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  2.17 Canamar  
  Canamar  
 

von Burkhard Wallner

 
 
 

Episodenbeschreibung

Im All treibt die Enterprise-Raumfähre 1. Alle Systeme, einschließlich künstlicher Schwerkraft, sind ausgefallen. Hoshi ruft den auf der Fähre vermuteten Captain Archer. Keine Antwort. Lt. Reed muss seiner diensthabenden Chefin T'Pol mitteilen, dass er keine Biozeichen an Bord des Shuttles registriert. Man holt es aufs Schiff und hört das Logbuch ab, in welchem Captain Archer von einem erfolgreichen Erstkontakt mit den Enolianern auf Keto Enol berichtet. Dr. Phlox hat Blutspuren des Captains und Cmdr. Tuckers orten können. Es gab offenbar einen Kampf und eine Entführung, schließt Reed daraus. Die besorgte T'Pol lässt Travis Mayweather sofort Kurs auf Keto Enol setzen.

In einem Raumfrachter sitzen der Captain und Cmdr. Tucker gefesselt mit mehreren anderen Alien-Gefangenen auf Bänken links und rechts eines Laufstegs, auf dem Wachen patrouillieren. Wenn man zuviel redet, wird man durch schmerzhafte Stromstöße an den massiven Handfesseln bestraft. Trips Banknachbar erzählt, dass man zu der Gefangenenkolonie Canamar unterwegs ist. Er und Archer werden des Schmuggels beschuldigt, wobei Schuld oder Unschuld offenbar keine Rolle spielen.

Die Enterprise hat Keto Enol erreicht und übergibt dort einem hochrangigen Beamten Daten ihrer vermissten Besatzungsmitglieder. T'Pol erklärt, dass man auf einer Forschungsmission sei. Der Beamte rechtfertigt sich mit der starken Frequentierung des Planeten, der leider auch Diebe und Schmuggler anziehe.

Cmdr. Tucker schließt auf dem Transporter inzwischen "Freundschaft" mit einem ebenfalls gefesselten Nausicaaner. Dieser verlangt sein Essen, was Trip verweigert. Beide werden von den enolianischen Wachmännern mit Stromstößen bestraft.

Der enolianische Beamte erscheint persönlich auf der Enterprise und entschuldigt sich für die versehentliche Gefangennahme der Sternenflottenoffiziere. Der Transporter werde sofort benachrichtigt. T'Pol bittet, dass der Enolianer auf dem Schiff bleibt, damit nicht noch mehr passiert.

Auf dem Gefangenentransporter kommt es anlässlich der bevorstehenden Entlassung Archers zu einer Meuterei durch dessen Vordermann, mit dem offenbar der Nausicaaner unter einer Decke steckt. Beide können die Wachen und schließlich auch den Piloten überwältigen. Die anderen Gefangenen bleiben gefesselt. Da der bewusstlos geschlagene Pilot das Schiff nicht mehr fliegen kann, bietet Archer sich als Ersatz an und wird dafür vom Chef-Meuterer von seinen Fesseln befreit. Ein erster Versuch des Captains, Trip als Ingenieur unentbehrlich zu machen, scheitert jedoch. Er muss allein mit dem Meuterer in das durch eine Tür abgetrennte Cockpit gehen. Zurück bleibt der nun bewaffnete Nausicaaner, der jetzt die übrigen Gefangenen bewacht. An der Konsole des Schiffs muss Archer Kurs auf ein binäres System setzen.
Während der Nausicaaner im Gefangenenraum einen seiner ehemaligen Bewacher quält, kommt Archer mit dem Anführer ins Gespräch. Dieser erzählt ihm, dass er schon mal auf Canamar war und ihn niemand dort wieder hinkriegen könnte. Deshalb habe er sich durch einen Trick so unverhofft befreien können. Archer gelingt es, einen kurzen Subraum-Notruf zu senden, bevor sein misstrauischer Bewacher den Transceiver zerstört.
Anhand des empfangenen Notrufs setzt die Enterprise sofort einen Verfolgungskurs. Der enolianische Beamte sagt, dass man in der Gegend mehrere Patrouillenschiffe habe.

Trips Banknachbar, ein Händler namens Zoumas, entpuppt sich als derart geschwätzig, dass der Commander den Nausicaaner um einen anderen Platz bitten muss, was dieser jedoch nur mit einem höhnischen Grinsen quittiert. Das Transportschiff wird jetzt von zwei enolianischen Patrouillenschiffen angegriffen. Archer gelingt es unter Zuhilfenahme eines Tricks, bei dem der auf seinen Wunsch hin kurzzeitig freigelassene Trip hilft, den Schiffen zu entkommen, indem er Antriebsplasma ablässt und dann entzündet.

Der Enolianer auf der Enterprise hat inzwischen den Namen des Meuterers herausbekommen: Kuroda Lor-ehn. Seine Vorgesetzten würden jetzt die Vernichtung des Gefangenentransporters verlangen, wegen der schweren Verbrechen, die dieser begangen habe. Auf die entrüsteten Einwände von T'Pol und Reed, dass es auch um unschuldige Menschen gehe, kann er nur empfehlen, den Tansporter vor den nächsten Patrouillenschiffen zu finden.

