DSi

TNG 1.23 Die schwarze Seele


Skin of Evil

von Yann-Patrick Schlame

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 41601,3
Die Enterprise ist unterwegs im Zed-Lapis Sektor, wo man Shuttle Nr. 13 treffen will, welches Deanna von einer Konferenz zurückbringt. Da die Dilitiumkristalle gewartet werden, steht nur Impuls-Antrieb zur Verfügung.
Doch als ein Notruf des Shuttles eingeht, befiehlt Picard, den Warpantrieb schnellstmöglich wieder in Gang zu bringen. Trotz einer Warnung des Ingenieurs, Lt. Cmdr. Lynch, lässt der Captain anschließend mit Warp 8 Kurs auf Varga II nehmen, den Planeten, wo das Shuttle notgelandet ist.
Dort angekommen muss man feststellen, dass Deanna und der Pilot des Shuttles wegen Interferenzen nicht hochgebeamt werden können. Also bildet Riker mit Data, Tasha und Dr. Crusher ein Außenteam.
Doch gleich nach dem Runterbeamen zeigt sich ein Problem: Ein schwarzes Etwas, das Riker mit "flüssigem Teer" vergleicht, blockiert dem Team den Weg zum Shuttle. Data kann nicht sagen, worum es sich handelt, stellt bloß fest, dass der Teer keine Knochen oder Muskeln besitzt und aus unbekannter Substanz besteht. Die Überraschung ist groß, als sich ein in etwa menschlich geformtes, öliges Wesen aus der Masse herausbildet. Es nennt sich Armus und gestattet dem Außenteam nicht, die beiden Verletzten aus dem Shuttle mitzunehmen. Der Versuch, es zu umgehen, scheitert. Als Tasha auf der anderen Seite herumzukommen versucht, schleudert ihr Armus einen Blitz entgegen, der Tasha zu Boden wirft. Crusher stellt fest, dass Tasha schwer verletzt ist, und Picard lässt das Außenteam sofort hochbeamen.

Trotz aller Versuche kann Beverly Tasha nicht retten; sie ist tot.
Doch es gilt zunächst einmal, Deanna und den Piloten des Shuttles zu retten. Armus bewegt sich zum Shuttle und bedeckt es schließlich ganz. Er kann sich mit Deanna unterhalten, die zwar verletzt, aber bei Bewusstsein ist. Sie spürt, dass Armus ein einsames und trauriges Wesen ist, dem es Freude bereitet, andere zu quälen. Da Tashas Tod viel zu schnell kam hofft es, dass das Außenteam zurückkehrt.
Das tut es auch. Riker unterhält sich erneut mit Armus, welcher weitere diabolische Spielchen abhält: Zunächst lässt er mit einer unbekannten Kraft die Tricorder des Außenteams verschwinden, dann reißt er dem mitgekommenen Geordi den Visor von den Augen und ergötzt sich daran, wie Geordi hilflos danach tasten muss.
Als ihm das zu langweilig wird, begibt er sich wieder über das Shuttle. Deanna erfährt, dass Armus das Produkt einer längst verschwundenen Gesellschaft ist: Es war den früheren Bewohnern dieses Planeten gelungen, alles Böse und Negative abzusondern; all das Schlechte materialisierte sich dann in Form einer schwarzen, öligen Flüssigkeit: Armus.
Sein Gespräch mit Deanna befriedigt ihn aber auch nicht, also begibt er sich wieder zum Außenteam zurück und zieht Riker in sich hinein.

Indes beobachten Worf und Wesley, dass das Kraftfeld, welches das Beamen verhindert, offensichtlich von Armus erzeugt wird. Und: Immer, wenn sich Armus über dem Shuttle befindet, verliert das Kraftfeld an Intensität, beinahe könnte man beamen. Scheinbar verliert er seine Konzentration, wenn er sich mit Deanna unterhält. Picard beschließt, selbst hinunterzubeamen.

