DSi

TNG 1.20 Worfs Brüder


Heart of Glory

von Yann-Patrick Schlame

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 41503,7
Die Enterprise erhält von der Sternenflotte die Nachricht, dass in Quadrant 9 der neutralen Zone ein Gefecht stattfand. Picard soll herausfinden, wer darin verwickelt ist. Soweit bekannt ist, befinden sich dort keine Schiffe der Föderation. Riker mutmaßt, es könnten Ferengi gewesen sein, doch besonders wahrscheinlich ist das nicht. Die Frage, ob man die Untertassensektion vorsichtshalber abkoppeln sollte, wird von Picard vorerst verneint, noch sieht er keine Notwendigkeit für diese Maßnahme.
Als man sich der Zone nähert, erkennt Data an einem noch weit entfernten Schiff Waffensignaturen, die auf die in letzter Zeit sehr zurückhaltenden Romulaner hindeuten.
Als man näher kommt, erweist sich das Schiff als schwer beschädigter talarianischer Frachter. Lebenszeichen sind keine zu erkennen, doch könnte das auch an Interferenzen liegen. Also beamen Riker, Geordi und Data hinüber, wobei Geordi ein neues Spielzeug ausprobiert: Einen Sichtvergrößerungstransmitter, mit dem er das Bild seines Visors für die Enterprise sichtbar machen kann.
Als das Außenteam angekommen ist und Geordi den Transmitter einschaltet, ist Picard hocherstaunt, als er auf dem Hauptschirm sieht, wie Geordi seine Umgebung wahrnimmt: Das Bild wirkt sehr verschwommen, und Geordi erklärt, dass es vielen Trainings bedurfte, bis er lernte, das Wesentliche herauszufiltern und die restlichen Informationen zu ignorieren. Dann entdeckt man einen Riss in der Außenhaut des Schiffes; in knapp fünf Minuten wird es zerstört werden. Also beeilt sich das Außenteam, zum Maschinendeck zu gelangen, von wo schwache Lebenszeichen angezeigt werden. Nach kurzer Suche findet man dort drei Klingonen, einer von ihnen schwer verletzt. Wegen starker Interferenzen muss man den Maschinenraum erst wieder verlassen, bevor man auf die Enterprise zurückgebeamt werden kann, was im allerletzten Moment gelingt.
Picard und Worf begeben sich auf die Krankenstation, wo Crusher bereits den verletzten Klingonen verarztet, um den es nicht gut steht.
Captain Korris, der Anführer der Klingonen, berichtet, was ihm, seinem Begleiter Lieutenant Konmei und dem Verletzten widerfahren ist: Sie waren auf dem talarianischen Schiff unterwegs zum Außenposten MZ5, als sie von Ferengi angegriffen wurden und dadurch scheinbar unbemerkt in die neutrale Zone abgedriftet sind. Nur mit einem Täuschungsmanöver gelang es ihnen, die Ferengi zu überwältigen: Man gab sich nach ihrem Angriff scheinbar geschlagen. Als sie den Frachter entern wollten und zum Zwecke des Beamens ihre Schilde senkten, feuerten die Klingonen, denen das Kommando vom unerfahrenen Captain des Frachters mittlerweile übertragen wurde, Merculiteraketen ab, die einzigen Waffen des Frachters. So konnten sie die Ferengi vernichten. Als Worf erwähnt, dass die Sensoren keine Spuren von Ferengiwaffen entdeckten, korrigiert Korris, dass die Gegner klingonische Waffen benutzten - doch die Besatzung bestand aus Ferengi.
Als bald darauf der verletzte Klingone stirbt, lassen seine beiden Gefährten und Worf einen lauten Todesschrei hören. Wie Data später dem Captain erklärt, warnen sie damit den Tod, dass die Seele eines Kriegers nun zu ihm kommen wird.
Picard vermutet, dass Korris ihm nur einen Teil der Wahrheit gesagt hat; doch bis man von der Sternenflotte Antwort auf eine Nachfrage bezüglich Korris und des Frachters erhalten könnte, würden mindestens 48 Stunden vergehen, selbst mit Hyperraumfunk.

