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ENT 4.7 Der Anschlag


The Forge

von Burkhard Wallner

Episodenbeschreibung

Datum: -
Im Jahre 2137, also vor 17 Jahren, sucht ein Vulkanier auf seinem Heimatplaneten mit einer Lampe in den Gängen einer dunklen Höhle offenbar nach irgendetwas. Schließlich findet er eine alte Statuette, auf deren Fußsegment er nach Entfernen des Staubs eine vulkanische Inschrift identifiziert: Surak.

Die Botschaft des Planeten Erde auf Vulkan in der Gegenwart:
Admiral Forrest will sich mit Erd-Botschafter Soval zum Oberkommando begeben. Das Oberkommando sei noch immer gegen gemeinsame Expeditionen von Erde und Vulkan, sagt Soval. Die Vulkanier wüssten nicht, ob sie den Erdenbewohnern trauen könnten, wegen der vielen Emotionen, die diese hätten. Man befürchte, dass die Erde auch einen kriegerischen Weg wie die Klingonen einschlagen könnte. Der Admiral versucht Soval klarzumachen, dass es der Erde nur auf Partnerschaft ankomme, man habe aus der Vergangenheit gelernt. Plötzlich kommt es zu einer gewaltigen Explosion. Admiral Forrest wirft sich im letzten Moment schützend auf Soval...

An Bord der Enterprise ruft T'Pol persönlich ihren Captain mit noch ernsterem Gesicht als sonst aus einem fröhlichen Basketballspiel mit den Besatzungsmitgliedern. Es hat einen Bombenanschlag auf die Erdenbotschaft mit 43 Toten gegeben, darunter Admiral Forrest. Sofort wird die Enterprise nach Vulkan befohlen. Dort angekommen begibt sich zur Verwunderung Captain Archers der Chef des Oberkommandos, Administrator V'Las, persönlich an Bord des Schiffes. Er hat Botschafter Soval, der noch Narben von der Explosion im Gesicht trägt, dabei. V'Las stellt den Chefermittler des vulkanischen Sicherheitsdirektorats vor, einen jungen Vulkanier namens Stel. Dieser erklärt sogleich, dass man als Verdächtige die Andorianer ausgemacht habe. Archer widerspricht dieser These im Konferenzraum vehement, da er für Andoria beim besten Willen kein Motiv erkennen kann. Jetzt bringt Stel als weitere Verdächtige die Syrranniten ins Gespräch. T'Pol klärt Archer darüber auf, dass dies eine kleine Gruppe Vulkanier sei, die eine verfälschte Form von Suraks Logik-Lehre befolgen würden. Surak halte man selbst nach 1.800 Jahren noch für den wichtigsten Vulkanier, der je gelebt habe, ergänzt V'Las. Die Syrranniten seien in letzter Zeit nicht mehr friedlich gewesen, weshalb man vermute, dass sie dahinterstecken könnten. Diese Informationen seien im Übrigen geheim.

Da die Erdenbotschaft sozusagen außervulkanisches Gelände ist, darf die Enterprise die Untersuchung des Tatorts nun selbst durchführen. Archer will alles tun, um den oder die Attentäter zu identifizieren.

So machen sich Lt. Reed und Travis Mayweather auf die Suche in dem riesigen Krater, den die Bombe in das Botschaftsgebäude gesprengt hat. Dabei entdeckt der Steuermann einen weiteren Sprengsatz, der von Reed kurz gescannt werden kann, bevor die beiden in allerletzter Sekunde hochgebeamt werden müssen, da der Zünder aktiviert wurde.

Auf der Krankenstation der Enterprise hat Dr. Phlox die von Reed gescannte DNA mit Hilfe der von den Vulkaniern zur Verfügung gestellten Informationen als die von T'Pau identifiziert, einer - nach den Worten des anwesenden Stels - bekannten Syrrannitin. T'Pol erklärt dem verwunderten Archer, dass die DNA jedes neuen vulkanischen Bürgers bei der Geburt hinterlegt werde. So hat der Captain jetzt einen ersten Anhaltspunkt. Er will diese T'Pau suchen und finden. Stel widerspricht jedoch und macht Archer unmissverständlich klar, dass dies jetzt eine vulkanische Operation ist. In gewohnt arrogant-vulkanischem Ton erklärt er, man werde ihn via Botschafter Soval informieren, sobald man etwas erfahre, was für ihn von Belang sei. Er geht, und Archer und T'Pol bleiben sprachlos zurück.

