Deutscher StarTrek-Index  
  1.19 Prüfungen  
  Coming of Age  
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 41416,2
Wesley hat die Erlaubnis erhalten, an der Aufnahmeprüfung für die Akademie der Sternenflotte teilzunehmen. Sein Freund Jake Kurland hatte leider nicht genügend Punkte in den Tests und muss deshalb auf der Enterprise bleiben.
Nachdem man Wesley in das Schulungszentrum nach Relva XII heruntergebeamt hat, kommt Admiral Gregory Quinn, ein alter Freund Picards, an Bord, begleitet von Lt. Commander Dexter Remmick vom Stab des Generalinspekteurs der Sternenflotte. Sogleich möchte Quinn Picard unter vier Augen sprechen: Er hat Informationen, dass auf der Enterprise etwas nicht mit rechten Dingen zugeht; daher wird Remmick in seinem Auftrag eine gründliche Überprüfung vornehmen, bei der Picard und seine Crew unbedingt kooperieren sollen. Quinn wird während der Untersuchung an Bord bleiben.
Remmick beginnt sogleich mit seiner Arbeit. Allein seine Anwesenheit und sein beständiges Herumgetippe auf einem PADD machen schnell die gesamte Brückencrew nervös. Riker will vom Captain wissen, was das alles soll, doch Picard kann ihm keine weiterführenden Informationen geben: Er weiß es ja selbst nicht. Aber er fordert Riker auf, Remmicks Arbeit nicht zu behindern, ihn stattdessen zu unterstützen, wie Quinn es verlangt hat.

Wes hat inzwischen seine Mitkandidaten kennengelernt: Vuliana Mirann, ebenfalls menschlich, die Vulkanierin T'Shanik und den Benziten Mordock. Officer Chang, ihr Prüfer, weist sie kurz ein und erklärt, dass die kommenden Prüfungen sehr hart werden und man immer mit dem Unerwarteten rechnen soll. Von den vier Kandidaten wird nur einer schließlich für die Akademie zugelassen.
Beim ersten Test schneidet Wesley gut ab, als erster hat er die richtige Antwort parat, denn ihm ist klar, dass das Mischungsverhältnis von Materie zu Antimaterie in einem Schiffsantrieb immer 1:1 betragen muss, egal unter welchen Umständen.

Remmick hat indes mit einer gründlichen Befragung der einzelnen Brückenoffiziere begonnen: Zunächst bringt er Riker auf die Palme, als er fragt, ob Captain Picard je ein Logbuch gefälscht hätte. Riker entgegnet, Remmick solle dem Captain diese Frage selbst stellen.
Von Geordi möchte er wissen, ob Picard tatsächlich das Kommando an Lt. Kosinski übergeben hatte, als die Enterprise in eine weit entfernte Region des Weltalls verschlagen wurde, doch Geordi meint, Picard träfe nicht die geringste Schuld an den Geschehnissen - was Remmick scheinbar anders sieht, da er ein "Ja" als Antwort ins PADD einträgt.
Deanna befragt er über den Ferengizwischenfall, bei dem Picard mit der Stargazer beinahe die Enterprise zerstört hatte, doch auch Deanna stellt sich voll hinter Picard und berichtet, dass er unter dem Einfluss eines Gedankenkontrollgerätes gestanden hatte.

Wesley, inzwischen wieder an Bord, unterhält sich mit Worf über den kommenden Psychotest, vor dem er von allen Prüfungen am meisten Angst hat. Worf meint, es wäre überflüssig, sich Sorgen wegen eines Ereignisses zu machen, welches man nicht beeinflussen kann - obgleich er auch einräumt, nur ein Narr kenne keine Furcht. Doch wäre es ihm ähnlich ergangen: Als er dem Test unterzogen wurde, fand man seinen Schwachpunkt in seiner Angst, von anderen abhängig zu sein, was auf einem klingonischen Schiff nicht der Fall wäre. Noch heute hat er gewisse Probleme, sich damit zu arrangieren.

