Deutscher StarTrek-Index  
  6.8 Erkenntnis  
  Resurrection  
 

von Burkhard Wallner

 
 
 

Episodenbeschreibung

Major Kira und Jadzia Dax unterhalten sich über eine männliche Begleitung für Kira anlässlich einer Einladung zum Abendessen bei Dax und Worf. Der Major hat jedoch keinen Partner, auch Odo kommt nach ihrer Meinung noch nicht infrage. Schließlich einigt man sich darauf, dass Kira ohne Partner erscheint, als völlig unerwartet der Transporterpuffer auf der Ops anzeigt und plötzlich jemand vor Kira materialisiert: Ein Mann mit Waffe in der Hand, der dem verstorbenen Vedek Bareil gleicht. Er nimmt Kira sofort als Geisel und verlangt ein schnelles Schiff. Sisko muss nachgeben. Auf dem Weg zur Shuttlerampe gibt der Geiselnehmer im Gespräch mit Kira zu erkennen, dass er aus dem Paralleluniversum stammt. Vor der Rampe überwältigt Kira den Eindringling jedoch und er findet sich in der Arrestzelle wieder. Er hatte eine multidimensionale Transportervorrichtung bei sich. Kira verhört ihn. Sie erfährt, dass dieser Bareil sich Antos nennt und nicht weiß, dass sein Ebenbild Vedek Bareil bereits tot ist. Antos vermutet richtig, dass Kira Vedek Bareil kannte und ihn mochte. Er bittet um Zerstörung der Transportervorrichtung, weil er nicht mehr in sein Universum zurückwill. Im Gespräch mit Captain Sisko erklärt Kira schließlich, wegen der Geiselnahme keine Anklage erheben zu wollen. Sie fühlt sich zu Bareil Antos hingezogen und Sisko kann das eingedenk der früheren Begegnung mit seiner Spiegel-Frau Jennifer nachvollziehen. So wird Antos freigelassen und darf sich vorerst frei auf der Station bewegen.

Bareil bemerkt die Blicke der Bajoraner und obwohl er nicht religiös ist, nimmt er zusammen mit Kira an einer Messe teil und sieht dabei den Drehkörper der Prophezeihung und Veränderung das erste Mal. Kira muss ihm die bajoranische Religion, einschließlich der Propheten, erst erklären, denn dieser Bareil hat keine Ahnung davon. Nach der Messe bedankt er sich bei ihr und sie nimmt ihn nun als männliche Begleitung zum Abendessen bei Worf und Dax mit. Dort beeindruckt er unverhofft durch seine Fingerfertigkeiten als Dieb, was sogar Worf Respekt abnötigt. Schließlich begleitet er Kira zu ihrem Quartier und erzählt ihr dort von seinem Leben im Paralleluniversum. Seine Frau hatte er nach 5 Jahren verloren. Kira und Antos kommen sich schließlich näher.

Am Morgen danach unterhalten sich die beiden im Bett über den verstorbenen Vedek Bareil. Antos hat über ihn gelesen und er interessiert sich, wie Kira später auf der Ops mitteilt, inzwischen für die bajoranische Spiritualität und möchte am Abend eine Drehkörper-Erfahrung machen.

Als es soweit ist, stellt Vedek Ossan fest, dass das Pagh von Bareil stark und er bereit ist, sich dem Willen der Propheten zu stellen. Ossan deaktiviert das Kraftfeld zu einem Schrein und Bareil Antos öffnet den Drehkörper mit angespannter Miene.

Nach der Prozedur erklärt Kira dem nachdenklichen Antos, dass man die Erfahrung erst verarbeiten müsse um es zu verstehen, bevor die Erfahrung eines Tages zu einem Teil von sich selbst wird. Antos erklärt, Vedek Bareil gesehen und mit ihm gesprochen zu haben. Es sei trotzdem alles verwirrend gewesen. Kira sagt ihm, dass man über eine Drehkörper-Erfahrung nicht sprechen würde. Sie verabschiedet sich mit einem liebevollen Kuss von ihm.

In seinem Quartier findet Antos jetzt plötzlich die Spiegel-Kira aus dem anderen Universum vor. Sie ist offenbar seine Geliebte und fragt ihn nach dem Fortgang ihres “kleinen Plans”. Er sagt, dass alles bestens laufe und berichtet von seiner Drehkörper-Erfahrung. Genau dieses Artefakt soll er im Auftrag der Spiegel-Kira entwenden und mit ins andere Universum nehmen. Als heiliger Mann könnte er im Bunde mit seiner Geliebten das bajoranische Volk im Krieg gegen die Allianz vereinen.