Er behandelt Armus auf herablassende, fast belehrende Art und erklärt, dass er und seine Crew sich nicht länger zum Spielball von Armus' Unberechenbarkeit machen; sollte Armus nicht sagen, was er will, dann würde die Enterprise sofort weiterreisen und Armus wäre wieder alleine. Das Wesen reagiert, indem es Riker freigibt. Jener fühlt sich nicht gerade wohl, ist aber gesund.
Picard lässt das Außenteam hochbeamen und meint, von nun an wäre es eine Sache zwischen Armus und ihm. Zum Schein geht er auf Armus Forderung ein, ihn mitzunehmen, wenn er Deanna und den Piloten freigibt.
Im Laufe des Gespräches jedoch gelingt es ihm, Armus immer wütender zu machen. Schließlich erzählt er dem Wesen, dass er es nicht mitnehmen wird.
Worf beobachtet, wie das Kraftfeld soweit sinkt, dass Beamen möglich ist und lässt dann Picard, Troi und den Shuttlepiloten sofort hochbeamen.

Der Captain lässt anschließend das Shuttle zerstören und erklärt Varga II zur verbotenen Zone.
Später hat er dann eine traurige Pflicht zu erfüllen: Tashas Abschiedsrede. Auf dem Holodeck versammeln sich die Führungsoffiziere, Picard hält eine kurze Rede, und anschließend erscheint eine holographische Abschiedsrede, die Tasha aufgenommen hatte. Sie verabschiedet sich von allen und hofft, dass man nicht über ihren Tod trauert, sondern vielmehr ihr Andenken in guter Erinnerung behält.




Bewertung

"Die Schwarze Seele" ist eine insgesamt eher minimalistische Episode mit schwacher Handlung und noch schwächeren Kulissen. Bemerkenswert jedoch ist der unerwartete und sinnlose Tod eines Crewmitgliedes. Doch zu den Details:

Charakterseitig bietet "Die Schwarze Seele" wenig Interessantes: Riker profiliert sich als Führer des Außenteams, glänzt aber nicht durch besonders gute Ideen. Immerhin gelingt es ihm, sein Team soweit unter Kontrolle zu halten, dass Tasha das einzige Opfer von Armus bleibt.
Worf, der vorläufig zum Sicherheitsoffizier befördert wird, zeigt ein wenig Initiative, indem er nicht mit dem Außenteam auf den Planeten beamt, sondern von der Brücke aus alles überwacht. Damit liegt er zwar letztlich richtig, denn auf diese Weise entdeckt er die Schwächung des Kraftfeldes, aber es wäre zweifelsohne ehrenhafter und mutiger gewesen, runterzubeamen und sich mit Armus anzulegen, schon allein um Tasha zu rächen. Von dem ehrenhaften und allzeit kampfbereiten Klingonen der späteren Staffeln ist hier noch nichts zu sehen.
Geordi, Data und Beverly haben Nebenrollencharakter, auch Deanna trägt kaum etwas zur Handlung bei.
So ist letztlich nur Picard hervorhebenswert, da es ihm gelingt, Armus zu überlisten. Mit geschickter Wortwahl und einer ausgeklügelten Taktik kann er Armus dermaßen wütend machen, dass das Kraftfeld sinkt, doch zugleich schafft er es, dass Armus weder ihn noch Deanna vorher tötet. Armus verbal fertig zu machen, anstatt auf Technik zu setzen, ist eine gewitzte Idee und verdient sicher ein kleines Lob; leider kam die Idee zu spät, um Tasha zu retten.
Interessant ist in jedem Fall, dass Kirk auf die gleiche Weise mehrfach Computer zur Selbstzerstörung überreden konnte, so dass Picards Handeln hier schon eine Anlehnung an TOS darstellt. Als Beispiel sei "Landru und die Ewigkeit" genannt.

Und damit wären wir beim eigentlichen Kern der Episode: Der Tod von Lieutenant Natasha Yar, Sicherheitsoffizier der Enterprise seit dem Pilotfilm "Der Mächtige". Über die Gründe für den Ausstieg Denise Crosbys darf gerätselt werden, vielleicht lag es ja daran, dass sie sich ursprünglich für die Rolle der Counselor Troi beworben hatte, jedenfalls scheint sie den Ausstieg langfristig für einen Fehler zu halten, da sie noch mehrfach zu den Gästen der Serie zählt. So wird in "Die alte Enterprise" Tasha in einer Parallel-Realität wieder an Bord sein, dann jedoch mit der Enterprise-C durch einen Zeitspalt einige Jahrzehnte in die Vergangenheit reisen, dort von Roumlanern gefangengenommen werden, und ihre halbromulanische Tochter Sela wird ab der vierten Season dazu beitragen, Picard das Leben schwer zu machen.
Tashas sinnloser Tod ist von den Autoren keine so dumme Idee: Alle Nase lang sterben Fernseh- und Kinohelden in selbstaufopfernder Manier und retten die Welt oder die Galaxie, doch die Realität sieht da meist viel gemeiner aus. Und so stirbt Tasha zwar in Erfüllung ihrer Pflicht, aber eine Heldentat hat sie dabei nicht vollbracht, und genutzt hat es auch niemandem. Das ist die eigentliche Tragik an der Sache, denn ähnlich wie Worf hätte sie sich sicher einen ehrenvolleren Tod gewünscht.
Die Abschiedsfeier auf dem Holodeck ist wohl die beste Szene der Episode. Tasha hält eine ergreifende und - typisch amerikanisch - recht pathetische Rede und findet für jeden der Anwesenden die richtigen Worte. Im Anschluss darf Data noch eine Verständnisfrage an Picard richten, die der Situation ein wenig die Tragik nimmt, und damit ist die Episode vorbei und Tasha auf lange Zeit nicht mehr gesehen.

