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Episodenbeschreibung
Sternzeit: 46360,8
Captain Picard wird nach wie vor von Gul Madred
verhört, der von ihm die Verteidigungspläne der
Föderation für Minos Korva erfahren möchte. Picard
beteuert, die Pläne nicht zu kennen.
Jellico
steckt ebenfalls in Schwierigkeiten, da er kaum eine
Aussicht auf Erfolg bei den diplomatischen
Verhandlungen sieht. Zudem wissen die Cardassianer
von Picards Operation und berichten, daß er gefangen
genommen wurde. Riker macht sich mit einem Shuttle
auf den Weg zum Treffpunkt mit Picards Team, doch er
kehrt nur mit Crusher und Worf zurück, die von der
Falle berichten, so daß der Cardassianer die
Wahrheit zu sagen scheint.
Picards
Verhör geht indes weiter. Zunächst versucht Madred
es auf sehr diplomatische Art und Weise, spricht mit
Picard über die Geschichte seines Volkes und
versucht, die Militärherrschaft und die Kriege zu
rechtfertigen, die sein einstmals friedliches, aber
armes Volk führt. Doch als das keinen Erfolg zeigt,
beginnt er, Picard zu foltern. Er läßt Picard
entkleiden und hängt ihn über Nacht an den Händen
auf. Am nächsten Tag hat er eine neue Boshaftigkeit:
Picard wurde ein Gerät implantiert, das an jeder
Stelle seines Körpers Schmerzen auslösen kann.
Madred benutzt es sogleich, um die Wirkung zu
demonstrieren. Er beginnt mit einer seelischen
Folter, indem er eine Lichterbatterie mit vier Lampen
einschaltet, doch er will, daß Picard zugibt, es
seien fünf Lichter. Picard weigert sich.
Jellico
wird damit konfrontiert, entweder zugeben zu müssen,
daß Picard auf Befehl der Föderation handelte,
womit er als Kriegsgefangener behandelt würde, oder
dies zu leugnen. In dem Fall würden die Cardassianer
Picard wie einen Terroristen behandeln und
hinrichten. Jellico leugnet einen offiziellen
Auftrag. Nachdem die Cardassianer auf ihr Schiff
zurückgekehrt sind, protestiert Riker heftigst; er
sieht nicht ein, daß Picard für eine
Verhandlungsstrategie geopfert werden soll. Jellico
suspendiert ihn vom Dienst.
Zusammen mit Geordi und Data, der jetzt erster
Offizier ist, folgert Jellico, daß diese Situation
nur herbeigeführt wurde, um Picard in die Finger zu
bekommen, da Picard einer von nur drei
Föderationscaptains ist, der Erfahrung mit
Theta-Band-Emissionen hat, wie sie von Celtris III
geortet wurden. Da die Enterprise bei einem Überfall
der Cardassianer in diesem Sektor das
Kommandoschiff wäre, kennt Picard die
Verteidigungspläne der Föderation. Doch wo
wollen die Cardassianer einen Angriff starten?
Jellico läßt die Reklar, das Schiff der
Cardassianischen Unterhändler, scannen, und man
entdeckt ein molekulares Dispersionsfeld an der
Hülle. Dieses könnte durch den McAllistair-Nebel
verursacht worden sein, der sich in der Nähe des
Minos Korva Systems befindet und in dem man Schiffe
nicht ohne weiteres orten könnte. Jellico läßt
Kurs setzen.
Madred
hat sich etwas neues einfallen lassen: er sagt, daß
er Picard nun gehen läßt; stattdessen wird er Dr.
Crusher verhören. Picard ist bereit, sich weiter den
Verhören auszusetzen, damit Beverly dies nicht
erdulden muß.
Währenddessen
ist die Enterprise bei dem Nebel eingetroffen, und
Geordi hat ein Shuttle so modifiziert, daß es in der
unwirtlichen Umgebung nicht beschädigt wird;
allerdings bedarf es eines immens guten Piloten, um
mit dem Shuttle in den Nebel zu fliegen und, wie es
der Plan vorsieht, die vermuteten cardassianischen
Schiffe mit Haftminen zu versehen. Riker kommt als
einziger in Frage. Jellico und Riker sprechen sich
aus: keiner von beiden mag den anderen und hält ihn
nicht für einen fähigen Offizier, aber Riker wird
das Shuttle fliegen.
Picard
wird nach längerer Zeit geweckt und bekommt endlich
etwas zu essen. Doch nach wie vor weigert er sich,
fünf Lichter zu sehen, es gelingt ihm stattdessen,
Madred in Rage zu versetzen.
Als
Riker fertig ist, kontaktiert Jellico die
Cardassianer und läßt als Demonstration eine der
kleineren Minen zünden. Er verlangt den sofortigen
Rückzug der cardassianischen Schiffe aus diesem
System und die Freilassung Picards. Zähneknirschend
erfüllt man die Bedingungen, da den Cardassianern
nichts anderes übrig bleibt.
