DSi

ENT 2.13 Morgengrauen


Dawn

von Burkhard Wallner

Episodenbeschreibung

Cmdr. Tucker ist im Enterprise-Shuttle 1 in einem Gasplanetensystem mit vielen Monden unterwegs, um Modifikationen am Autopiloten der Fähre zu testen. Er erhält eine verstümmelte Warnung von der Enterprise, dass ein Schiff im Anflug sei. Noch bevor Trip etwas unternehmen kann, wird er von diesem Schiff beschossen und muss auf einem der Monde notlanden, nachdem er zuvor noch einen Notruf abgesetzt hat.

Auf der Enterprise hat Lt. Reed das Waffenfeuer zwar registriert, kann aber keine genauen Angaben machen, wo der Kampf stattfand. T'Pol informiert, dass es 62 Monde in dem System gibt. Einige davon haben Atmosphären, die jedoch die Funkverbindungen stören. Besorgt gibt Captain Archer den Auftrag, jeden einzelnen Mond nach Cmdr. Tucker abzusuchen.

Dieser befindet sich tatsächlich auf einem dieser steinigen Trabanten in finsterer Nacht neben seinem beschädigten Shuttle. Er diktiert in sein Logbuch, dass er sich den unprovozierten Angriff nicht erklären kann und dass außerdem etwas in der Atmosphäre seinen Antrieb neutralisiert haben muss. Sodann versucht er im Schein eines Lagerfeuers bei Dunkelheit und Kälte den Transceiver zu reparieren, um die Enterprise zu kontaktieren. Plötzlich wird er von einem reptilienartigen Humanoiden angegriffen und beschossen. Er kann sich zwar in das Shuttle retten, muss aber feststellen, dass der nun wieder verschwundene Außerirdische ausgerechnet seinen Transceiver mitgenommen hat.

Die Enterprise wird von einem aufgetauchten Schiff der Rasse der Arkonianer kontaktiert. Deren Captain, der offenbar von derselben Art ist wie der Dieb des Transceivers auf dem Mond, verlangt von Captain Archer unmissverständlich das Verlassen des Systems. Auf Archers Frage gibt er zu, dass eines seiner Patrouillenschiffe das Enterprise-Shuttle angegriffen hat. Man könne die Patrouille aber nicht mehr finden. Archer bietet eine gemeinsame Suche an, danach werde man das System sofort verlassen. Der arkonianische Captain scheint darauf einzugehen.

Trip sucht und findet den Angreifer neben dessen ebenfalls notgelandeten Schiff. Der Standort ist durch ein Lasergitter gesichert, wie Tucker durch Zufall feststellt. Der Arkonianer hat offenbar dieselben Probleme, kann nicht mehr starten und müht sich mit dem Enterprise-Transceiver, kommt aber auch nicht weiter. Tucker überlistet seinen Gegner mit einem Trick und kann in dessen Bereich eindringen. Nach kurzem Kampf überwältigt der Unbekannte jedoch den menschlichen Eindringling. Als der gefesselt wieder erwacht, gibt es Verständigungsschwierigkeiten: Mangels eines Universalübersetzers versteht keiner den anderen. Trotzdem realisiert Trip, dass er den Transceiver des Arkonianers reparieren soll, andernfalls wird er getötet. Hierzu löst der Reptilienartige die Handfessel des Menschen.

Auf der Enterprise informiert T'Pol ihren Captain über die Geschichte der Beziehungen zwischen Arkonianern und Vulkaniern. Die Vulkanier hätten die Zusammenarbeit abgebrochen, nachdem sie zu dem Ergebnis gekommen seien, dass Arkonia keine wünsche. Man habe diese Rasse als äußerst misstrauisch, feindselig und zudem hinterhältig kennengelernt. T'Pol warnt Captain Archer ausdrücklich vor einer Zusammenarbeit. Die gemeinsame Suche nach den Vermissten geht indes nur schleppend voran, möglicherweise auch durch das notorische Misstrauen der Arkonianer, was durch die Anwesenheit einer Vulkanierin auf der Enterprise noch verstärkt wird.