Dann ereignet sich ein Zwischenfall: Jake Kurland, Wesleys Freund, stiehlt ein Shuttle, um auf Beltane IX als Frachterpilot anzuheuern - da er noch nicht einmal für die Aufnahmeprüfung zugelassen wurde, fühlt er sich an Bord der Enterprise als Versager. Wegen eines Bedienungsfehlers verliert er die Kontrolle über das Shuttle und droht, auf Relva abzustürzen. Den Traktorstrahl kann man wegen der Entfernung nicht mehr benutzen, und es steht schlecht um Jake: Data meint, er hätte nach dem Ausfall des Antriebs keine Chance mehr, den Antrieb rechtzeitig zu reaktivieren, bevor das Shuttle in der Atmosphäre verglüht. Doch Picard weist Jake an, senkrecht auf den Planeten zuzufliegen, im letzten Moment den Antrieb wieder einzuschalten und steil nach oben zu ziehen. Tatsächlich funktioniert es: Das Shuttle prallt wie ein Tennisball von der Atmosphäre Relvas ab und Jake kann sicher zur Enterprise zurückkehren.
Remmick bewundert zwar Picards Lösung der Krise, möchte jedoch wissen, wie es Jake überhaupt gelingen konnte, in die Shuttlerampe einzudringen. Riker erwidert, dass Jake als Anwärter für die Sternenflottenakademie auf vielen Gebieten geschult wurde.

Zurück auf dem Planeten besteht Wes eine kleine Zwischenprüfung: Er stößt mit einem hochgewachsenen jungen Mann zusammen, der ihn daraufhin anpöbelt. Auf Wesleys Entschuldigung reagiert er nur noch wütender. Doch dann sieht Wes die Schwimmhäute an den Händen des Mannes: Er brüllt ihn ebenfalls an, und der Mann scheint besänftigt. Lächelnd klopft er Wes auf die Schulter und stellt sich als Rondon vor. Wes erklärt dem verblüfften Mordock, dass Rondon ein Zoldaner ist und dementsprechend Höflichkeit für verlogen hält. Officer Chang, der die Szene beobachtet hat, ist sehr zufrieden mit Wes.

Remmick setzt mittlerweile zur zweiten Fragerunde an. Diesmal sind Data, Worf und Beverly an der Reihe, die sich ebenfalls alle hinter den Captain stellen und kein Fehlverhalten bei ihm erkennen können.
Anschließend befragt er Picard persönlich, wirft ihm vor, beim Edo-Zwischenfall die Hauptdirektive verletzt zu haben. Picard gibt das zu und meint, die Erklärung stünde in seinen Logbüchern, er würde zu seiner Entscheidung stehen. Dann reicht es ihm, er sucht Quinn auf und will endlich wissen, was es mit dieser Untersuchung auf sich hat.
Quinn ruft Remmick in sein Quartier und lässt ihn berichten. Remmick erklärt, dass er trotz intensivster Récherche nicht das geringste Indiz gegen Picard finden konnte. Die Crew arbeitet gut zusammen und scheint fast eine große Familie zu sein. Abschließend meint er zu Picard, dass seine Dienstzeit beim Stab des Generalinspekteurs in sechs Monaten vorbei ist. Er würde sich freuen, wenn er dann auf der Enterprise dienen könnte - Picard scheint von diesem Wunsch nicht gerade begeistert.
Nachdem Remmick den Raum verlassen hat, erläutert Quinn seine Gründe für diese Untersuchung: Er ist sich sicher, dass irgendjemand oder irgendetwas versucht, das System zu schädigen, womit er sich auf die Föderation bezieht. Er meint, in Kreisen der Sternenflottenführung wären möglicherweise mehrere Leute darin verstrickt. Deshalb musste er absolut sicher gehen, dass Picard "sauber" ist, wovon er nun überzeugt ist. Er weiß nicht, ob der Angriff, den er befürchtet, von außen oder von innen heraus geführt werden wird, daher möchte er Picard in seiner Nähe haben. Er bietet Picard die Beförderung zum Admiral und den Posten als Leiter der Sternenflottenakademie. Picard erbittet sich eine Bedenkzeit bis zum Abend...