Worf geleitet Korris und Konmei zu ihrem vorläufigen Quartier. Dabei kommt er mit den beiden ins Gespräch: Korris provoziert Worf, um herauszufinden, ob jener nach so langer Zeit unter Menschen noch das Herz eines Kriegers hat. Das hat Worf, wie er berichtet, in der Tat. Worf erklärt, wie er dazu kam, in der Sternenflotte zu dienen: Als vor vielen Jahren der Khitomeraußenposten von den Romulanern angegriffen wurde, überlebte Worf als einziger. Ein Sternenflottenoffizier entdeckte und adoptierte ihn. Er und seine Frau zogen Worf auf Gault auf und behandelten ihn wie einen leiblichen Sohn. Zusammen mit seinem Stiefbruder besuchte Worf, als er alt genug war, die Akademie der Sternenflotte. Sein Bruder verließ die Akademie bald wieder, doch Worf schloss sie ab und wurde damit zum ersten und seines Wissens nach wie vor einzigen Klingonen in der Sternenflotte.
Korris meint, die Menschen würden Worf verachten; weil er so anders ist, würden sie hinter seinem Rücken schlecht über ihn reden. Worf stimmt zumindest insofern mit ihm überein, als dass er anders ist: Er spürt seine gewaltigen Urgefühle, seine Instinkte, die ihm sagen, dass er ein Krieger ist. Doch hat er sie unter Kontrolle. Korris scheint besänftigt: Er erkennt, dass Worf tatsächlich noch ein wahrer Klingone ist, und damit ein Bruder. Daher erklärt er Worf, was wirklich vorgefallen ist: Er und seine beiden Gefährten hatten das Talarianerschiff gekapert, um sich einen Planeten zu suchen, auf dem sie wie echte Krieger leben könnten; die Friedenspolitik, die die klingonische Regierung seit langen Jahren betreibt und die schon fast menschlich ist, widerte sie an. Doch man ließ sie verfolgen. Das Schiff, das sie zerstörten, war nicht etwa ein Ferengischiff, sondern es waren Klingonen. Korris wollte nicht gegen seine Brüder kämpfen, doch blieb ihm keine Wahl, wollte er nicht selbst getötet werden.

Später kommt ein Klingonenkreuzer auf die Enterprise zu. Captain K'Nera erklärt Picard, dass Korris und seine Begleiter Abtrünnige seien, die gerade ein Klingonenschiff zerstört hätten, nachdem sie den Frachter gestohlen hatten. Picard schickt Tasha los, um die Klingonen vorläufig festzusetzen - zu allem Überfluss befinden sie sich auf Deck 17 und sind damit in der Nähe der Kampfbrücke, von wo aus sie möglicherweise das Kommando über die Enterprise übernehmen könnten. Als Tasha mit einem Sicherheitstrupp eintrifft, steht Worf unentschlossen zwischen den Fronten: Tasha fordert ihn auf, Korris festzunehmen, Korris meint, Worf wäre ein Krieger und müsse entsprechend handeln. Dann öffnet sich die Tür eines nahen Turbolifts, und ein kleines Mädchen läuft schnurstracks auf die Klingonen zu. Tasha befürchtet schon eine Geiselnahme, doch Korris lässt das furchtlose Kind ungehindert wieder zu seiner Mutter zurück. Er und Konmei lassen sich anschließend ohne Widerstand in eine Arrestzelle bringen. Worf erläutert, dass ein Klingone niemals eine Geisel nehmen würde und für das Mädchen keine Gefahr bestand: Nur ein Feigling würde sich hinter jemand anderem verstecken.