Im Frachtraum der Enterprise besucht Captain Archer allein die mit dem Sternenflotten-Banner bedeckten Särge der 31 menschlichen Opfer. Er ist sichtlich niedergedrückt und bleibt vor dem Sarg seines Freundes Admiral Forrest stehen. Botschafter Soval kommt hinzu und bietet ihm eine Zusammenarbeit an. Dies, darüber sind sich beide einig, ist das Vermächtnis des Admirals. Soval bestärkt Archer darin, trotz der Syrranniten-These des Oberkommandos und des vermeintlichen DNA-Beweises misstrauisch zu bleiben und lieber selber auf Vulkan die Antwort zu suchen. Er, Soval, werde ihn auf jeden Fall unterstützen.

T'Pol hatte ihren Captain schon vor dem ersten Besuch der Vulkanier auf der Enterprise darüber informiert, dass ihre Mutter auf Kommunikationsversuche ihrer Tochter nicht reagiert habe, was jedoch nicht ungewöhnlich sei. Nun erhält sie in ihrer Kabine Besuch von Kos, ihrem Ehemann. Er informiert seine Frau über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen auf Vulkan wegen der Syrranniten. Kos übergibt T'Pol ein kleines Kästchen mit Inhalt. Er sagt, ihre Mutter habe ihn gebeten, ihr dieses Familienerbstück persönlich zu überreichen. Der Inhalt des Kästchens ist ein kleines Amulett mit Inschrift und einem roten Stein. Auf T'Pols verwunderte Frage, warum ihre Mutter nicht selbst zu ihr gekommen sei, antwortet Kos, sie müsse sich verstecken, um ihrer Verhaftung als Syrrannitin zu entgehen.

In der Kapitänskajüte informiert T'Pol Archer darüber, dass das Amulett ein modifiziertes IDIC ist. Es habe nie zum Familienbesitz gehört. Ihre Mutter will offenbar gefunden werden. T'Pol aktiviert das Gerät, der rote Stein beginnt zu leuchten und es projiziert eine holografische Karte, die den so genannten "Glühofen" auf Vulkan zeigt, eine extrem heiße Wüstenregion. Dort, so T'Pol, sei Surak vor 1.800 Jahren gewandert. Die Syrranniten folgten ihm heute auf der Suche nach Erleuchtung. Archer erkennt sofort seine Chance: Dort kann man nicht nur T'Pols Mutter, sondern auch die verdächtige T'Pau finden.

Cmdr. Tucker versucht seinem Captain auf dem Weg zum Transporter den Ausflug in den Glühofen auszureden. Neben der Hitze würden ihn dort elektromagnetische Stürme und ähnliches erwarten, was Kommunikationsgeräte und Waffen praktisch unbrauchbar mache. Archer übergibt ihm jedoch das Kommando und trägt ihm auf, in Zusammenarbeit mit Reed die Ermittlungen weiterzuführen und den Vulkaniern gegenüber misstrauisch zu bleiben. Mit Botschafter Sovals Hilfe - er hat einige Daten in ein Modul der Sternenflotte geladen - gelingt es Trip, den Captain und T'Pol unbemerkt auf Vulkan zu beamen.

