DSi

TNG 1.24 Begegnung mit der Vergangenheit


We'll always have Paris

von Yann-Patrick Schlame

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 41697,9
Die Enterprise ist auf dem Weg nach Sarona VIII, wo die gesamte Besatzung Landurlaub machen soll. Indes gönnt sich Picard schon mal einen Vorgeschmack: Im Freizeitraum fechtet er mit einem Lieutenant. Es geht einige Zeit hin und her, dann kann Picard einen Treffer landen; "Ungewöhnliche Attacke - von wem haben Sie die gelernt?" fragt der Lieutenant. "Die Attacke eines verzweifelten Mannes" erwidert Picard, wohl der bessere Fechter der beiden, diplomatisch.
"Ungewöhnliche Attacke - von wem haben Sie die gelernt?" fragt der Lieutenant. "Die Attacke eines verzweifelten Mannes" erwidert Picard diplomatisch.
Die beiden schauen sich verwirrt an, aber beide haben diesen Moment zwei mal erlebt. Eine Nachfrage auf der Brücke ergibt, dass das ungewöhnliche Phänomen das ganze Schiff betrifft. Kurz darauf erreicht ein Notruf die Enterprise: Eine automatische Notrufnachricht von Dr. Paul Manheim nennt Koordinaten im Pegos Minor-System und bittet dringend um Hilfe. Picard lässt sofort Kurs setzen, denn er weiß, dass Dr. Manheim, der vor 15 Jahren zusammen mit mehreren Wissenschaftlern verschwunden ist, vorhatte, Experimente mit der Zeit durchzuführen. Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen seinem Notruf und der gerade erlebten Zeitschleife. Deanna bemerkt, dass der Captain bei der Nennung von Manheims Namen stark emotional reagiert und bietet ihm Hilfe bei der Lösung seines Problems an, doch Picard weist Deannas Angebot schroff zurück, erklärt, dass er mit seinen Problemen alleine fertig wird.

Doch nachdem er sich umgezogen hat, stattet Picard dem Holodeck einen Besuch ab; er wählt Paris vor 22 Jahren, das Café des Artistes. Wie er dem Garçon erklärt, hatte er in diesem Café einst ein Rendezvous, doch nahm er es nicht wahr. Dann wird er auf eine junge Dame aufmerksam, die einsam an einem Tisch wartet. Sie fragt sich, warum ihr Rendezvouspartner wohl nicht kommt. Picard errät ihre Gedanken und gibt zu bedenken, dass "er" vielleicht Angst haben könnte; Angst vor einer Bindung, Angst vor der Ehe und den Fesseln. Doch dann hat Picard genug: "Schluss mit dieser Selbstanalyse! Ausgang!"
Als die Enterprise im Pegos Minor-System eintrifft, erhält sie neue Koordinaten, die ins Vandor-System führen. Bei Vandor IV wird man schließlich fündig: Auf einem nahen Asteroiden wird ein Energiefeld angezeigt. Als man Audiokontakt aufnimmt, meldet sich eine Frauenstimme, die erklärt, dass "nur wir zwei" noch am Leben sind, der Rest der Wissenschaftler kam vor einigen Wochen bei einem Zwischenfall ums Leben. Picard lässt die zwei Personen auf die Krankenstation beamen. Es handelt sich um den schwerkranken Dr. Manheim und seine Frau Jenice. Da Manheim sofort einschläft, nachdem er von Dr. Crusher stabilisiert wurde, berichtet Jenice, was sie weiß: Paul hatte Experimente mit parallelen Dimensionen durchgeführt, doch erwiesen sich diese Experimente als sehr gefährlich. Vor Kurzem hatte er Erfolg und konnte ein Tor in eine andere Dimension öffnen, doch hat er gesundheitlichen Schaden davongetragen, so dass er nicht mehr in der Lage war, das Experiment zu beenden. Soweit sie weiß, ist das Labor außerdem durch mehrere Sicherheitseinrichtungen geschützt, von denen sie nicht weiß, wie sie zu deaktivieren sind.
Nach einer gründlichen Untersuchung wendet sich Dr. Crusher an den Captain: Sie kann zwar nicht mit Bestimmtheit sagen, was Manheims Zustand verursacht, aber da sie nicht in der Lage ist, etwas zu unternehmen, wird er voraussichtlich in einigen Tagen sterben.
Dann kehren Picard, Riker und Data per Turbolift auf die Brücke zurück. Doch der Lift legt einen Zwischenstop ein, und vor der Tür befinden sich noch einmal Picard, Riker und Data. Offensichtlich ist das Raum-Zeit-Gefüge erneut durcheinander geraten. Nachdem der Lift weitergefahren ist, erklärt Data, dass man eine solche Situation als den "Manheim-Effekt" bezeichnet.
Auf der Brücke angelangt schlägt Riker vor, runterzubeamen und die Lage zu erkunden. Picard stimmt, trotz seiner Bedenken wegen der von Jenice erwähnten Sicherheitseinrichtungen, zu. Doch der Transport schlägt fehl, nur mit Mühe kann das Außenteam wieder auf die Enterprise zurückgebeamt werden. Auf diesem Wege geht es also nicht...