Im Quark’s sitzt Bareil und betrinkt sich. Er hat mit dem Barbesitzer ein Gespräch. Quark bietet ihm an, er solle als Vedek Bareil auftreten, dann würde zahlreiches zahlendes Publikum erscheinen. Bareil lehnt jedoch angewidert ab und geht. Quark sucht später Major Kira im Frachtraum auf und warnt sie vor Bareil: Er habe sich längere Zeit vor dem bajoranischen Schrein aufgehalten, er führe etwas im Schilde.

Bareil holt sich inzwischen letzte Instruktionen von der Spiegel-Kira, die inzwischen die Major-Kleidung trägt. Mit zwei von ihm entwendeten Kommunikatoren will man Verbindung halten. Dann begibt sich Bareil zum Drehkörper-Schrein, während die Spiegel-Kira unter Ausschaltung eines Wachmanns die Transporterplattform aufsucht. Bareil hat nunmehr den Code zum Schrein des Drehkörpers geknackt, als Major Kira erscheint und ihn mit vorgehaltener Waffe am Diebstahl hindern will. Schließlich taucht auch noch die Spiegel-Kira vor dem Schrein mit einer multidimensionalen Transportervorrichtung in der Hand auf. Die Transportersensoren hatten ihr verraten, dass ihr Antos nicht allein am Schrein ist. Der verblüfften Nerys nimmt Bareil die Waffe ab. Während die Spiegel-Kira für ihr Ebenbild nur Hohn und Spott übrig hat, scheint Bareil unentschlossen zu sein. Er hört schließlich auf die mahnenden Worte von Nerys und betäubt die Spiegel-Kira. Dann verabschiedet er sich vom Major und meint, dass er zu dieser Frau gehöre. Er werde ihren Zorn überleben, wenn er mit ihr ohne Drehkörper ins Spiegeluniversum zurückgekehrt ist. Bareil erklärt Kira, er habe bei der Drehkörper-Erfahrung sich mit ihr als Familie auf Bajor gesehen. Dies würde jedoch nicht funktionieren, er gehöre zur Spiegel-Kira. Dann beamt er sich und seine Gefährtin zurück ins Paralleluniversum. Eine traurige Kira Nerys bleibt zurück.

Bewertung

Was für eine Seifenoper! Die bittersüße Liebesgeschichte zwischen Bareil Antos und Major Kira und ihrer Variante als Spiegel-Kira ist an Trivialität kaum zu überbieten. Zugegeben, es ist schwierig, eine verstorbene Person mit dem Trick über das Paralleluniversum noch einmal in eine DS9-Folge einzubauen, aber dass dabei der allseits respektierte religiöse Führer Vedek Bareil zu einem Dieb mutiert, der unter der Fuchtel seiner Spiegel-Kira steht, ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Dabei nimmt der Bareil-Kira-Handlungsbogen die gesamte Folge ein und einen B-Plot sucht man vergebens, was durchaus ungewöhnlich bei Star Trek ist.

Andererseits muss man auch sagen, dass mit dem Auftauchen der Spiegel-Kira überhaupt erst Spannung in dieser Folge aufkommt, die vorher eher langsam dahinplätscherte. Auch die anfängliche Geiselnahme des Majors durch den urplötzlich aufgetauchten Bareil konnte spannungsmäßig nicht wirklich überzeugen, da man der Vedek-Figur einfach keine besondere Boshaftigkeit zutraute. Nur zum Ende hin wird es vor dem Drehkörper-Schrein noch einmal spannend, als unklar ist, ob das Artefakt eventuell doch noch entwendet wird und so ins Paralleluniversum gelangt. Das hätte einen interessanten neuen Anknüpfungspunkt z.B. für eine Rettungsmission gegeben. So bleibt es aber bei nur 2 Punkten für die Spannung.

Die SFX sind in dieser doch eher unterdurchnittlichen Folge wiederum spärlich gesät. Neben den solide aufgebauten Kulissen lassen die Beam-Szenen ganz am Anfang und am Ende sowie der Drehkörper wenigstens keine Kritik zu. Auch die Palette mit dem saurianischen Brandy im Frachtraum, die sich offenbar schwebend über den Boden bewegt, ist ein interessantes Detail. 3 Punkte.

Handlungsmäßig bietet die Folge zunächst einmal weitere interessante Einblicke in die bajoranische Religion und den Stellenwert der immer noch geheimnisvollen Drehkörper. Man kann zumindest nachvollziehen, dass durch solch eine Erfahrung, wie sie Bareil Antos macht, ein Mensch bzw. Bajoraner seinem Leben eine völlig neue Richtung gibt. Dies ist ja auch im realen Leben nicht anders, denn durch bestimmte Schlüsselerfahrungen wird eigentlich jeder Mensch geprägt, warum soll es da mit den Bajoranern und ihren Drehkörpern anders sein. Auffällig tritt in dieser Folge auch die inzwischen tiefe Religiosität des Charakters Kira zutage. Sie ist eine regelmäßige Besucherin der Gottesdienste auf der Station und erklärt Bareil - und damit dem Zuschauer - die religiösen Zusammenhänge recht deutlich.