Auf dem Mond versucht Trip unter vorgehaltener Waffe des Arkonianers immer noch den Transceiver zu reparieren. Es wird wärmer, das Morgengrauen ist da. Die beiden beginnen sich zu verständigen und lernen als erstes den Namen ihres Gegenüber. Zho'Kaan heißt der Außerirdische. Trip bittet um Wasser, erhält jedoch nur eine für ihn ungenießbare, ölige Flüssigkeit. Seine Bitte, Wasser von seinem Shuttle holen zu dürfen, wird abgelehnt. Er muss weiter arbeiten, inzwischen schon schwitzend. Als er sich am Arm eine blutige Verletzung holt, heilt Zho'Kaan sie völlig überraschend mit seinem Speichel auf wundersame Weise. Trotzdem nutzt Trip einen Augenblick der Unaufmerksamkeit des Arkonianers, um ihm die Waffe zu entreißen und somit die Rollen zu vertauschen. Der fluchende Zho'Kaan muss nun den Enterprise-Transceiver aufnehmen und das ungleiche Duo begibt sich zu Trips Shuttle.

T'Pol hat inzwischen an ihrer Konsole festgestellt, dass die Monde eines Planeten am Tage bis zu 170°C heiß werden können. Sie zeigt dies Archer und man beschleunigt die Suche in der Hoffnung, dass Trip auf der Nachtseite gelandet ist.
Dieser hat jetzt den Arkonianer vollständig gefesselt und erklärt diesem, obwohl er nichts versteht, dass er seine arkonianische Energiequelle nutzen will, um sie mit dem Transceiver der Enterprise zu verbinden. Nach und nach wird es immer heller und wärmer auf dem Mond. Ein erster Kontaktversuch mit dem reparierten Transceiver scheitert an dem ungünstigen Standort. Höheres Gelände muss aufgesucht werden. Dazu braucht Trip aber Zho'Kaan zum Transport der schweren Energiequelle. Dieser macht durch zustimmende Kopfbewegungen klar, dass er zur Zusammenarbeit bereit ist. Sicherheitshalber wirft Trip den Handphaser, mit dem man sich zuvor wechselseitig in Schach gehalten hat, weit weg. Als er jedoch seinen Gefangenen entfesselt, greift dieser sofort an. Es kommt zu einer brutalen Schlägerei, bei der am Ende beide erschöpft am Boden liegen und nicht mehr weiterkönnen. Schließlich schleppen sie doch den Transceiver mitsamt Energiespender auf einen Felsen oberhalb des Shuttle-Landeplatzes und beginnen Notsignale auszusenden. Sofort werden diese auf der Enterprise registriert, Hoshi kann sie aber noch nicht eingrenzen.

Auf dem Mond beginnt der reptilienartige Zho'Kaan unter der zunehmenden Hitze, die auch Cmdr. Tucker weiter zu schaffen macht, zu leiden. Dabei ist die Sonne noch nicht einmal aufgegangen und der Arkonianer kann sich jetzt schon kaum noch bewegen. Als die Sonne über den Horizont klettert, wird die Hitze unerträglich, und Zho'Kaan fragt verzweifelt sogar nach der Enterprise. Trip versucht ihn zu trösten, als sich endlich Hoshi meldet. Schnell macht Tucker seinem Captain die Lage klar: Er wird den Mond auf keinen Fall ohne seinen Leidensgenossen verlassen. Ein Hochbeamen kommt aber nach Auskunft von Dr. Phlox für Zho'Kaan wegen dessen Dehydrierung und daraus resultierender Todesgefahr nicht in Frage. Trip, gezeichnet von der Schlägerei und der jetzt massiven Hitze, weist indes auf eine Besonderheit des von ihm kurz zuvor studierten arkonianischen Schiffes hin: Mit geringen Modifizierungen im Antrieb könnten die gefährlichen Partikel in der Atmosphäre des Mondes herausgefiltert werden. Somit wäre ein Abholen durch eine Fähre der Außerirdischen möglich. Archer verspricht eine sofortige Kontaktaufnahme. Dann bricht das Funksignal ab, weil Teile des Transceivers in der Hitze geschmolzen sind.

Zho'Kaan liegt schon fast im Koma und Trip erzählt ihm jetzt seine bisherigen Reisen mit der Enterprise, um ihn damit bei Bewusstsein zu halten. Da taucht endlich das modifizierte Arkonianer-Rettungsschiff auf.

Auf der Enterprise bescheinigt T'Pol ihrem Captain nach einem gemeinsamen Gespräch mit dem arkonianischen Befehlshaber, dass dieser eine Tag des Kontakts zwischen Menschen und Arkonianern mehr gebracht habe, als ein Jahrhundert Beziehungen zwischen Arkonia und Vulkan. Archer meint, dass das hoffentlich so bleiben wird.

