DSi

TOS 3.19 Planet der Unsterblichen


R e q u i e m   f o r   M e t h u s e l a h

Review: Matthias Weber
Statistik: Elisabeth Leidenfrost

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 5843,7
Die Enterprise Crew wird vom rigelianischen Fieber heimgesucht. Die schlimme Krankheit hat bereits 3 Crewmitglieder getötet und McCoy kann nur etwas dagegen unternehmen, wenn er Ryetalyn bekommt. Die Enterprise begibt sich deswegen zum Planeten Holberg 917-G, wo Ryetalyn vorkommt. Kirk, Spock und McCoy beamen hinunter. Sie haben noch 4 Stunden Zeit, um die Epidemie einzudämmen, danach gibt es keine Rettung mehr. Auf der Planetenoberfläche bekommt Spock plötzlich Anzeigen für humanoides Leben, obwohl die Schiffssensoren nichts angezeigt haben. Als der Trupp gerade das Ryetalyn holen will, taucht plötzlich ein Roboter auf, der die drei angreift. Die Phaser sind außer Funktion und der Außentrupp überlebt nur, weil Flint, der Bewohner des Planeten hinzukommt und den Roboter stoppt. Flint entpuppt sich als relativ unfreundlicher Gastgeber. Er fordert das Außenteam auf, den Planeten sofort zu verlassen. Er möchte dem Außenteam nicht mal das Ryetalyn geben. Erst als McCoy ihm klarmacht, wie grausam das rigelianische Fieber ist, stimmt Flint einem befristeten Aufenthalt auf dem Planeten zu. Er lädt die drei in sein Haus ein, während er M4 beauftragt das Ryetalyn zu holen.

In Flints Haus trifft das Außenteam auf eine kostbare Sammlung an Kunstwerken. Es gibt Gemälde von Leonardo da Vinci, Kompositionen von Johannes Brahms. Das interessante daran ist, dass es sich um lauter unbekannte Originale handelt, die allerdings erst vor kurzem geschrieben, bzw. gemalt wurden.

Es stellt sich heraus, dass neben Flint auch noch die junge Frau Rayna Kapec auf dem Planeten wohnt. Flint erzählt, dass Raynas Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen und er sie seitdem auf diesem Planeten in völliger Abgeschiedenheit aufzieht. Rayna ist hochintelligent. Auf Flints Vorschlag hin, tanzen Kirk und Rayna zusammen. Inzwischen kommt M4 mit dem Ryetalyn zurück, doch McCoy stellt fest, dass es Verunreinigungen enthält und damit unbrauchbar ist. Flint entschuldigt den Vorfall und geht selbst mit M4 und McCoy los, um neues Ryetalyn zu holen.

Die Enterprise Crew hat inzwischen Informationen über Flint und Rayna eingeholt, doch die beiden sind nicht in den den Computern der Föderation verzeichnet, als ob sie nicht existieren würden. Spocks Tricorder zeigt außerdem an, dass Flint 6000 Jahre alt ist.

Kirk sieht sich in Flints Haus um und trifft im Labor auf Rayna, die vor einer verschlossenen Tür steht. Rayna erklärt, dass Flint ihr verboten hat, dort hinein zu gehen. Kirk hat sich inzwischen in Rayna verliebt. Als er sie küsst, kommt M4 hinzu und geift Kirk an. Spock kann M4 mit einem Phaser vernichten, den M4 wohl übersehen hat. Als Flint zurückkommt, erklärt dieser, dass M4 wohl gedacht hat, Kirk wolle Rayna angreifen. Flint hat jedoch noch mehr Roboter auf Lager, so dass sich der Verlust in Grenzen hält. McCoy ist dieses Mal mit der Qualität des Ryetalyn einverstanden. M4 macht sich an die Arbeit und verarbeitet das Ganze im Labor zu einem Impfstoff.

Spock interpretiert Flints Reaktionen so, dass dieser Interesse an Rayna hat und auf Kirk eifersüchtig ist. Er empfiehlt Kirk sich von Rayna fernzuhalten.