Dort angekommen erklärt Archers Begleiterin, dass sie am Anfang des Weges von Surak stünden, den dieser genommen haben soll. Archer bemerkt, dass T'Pol offenbar wenig überzeugt von der Legende ist. Sie antwortet, dass er immerhin die Logik nach Vulkan gebracht habe, die dort der "Anfang des Erwachens" genannt werde. Seine Schriften existierten nicht mehr, weshalb seine Anhänger seine Lehre interpretieren müssten - mit den Folgen, die Archer schon von der Erde kennt. Man begibt sich auf den Marsch durch die Wüste. In der Nacht sehen beide Patroullienschiffe über den Himmel hinwegziehen. T'Pol erklärt ihrem Begleiter, dass sich das Dämpfungsfeld über dem Glühofen nur wenige hundert Meter über der Oberfläche erstrecken würde. Die Sensoren der Patroullien könnten sie nicht erreichen. Die Vulkanierin bemerkt plötzlich, dass ein Sehlat sie verfolgt, eine Art Wüstenlöwe. Schnell suchen beide Schutz auf einer Anhöhe, sitzen dort aber erst einmal fest.

Auf der Enterprise hat Dr. Phlox inzwischen herausgefunden, dass man hinsichtlich der T'Pau-DNA einer plumpen Beweisfälschung der Vulkanier aufgesessen ist. Auf beiden Bomben klebte ihre Baby-DNA. Trip und Reed überlegen, wie sie an wirkliche Beweise kommen könnten. Eine Möglichkeit ist der auf der Krankenstation der Enterprise im Koma liegende, zur Zeit des Anschlags wachhabende Corporal Esquit. Er ist jedoch nicht ansprechbar.

Auf Vulkan wird der auf der Lauer liegende Sehlat schließlich von einem anderen nächtlichen Wanderer vertrieben. Es ist der Vulkanier Arev. Er sagt, dass er auf Pilgerreise sei. Archer und T'Pol erzählen ihm nicht den wahren Grund ihrer Anwesenheit. Man folgt Arev, belauert sich aber gegenseitig. T'Pol bemerkt, dass Arev ein Syrrannit ist. Ein Sandfeuer-Sturm kommt auf.

Auf der Krankenstation der Enterprise können Dr. Phlox und Trip den zunächst widerstrebenden Botschafter Soval davon überzeugen, bei Corporal Esquit eine Gedankenverschmelzung zu versuchen, um die Wahrheit über den Attentäter herauszufinden. Schließlich führt Soval die Geistesverschmelzung mit dem bewusstlosen Esquit durch. Er kommt zu einer unglaublichen Erkenntnis.

Mit Hilfe von Arev retten sich Archer und T'Pol in letzter Sekunde vor dem Sturm in eine Höhle und verbarrikadieren den Eingang mit Felsbrocken, um vor den gefährlichen Blitzen geschützt zu sein. Arev entdeckt an T'Pols Kette das IDIC. Er erkennt, dass ihre Mutter T'Les ist. Nun geben sich die beiden Enterprise-Besatzungsmitglieder zu erkennen, und Arev gibt zu, dass er Syrrannit ist. Er beruhigt T'Pol, dass ihre Mutter im Heiligtum T'Karath in Sicherheit sei. Archer lobt er für die Aufdeckung der Spionagestation auf P'Jem. Nach dem Sturm will er Archer und T'Pol nach T'Karath bringen. Die drei Insassen der Höhle kommen ins Gespräch, während draußen der besonders heftige Sturm tobt. Archer lernt etwas über das "Katra", was nach dem Glauben der Syrranniten die Essenz des vulkanischen Geistes ist. Dieses Katra sei von Surak weitergegeben worden durch Gedankenverschmelzung. Es existiere noch heute. Nach Surak seien Weitergabe des Katra und Geistesverschmelzung das Erbe aller Vulkanier. Dies betont Arev mit Blick auf T'Pol.

Auf der Enterprise werden V'Las und Stel mit den Ergebnissen der Geistesverschmelzung konfrontiert. Soval selbst sagt, dass Stel der Attentäter war. Stel und der Administator wollen den Beweis jedoch nicht anerkennen. Als schließlich Soval zugibt, dass er die Gedankenverschmelzung durchführte, verlassen sie die Enterprise, nicht ohne vorher den Botschafter zu beschimpfen und der Schande zu bezichtigen. Er wird sich vor dem Oberkommando verantworten müssen und begibt sich nach Verabschiedung durch Trip ebenfalls zurück.

