich dahinter die entsprechenden Angaben verstecken.

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Die Extras

Über den Wert von Extras streiten sich die Gelehrten. Puristen wollen einfach nur die Folgen haben, alles andere ist für sie Beiwerk. Bei Enterprise sind die Extras aber mehr als nur eine Nebensache. Enterprise markierte das Ende der Ära von Produzent Rick Berman. Die Serie wurde aufgrund schlechter Einschaltquoten nach vier Staffeln eingestellt. Sie ist damit tragischerweise Inbegriff des Niedergangs von Star Trek.

Die Extras, bestehend aus Dokumentationen und Interviews, versuchen das erfreulicherweise nicht zu kaschieren. Im Mittelpunkt steht dabei ein Gespräch von Rick Berman und Brannon Braga, das sehr selbstkritisch mit Enterprise und den damaligen Umständen umgeht. So ist herauszuhören, dass die weitere Serie vor allem auf Betreiben des Studios zustande kam, um die Quotenkuh „Star Trek“ weiter zu melken. Deutlich wird auch, dass die Autoren wie Braga zu diesem Zeitpunkt schon arg ausgebrannt waren. Trotzdem konnte sich Braga für die neue Serie begeistern und fühlte sich geehrt, sie mit erschaffen zu können, wie er in einem der Specials sagt.

Die Extras in dieser Blu-ray-Box bestehen zum Teil aus Beigaben der DVDs. Einige, die spannenderen Teile, wurden neu und in HD-Qualität für die Box produziert.

Für alle, die sich über ENT hinaus für Star Trek interessieren, sind die Extras hochinteressant und eine Empfehlung wert.

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Fotogalerie (Anklicken zum Vergrößern)

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Fazit

Am Ende dieser Betrachtung stellen sich zwei Fragen: Ist diese erste Staffelbox ihr Geld wert? Und für wen kommt sie in Betracht?

Die Antwort darauf fällt zweigeteilt aus:

entadWer schon die DVD-Boxen gekauft hat, dürfte den Zugewinn an Bild- und Tonqualität als nicht so erheblich wie bei TNG empfinden. Angesichts eines Kaufpreises von knapp 63 Euro ist die Umstellung nicht gerade günstig. Hier dürften eher die Extras den Ausschlag geben, die herausragend und für alle Enterprise- und Star Trek-Fans ein echter Zugewinn sind.

Wer Enterprise damals nur im Fernsehen oder noch gar nicht gesehen, hat eine leichtere Entscheidung vor sich: Die Serie ist es wert, sie mit etwas mehr als einem Jahrzehnt Abstand noch einmal zu betrachten. Die Blu-rays bieten ein Rund-Um-Sorglospaket in bester Qualität.

Ein Knackpunkt ist lediglich der Preis. Da die Aufarbeitung der TNG-Staffel wesentlich aufwendiger war, bleibt es rätselhaft, warum ENT ähnlich teuer verkauft wird. Andererseits bekommen Käufer eine ganze Menge Material für den Preis – es gibt also keinen Grund, den Kauf zu bereuen.

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Details

Produktionsjahr:

Bildformat:

2001 (Serie) / 2013 (HD-Fassung)

Full Frame (16 x 9 Anamorphic 1.78-1)

Tonspuren:

Englisch: 5.1 DTS HD – Master Audio, Deutsch, Italienisch: Dolby Digital 5.1 Französisch, Spanisch, Japanisch: Stereo Surround

Untertitel:

Englisch für Hörgeschädigte, Englisch, Deutsch, Dänisch,Französisch, Holländisch, Italienisch, Norwegisch,Schwedisch, Finnisch, Spanisch, Japanisch

Laufzeit:
Rund 1150 Minuten
Altersfreigabe (FSK):
Ab 12 Jahre

Inhalte:

 

DISC 1:  Aufbruch ins Unbekannte, Freund oder Feind · Geistergeschichten, Special Features: · Audio-Kommentar mit Brannon Braga und James L. Conway · Audio-Kommentar mit · Brannon Braga und Rick Berman (2005) · Text-Kommentar von Michael und Denise Okuda · Entfernte Szenen „Freund oder Feind“ · Entfernte Szenen „Geistergeschichten“ · Im Gespräch: Rick Berman und Brannon Braga · Aus dem Logbuch-Archiv: Die Erschaffung von Enterprise · Aus dem Logbuch-Archiv: Oh Captain, mein Captain! Ein Profil von Scott Bakula

DISC 2 · In guter Hoffnung · Terra Nova · Doppeltes Spiel · Das Eis bricht · Die Saat · Special Features: · Entfernte Szene „In guter Hoffnung“ · Audio-Kommentar mit Fred Dekker und Jeffrey Combs · Text-Kommentar von Michael und Denise Okuda · Aus dem Logbuch-Archiv: Die Besetzung von Staffel 1: Meinungen und Eindrücke · Aus dem Logbuch-Archiv: Geheimnisse der Enterprise

DISC 3 · Familienbande · Der kalte Krieg · Lautloser Feind · Lieber Doktor · Schlafende Hunde · Special Features: · Entfernte Szene „Schlafende Hunde“ · Aus dem Logbuch-Archiv: Star Trek Zeitreisen: Temporale Kalte Kriege und mehr · Aus dem Logbuch-Archiv: Admiral Forrest im Mittelpunkt

DISC 4 · Im Schatten von P‘Jem · Allein · Verschmelzung · Gesetze der Jagd · Raumpiraten · Special Features: · Audio-Kommentar mit Mike Sussman und Jeffrey Combs · Audio-Kommentar mit Connor Trinneer, Dominic Keating und David Livingston · Aus dem Logbuch-Archiv: Im Inneren von · Shuttlepod Eins

DISC 5 · Schiff der Geister · In sicherem Gewahrsam · Vox Sola · Gefallene Heldin · Durch die Wüste · Special Features: · Entfernte Szenen „Schiff der Geister“ · Text-Kommentar von Michael und Denise Okuda · Aus dem Logbuch-Archiv: Enterprise-Outtakes

DISC 6 · Zwei Tage auf Risa · Die Schockwelle – Teil 1 · Special Features: · Entfernte Szene „Zwei Tage auf Risa“ · Entfernte Szenen „Die Schockwelle – Teil 1

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2 Responses to DSi-Rezension: Star Trek Enterprise Staffel 1 auf Blu-ray (HD)
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  2. […] In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass wir im Trekcast über die vorhergehenden Staffelboxen gesprochen haben: Hier der Trekcast zur  dritten Staffel von TNG auf Blu-ray. Ebenso gibt es einen Trekcast zur ersten Staffel von Enterprise von Blu-ray. Ferner gibt es noch ausführliche Textrezensionen zu TNG (Staffel 1,  Staffel 2, Staffel 3) und zu ENT (Staffel 1). […]


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