Später erwacht Dr. Manheim auf der Krankenstation. Er berichtet, dass er bereits "auf der anderen Seite" war; ein Teil seines Bewusstseins befindet sich noch immer in der anderen Dimension, zu der bei seinem Experiment ein Tor geöffnet wurde. Data, der Manheims Ausführungen hochinteressiert zuhört, erklärt anschließend in einer Crewbesprechung, dass zum Abbruch des Experimentes ein genaues Timing erforderlich ist: Was auch immer man unternimmt, es muss genau während eines Zeitphänomens geschehen. Anschließend unterhält sich Picard mit Jenice; er erklärt ihr, dass er damals das Rendezvous nicht wahrnahm, weil er Angst vor einer Bindung hatte. Jenice versteht das und bedauert es...

Als das nächste Zeitphänomen nur noch knapp 20 Minuten entfernt ist, wird es Zeit, Maßnahmen zu ergreifen. Picard wählt Data aus, auf den Asteroiden zu beamen: Einerseits kann Data schneller auf unverhergesehene Eventualitäten reagieren - Manheim nannte zwar die Koordinaten, an denen man sicher herunterbeamen kann, war sich aber selbst nicht sicher, ob er möglicherweise bestimmte Sicherheitsmaßnahmen zu erwähnen vergaß. Vor allem jedoch kommt Data am besten mit den Auswirkungen eines Zeitphänomens zurecht, so dass niemand besser für diese Aufgabe geeignet wäre als er.

Dann beamt Data herunter. Eine Selbstschussanlage, die Manheim nicht erwähnt hatte, kann er mittels Phaser schnell unschädlich machen, dann betritt er das eigentliche Labor. Neben einigen typischen Apparaten findet sich dort vor allem ein mannshoher, seltsam spiegelnder und zugleich halb durchsichtiger Effekt, der ganz offensichtlich das von Manheim beschriebene Tor in eine andere Dimension darstellt. Data lässt sich von Geordi einen exakten Countdown geben: Genau im richtigen Moment muss er eine bestimmte Menge Antimaterie in das Tor geben, um das Raum-Zeit-Kontinuum auszugleichen. Doch kurz bevor es soweit ist, beginnt der nächste Zeit-Effekt, und plötzlich ist Data drei mal vorhanden. Jeder der drei hält sich für den richtigen, und genaugenommen sind auch alle drei echt, bloß dass sie normalerweise nicht zur selben Zeit existieren sollten. Die Datas hoffen, den richtigen Zeitpunkt für das Einstreuen der Antimaterie zu treffen. Als der Countdown bei 0 angelangt ist, geben alle drei Datas die Antimaterie in das Tor, und von einem Moment auf den nächsten ist nur noch ein Data vor Ort: Er hat es geschafft!