Wesley steht indes vor seinem Psychotest: Er wird in einen leeren Raum geführt. Nach kurzem Warten hört er von draußen Explosionsgeräusche. Auf dem Gang befindet sich niemand, aber aus dem nahen Umweltlabor ertönen Schreie. Wes geht hinein; drinnen herrscht nach einer Explosion Chaos, ein Mann ist eingeklemmt, ein anderer kauert sich in die hintere Ecke. In weniger als einer Minute wird der Raum versiegelt werden, da eine weitere Explosion droht. Nach kurzem Zögern befreit Wes den Eingeklemmten und versucht, dem anderen gut zuzureden, doch schließlich kann er nur sich und den Verletzten in Sicherheit bringen, der ängstliche Mann bleibt in dem Raum zurück, als die Türen verriegelt werden.
Als gleich darauf Officer Chang erscheint, zeigt sich, dass dies bereits der Test war: Man wusste, dass Wes vor einer solchen Situation Angst hatte, dass er befürchtete, er könnte sich gar nicht entscheiden - wegen einer ähnlichen Entscheidung, die Picard vor langen Jahren treffen musste, starb Wesleys Vater. Doch Wes hat gehandelt, er hat einen Mann gerettet, und damit alles getan, was in seiner Macht stand. Chang ist sehr zufrieden.
Später gibt Chang die Entscheidung bekannt: Trotz Wesleys guter Leistungen wurde Mordock für die Akademie ausgewählt, da er etwas bessere Ergebnisse vorzuweisen hat. Mordock meint, das wäre eine falsche Entscheidung: Im vorletzten Test hatte Wesley ihm geholfen; ohne Wesleys Hilfe wäre er nicht so gut gewesen. Daher sollte Wes an seiner Stelle gehen. Doch Chang erklärt, dass Wesley es nicht als Bestrafung auffassen solle: Er verliere etwas Zeit, doch würde er sich ja sicher erneut bewerben, und das wäre keine Schande. Damit wird Mordock der erste Benzit, der der Sternenflotte beitritt.

Am Abend muntert Picard zunächst Wesley auf: Er meint, Wes habe ihn keineswegs enttäuscht. Vielmehr sei das einzig Wichtige, dass Wes gegenüber sich selbst sicher ist, dass er sich bemüht und sein Bestes gegeben hat. Und schließlich könne Wes nun noch ein weiteres Jahr lang lernen und dann beim zweiten Versuch würde er die Prüfung sicher bestehen - Picard hatte im ersten Anlauf ebenfalls nicht bestanden, wie er Wes gesteht.
Anschließend geht Picard zu Quinn und lehnt das Angebot ab; er bleibt lieber Captain der Enterprise. Quinn findet sich damit ab und meint selbstironisch, dass es schon nicht so schlimm wäre; in letzter Zeit sehe er überall Verschwörungen, auch wenn gar keine da sind.

Zurück auf der Brücke lässt Picard Kurs auf Ardron IV setzen, und die Enterprise fliegt neuen Abenteuern entgegen.

Bewertung

"Prüfungen" versorgt den Zuschauer mit einer ganzen Fülle an Informationen, die erst einmal verarbeitet werden wollen. Betrachten wir zunächst mal den Thread um Wesley und die Aufnahmeprüfung für die Akademie der Sternenflotte:

Von Anfang an liegt großer Druck auf den Kandidaten. Wie bei einem Wettkampf nach dem Knock-Out-Prinzip werden immer mehr Kandidaten herausgesiebt; zunächst wird auf den einzelnen Schiffen eine Vorentscheidung getroffen, wer überhaupt zur Prüfung zugelassen wird. Hier hat Wes natürlich die besten Voraussetzungen, da er durch seine Freude an der Technik und seinen Posten als "Fähnrich ehrenhalber" bereits jede Menge praktische Erfahrung sammeln konnte. Dazu kommt, dass er hochbegabt ist. Somit ist er Jake Kurland offenbar klar überlegen.
In der nächsten Stufe wird in einer weiteren Testreihe entschieden, wer zur Akademie zugelassen wird. In diesem Fall sind es vier Kandidaten, die gegeneinander antreten.
Doch daran gibt es einiges zu bemängeln: Zunächst einmal hat Wes, wie gesagt, bereits sehr viel Erfahrung sammeln können, und er ist sehr begabt. Während der Tests scheint er immer der Beste zu sein, und er wird fortwährend von Prüfer Chang gelobt. Dennoch liegt Mordock schließlich knapp vor ihm, was etwas merkwürdig anmutet.
Vor allem aber sind es die implizierten Bedingungen, die hier sehr fragwürdig stimmen. Star Trek bemühte sich von Anfang an, die Zukunft als eine Zeit darzustellen, in der die Menschen ihre großen Probleme hinter sich gebracht haben. Jeder hat das Recht, nach eigenem Wunsch zu bestimmen, was er werden möchte. Soweit klingt dies nach einer erstrebenswerten Utopie. Als jedoch Wesley, der bereits mit hochkomplizierten Warpfeldgleichungen etc. wie andere mit Spielzeug umgeht, die Aufnahmeprüfung nicht besteht, fragt man sich, welche Voraussetzungen man eigentlich erfüllen muss, um in die Sternenflotte aufgenommen zu werden. Soll man wirklich glauben, dass die Sternenflotte eine derartige Elitenbildung betreibt? Dass jemand, der nicht mehrere Stunden täglich auf das Studium und die Vorbereitung verwendet, nicht die geringste Chance hat, seinen Traum von der Raumfahrt wahr zu machen? Das stimmt nachdenklich. Eine derartige Zukunft, in der man freudig die Arbeit begrüßt und die Freizeit deswegen gänzlich außen vor lässt, erscheint plötzlich gar nicht mehr so erstrebenswert. Auch stellt man sich die Frage, wie der in späteren Staffeln zu sehende Lt. Reginald Barclay (erstmals in "Der schüchterne Reginald") je die Aufnahmeprüfung bestanden haben soll; sein Rang als Lieutenant impliziert aber, dass er es geschafft hat.
Mit Wesley und seiner Laufbahn schafft die Serie gleich in der ersten Staffel eine unüberwindbare Sackgasse: Einerseits ist Wesley das Genie an Bord, das mitunter sogar das Schiff zu retten vermag, andererseits besteht er noch nicht einmal die Aufnahmeprüfung. Dieser Widerspruch wird bis zum Ausscheiden Wil Wheatons aus TNG bestehen bleiben, erst danach entwickelt sich Wes dann langsam zu einem normalen Jugendlichen.
Bedenklich auch der Konkurrenzdruck und die Demotivation: Obwohl Wes fast gleichauf ist mit Mordock und nur deshalb weniger Punkte hat, weil er Mordock auf Kosten seiner eigenen Zeit in einem der Tests half, wird Mordock ausgewählt. Dabei sollte man doch meinen, dass gerade die Sternenflotte sehr großen Wert auf Teamfähigkeit und Selbstaufopferung legt, anstatt dies nicht nur nicht zu fördern, sondern durch die Ignoranz sogar den Kandidaten als unpassend erscheinen zu lassen.
Die Krönung verleiht abschließend Picard der ganzen Sache: Innerhalb einer Minute erklärt er Wes, dass er von Wesleys "Versagen" (das er nicht als solches empfindet) nicht enttäuscht ist, dass Wes nächstes Jahr wieder teilnehmen wird (und nicht etwa teilnehmen soll), und dass das einzig Wichtige ist, was Wes selbst darüber denkt.
Mehr Widersprüche in so kurzer Zeit kann wohl kaum noch jemand nennen: Er zwingt Wes förmlich dazu, nächstes Jahr wieder teilzunehmen, er erwartet es einfach. Für ihn ist dies überhaupt keine Frage. Dadurch setzt er Wes unter Druck, auch wenn es ohnehin Wesleys Wunsch sein sollte, die Akademie zu besuchen. Zugleich behauptet Picard, dass nur die eigene Meinung relevant ist - was ist also mit seinem gerade getätigten Ausspruch?

Doch betrachten wir nun die andere Handlung: Quinns Untersuchung.
Ab der ersten Sekunde ist klar, dass Remmick eine unangenehme Rolle in diesem Szenario spielt. Er lässt bis zum Schluss keine Gelegenheit aus, alles als Indiz gegen Picard zu deuten, um die Crewmitglieder möglichst in Widersprüche zu verstricken oder aus der Reserve zu locken. Aber er erntet nur Zorn, und alle Crewmitglieder stehen voll hinter dem Captain. Dass Remmick als Charakter nicht gänzlich farblos bleibt, ist seiner letzten Anmerkung zu verdanken: Nachdem die Untersuchung beendet ist, entschuldigt er sich bei Picard für die Unannehmlichkeiten und hofft, eines Tages selbst auf der Enterprise dienen zu dürfen. Damit ist klar, dass er seinen Job getan hat (vielleicht mit etwas zu viel Enthusiasmus), aber eigentlich ein ganz netter Kerl ist, der die Loyalität auf dem Schiff zu schätzen weiß. Letztlich ist er aber nur eine Schachfigur, der der schwarze Peter zugeschoben wurde: Quinn ist der eigentliche Urheber der Untersuchung, und schließlich wendet sich Picards Zorn auch gegen jenen, anstatt gegen Remmick.
Damit wären wir bei der Auflösung, und hier wird die Episode dann wirklich interessant: Quinn berichtet von Kräften, die sich scheinbar der Zerstörung der Sternenflotte bzw. der Föderation verschrieben haben. Zwar hat er keine Beweise, doch sein extrem misstrauisches Verhalten deutet darauf hin, dass er sich dieser Behauptung ziemlich sicher ist. Anstatt nun in drei Minuten eine Verschwörung zu entlarven, lässt die Episode eine Menge Fragen offen, als Picard den Admiralsposten ablehnt und Quinn wieder von Bord geht. Die Auflösung freilich wird nachgereicht, mit einer Art Trek-Premiere: Das erste Mal innerhalb einer Star Trek Serie wird über mehrere Episoden hinweg ein Zusammenhang aufgebaut. In "Die Verschwörung" kurz vor Ende der ersten Staffel erfährt man dann, was es mit Quinns Behauptungen auf sich hat. Leider ist dieser Handlungsbogen damit dann auch schon wieder beendet.