Madred
holt zu einer letzten Gemeinheit aus: er sagt Picard,
daß er für den Rest seines Lebens ein Gefangener
der Cardassianer bleiben wird; die Enterprise sei
zerstört, der Überfall erfolgreich gewesen. Nun
läge es an Picard, ob er weiterhin gefoltert werden
will, oder ob er ein Leben in relativem Luxus führt
und sogar seine archäologischen Forschungen weiter
führen darf. Alles, was er tun muß, ist zu sagen,
daß er fünf Lichter sieht. Bevor Picard antwortet,
betreten drei Wachen den Raum und erklären, daß
Picard sofort zur Enterprise zurückgebracht wird.
Picard brüllt mit letzter Kraft Madred an: "Es
sind vier Lichter!"
Nachdem Jellico ihm
das Kommando wieder übergeben und sich verabschiedet
hat, übergibt Picard Riker die Brücke und zieht
sich mit Troi in seinen Bereitschaftsraum zurück, wo
er ihr berichtet, daß er in jenem letzten Moment bei
Madred kurz davor war, die Existenz von fünf
Lichtern zuzugeben; er glaubte bereits, daß es fünf
seien...
Bewertung
Im Gegensatz zu den
meisten anderen Doppelfolgen ist hier der zweite Teil
bei weitem wichtiger als der erste. Dies vor allem
wegen der immens intensiven Verhörszenen zwischen
Madred und Picard, erst in zweiter Linie dann wegen
der eigentlichen Handlung, also der geplanten
cardassianischen Invasion.
Das Verhör und die
Folter erinnern an die gemeinsten Szenen des Romans
"1984" von George Orwell, wo dem Helden
zwei Finger hingehalten werden, er aber drei erkennen
soll. Das Design des Raumes, in dem Picard verhört
und gefoltert wird, ist schlicht und dunkel und
läßt keinen Zweifel, daß es von hier kein
Entkommen gibt: nur ein einzelner Tisch, hinter dem
Madred Platz nimmt, ein Stuhl für Picard und vier
Scheinwerfer, sonst findet sich dort nichts.
Dieses Verhör ist
eine filmische und schauspielerische Meisterleistung;
zum einen David Warner, der als Gul Madred den
Verhörführer mit allen Facetten verkörpert: er
nutzt jedes Mittel, um Picard kleinzukriegen, läßt
sogar seine kleine Tochter hereinkommen und erklärt
ihr vor Picards Augen, daß die Menschen ihre Kinder
nicht so sehr lieben, wie es die Cardassianer tun. Er
verweigert dem Captain Nahrung und Wasser, peinigt
ihn mit Schmerzen und erniedrigt ihn durch das
Entkleiden. Zwischendurch läßt er immer wieder
einen Hoffnungsschimmer aufkeimen, so z.B. als er
Picard das erste mal sagt, er könne nun gehen, und
vernichtet diese Hoffnung sogleich, indem er
berichtet, daß er stattdessen Dr. Crusher verhören
wird.
Auf der anderen Seite steht Patrick Stewart, dessen
Darstellung Picard zunächst mutig und unbeugsam
zeigt, doch als die Zeit vergeht und Hunger und
Schmerz ihre Wirkung zeigen, ist er zunehmend
schwächer, kann sich kaum noch auf den Beinen halten
und nur mit letzter Kraft widerstehen.
Von allen Episoden und Filmen von TNG ist diese
Leistung Stewarts wohl die höchste und zugleich
schwierigste. Es gelingt ihm in allen Situationen,
den verzweifelten Captain so intensiv und
glaubwürdig zu vermitteln, daß man meint, er hätte
sich tatsächlich einer Folter ausgesetzt, um diese
Rolle zu spielen. Damit stellt er erneut unter
Beweis, daß er von der schauspielerischen Seite
Lichtjahre über den anderen Darstellern steht (ohne
deren Leistung hier schmälern zu wollen).
Doch auch die
weiteren Aspekte der Episode sind natürlich nicht
unwesentlich. Da wäre zunächst Captain Jellico,
verkörpert von Ronny Cox, einem beliebten
Nebenrollendarsteller aus Hollywoods zweiter Riege.
Seine Darstellung des Cpt. Jellico erinnert an Cpt.
Queeg aus "Die Caine war ihr Schicksal". Er
gibt sich stets selbstsicher und überlegen, gesteht
Fehler nicht ein, und doch spielt er bei den
Verhandlungen oder in Situationen, in denen er nicht
die Oberhand hat, mit seinen Händen, so wie Humphrey
Bogart mit seinen Silberkugeln spielte, um seine
Nervosität und innere Unsicherheit zu verbergen. Als
sich Jellico mit Riker ausspricht, da er Riker
bittet, das Shuttle zu fliegen, wird er wieder etwas
sympathischer, die Fronten sind geklärt, und er
weiß das.
Sein Charakter bleibt trotzdem fragwürdig. Zwar
erfuhr man im ersten Teil, daß er bei den
Verhandlungen zum Waffenstillstand mit den
Cardassianern dabei war, doch setzt er alles daran,
den Konflikt mit Gewalt zu lösen. Daher ist es
fragwürdig, weshalb die sonst so auf Frieden
bedachte Sternenflotte ausgerechnet ihn in die
vorderste Linie schickt, um mit den Cardassianern zu
verhandeln. Vielleicht kann man ihn sogar mit dem
verschwörerischen Adm. Cartwright in
"Star Trek VI: Das unentdeckte Land"
vergleichen; es scheint, ein Krieg mit den Cardassianern ist Jellico
lieber als ein Frieden.