Während Captain Archer langsam das Vertrauen von Kuroda gewinnt und dieser ihm sogar einen Deal für die Zukunft anbietet, muss Tucker weiter seinen redseligen Nachbarn ertragen. Das Schiff ist nunmehr in das binäre System eingetreten. Kuroda will, nachdem er auf ein zu erwartendes Rettungsschiff übergewechselt ist, den Transporter mit den Gefangenen einfach auf den Planeten Tamaal abstürzen lassen, um Spuren zu verwischen.
Auf der Enterprise hat man den Eintritt ins System verfolgt, kann jedoch die beiden Menschen nicht beamen, da der Gefangenentransporter zu stark abgeschirmt ist. Man registriert ein kleines Schiff, von dem T'Pol richtig vermutet, dass es nur dazu da ist, Kuroda zu evakuieren. Dieser befiehlt Archer nunmehr, für den Transporter einen Sinkkurs zu setzen. Der Captain hat jedoch dafür gesorgt, dass Trip sich an der - angeblich beschädigten - Andockschleuse zu schaffen machen darf. Bei dieser Gelegenheit schlägt Trip den Nausicaaner nieder. Die Ausschaltung Kurodas scheitert jedoch an dessen Warnung durch den naiven Zoumas. Nun muss Archer die Schleuse reparieren. Nachdem Kurodas Rettungsschiff angedockt hat und die Tür sich öffnet, kommt es jedoch sofort zu einer Schießerei. Im Rettungsschiff befand sich Lt. Reed von der Enterprise mit mehreren Sicherheitsmännern. Nachdem Kuroda durch einen Schuss Archers außer Gefecht gesetzt wurde, beginnt die hastige Evakuierung der Gefangenen. Auch die ehemaligen enolianischen Wachen und der Nausicaaner werden nicht vergessen. Inzwischen erleiden die aneinandergekoppelten Schiffe durch den rasanten Sinkflug bereits Erschütterungen, es bleibt kaum noch Zeit. Archer versucht trotzdem Kuroda mitzuziehen. Dieser ist jedoch aus der Betäubung erwacht und liefert sich mit seinem Retter eine Schlägerei. Er will nicht mehr zurückgehen und verschwindet im Cockpit, bevor Archer von Reed im letzten Moment in das Rettungsschiff gedrängt werden kann.

Wieder an Bord der Enterprise entlädt sich die aufgestaute Wut Archers am enolianischen Polizeichef. Er informiert ihn über den Tod Kurodas und hält ihm vor, dass nicht nur er unschuldig inhaftiert war, sondern dass es offensichtlich weitere unschuldige Gefangene auf Canamar gibt.

Bewertung

Man fragt sich wirklich, ob so eine Folge für Enterprise nötig war. Nicht nur dass sie an eine schlechte Bottle-Show erinnert, die Story ist auch so nichtssagend wie nur selten eine bei Star Trek. Eine Botschaft ist jedenfalls nicht zu erkennen. Die Handlung ist dermaßen vorhersehbar, dass man von Anfang an nur noch auf die Umstände der Befreiung Archers und Trips wartet. Soll die Folge unsere Aufmerksamkeit auf unschuldig einsitzende Gefangene lenken? Also bitte, dass so etwas immer wieder vorkommt, weiß auch so jeder erwachsene Mensch. Und dass es im Weltraum bei fremden Spezies noch schlimmer zugehen kann als in manchen Staaten auf der Erde, ist auch hinlänglich bekannt. Die Inhaftierung von Unschuldigen abzuschaffen ist angesichts der Richtung, in welche sich die Menschheit bewegt, so aussichtslos wie nur irgendwas. Dies auch noch in Star Trek zu thematisieren ist eigentlich so überflüssig wie ein Kropf und ich denke, es ging auch weniger um Gerechtigkeit für Unschuldige, als vielmehr um reines Popcorn-Kino. Somit bewegt sich die Spannung auch auf niedrigem Niveau. Zuerst rätselt man zwar, wo Archer und Trip wohl geblieben sind, spätestens jedoch mit deren Auftauchen auf dem Gefangenen-Schiff und der folgenden Mitteilung, dass es nach Canamar gehen soll, war's das auch schon. Ab da kommt es nur noch auf das Wie der Befreiung an. Die Anbahnung derselben durch die von T'Pol geführte Enterprise und die kleinen Tricks der beiden gefangenen Sternenflottenoffiziere sind zwar logisch eingebaut, wirken aber nicht immer realistisch und sind auch mit mehreren Mängeln behaftet. Nur 1 Punkt für die Spannung.