Auf der Brücke erfährt Worf, dass Korris und Konmei, so man sie ausliefert, vor Gericht gestellt und hingerichtet werden. Doch Picard sieht keine andere Lösung. Daher will Worf mit Cpt. K'Nera sprechen: Er bittet ihn, Gnade walten zu lassen und die beiden Abtrünnigen auf einem Planeten im Halee-System auszusetzen, wo sie dem Tod aufrecht begegnen könnten, anstatt sie hinzurichten und ihnen damit einen ehrenvollen Tod vorzuenthalten. K'Nera versteht Worfs Haltung und denkt darüber nach.
Korris und Konmei haben allerdings nicht vor, sich aussetzen oder gar hinrichten zu lassen: Aus diversen Einzelteilen, die sie unbemerkt an ihrer Kleidung tragen, bauen sie einen Disruptor zusammen, mit dem sie das Kraftfeld überwinden. Einen der Sicherheitsmänner erschießen sie, ein anderer wird verwundet. Doch auch Konmei wird erschossen. Korris flüchtet in den Maschinenraum, wo er mit dem Disruptor auf den Warpkern zielt: Wenn er aus dieser Distanz auf die Dilithiumkammer schießt, wird die Enterprise explodieren. Worf und Picard begeben sich schnell dorthin, und Worf redet mit Korris: Korris will Worf überreden, zusammen die Untertassensektion zu nehmen und in die Freiheit zu fliegen, damit sie wie richtige Klingonen leben könnten. Worf lehnt ab: Er meint, Korris' Welt bestünde nur aus Ruhm und aus Kämpfen. Doch ohne Pflicht, Ehre und Loyalität sei ein Krieger nur ein Nichts. Korris kontert, es wäre ihre Bestimmung, als Krieger zu leben und ruhmreiche Gefechte auszutragen. Da Worf das anders sieht, sei er kein richtiger Klingone.
"Nein... vielleicht nicht..." antwortet Worf, und erschießt Korris. Als jener seinen letzten Atemzug getan hat, ertönt noch einmal ein mächtiger klingonischer Todesschrei, diesmal von Worf alleine ausgestoßen.

Zurück auf der Brücke berichtet Picard K'Nera, dass alle drei Klingonen tot sind. Da sie einen ehrenvollen Tod hatten, ist K'Nera zufrieden und meint, es wäre egal, was man mit ihren Körpern macht: Sie seien nur noch wertlose Hüllen, Picard möge mit ihnen verfahren, wie er es für richtig hält. Dann wendet er sich an Worf und meint, es würde ihn freuen, Worf als Offizier begrüßen zu dürfen, wenn seine Dienstzeit auf der Enterprise beendet ist.
"Ich fühle mich sehr geehrt. Danke" erwidert Worf, und der klingonische Kreuzer dreht ab. Auf dem Weg zu seinem Posten erläutert Worf in Richtung seines Captains: "Ich habe mich nur bemüht, höflich zu sein, Sir." Da Picard noch nicht überzeugt wirkt, betont er noch einmal, dass es nicht seine Absicht ist, die Enterprise zu verlassen.
Picard lässt Kurs setzen auf Sternbasis 84, und wendet sich dann noch einmal an Worf:
"Sie würden uns auf der Brücke sehr fehlen, Mr. Worf...
Warp 5, beschleunigen!"