Im Labor hat M4 sich inzwischen mit dem Ryetalyn in den Raum zurückgezogen, der für Rayna verboten ist. Kirk, Spock und McCoy gehen in den Raum hinein und entdecken dort mehrere Exemplare von Rayna. Es handelt sich bei Rayna offenbar um einen Androiden, von Flint erschaffen. Flint kommt hinzu und erklärt, dass er bereits seit 6000 Jahren lebt. Er wurde damals in einer Schlacht tödlich verwundet und starb trotzdem nicht. Seither lebte er an verschiedenen Orten, und lebte unter anderem als da Vinci und Brahms. Flint erklärt, dass Kirk nun seine Aufgabe erfüllt hat. Er sollte lediglich Raynas Gefühlsleben aktivieren. In der Einsamkeit dieses Planeten werden sich Raynas Gefühle früher oder später Flint zuwenden. Flint ist nicht bereit das Außenteam gehen zu lassen, damit sein Geheimnis auch geheim bleibt. Als Rayna hinzukommt, kommt es zum Kampf zwischen Flint und Kirk, die beide Rayna lieben. Rayna wird dies zuviel und sie will sich selbst zwischen den beiden Männern entscheiden, doch dann bricht sie zusammen und ist tot. Sie war hin und hergerissen zwischen der Liebe für Kirk und der Liebe für Flint. Dies war zuviel für ihre Schaltkreise.

Das Außenteam kehrt mit dem Ryetalyn auf die Enterprise zurück und kann die Seuche eindämmen. Kirk erleidet dafür einen Zusammenbruch, da er das Erlebte noch nicht verarbeitet hat. McCoy stellt fest, dass Flint nun doch altert, Flint wird den Rest seines Lebens auf der Erde verbringen und mit den Föderationswissenschaftlern zusammenarbeiten und ihnen sein Wissen vermitteln. Als Kirk schläft, führt Spock eine Geistesverschmelzung mit dem Captain durch und lässt ihn das Erlebte vergessen.


Bewertung
Nach den letzten beiden Folgen, die sich beide eher auf die Action konzentrierten, kommt mit "Planet der Unsterblichen" nun wieder mal eine Folge, die sich primär um die Charaktere kümmert und mit relativ wenig Action-Elementen auskommt. Es gibt zwar einige Phasergefechte zwischen dem Außenteam und dem Computer M4, diese bestimmen jedoch keineswegs die Handlung. In erster Linie geht es um die Dreiecksbeziehung Kirk, Rayna, Flint.

Die Folge beginnt zunächst nach typischem TOS Strickmuster. Die Enterprise Crew muss aufgrund eines Notfalls auf einen unbewohnten Planeten beamen. Es stellt sich heraus, dass der Planet gar nicht unbwohnt ist. Dadurch entsteht für die Enterprise Crew eine Bedrohung. Ähnlich verlaufende Storys hatten wir schon des öfteren, beispielsweise in 2.07: Das Spukschloss im Weltall. Trotzdem bleibt lange Zeit unklar, in welche Richtung die Folge eigentlich steuert.

Eine Romanze Kirks durfte natürlich nicht fehlen. Allerdings handelt es sich in diesem Falle um eine der wenigen ernsthafteren Beziehungen Kirks. Wie schon bei Edith Keeler in 1.28: Griff in die Geschichte und Miramanee in 3.03: Der Obelisk, verliebt er sich hier wirklich in die schöne Rayna.

Die ganze Episode wurde von Murray Golden kammerspielartig in Flints Haus inszeniert. Man sieht kaum etwas von der Planetenoberfläche. Auch die Enterprise-Kulissen kommen ungewöhnlich kurz. Abgesehen von 3 kleinen Szenen auf der Brücke und der Schlussszene in Kirks Quartier, spielt die komplette Handlung auf dem Planeten.

Die Folge lässt sich in den ersten 2/3 viel Zeit für die Charaktere und verzichtet erfreulicherweise auf unnötige Actionszenen. Etwas unpassend wirkt leider die Faustkampfszene zwischen Flint und Kirk am Ende, die wohl sein musste, um die Verantwortlichen bei NBC zufrieden zu stellen.

Neben Kirk bekommen vor allem die Guest Stars Flint und Rayna einen großen Handlungsspielraum.