Da nun das Tor geschlossen ist, ist auch Manheim wieder bester Gesundheit und beschließt, mit seiner Frau ins Labor zurückzukehren, um seine Arbeit fortzusetzen. Doch bevor die Enterprise ihren alten Kurs wieder aufnimmt, bittet Picard Jenice aufs Holodeck - genauergesagt, ins Café des Artistes. Bei einem Glas Champagner verabschieden sich die beiden.

Dann wird Kurs gesetzt auf Sarona VIII, wo ja immer noch der Landurlaub anzutreten ist. Als Riker und Deanna überlegen, wie ein bestimmter Club, in dem exotische Drinks serviert werden, heißt, hilft ihnen ausgerechnet Picard auf die Sprünge: Mit verschmitztem Lächeln erklärt er, dass es sich um das Blue Parrot Café handelt.




Bewertung

Der Episodentitel "Begegnung mit der Vergangenheit" trifft die Sache schon ganz gut: Mit seiner früheren Liebe Jenice Manheim trifft Picard auch auf einen Teil seiner Vergangenheit. Durch das nicht stattgefundene Rendezvous im Café des Artistes wird ein wesentliches Augenmerk auf diesen einen Tag gelegt, an dem Picard damals in Paris Angst davor hatte, dass er mit Jenice eine feste Bindung eingehen könnte.

Doch kommen wir zunächst zur Handlung: Manheims Experimente bilden einen weiteren faszinierenden Teil der vielen Möglichkeiten, die Star Trek in der Zukunft ansiedelt. Experimente mit der Zeit und die Erkenntnis, dass parallele Dimensionen nur durch den Faktor der Zeit voneinander getrennt sind, bilden in technischer Hinsicht die Grundlage der Episode. Verdeutlicht wird dies schon zu Beginn der Episode, als alle Personen an Bord Zeuge einer Zeitschleife werden: Zweimal erleben sie dasselbe. Die Szene, die dem Zuschauer zunächst wie ein Fehler des Fernsehsenders vorkommen mag, leitet dann die Handlung auch ein.
Der weitere Verlauf der Handlung ist nachvollziehbar aufgebaut: Auf den Notruf folgt die Reise nach Vandor IV, dann das Treffen zwischen Picard und Jenice, die sich vielleicht etwas arg langsam entwickelnde Suche nach weiteren Informationen, und schließlich die Auflösung bzw. Beseitigung des Problems.

Allerdings wird man dabei mit einigen Widersprüchen konfrontiert: Als Picard nach Erhalt des Notrufes aufs Holodeck geht, verlangt er vom Computer ausdrücklich sonniges Wetter an einem warmen Apriltag. Im späteren Gespräch mit Jenice zeigt sich aber, dass es nicht nur an diesem Tag, sondern während der ganzen Woche geregnet hat, und beide erinnern sich daran. Wieso also hat Picard in der Simulation sonniges Wetter verlangt?
In diesem Zusammenhang stellt sich auch gleich die nächste Frage: Im Holodeckprogramm befindet sich eine junge Frau, die auf ihren Liebhaber wartet - vermutlich soll es sich um die zukünftige Jenice Manheim handeln. Wie kommt sie in das Programm? Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass sämtliche öffentlichen Plätze rund um die Uhr überwacht und die Bewegungen und Handlungen aller Lebewesen aufgezeichnet werden - neben dem logistischen Aufwand beim Archivieren dieser Datenmenge stellt sich dann vor allem die Frage, wie man als Föderationsbürger unbeschwert sein "freies" Leben genießen kann, wenn man zu jeder Zeit von irgendwelchen Kameras bzw. Sensoren erfasst wird. Wenn die Person aber nicht die junge Jenice Manheim darstellt, bleibt die Frage, wieso der Computer ausgerechnet eine junge Frau als Teil des Programms darstellt, die von ihrem Liebhaber versetzt wird. Picard jedenfalls hatte nur die Anweisung gegeben, "Paris, wie es vor 22 Jahren war, Café des Artistes, 9. April, 2 Uhr mittags, ein sonniger Frühlingstag" darzustellen...
Eine noch weitaus merkwürdigere Begebenheit ist allerdings eine Außenansicht der Enterprise zu Beginn der Episode: Nachdem man Kurs auf das Pegos Minor-System gesetzt hat, meldet Geordi, dass die Reise noch über 4 Stunden dauern wird, und das bei Warp 8. Jedoch sieht man in einer Außenansicht die Enterprise in unmittelbahrer Nähe des Asteroiden, wo sie erst Stunden später eintreffen wird, und sie ist nicht mit Warpgeschwindigkeit unterwegs, sondern hält vielmehr ihre Position. Ist dies nun ein Fehler beim Zusammenschnitt der Episode, oder vielleicht ein weiteres Zeitphänomen ... ?