Bewertung

Nachdem die meisten Charaktere der Serie in den vorangegangen 19 Episoden inzwischen recht ausführlich ausgeleuchtet wurden, kümmert sich "Worfs Brüder" nun auch erstmals sehr intensiv um Worf und seine bisherige Lebensgeschichte. Man erfährt, wie Worf zur Sternenflotte kam, dass er einen Stiefbruder hat und auf Gault aufgewachsen ist (seine spätere Jugend verbrachte er allerdings in Minsk auf der Erde). Später wird man auch die Namen seiner Familie erfahren: Sein Vater, Sergeij Rozhenko, war Warpantriebsexperte auf der Intrepid, dem ersten Schiff, das nach dem Massaker auf Khitomer eintraf, und entdeckte Worf. Zusammen mit seiner Frau Helena zog er den Klingonenjungen groß. Worfs Bruder Nikolai, der die Sternenflottenakademie vorzeitig verließ, wird man in "Die Oberste Direktive" kennenlernen, seine Pflegeeltern in "Familienbegegnung".
Dass man hier einiges über Worf erfährt, ist sehr erfreulich, denn sein Charakter gibt wahrlich sehr viel her. Schön auch die Charakterstudie, die im Umgang mit Korris und den anderen geführt wird: Nachdem Worf so lange Zeit unter den Menschen lebte, ist die Frage, wie klingonisch er eigentlich noch ist, durchaus berechtigt. Die Antwort wird auf differenzierte Weise gegeben, denn einerseits hat er die Reflexe und Instinkte eines Kriegers und spricht von seinen Urgefühlen. Andererseits hat er gelernt, diese Gefühle zu unterdrücken und sich in die menschliche Gesellschaft zu integrieren. Wie schwer ihm das gefallen sein muss und immer noch fällt, kann man nach dieser Episode deutlich besser beurteilen, denn obgleich Worf auf der Enterprise sehr gut behandelt wird, bleiben ihm das Verhalten und die Ordnung der Menschen doch immer fremd.
Schön ist auch, dass man später auf dem, was Worf hier über seine Vergangenheit erzählt, aufbauen wird; zum einen wird es keine Widersprüche in seiner Familiengeschichte geben, zum anderen wird man seinen Charakter als zentrale Figur des vielleicht größten Handlungsbogens der ganzen Serie nutzen, nämlich den lange vorbereiteten klingonischen Bürgerkrieg (beginnend mit "Die Sünden des Vaters").

Ein Lob in "Worfs Brüder" geht auch an die Darstellung der anderen Klingonen:
Mit dem jahrelangen Frieden, den die klingonische Regierung propagiert, nimmt man Bezug auf die Ereignisse um Kanzler Gorkon, der nach der Explosion des Mondes der klingonischen Energieversorgung bereit war, mit der Föderation Frieden zu schließen und sowohl die Feindseligkeit als auch das Wettrüsten zu beenden. Nach der Ermordung Gorkons führte seine Tochter Atzetbur in seinem Namen die Friedensgespräche, die (mit Hilfe Kirks) zu einem erfoglreichen Abschluss gebracht werden konnten ("Star Trek VI: Das unentdeckte Land").
Bereits damals gab es Klingonen, die lieber weiterhin die Feindschaft aufrechterhalten hätten, da sie dies für ihre Bestimmung hielten. Korris und seine Begleiter scheinen da ähnlicher Auffassung zu sein; sie sind bereit, sich gegen ihre Brüder zu stellen, um einen Ort zu finden, an dem sie so leben können, wie sie es für richtig halten.
Der dargestellte Konflikt ist durchaus spannend, denn man kann sowohl ihre Haltung verstehen, als auch die Worfs, der hin- und hergerissen ist zwischen Pflicht und Loyalität: Gilt seine Loyalität der Sternenflotte, oder gilt sie seinem Volk? Letztlich entscheidet er sich für die Sternenflotte, indem er Korris erschießt und die Krise damit beendet. Ähnliche innere Konflikte wird Worf noch mehrfach haben, unter anderem bei DS9, als Kanzler Gowron ihn auffordert, sich an seine Seite zu stellen und Cardassia zu erobern.

Doch das liegt noch ganze neun Jahre in der Zukunft, und so wollen wir uns wieder der vorliegenden Episode zuwenden.
Markant ist das klingonische Todesritual: Data erwähnt, dass Menschen das erste mal Zeuge dieses Rituals waren, bei dem man dem Sterbenden in die Augen sieht und dann im Moment seines Todes einen mächtigen Schrei ausstößt. Wie Data erläutert, soll damit der Tod gewarnt werden. Bei DS9 wird erläutert, dass die Seele des Verstorbenen in den klingonischen Himmel, das Stovo'Kor, eingeht, sofern er einen ehrenvollen Tod hatte. Interessant auch, dass es Klingonen gänzlich egal ist, was mit den Körpern geschieht: Sie haben keinen Wert mehr.
Doch genug von den Klingonen, es gibt noch einige weitere interessante Aspekte:

  • Was ist mit Wesley und Deanna? Beide fehlen gänzlich.
  • Riker und später auch Korris sprechen von einem talarianischen Schiff. Picard nennt es zwischendurch jedoch ein tarallianisches Schiff. Vermutlich ein Übersetzungsfehler.
  • Auf dem talarianischen Schiff berichtet Data: "Ich hab' etwas entdeckt". Selbst, wenn man es als "Ich habe was entdeckt" deutet: In jedem Fall spart Data eine Silbe, was er aufgrund seiner Programmierung nicht dürfte. Vermutlich ebenfalls ein Fehler der Synchronisation.
  • Außerdem spricht Riker hier von einem "Frachtraumer" statt von "Raumfrachter"; vielleicht nicht unbedingt ein Fehler, aber doch eine sehr ungewohnte Bezeichnung. Vielen Dank an unseren Leser Georg Goehner für diesen Hinweis.
  • Die Ferengi, getreu ihrer Darstellung in der ersten Staffel, sind scheinbar einigermaßen gefürchtet. Zunächst vermutet man, sie könnten den Angriff auf den Frachter durchgeführt haben. Da auch Korris von Ferengi spricht (bevor es sich als Lüge erweist), scheint dies recht plausibel zu sein. Das deckt sich mehr oder weniger mit "Der Wächter", wo ebenfalls kriegerisch veranlagte Ferengi zu sehen waren. Allerdings waren jene Vertreter ihrer Spezies dermaßen dumm, dass man ihnen kaum zutraut, einen Angriff durchführen zu können, selbst wenn es sich bei ihrem Ziel nur um einen Frachter handelt. Erfreulicherweise entwickeln sich die Ferengi vor allem bei DS9 zu einer wesentlich tiefgründigeren Kultur, als es hier bei TNG der Fall ist; das frühe Verhalten der Ferengi geht noch auf den Einfluss Gene Roddenberrys zurück, während sie später unter dem Einfluss eines anderen Teams ausgearbeitet und weiterentwickelt werden.
  • Die Waffensignaturen werden als möglicherweise romulanisch angezeigt. Dies erweist sich zwar als falsch (klingonische und romulanische Waffen haben in der Tat sehr ähnliche Signaturen, so dass die Verwechslung nicht unlogisch klingt), doch ist es interessant, dass die Romulaner erwähnt werden - denn sobald der Begriff "Neutrale Zone" fällt, denkt man automatisch an sie. Riker beteuert, dass er sie nicht vermisst hat - Picard sagt, es wäre lange Zeit sehr ruhig um sie gewesen. Dass dem nicht mehr lange so bleiben wird, liegt wohl auf der Hand. Bereits nach fünf Episoden melden sie sich denn auch zurück, um von da ab immer mal wieder kurz aus der Versenkung aufzutauchen und ein Lebenszeichen zu geben.
  • Die knappe Rettung des Außenteams vor der Zerstörung des Frachters ist eine völlig überflüssige Komponente; selbst in der ersten Staffel, wo knappe Beamvorgänge noch nicht so oft zu sehen waren, ist schon vorher klar, dass es gerade noch einmal so klappen würde. Das hätte man sich auch sparen können, zumal der Zeitdruck überhaupt keine Funktion hat.
  • Rikers Vorschlag, die Untertassensektion abzukoppeln, ist sehr löblich; immerhin befinden sich viele Kinder bzw. Familien an Bord; das Abkoppeln würde also im Zweifelsfall hunderte Leben retten, falls die Enterprise von überlegenen Kräften angegriffen wird. Leider kommt künftig kaum noch jemand auf die Idee, dass ein Flug in die neutrale Zone ein großes Risiko für jeden an Bord bedeutet.
  • Und zu erwähnen ist noch Geordis Sichtvergrößerungstransmitter. Die Umgebung einmal so zu zeigen, wie Geordi sie wahrnimmt, ist eine sehr gute Idee. Die Visualisierung wirkt dabei nicht sonderlich glaubwürdig, unterstützt aber dadurch gerade, wie anders Geordis Wahrnehmung ist. Die Szene, als er den Transmitter aktiviert und Picard ihn darüber ausfragt, ist sehr gut gemacht und wird auch von der Musik zur Abwechslung gut unterstützt. Geordis Erklärung, er hätte lange Zeit lernen müssen, den Visor zu gebrauchen, klingt wesentlich einleuchtender, nachdem man einen kurzen Einblick in seine Wahrnehmung erhielt. Es ist schade, dass er den Transmitter in Zukunft nicht mehr benutzen wird, und auch ein wenig unlogisch: Zwar heißt es, es gäbe noch ein Reichweitenproblem, doch sagt Geordi selbst, dass er daran arbeitet. Den Transmitter weiterhin einzusetzen, wäre sehr vernünftig, könnte man doch dann auf der Brücke endlich einmal mitverfolgen, was das Außenteam sieht, und wäre nicht auf die Audioverbindung per Kommunikator beschränkt. Des Weiteren wird der Genuss der Szene ein wenig geschmälert, da man sich die berechtigte Frage stellen kann, ob Picard nicht eigentlich professionell genug sein sollte, seine Neugier zu unterdrücken und das Außenteam seine Arbeit machen zu lassen: Der Frachter ist schwer beschädigt, man weiß nicht, was überhaupt vorgefallen ist, und befürchtet sogar getarnte Romulaner in der Nähe. In einer solchen Situation verwendet man ganz einfach keine Zeit auf solche Fragen, wie Picard sie stellt. Riker holt denn auch alle wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, als er etwas dringlich fragt, ob man nun mit der Mission fortfahren könne, was Picard aus seiner Faszination reißt und ihn zu einem "Oh, ja, natürlich" animiert.
  • Es hätte freundlicherweise erwähnt werden können, weshalb Korris und Konmei ein ehrenvoller Tod vergönnt sein soll, wenn man sie auf einem Planeten im Halee-System aussetzt; man kann nur vermuten, dass es dort Raubtiere oder übermächtige Naturgewalten gibt, welche in kurzer Zeit den sicheren Tod bedeuten.
  • Vaughn Armstrong, der Commander Korris spielt, absolviert in dieser Episode den ersten von zahlreichen Gastauftritten bei Star Trek. Unter anderem spielt er bei "Star Trek: Enterprise" Archers Vorgesetzten, Admiral Maxwell Forrest.