Die Folge dreht sich in ihrer Handlung um die Liebe, in all ihren Erscheinungsformen. Rayna liebt Kirk als Mann und Flint als Vaterfigur. Flint zeigt große Eifersucht gegenüber Kirk und auch Kirk zeigt hier sehr starke Gefühle und ist nicht nur der kühl taktierende Captain der Enterprise.

Interessant ist in diesem Zusammenhang McCoys Bemerkung zu Spock am Ende, dass die unangenehmen Begleiterscheinungen der Liebe, wie Eifersucht, Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen oder einfach nur unerfüllte Liebe genauso zum Menschsein dazugehören, wie die positiven Eigenschaften der Liebe. Flint hatte dies vergessen, als er die Gefühle von Rayna zum Leben erweckt hat.

An Spocks anschließender Geistesverschmelzung mit dem Captain, in der er Kirk die schmerzhaften Gefühle vergessen lässt, wird deutlich, wie tief die Freundschaft Kirk-Spock inzwischen geht. Die Szene ist sehr bewegend, da Spock hier Mitgefühl für seinen Freund zeigt und sich sogar über den Ehrenkodex der Vulkanier hinwegsetzt und ohne Kirks Einverständnis in sein Gehirn eindringt, um ihm zu helfen.

Kirk setzt sich am Ende dieser Folge wieder, in gewohnter Star Trek Manier, sehr vehement für die Rechte von Rayna und damit für die des Individuums ein. Er betont, dass es Raynas Entscheidung ist, ob sie sich für Kirk oder Flint entscheidet.

Der Tod von Rayna am Ende ist etwas arg melodramatisch ausgefallen, verfehlt aber trotzdem nicht seine tragische Wirkung. Damit ist "Planet der Unsterblichen" eine der wenigen Folgen, die nicht mit einem Happy End aufwartet. Dies ist aber leider schon nach der Hälfte der Folge etwas arg vorhersehbar, denn alle von Kirks ernsthafteren Beziehungen müssen ja zwangsläufig tragisch enden, damit er frei bleibt für eventuelle Abenteuer in künftigen Folgen.

So interessant die Idee des unsterblichen Flint, der früher Brahms und da Vinci war, ist, so wenig kann sie gleichzeitig überzeugen, denn da Vinci und Brahms hatten schließich beide eine Kindheit. Wie aber konnte dann Flint Brahms oder da Vinci sein, wenn er immer dasselbe Alter und niemals eine Kindheit hatte. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass er sich in den 6000 Jahren zwischenzeitlich in ein Kind zurück verwandelte, den Platz von Brahms und da Vinci einnahm und dann wieder alterte, bis zum Erwachsenenalter.

In dieser Folge wird mal wieder deutlich, dass es im 23. Jahrhundert bedeutend einfacher zu sein scheint hochentwickelte Androiden zu bauen, als dies später zu Zeiten der TNG der Fall sein sollte.

Rayna Kapec wurde nach dem Schriftsteller Karel Capek benannt, der das Wort "Roboter" geprägt hat.

Unter den Gaststars lässt sich dieses Mal keiner der bekannten, wiederkehrenden Charaktere blicken.
Das Drehbuch zu "Planet der Unsterblichen" stammt von Jerome Bixby, der mit 2.04: Ein Parallel-Universum und 3.07: Das Gleichgewicht der Kräfte bereits zwei sehr starke Folgen ablieferte. Obwohl diese beiden Folgen sehr starke Charakterszenen enthielten, waren sie doch deutlich handlungsorientierter und actionbetonter, als diese Folge. Das ebenfalls von Bixby geschriebene 2.22: Stein und Staub behandelte hingegen ein ganz ähnliches Thema, wie "Planet der Unsterblichen". Auch dort ging es um Liebe und Eifersucht. Beide Folgen gehören sicher nicht zu Bixbys besten Drehbüchern. Diese Folge stellt den letzten von insgesamt 4 Beiträgen Bixbys dar.
Regisseur Murray Golden arbeitete nur bei dieser einen Folge für Star Trek.