Von den übrigen
Charakteren ist in erster Linie Riker erwähnenswert;
er legt sich mit Jellico an, um sich für Picard
einzusetzen und zieht den Kürzeren. Dafür kostet er
seine überlegene Position mit größtem Genuß aus,
als er gebeten wird, das Shuttle zu fliegen. Er
läßt Jellico wie den Fisch an der Leine zappeln, da
er weiß, daß Jellico ihm keine Befehle geben kann,
solange er suspendiert ist. Er läßt es sich nicht
nehmen, daß Jellico ihn bitten muß, den Auftrag
durchzuführen, und setzt sein breitestes Grinsen
auf. Damit macht er unmißverständlich klar, daß er
in dieser Situation die Oberhand hat.
Troi bemüht sich
trotz ihrer Abneigung gegen Jellico, zwischen ihm und
Riker zu vermitteln, mit bescheidenem Erfolg. Am Ende
der Episode ist es dann ihre Aufgabe, mit Picard
über das Erlebte zu sprechen und zu versuchen, die
seelischen Wunden zu heilen, die er erlitten hat.
Data und Geordi tun
ihre Pflicht, Data gewohnt emotionslos, womit er der
beste erste Offizier sein dürfte, den sich Jellico
unter den gegebenen Umständen wünschen kann, und
Geordi erweckt als einziger den Eindruck, mit Jellico
klarzukommen. Kurz, bevor das Shuttle bereit ist,
führen die beiden sogar ein wenig Small Talk
miteinander (beide begannen ihre Karriere als
Shuttlepiloten auf der Jovian-Strecke, der Verbindung
zwischen Jupiter und Saturn).
Crusher und Worf
wirken mehr oder weniger wie Statisten. Man kann Worf
zwar keine Vorwürfe machen, da er offensichtlich
keine Chance hatte, Picard zu helfen, als man in den
Hinterhalt geriet, doch sollte man eigentlich
erwarten, daß Worf die Gefangennahme Picards
persönlicher nimmt, als er es tut; immerhin hat
Picard als Worfs cha'Dich ("Die
Sünden des Vaters") sein Leben riskiert und Worf
auch so gut er konnte in "Der
Kampf um das klingonische Reich" beigestanden.
Von den üblichen
Gästen ist keine Spur zu sehen; O'Brien fehlt, und
Guinan, die im Zusammenhang mit Jellico sehr
interessant hätte seien können, ist auch nicht
dabei, genauso wie Schwester Ogawa, die die seltene
Gelegenheit gehabt hätte, Dr. Crusher zu behandeln,
anstatt ihr nur zu assistieren.
Auch die Story ist
nicht ganz frei von Unklarheiten: als sich die
Enterprise auf den Weg zum McAllistair-Nebel macht,
beschwert sich der Cardassianische Unterhändler
nicht, obwohl sein Schiff der Enterprise direkt
gegenüber lag. Er hätte doch merken müssen, daß
sich Jellico auf den Weg zum Nebel macht, in dem die
gesamte Angriffsflotte versteckt liegt. Stattdessen
meldet er sich erst, als Stunden später die Minen
bereits gelegt sind, und aus irgendeinem Grund
befinden sich Minen an seinem Schiff. Das heißt, er
muß auf ähnlichem Kurs wie die Enterprise in den
Nebel geflogen sein, ohne dabei entdeckt zu werden
und ohne ihre Pläne zu erraten, um sich vollkommen
überrumpeln zu lassen. Vollkommen unglaubwürdig.
Angenehm ist
hingegen, daß man ein wenig über die
cardassianische Geschichte erfährt. So zeigt sich,
daß die Cardassianer einst eine friedliche und
reiche Kultur waren, deren zunehmende Armut sie dazu
brachte, Kriege zu führen und zum gegenwärtigen
Status der Militärherrschaft zu gelangen.
Abschließend
betrachtet sprechen aber wesentlich mehr Aspekte für
diese Episode als dagegen. Vor allem in den
Verhörszenen zwischen Picard und Madred bleibt einem
nichts, als gebannt vor dem Fernseher zu sitzen
und dem waffenlosen Duell dieser beiden Männer
zuzuschauen. Insgesamt eine hervorragende,
stellenweise grandiose Episode.
Interessant: Eine noch kompromisslosere Folter-Episode
ist "Das Verhör/Intersections in Real Time"
bei Babylon 5, gedreht etwa 4 Jahre nach
"Geheime Mission auf Celtris III". Dort wird auf jede Nebenhandlung
verzichtet, die Folter von Captain Sheridan füllt die gesamte
Episode. Ebenfalls sehr empfehlenswert.
Bestes Zitat, von
Madred an den gefesselten Picard:
"Für
mich sind sie nur ein... Mensch!"
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