Trip und der wiederhergestellte Zho'Kaan sehen sich ein letztes Mal auf Dr. Phlox' Krankenstation. Die Kommunikation beschränkt sich auf das Eingeständnis des Arkonianers, dass er froh sei, dass Trips Fähre bei seinem Angriff nicht zerstört worden ist. Vergnügt kann Trip dem zustimmen.
Vereinbarungsgemäß verlässt die Enterprise nunmehr das System und auch die Arkonianer drehen ab.




Bewertung

Die Folge behandelt vordergründig die Probleme beim Kennenlernen neuer Zivilisationen, wenn fast unüberwindliche Sprachbarrieren im Wege stehen. Zwar hat die Enterprise längst einen Universalübersetzer, aber in diesem speziellen Fall kann Trip keinen Gebrauch davon machen, weil er schlicht keinen dabei hat. Und so ergeben sich fast zwangsläufig Missverständnisse mit der aggressiven fremden Spezies, zu der Zho'Kaan gehört. Dass es am Ende doch zu einem Happy End kommt, ist nicht von vornherein absehbar, auch wenn nicht anzunehmen ist, dass die Karriere des Chefingenieurs Tucker auf diesem trostlosen Mond ihr Ende finden soll.

Ganz zu Beginn der Handlung sieht es so aus, als würde Trip allein auf dem Trabanten notgelandet sein. Die Spannung erreicht durch das Auftauchen des Arkonianers, den man nicht dort erwarten konnte, eine bleibende Komponente, da der Zuschauer nicht weiß, in welche Richtung sich die Handlung jetzt wohl entwickeln wird. Andererseits kommt einem der Storyaufbau schon nach kurzer Zeit irgendwie bekannt vor. Ja mehr noch, man bemerkt, dass es sich hier um einen Griff ins eigene Franchise handelt, denn solche Geschichten, wo jemand auf einem unbekannten Planeten festsitzt und sich dann mit Hilfe eines Gegenspielers retten muss, gibt es bei Star Trek mehrere. Erinnert sei stellvertretend nur an TNG "Auf schmalem Grat", wo sich die rettende Kontaktaufnahme mit der Enterprise auf ganz ähnliche Weise abspielt, nämlich mit Hilfe eines modifizierten Kommunikationsgerätes, das auf besonderer Stelle der Oberfläche platziert werden muss. Spannend bei der vorliegenden Folge ist letztlich nur noch, ob der Arkonianer überlebt oder nicht. Die Bemerkung von Dr. Phlox, dass ein Beamen zur Rettung unmöglich ist, erscheint da wie ein hilfloser Versuch, zum Schluss noch etwas Spannung draufzulegen. Sehr durchsichtig das Ganze. An dieser Stelle daher nur ein Genügend für die Spannung.

Gleichwohl unterscheidet sich die Geschichte zwischen Trip und Zho'Kaan anhand gut eingeflochtener Einzelheiten von TNG doch erheblich. So ist hier das Sprachproblem als erschwerendes Element vorhanden, ganz abgesehen davon, dass der Arkonianer reptilienartig ist und beide Kontrahenten nicht im Entferntesten wissen, wie der andere einzuschätzen ist. Ferner versucht die Handlung, eine bisher unbekannte Seite von Cmdr. Tucker zu beleuchten, nämlich die des Friedensstifters. Das fällt ihm anfangs nicht leicht, da er - zunächst überrumpelt - unter großem Durst leidend die Technik reparieren soll und von Zho'Kaan wie ein Sklave behandelt wird. Er gibt jedoch so schnell nicht auf und als er sich in der Rolle des Befehlsgebers wiederfindet, ist es an ihm zu zeigen, dass Menschen trotz aller Sprachprobleme keine Barbaren sind. So versucht er mit seinem Gegenüber immer wieder Brücken zu bauen, was sich naturgemäß in der kurzen Zeit als äußerst schwierig erweist. Der Austausch von nur wenigen Worten gelingt. Trotzdem denkt Trip hier - passend zum Ingenieur - sehr pragmatisch, als er dem Arkonianer einen Vertrauensvorschuss gibt und dessen Fesseln löst. Als Mensch will er die Zusammenarbeit, alles andere ist unwichtig. Zho'Kaan dagegen, von völlig anderer Mentalität, muss erst einmal eine Rechnung begleichen und so kommt es zu der blutigen Schlägerei, die beide nur viel Kraft kostet und zu gar nichts führt. Ein passender Vergleich zu den Verhaltensweisen vieler Menschen im Großen wie im Kleinen auf der Erde. Dies ist wohl auch als Botschaft dieser Folge zu verstehen, dass man sich trotz mannigfaltiger Sprach- und Mentalitätsunterschiede doch besser zusammenraufen sollte, um zu überleben. Eine uramerikanische Sicht der Dinge, die aber durchaus was für sich hat. T'Pol würde sagen, sie ist logisch.