Die Effekte der Episode sind sehr gut gelungen; vor allem das talarianische Schiff ist sehr detailreich gestaltet und relativ groß, wobei Nebel (bzw. Gas) die Sicht allerdings stark einschränkt, was jedoch nicht wie ein plumper Trick wirkt, sondern tatsächlich der Atmosphäre dienlich ist.

Insgesamt ist "Worfs Brüder" eine sehr ordentliche Episode, die ihre Intensität nicht nur aus der Handlung, sondern auch aus der Atmosphäre bezieht, obgleich im Großen und Ganzen das recht sterile Flair der ersten Staffel darüber liegt. Die Musik von Komponist Ron Jones, die das altbekannte Klingonenthema aus Star Trek: Der Film variiert und mit dem TNG-Thema kombiniert, ist sehr gelungen, was zu der Gesamtbewertung von vollen fünf Punkten beiträgt.
Die Spannung ist jedoch nicht sonderlich hoch; zwar fragt man sich, wie die Sache ausgehen wird, doch ist absehbar, dass Worf und dem Schiff keine ernste Gefahr droht, und um sich ausreichend mit Korris identifizieren zu können, um seinen Tod zu befürchten oder zu bedauern, mangelt es an Zeit.

Spannung: 3 SFX: 5 Handlung: 4 Gesamt: 5
Zusammenhänge

Die Romulaner melden sich in "Die Neutrale Zone" wieder zurück; Worfs Familie lernt man in "Familienbegegnung" kennen, seinen Bruder in "Die Oberste Direktive".

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Ausdruck vom: 08. 12. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tng1_20.htm