Die SFX sind, soweit sie die Schiffe im Raum zeigen, von gewohnt guter Qualität. Außergewöhnlich sind dabei jedoch nur die Ausschaltung der enolianischen Patrouillen mittels Plasmaentzündung und der rasante Sinkflug der aneinandergekoppelten Schiffe am Ende. Der Rest spielt sich in den immerhin liebevoll aufgebauten Studiokulissen ab. Die enolianischen Anzeigen auf der Konsole des Gefangenentransporters erinnern dagegen ein wenig an klingonische Symbole. 4 Punkte für die Effekte.

Die Story lässt neben anderen Unzulänglichkeiten auch eine Weiterentwicklung der Charaktere vermissen. Dass Archer ein cleverer Sternenflottenkapitän ist, der in ungewohnten Situationen flexibel reagieren kann, wissen wir spätestens seit "Raumpiraten". Wenn es damals unbekannte Räuber waren, so hat er es hier mit einem gefährlichen Verbrecher zu tun, der ihm unter vorgehaltener Waffe Befehle erteilt. Trotzdem versucht Archer zuletzt noch unter Einsatz seines Lebens, ihn in das Rettungsschiff zu bringen. Zwar ist das gute Star Trek-Tradition, man muss es von einem Sternenflottenoffizier aber auch erwarten können.
Die Beziehung Trips zu Zoumas und dem Nausicaaner gehört dagegen eher in die Spalte Humor. Immerhin gelingt es dem Ingenieur, seinen starken Gegner mit einem gut platzierten Schlag außer Gefecht zu setzen.

Das Bemerkenswerteste an der Folge ist lediglich die offensichtliche Sorge von T'Pol um ihren Captain und seinen Chefingenieur, die sich auf ihrem sonst so unbewegten Gesicht deutlich sichtbar widerspiegelt. Schnell und wirksam ergreift sie auch die notwendigen Rettungsmaßnahmen.
Dass die beiden Geretteten an der Luftschleuse aber nicht einmal ein Wort des Dankes für die Vulkanierin übrig haben, enttäuscht dafür umso mehr.

Die Folge enthält auch mehrere Logikmängel:

  • Die Andockschleuse des Transporters wurde durch die enolianischen Patrouillenschiffe gar nicht beschädigt, diese waren noch weit entfernt, als die Plasmawolke explodierte. Trotzdem fällt Kuroda auf die von Archer vorgeschützte Notwendigkeit einer Reparatur herein.
  • Warum löst die Enterprise eigentlich auf dem Gefangenenschiff keinen Alarm aus, als sie sich in Transporter-Reichweite befindet und ein Herüberbeamen der beiden Menschen erwogen wird? Ähnlich wie bei den enolianischen Patrouillenschiffen hätte das doch im Cockpit des Gefangenenschiffes registriert werden müssen.
  • Dass man die Besatzung von Kurodas Rettungsschiff ausschaltet und durch Reeds Leute ersetzt, ist zwar clever, wirft aber sofort die Frage auf, warum Kuroda vor dem Andocken auf die übliche Kommunikation verzichtete.
  • Überhaupt ist es merkwürdig, wie Kuroda seine Leute überhaupt benachrichtigen und sein Rettungsschiff rechtzeitig am Treffpunkt erscheinen konnte. Er hätte dann entweder vorher schon von seiner Verhaftung wissen oder nach der Meuterei mit ihnen Kontakt aufnehmen müssen. Ersteres ist ein Widerspruch in sich und für Letzteres gab er Archer keinen Auftrag.
  • Kurodas vorausschauende Cleverness, Verschlagenheit und Entschlossenheit bei der Ausschaltung der enolianischen Wachen und der Übernahme des Schiffs weist eigentlich auf einen außergewöhnlichen Intellekt hin. Dass er ansonsten eine technische Niete ist, der von Steuerung und Kommunikation aber auch gar nichts versteht und sich von Archer gleich mehrfach übertölpeln lässt, erscheint dagegen unlogisch und unglaubwürdig.

Nur 1 Punkt insgesamt für die Handlung.

Fazit:
Gesehen und vergessen, das bleibt wohl bei den meisten Zuschauern von dieser Folge, die an Belanglosigkeit kaum zu überbieten ist. Kein gutes Buch von John Shiban. Da konnte auch der ausgezeichnete Allan Kroeker als Regisseur nichts mehr reißen.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

Keine, außer: Unliebsame Bekanntschaft mit Nausicaanern machte auch Captain Picard in TNG in "Willkommen im Leben nach dem Tode".

Mark Rolston (Kuroda Lor-ehn) war bereits als Lt. Walter Pierce in TNG "Der Fall Utopia Planitia" zu sehen und begegnet uns in ENT noch einmal als Captain Magh in "Die Augments".

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  26. Februar 2003

 Erstausstrahlung D:
  12. Dezember 2003

 Regie:
  Allan Kroeker

 Buch:
  John Shiban

 Gaststars:
  Mark Rolston
   (Kuroda Lor-ehn)
  Michael McGrady
   (Nausicaaner)
  Sean Whalen
   (Zoumas)
  Holmes R. Osborne
   (Enolianischer Beamter)



  Zuletzt geändert:
  2015-02-06, 02:07
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