Auf Vulkan ist der Sturm inzwischen besonders heftig geworden. Blitze schlagen durch den Höhleneingang. Von einem wird T'Pol kurzzeitig ohnmächtig. Ein zweiter verletzt Arev sehr schwer. Archer versucht ihm zu helfen, doch dieser führt plötzlich mit den Worten: "Sie müssen es zum Heiligtum bringen!" eine Gedankenverschmelzung mit dem Captain durch. Der Captain fällt selbst in Ohnmacht und wird von T'Pol geweckt, als der Sturm vorbei ist. Arev ist tot. Nachdem man ihn begraben hat, führt Archer seine Begleiterin auf der Flucht vor den wieder aufgetauchten Patroullienschiffen plötzlich zielsicher an eine Felswand. Hier geht er einfach in den Fels hinein, der offenbar eine holografische Projektion ist. Sie folgt ihm und man landet in einer Höhle, wo sie von Syrranniten gefangen genommen werden. Fortsetzung folgt...




Bewertung

Endlich beschäftigt sich Enterprise einmal richtig mit Vulkan. Dieser immer noch rätselhafte Planet und seine merkwürdigen Bewohner mit ihren seltsamen Gewohnheiten haben es schon lange verdient, einmal mit menschlichen Augen gesehen zu werden. Und wer sollte das besser können, als der Captain der Enterprise, Jonathan Archer. Zwar war auch "Trip" Tucker schon mit seiner Kollegin T'Pol auf Vulkan, aber das war nur ein kurzer Ferienaufenthalt und Trip war seinem Wesen nach wirklich nicht der Mensch, der die vulkanische Mentalität zu reflektieren in der Lage gewesen wäre. Dass diese im Verbund mit der stolzen Logik viel tiefer geht, als es sich die Menschen überhaupt vorstellen können, erfährt jetzt erst Captain Archer auf seinem Marsch durch den vulkanischen Glühofen.

Doch der Reihe nach:

Die Folge wirft von Anfang an eine Menge Fragen auf: Warum das Attentat? Warum musste ausgerechnet Admiral Forrest sterben? Warum die Vertuschungsversuche des Oberkommandos? Steckt eine Verschwörung dahinter, oder wird sich alles schnell auflösen? Wer ist die geheimnisvolle T'Pau, welche Rolle spielt Arev und was hat es mit dem Syrranniten-Glauben wirklich auf sich? Als wäre das noch nicht genug, so muss man sich auch noch fragen, warum ausgerechnet der "Bremser" Soval plötzlich zum Freund der Menschen wird. Kann man ihm überhaupt trauen? Das alles sorgt für reichlich Spannung in dieser Folge, denn nur wenige Fragen werden ausreichend beantwortet. Da ist zunächst einmal der Anschlag. Offenbar gibt es Kräfte auf Vulkan, die gemeinsame Expeditionen mit den Menschen handgreiflich verhindern wollen. Dass aber der Attentäter offenbar aus der vulkanischen Regierung kommt, ist schon ein starkes Stück. Die Stimmung zwischen Erde und Vulkan sinkt spätestens durch die Entlarvung Stels auf den Nullpunkt und man fragt sich, wie es weitergehen soll. Man denke nur, sowas würde zwischen zwei Staaten auf der Erde passieren. Noch vor ein paar Jahrzehnten hätte das Krieg bedeutet.

Trost spenden da die mitfühlenden und guttuenden Worte Sovals, dass ganz Vulkan mit Archer - und den anderen Menschen - trauere. Bezeichnend ist auch, dass der Botschafter das sagt, und nicht der Administrator. Archer erwähnt anständigerweise im Gegenzug die 12 vulkanischen Opfer. Soval hat offenbar einen Erkenntnisprozess durchlaufen. Ihm muss klargeworden sein, dass der Anschlag nicht nur seinem Freund Forrest, sondern auch ihm selbst galt. Sein Angebot an Archer, bei der Suche nach den Mördern zu helfen, ist folgerichtig und logisch. Rücksicht auf seine eigene Person nimmt er nicht mehr. Wohin das noch führen wird, bleibt spannend.

