DSi

TNG 5.13 Das künstliche Paradies


The Masterpiece Society

von Yann-Patrick Schlame

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 45470,1
Die Enterprise untersucht ein stellares Kernfragment im Moab-Sektor. Wider Erwarten ist der Wüstenplanet Moab IV besiedelt, die Sensoren zeigen menschliche Lebenszeichen. Es zeigt sich, dass auf dem Planeten eine genetisch konstruierte Gesellschaft lebt, die vor über hundert Jahren von der Erde aus gegründet wurde und ihre Abgeschiedenheit wahren möchte. Als Picard von den heftigen seismischen Auswirkungen des Fragments berichtet, das nah am Planeten vorbeiziehen wird, stimmt der Führer der Kolonie, Aaron Connor, dem Besuch einer kleinen Delegation zu.
Er ist von der ihm unbekannten Transportertechnik fasziniert - und von Deanna Troi, die seine Blicke erwidert. Geordi und die Wissenschaftlerin Hannah Bates arbeiten zusammen, um die Katastrophe abzuwenden, denn die Gesellschaft lebt in einer völlig abgeschlossenen Biosphäre, die einem Paradies in der kargen Wüstenlandschaft gleicht.
Unter Einwänden von Martin, dem Überwacher der Gesellschaft, erlaubt Aaron Hannah, auf die Enterprise zu gehen und dort weiterzuarbeiten. Die Probleme scheinen unüberwindbar, bis Geordi die Idee kommt, die Technik seines Visors auf den Traktorstrahl zu übertragen. Ihm fällt die Ironie der Situation auf: Einem blind Geborenen fällt die Lösung für die Rettung einer perfekten Gesellschaft, in der es keine körperlichen Behinderungen gibt, ein. Zusammen mit Hannah modifiziert er die nötigen Systeme, um einen kurzen Energiestoß mit einem Multiphasentraktorstrahl abzugeben.
Ohne es zu beabsichtigen, kommen sich Deanna und Aaron näher. Sie haben sich ineinander verliebt, aber Deanna schreckt vor dieser Beziehung zurück, weil es falsch wäre. Sie weiß, dass sie das Gleichgewicht der Gesellschaft über den Haufen werfen würde, würde sie hierbleiben. Aaron kommen diese Bedenken auch, doch er ignoriert sie und gibt seinen Gefühlen nach.
Am nächsten Tag stimmt er zu, knapp 50 Techniker der Enterprise die Schilde der Biosphäre verstärken zu lassen, während das Schiff sich auf den Weg macht und das Fragment um 1,2° vom Kurs ablenkt. Zusammen mit den Schilden reicht das aus, um die Kolonie zu schützen. Doch dann wird ein Hüllenbruch angezeigt. Aber Geordi erkennt schnell, dass dieser nicht wirklich existiert, sondern eine Täuschung von Hannah ist: Nachdem sie die Technik der Enterprise kennengelernt hat, fragt sie sich, weshalb sie als geborene Wissenschaftlerin keinen Transporter und all die anderen Dinge erfunden hat, die von nicht genetisch ausgewählten Menschen der Sternenflotte entwickelt wurden. Sie hält es für das Beste, die Kolonie aufzulösen. Aaron sträubt sich dagegen. Als Hannah und einige andere Picard um Asyl bitten, beamt jener auf den Planeten, um sich mit Aaron zu unterhalten. Picard kann Aarons Bitte, kein Asyl zu gewähren, nicht entsprechen. In einer Versammlung bittet Aaron darum, dass die Ausreisewilligen noch sechs Monate warten, um ihre Entscheidung zu überdenken, und Picard ist bereit, dann noch einmal vorbeizukommen, doch Hannahs Entschluss steht fest. Mit 23 Leuten geht sie auf die Enterprise. Aaron verabschiedet sich von Deanna und muss sich von nun an darum kümmern, den entstandenen Verlust der Gesellschaft wieder auszubessern.

Picard und Riker unterhalten sich abschließend über die Auswirkungen ihrer Hilfe. Natürlich gibt Picard zu, dass man den Kolonisten helfen musste, da sie vom Kernfragment bedroht wurden. Doch er schließt die Episode mit folgendem Satz ab:
"Am Ende frage ich mich, ob die Enterprise sich nicht als gefährlicher für die Gesellschaft erwiesen hat, als das Kernfragment es je gewesen wäre."




Bewertung

Die Handlung dieser Episode wartet nicht mit großen Überraschungen oder besonderen Effekten auf. Vielmehr nimmt man sich die Zeit, die Auswirkungen eines Eingriffs in eine perfekt ausgewogene Gesellschaft von verschiedenen Standpunkten zu beleuchten. Da ist zum einen die Beziehung zwischen Aaron und Deanna, die zum Scheitern verurteilt ist, aber beide können sich ihrer Gefühle nicht erwehren. Zum anderen sind es Geordi und Hannah, aus deren Zusammenspiel sich Hannahs Wunsch zum Verlassen der Biosphäre ergibt. Dieses beinhaltet die Ironie, dass Geordi als geborener Blinder auf der Kolonie bereits als Zelle aussortiert worden wäre. Er fragt, wer das Recht hat, über seinen Wert für die Gesellschaft zu entscheiden.
Damit wird auch die eigentliche, philosophisch anmutende Frage aufgeworfen: Gibt es eine Rechtfertigung für genetische Aufwertung? Die Gesellschaft funktioniert in ihrer Abgeschiedenheit hervorragend, bis die Enterprise eintrifft. Aber im Gespräch mit Deanna wendet sich Picard ganz klar gegen genetische Veränderungen. Er meint, dadurch würde den Menschen das genommen, was sie wirklich ausmacht: Ihre Vielfältigkeit. Picards Argumentation ist einleuchtend und greift die heftigen Diskussionen auf, die in unserer Zeit geführt werden. Das erste genetisch geklonte Tier, das Schaf "Dolly", wurde einige Jahre nach der Erstausstrahlung dieser Episode geboren. Folgt bald ein genetisch veränderter Mensch? Trek nimmt sich der Auswirkungen eines solchen Schrittes verschiedentlich an, und die Auseinandersetzung mit der Thematik in "Das künstliche Paradies" ist vielfältig und ausgewogen.

Angenehm ist, vom Aufbau der Story her, dass nicht auf große Überraschungen gesetzt wird und dass sich Aaron nicht als hinterhältiger oder verbohrter Fiesling erweist, wie es in einfacher angelegten Episoden der Fall war.

Wegen der Beobachtung der Charaktere wurde die Spannung vernachlässigt, was aber, wie gesagt, der Handlung nicht schadet. Insgesamt eine gute Episode mit überzeugenden Darstellern.

Spannung: 3 SFX: 6 Handlung: 5 Gesamt: 4
Zusammenhänge
  • Das Thema Genetik war unter anderem Bestandteil der Episode "Der Planet der Klone".
  • Interessant auch die Enthüllungen über Dr. Bashir bei DS9, die in der Episode "Dr. Bashirs Geheimnis" erstmals erwähnt werden: Er wurde als Kind genetisch aufgewertet.
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Ausdruck vom: 18. 09. 2020
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tng5_13.htm