Die zeitlich begrenzte Wiedereinführung der Bareil-Figur zur Weiterentwicklung des Kira-Charakters verdient vor dem Hintergrund der scheinbaren Vereinsamung des Majors eine genauere Betrachtung. Zu Beginn der Folge wird diese Einsamkeit im Gespräch mit Jadzia Dax schon thematisiert, so dass relativ früh klar ist, dass es sich um eine Kira-Charakterfolge handelt und nicht um eine Bareil-Folge, obwohl er die größeren Anteile an der Story hat. Sein buchstäblich enges Agieren mit dem Major und der Spiegel-Kira ist eine Herausforderung für die Darstellerin Nana Visitor, die sie jedoch emotional und spielerisch glänzend bewältigt. Ihre Verliebtheit und Anhänglichkeit an Bareil wirkt glaubhaft und überzeugt auch in der Spiegel-Kira-Version, auch wenn sie dort neben ihrer Begehrlichkeit hin und wieder offenes Misstrauen zeigt. Nana Visitors Körperhaltung und Mimik sind Höhepunkte dieser Folge und sprechen eine verständliche Sprache. Als sie ganz am Ende vor dem Drehkörper-Schrein den Verlust ihres Geliebten hinnehmen muss, bleibt sie mit einem enttäuscht-desillusionierten Gesichtsausdruck wie selten bei DS9 zurück.

Es stört ein wenig, dass ausgerechnet der dem Zuschauer als ehrenwert bekannte Vedek Bareil hier in die Rolle eines Diebes und Betrügers schlüpft. Wenigstens gelingt es Philip Anglim überzeugend auch diese Paralleluniversum-Variante darzustellen, wenngleich seine Leistung im Vergleich zur Kira-Darstellerin doch eher hölzern wirkt. Andererseits ist es aber auch keine action- sondern eine eher dialoglastige Folge. Sicher, Major Kira und Bareil haben sich viel zu erzählen und das muss dem Zuschauer auch über Dialoge transportiert werden. Ihre Affinität ist jedoch offensichtlich. Gleichwohl ist die Unsicherheit und das zeitweilige Unwohlsein des Bareil besonders auf dem Promenadendeck, wo ihn alle Bajoraner wie einen Heiligen anschauen, ebenfalls greifbar. Er wirkt dadurch gefesselt und gleichzeitig getrieben und kann nicht wirklich die Initiative zu etwas ergreifen, zum Beispiel zu einer “Rückkehr” nach Bajor. Die Leidenschaft, die er und Kira füreinander empfinden, wirkt vor diesem Handlungsbogen zumindest glaubhaft.

Die Geschichte mit dem geplanten Diebstahl eines Drehkörpers dagegen ist eigentlich völlig überflüssig. Deshalb extra aus dem Paralleluniversum nach DS9 zu beamen erscheint unglaubhaft, da das Objekt der Begierde doch im anderen Universum logischerweise ebenfalls vorhanden sein müsste. Eine Erklärung wird aber nicht angeboten. Ebenso ist merkwürdig, dass Bareil keine Ahnung von der bajoranischen Religion hat. Man kann es abtun damit, dass er in seinem Universum ein Dieb und nicht religiös ist bzw. die Propheten völlig ignoriert hat. Warum ausgerechnet ihm dann aber ein derart schwieriger Diebstahl aufgetragen und kein “Spezialist” für so etwas entsandt wird, erscheint wenig durchdacht und unpassend, auch wenn Bareil im hiesigen Universum ein Vedek war. Hinzu kommt, dass durch das Präsentieren eines einzigen Drehkörpers wohl kaum die Macht über den ganzen Planeten Bajor durch die Spiegel-Kira und ihren Liebhaber zu erlangen gewesen wäre. 3 Punkte für die Handlung.

Alles in allem bleibt es bei der intensiven Liebesgeschichte zwischen Major Kira und Bareil, die zwar trivial ist, dafür aber solide in Szene gesetzt wurde. Kira hat wieder eine große Enttäuschung erlitten, die äußerlich vielleicht keine Spuren hinterlassen wird, sie aber am Ende wieder ohne bleibenden Partner zurücklässt. Sehr schade für den hübschen Major.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  17. November 1997

 Erstausstrahlung D:
  27. Juni 1998

 Regie:
  LeVar Burton

 Buch:
  Michael Taylor

 Gaststars:
  Philip Anglim
   (Bareil Antos)
  John Towey
   (Vedek Ossan)



  Zuletzt geändert:
  2015-08-01, 01:02
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