Warum das vulkanische Oberkommando so erpicht darauf ist, ausgerechnet die Syrranniten zu eliminieren, bleibt vorerst unklar. Die angebliche Gefährlichkeit dieser Splittergruppe kann es ja nicht sein, da den Verantwortlichen von vornherein klar war, wer der Täter ist. Ein noch offenes Spiel.

Die Vulkanier rechneten offenbar nicht mit der - unlogischen - Unbeugsamkeit eines Jonathan Archer, der sich nicht mit lapidaren Erklärungen abspeisen lässt.

Spannend ist auch der Wüstentrip von Archer und T'Pol, der zu mehreren unerwarteten Wendungen führt.

Und nicht zuletzt sind auch die Ereignisse auf der Enterprise während Archers Abwesenheit mit dem fast unerträglichen Warten auf das Ergebnis der Gedankenverschmelzung geschickt inszeniert.

Volle Punktzahl für die Spannung.

Auch die SFX sind diesmal wieder ausgezeichnet. Da ist die überzeugende Ansicht der Gegend auf Vulkan um die Höhle mit der Statuette. Dann die Erdenbotschaft, die sowohl in der Vorderansicht wie in der zerstörten Version mit ihren Einzelheiten auf jeder Etage überzeugt. An der Projektion der Enterprise vor dem riesig wirkenden Planeten Vulkan mit seiner charakteristischen Rotfärbung und der Darstellung des vulkanischen Himmels in der Wüste ist nichts auszusetzen. Die Kameraperspektive in der Wüste lässt wirklich kein Leben, nur Fels und Sand erkennen. Auch der Sandfeuersturm ist überzeugend in Szene gesetzt.

Kleiner Logikfehler: Wovon soll sich eigentlich ein so großes Raubtier wie der Sehlat in dieser Einöde üblicherweise ernähren? Die paar einsamen Pilger können es ja wohl nicht sein. Aber das ist sowieso ein generelles Problem bei diesem Planeten, der nicht umsonst Vulkan heißt. Die Geräusche, die der Sehlat macht, sind allerdings nicht nachvollziehbar, zumindest aus menschlicher Sicht.

5 Punkte an dieser Stelle.

Am Handlungsablauf fällt es schwer, Punkte abzuziehen. Die gesamte Story ist gut durchdacht und entsprechend umgesetzt, dabei aber auch so dicht gepackt, dass man wirklich fast jedes Wort mitbekommen muss, um nicht den Anschluss zu verlieren. Auf der Enterprise hat, nachdem Nr. 1 und 2 fehlen, wieder der Chefingenieur das Kommando. Er wird den schwierigen Anforderungen vor den Vulkaniern gerecht und vertritt Archer würdig. Die Handlungsstränge auf dem Schiff und in der Wüste wirken eng zusammen, trotz der kommunikativen Trennung durch das Dämpfungsfeld. Botschafter Soval - wie immer überzeugend dargestellt von Gary Graham - muss die Bitte Trips, eine Gedankenverschmelzung durchzuführen, als eine Zumutung empfunden haben. Seine höchst emotionalen Reaktionen, von der Ansprache an den Captain im Frachtraum bis zur Auseinandersetzung mit Trip und Dr. Phlox sind ein Ausbrechen aus seiner bisherigen vulkanischen Steifheit. Dass er die Verschmelzung schließlich durchführt und damit praktisch seiner Karriere ein Ende setzt, ist nicht nur beeindruckend, sondern bei diesem Charakter auch sehenswert.

Dass sich in dieser Folge fast alles um Archer und T'Pol und - mit Abstand - Soval dreht, ist dem konzentrierten Storyverlauf geschuldet. Die übrigen Enterprise-Crewmitglieder kommen daneben - wieder einmal - kaum zur Geltung. Es passiert aber auch unglaublich viel, sowohl auf der Enterprise, als auch in der Wüste.