Die Inszenierung lässt an allen Ecken und Enden zu wünschen übrig: Langatmige Kameraeinstellungen, fade Keyboardsounds an Stelle der später immer häufiger eingesetzten orchestralen Arrangements und minimalistische Kulissen, alles typisch für die erste Staffel, kennzeichnen diese Episode.
Dazu kommt eine bizarre Kommunikation auf der Enterprise: Als Picard am Anfang den Maschinenraum ruft, um schnellstmöglich den Warpantrieb zur Verfügung zu haben, meldet sich ein "Lieutenant Commander Leyland T. Lynch". Auch später, als der Antrieb soweit ist, meldet der Ingenieur sich mit seinem vollen Namen. Wäre es nicht vollkommen ausreichend, den Nachnamen zu nennen? Man sollte doch davon ausgehen, dass Picard Name und Rang des gegenwärtig Verantwortlichen im Maschinenraum geläufig sind.
Außerdem: Worf überwacht gegen Ende der Episode das Kraftfeld. Bevor Picard auf den Planeten beamt, gibt er Befehl, die Shuttlecrew und sich selbst hochbeamen zu lassen, sobald das Kraftfeld unter den Wert 2,7 gefallen ist. Als es dann fast soweit ist, befiehlt Worf Wesley, eine automatische Transportsequenz zu programmieren, wenn der Wert unterschritten wird. Wesley mag ja überaus begabt sein, aber sollte man eine solche Aufgabe wirklich in die Hände eines unerfahrenen Fähnrichs ehrenhalber legen?
Und, zum krönenden Abschluss der Kritik begeht Data einen schweren faux pas, als er im Gespräch mit Armus fragt: "Gibt's keine positiven Qualitäten?"
In späteren Staffeln wird sofort eine schwere Systemstörung diagnostiziert, wenn Data zwei Wörter auf diese Weise bindet, doch in der ersten Staffel scheint das noch keinen zu stören. Allerdings ist diese Wortbindung auf einen Fehler in der Synchronisation zurückzuführen.

An positiven Aspekten kann man eigentlich nur das Intro verbuchen: In der ersten Einstellung sieht man in gewohnter Manier die Enterprise auf den Betrachter zufliegen, während man Picards "Computerlogbuch der Enterprise, Captain Picard, Sternzeit..." hört. Dabei fällt auf, dass die Warpgondeln nicht leuchten. Was zunächst wie ein Effekt-Fehler scheint, erweist sich gleich darauf als gut beachtetes Detail, denn wie der Captain erklärt, ist der Warpantrieb momentan deaktiviert.

Interessant: Mart McChesney, der hier das Teermonster Armus spielt, stellt in "Die Macht der Paragraphen" den Vertreter der Sheliak dar.

Abschließend lässt sich sagen, dass "Die Schwarze Seele" wirklich schwere Kost ist: Langweilige Inszenierung, billige Kulissen, schlechte Musik, keine schauspielerischen Glanzleistungen und ein allzu unglaubwürdiges Öl-Monster stehen gegen eine beinahe bewegende Beerdigungszeremonie und den Abschied von Tasha Yar. Trotz des melancholischen Endes verdient die Episode aber nicht mehr als eine mangelhafte Bewertung.

Spannung: 4 SFX: 2 Handlung: 3 Gesamt: 2
Zusammenhänge

Ein Wiedersehen mit Denise Crosby gibt es erst in "Die alte Enterprise", 3. Staffel

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Ausdruck vom: 11. 12. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tng1_23.htm