Die übrige Stamm-Crew der Enterprise hat hier wenig zu tun, da es eine Trip-Folge ist. Eine charakterliche Weiterentwicklung des Cmdr. Tucker ist die Episode aber nicht, lediglich ein Demonstrieren seiner Reaktionen und seiner Gefühlslage in Extremsituationen. Dass er diese letzlich vorbildlich meistert, muss man vom Chefingenieur eines Raumschiffs wie der Enterprise erwarten können, auch wenn im Wechselwirken mit den technischen Problemen und dem Belauern durch Zho'Kaan hin und wieder seine berüchtigten Eigenschaften, nämlich Genervtheit und Wut zum Vorschein kommen. Er ist aber auch Mitglied der Führungscrew und damit stellvertretender Kommandant des Flaggschiffs der Sternenflotte, was man nicht vergessen darf. Was die Arkonianer im Allgemeinen und Zho'Kaan im Besonderen angeht, so sind sie wieder nur die beliebigen, austauschbaren "Aliens der Woche", die man nie wieder sehen wird. Bis jetzt jedenfalls. Die verschiedenen Schwächen in der Handlung, vor allem das unselige Aufgreifen alter Storymuster, befriedigt nur knapp, daher auch nur 3 Punkte für die Handlung

Was die SFX angeht, so sind die Weltraumszenen überwiegend gut dargestellt, das fängt mit dem Beschuss von Trips Shuttle und seinem Absturz an und endet mit dem abschließenden, wunderbar in Szene gesetzten Abdrehen der Arkonianer in die eine und der Enterprise in die andere Richtung, während man den Orbit des Mondes verlässt. Sehr passend auch die musikalische Untermalung dazu.
Einfach schrecklich dagegen: die Logikfehler. So fragt man sich, wie auf der 170°C-Oberfläche des Mondes die Pflanzen gedeihen sollen, hinter denen Zho'Kaan ganz am Ende noch Schutz sucht. Man kann es abtun als den Versuch der Autoren, sie als Allegorie für den Schutzsuchenden zu sehen, aber auch das wäre nur eine lahme Erklärung. Weiterhin springen neben den deplatzierten Pflanzen die Papp-Felsen ins Auge, auf denen Trip und Zho'Kaan zuletzt liegen. Ist es denn immer noch zu teuer, solche Szenen an einfachen Naturfelsen zu drehen? Die bekannten Vasquez-Felsen hätten es doch auch getan. Selbst zu TOS-Zeiten, als Pappkulissen vielleicht noch modern waren, scheute man sich nicht, auch mal Außenaufnahmen an richtigen Felsen zu machen, man denke nur an TOS "Ganz neue Dimensionen". Für eine Serie wie Enterprise jedenfalls sind die farbigen Studio-Felsen schlicht eine Peinlichkeit.
Leider auch nur Befriedigend das Ganze.

Fazit:
Eine Episode mit teils guten, teils schlechten Effekten, ohne wirklich relevanten Tiefgang. Völkerverständigung zu thematisieren ist gut, aber dieses Beispiel hat doch einige Schwachstellen und ist zu eindimensional aufgebaut. Reine Unterhaltung, muss man nicht zweimal sehen.

Spannung: 2 SFX: 3 Handlung: 3 Gesamt: 3
Zusammenhänge

Trip erzählt Zho'Kaan kurz vor seiner Rettung u.a. von seinem Flug mit einem sulibanischen Zellenschiff in "Aufbruch ins Unbekannte", der Prinzessin in "Kostbare Fracht" und von seiner Schwangerschaft in "In guter Hoffnung".

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Ausdruck vom: 23. 09. 2021
Stand des Reviews: 26. 11. 2020
URL: http://www.startrek-index.de/tv/ent2_13.htm