Die Charakterzeichnung Captain Archers und seiner Wissenschaftsoffizierin wird folgerichtig und konsequent weitergeführt. Besonders Archer kann hier wieder viele Emotionen zeigen: Tiefe Trauer, Niedergeschlagenheit, Annahme von Trost und aufkeimende Hoffnung sowie neue Kraft. Unter den extremen Bedingungen des Glühofens schließlich ist er trotz Hitze und Durst wieder der alte, unbeugsame Captain. Und dann die angespannte Situation und das Näher-Kennenlernen des noch undurchsichtigen Arev und schließlich die Schmerzen beim Wiederaufwachen nach der Gedankenverschmelzung: "Ich glaube, er hat mich geschlagen". Scott Bakula gibt hier als Darsteller des Captains wieder eine nicht zu beanstandende Leistung ab. Archer erhält im Glühofen mit jedem Satz T'Pols und Arevs mehr grundlegende Informationen, die für das Verständnis der vulkanischen Befindlichkeiten äußerst wichtig sind. Dabei wird auch liebevoll ins Detail gegangen und - soweit möglich - mit dem Auftauchen eines Sehlats auch nichts ausgelassen. T'Pol fühlt sich auf ihrem Heimatplaneten sichtlich wohl. Während Archer in der Hitze keucht und ständig die Wasserflasche am Hals hat, macht ihr die Trockenheit gar nichts aus. Als nette anatomische Besonderheit der Vulkanierin haben die Autoren auch noch ihre inneren Augenlider eingestreut. Aber auch T'Pols Gesichtsausdruck zeigt, wie sehr sie nicht nur von der nagenden Sorge um ihre Mutter, sondern auch um Archers Wohlbefinden getrieben wird. In Extremsituationen, wie der Flucht vor dem Sehlat, hätte sie aber auch statt des vulkanisch-umständlichen "Auf höheres Gelände!" menschlich-kurz "Da hinauf!" sagen können. Am Ende, als sie den Captain nach dem Tod Arevs aufhebt, ist sie seine barmherzige Samariterin, was Archer auch dankbar annimmt.

Die Episode beinhaltet viel menschliche und vulkanische Emotionalität. Nach den Erklärungen Arevs wird es viel verständlicher, warum die Vulkanier so diszipliniert sind und ihre Emotionen so stark unterdrücken. Sie haben schon vor langer Zeit schreckliche Kriege ausfechten müssen. Erst nachdem Ströme von Blut vergossen worden sind, fand Surak einen Ausweg aus der Gewalt mit Hilfe der Logik. Eine Geschichte, die jederzeit zum Nachdenken anregt, da es sich um ein Modell des Zusammenlebens einer menschenähnlichen Spezies handelt. Die Information über die Weitergabe von Suraks Katra bzw. über das Katra allgemein, ist allein schon hörenswert.

Es soll hier aber auch nicht verschwiegen werden, dass die Surak-Geschichte stark an irdische Religionsstifter, wie Jesus oder Mohammed, erinnert.

6 Punkte für die Handlung.

Fazit: Eine absolut sehenswerte Folge. Besonders Scott Bakula und Gary Graham laufen zu Höchstform auf. Diese vulkanische Geschichte sollte man wirklich gesehen haben und man darf gespannt sein, wie es weitergehen wird. 6 Punkte.

Spannung: 6 SFX: 5 Handlung: 6 Gesamt: 6
Zusammenhänge
  • Ein Sehlat wird das erste Mal in TOS "Reise nach Babel" erwähnt: Auch Spock hatte als Kind ein solches Spielzeug.
  • Trip verbrachte seinen Urlaub zusammen mit T'Pol in "Zuhause" auf Vulkan. Dort heiratete sie auch Kos und sah ihre Mutter zum letzten Mal.
  • Arev weiß von der Enttarnung der Spionagestation unter dem Kloster von P'Jem in "Doppeltes Spiel".
  • Das Katra wurde erstmals in "Der Zorn des Khan" von dem Vulkanier Spock kurz vor seinem Tod an seinen menschlichen Freund Dr. McKoy weitergegeben.
  • Die Folge wird fortgesetzt mit "Zeit des Erwachens".
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Ausdruck vom: 18. 09. 2020
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/ent4_7.htm