Aber kommen wir zu der Frage nach den Auswirkungen: Picard trifft eine frühere Geliebte, was zu diesem Zeitpunkt der Serie noch interessante Rückschlüsse auf seine jungen Jahre zulässt, während man später erfährt, dass er seinerzeit durchaus die Bezeichung "Frauenheld" verdiente. Da Jenice mit ihrem Mann wieder ins Labor zurückkehrt, wird Picard sie zumindest im Lauf der Serie nicht wiedersehen, und nachdem er sich schließlich von ihr verabschiedet und sie ihm verziehen hat, kann er sich möglicherweise etwas besser mit der Tatsache arrangieren, dass er sie damals hat sitzenlassen.
Interessant ist die Episode vor allem auch in Hinblick auf Deanna: Zweimal wird sie recht schroff zurückgewiesen, als sie ihre Hilfe anbieten will. Zunächst erkennt sie, wie emotional Picard auf den Namen Manheim reagiert, doch er will nicht darüber sprechen und erklärt, dass er seine Probleme alleine bewältigen kann.
Später versucht Deanna, Beverly zu helfen, welche immerhin seit Jahren mit Picard befreundet ist und nun miterlebt, wie er sich gegenüber der deutlich jüngeren Jenice verhält. Wie es scheint, liebt Picard sie nämlich noch immer. Doch auch Beverly hegt kein Interesse daran, sich von Deanna helfen zu lassen.
Auf diese beiden Momente könnte man zu späteren Zeitpunkten in der Serie durchaus hinweisen, wenn Picard oder Beverly einem Crewmitglied eine Sitzung mit Deanna ans Herz legen bzw. befehlen.
Aber Deanna bekommt denn schließlich doch noch ihre Chance, als sie am Ende Jenice zum Holodeck führt, wo sich Picard von ihr verabschiedet; wenigstens jetzt bekam sie die Gelegenheit, Picard bei seiner Aussöhnung behilflich zu sein.

Die Effekte der Episode halten sich in Grenzen; die einen Asteroiden umkreisende Enterprise ist ordentlich dargestellt, ein Lob verdient das Café des Artistes: Zusammen mit Picard genießt man den Blick auf das Paris der Zukunft, wo der Eifelturm von Wolkenkratzern flankiert wird. Bedenkt man das Fehlen computergenerierter Effekte, ist das Bild von Paris, wo sogar einige Shuttles umherfliegen, sehr gut.

Im Gegensatz dazu steht die Musik, die wie üblich während der ersten Staffel entsetzlich ist. Der massive Computereinsatz beim Erstellen der Episodenmusik mag kostenmäßig effizient gewesen sein, aber man mutet dem Zuschauer schon einiges zu.

Zusammengefasst ist "Begegnung mit der Vergangenheit" trotz eines interessanten wissenschaftlichen Hintergrundes und einer Konfrontation Picards mit seiner Vergangenheit aber eine ziemlich langweilige Episode mit einer etwas sterilen Atmosphäre, die ziemlich klar ein "Ausreichend" erhält.

Spannung: 3 SFX: 4 Handlung: 4 Gesamt: 3
Zusammenhänge

Keine

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Ausdruck vom: 19. 08. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tng1_24.htm