Die deutsche Fassung wurde vom ZDF erstellt. Wie üblich, wurden wieder einige kleinere Szenen geschnitten. Wenn auch einige der Szenen von Sat.1 wieder eingefügt wurden, fehlen immer noch einige kleinere Szenen, unter anderem eine Szene, in der Flint sich an die Auswirkungen der Beulenpest in Konstantinopel im Jahr 1334 erinnert, sowie eine kleine Szene, in der Kirk Rayna auffordert, mit ihm auf die Enterprise zu kommen. Außerdem fehlen die Logbucheinträge Kirks, in denen im Original Kirks Gedanken zu hören sind.
Für die DVD-Version wurden alle noch fehlenden Szenen synchronisiert und ergänzt.

Effekte gibt es in dieser Folge kaum. Für M4 wurden alte Modelle wieder verwendet. Die Aufnahmen auf der Planetenoberfläche wurden im Studio gedreht. Für die Außenansicht von Flints Haus kamen die Aufnahmen des Schlosses aus 1.00: Der Käfig noch einmal zum Einsatz und auch die Innenkulissen hatte man in ähnlicher Ausführung bereits in anderen Episoden gesehen.

Alles in allem handelt es sich bei "Planet der Unsterblichen" um eine ordentliche Charakterfolge, die allerdings nicht gut genug ist, um wirklich aus der Masse hervorzustechen.
Spannung: 4 SFX: 2 Handlung: 4 Gesamt: 4
Zusammenhänge
Diese Folge stellt den letzten Beitrag von Jerome Bixby dar. Dieser war an den Drehbüchern zu beteiligt.

Für die Computer M4 und M5 wurden Teile von Nomads Modell aus der Folge 2.03: Ich heiße Nomad wiederverwendet.
Kleine TOS-Statstik
1. zerrissene Shirts von Kirk: 0
Kirk kämpft mit Fint, sein Shirt bleibt aber in tadellosem Zustand.
2. Anwendungen von Spocks Nackengriff: 1
Kirk und die schöne Rayna verlieben sich.
3. Spocks "Faszinierend": 0 mal
Spock fasziniert hier nichts.
4a. Spocks "logisch": 3 mal
Spock zu Dr. McCoy: "Nach allem, was hier zu sehen ist, empfinde ich bereits jetzt eine für mich ungewohnte aber faszinierende Emotion."
Spock über die soeben entdeckte Originalpartitur: "Es ist ein unbekanntes Werk, ohne Zweifel die Handschrift von Brahms. Ich kann nur sagen: 'faszinierend'."
Außerdem findet Spock den Roboter-Diener M4 faszinierend.
4b. Spocks "unlogisch": 1 mal
Spock auf McCoys Frage, ob sie Flint vertrauen sollen: "Ich würde sagen, logisch gedacht bleibt uns nichts weiter übrig."

Außerdem:
McCoy zu Spock: "Der Himmel möge verhindern, dass Ihre so wunderbar logisch arbeitenden Gehirnwindungen durch dieses schreckliche menschliche Laster [Brandy] gefährdet werden."
Spock über die Tatsache, dass Flint Rayna und Kirk trotz seiner Eifersucht immer wieder zusammenbringt: "Erfahrungsgemäß sollte man in solchen Situtationen nicht mit der männlichen Logik rechnen."
5. McCoys: "Ich bin Arzt und kein...": 0 mal
McCoy darf seinen berühmten Satz nicht sagen.
6. McCoys: "Er ist tot, Jim." und Variationen: 0 mal
Alle leben noch, Jim.
7. tote Rothemden: 0
McCoys Blick, als die schöne Rayna tot am Boden liegt, sagt mehr als tausend Worte.
8. hysterisch kreischende Frauen: 0
Alle Rothemden leben noch.

Aber:
In einer Logbucheintragung erwähnt Kirk, dass bereits 3 Besatzungsmitglieder an der rigellianischen Grippe gestorben sind.
Androidin Rayna tötet sich selbst, da sie sich nicht zwischen Kirk und Flint entscheiden kann.
--------------------------------
Ausdruck vom: 08. 02. 2012
Stand des Reviews: 21. 04. 2010
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tos3_19.htm