Zu erwähnen ist noch Jake Kurlands Shuttlediebstahl: An seinem Beispiel verdeutlicht sich der Konkurrenzdruck der Akademiebewerber: Er hat gegen Wesley verloren und hält sich für einen Versager - was gar nicht so unlogisch scheint. Aber niemand scheint darüber nachzudenken, dass dieses System neben dem Vorteil einer starken Elite auch den Nachteil vieler desillusionierter Jugendlicher bedeutet, die ihre Träume nicht verwirklichen konnten.
Wie dem auch sei, Jakes Rettung durch Picard ist lächerlich. Dass der Traktorstrahl nicht eingesetzt werden kann, wirkt willkürlich: Immerhin war das Shuttle gerade erst gestartet, die schnellere Enterprise hätte es in Sekunden einholen können. An einen Nottransport hat gar niemand einen Gedanken verschwendet. Selbst Data sah für Jake keine Chance mehr, meldete, dass die Reaktivierung der Triebwerke unmöglich rechtzeitig vor dem Verglühen in der Atmosphäre erfolgen könne.
Dennoch lässt Picard Jake in einem noch viel steileren Winkel direkt auf den Planeten zufliegen. Damit verkürzt sich die Zeit, die bis zum Verglühen noch bleibt, logischer Weise deutlich. Obwohl nun weniger Zeit zur Verfügung steht, gelingt es, den Antrieb rechtzeitig zu aktivieren. Lächerlich. Der einzige Zweck der Szene war es, zu verdeutlichen, dass Remmick beginnt, Picard als einen achtbaren und intelligenten Mann zu betrachten, doch diese Aussage verliert wegen der miserablen Erklärung an Bedeutung.
Ähnlich plump ist kurz vor Ende der Episode ein zufälliges Treffen zwischen Picard und Jake auf einem Korridor: Picard erläutert, dass weglaufen keine Probleme löst, und Jake scheint sich dieser Meinung anzuschließen und freudig darauf zu warten, wieder Unterricht zu nehmen, um beim nächsten Versuch an der Akademie mehr Erfolg zu haben.
Um die Weisheit Picards zu verdeutlichen, wurde hier die Brecheisenmethode angewendet, wodurch die geplante Aussage wegen ihrer Plumpheit vollkommen unglaubwürdig wird.
Und nicht zu vergessen: Anstatt die Gründe für Jakes Handeln zu erfragen, erwähnt man, dass er künftig einige zusätzliche Stunden in Disziplin erhalten werde. Auch dies ein Hinweis auf die Elitenbildung, die die Sternenflotte ohne Rücksicht auf Verluste betreibt.

Plump ebenfalls der Versuch, den Zusammenhalt der Crew anhand der Untersuchung zu verdeutlichen: Mit dem lange Zeit unsympatischen Remmick wird ein einheitliches Feindbild geschaffen, da ist es kein Wunder, dass jeder der Befragten sich voll und ganz hinter den Captain stellt. In seinem Bericht für Quinn erklärt Remmick, die Crew sei wie eine große Familie. Dieser Eindruck wird sich für den Zuschauer aber erst mit den folgenden Staffeln einstellen; rückblickend war der Zusammenhalt der Crew während der ersten Staffel zwar sicher nicht schlecht, doch nach nur einem halben Jahr von familienähnlichen Verhältnissen zu sprechen, ist der Versuch seitens der Autoren, den Zuschauer dahingehend zu beeinflussen, das zu glauben, obwohl es noch gar nicht so weit ist. Dieser Zusammenhalt wird wachsen, doch nicht dadurch, dass man ihn dem Zuschauer mit dem Hammer einprügelt. Auch dies ist wieder die Brecheisenmethode, und die beabsichtigte Wirkung wird dadurch vollkommen verfehlt.

Ein kleiner Fehler am Rande: Gegen Ende der Episode fordert Picard Wes auf, die Galauniform anzuziehen, da der Admiral nun verabschiedet wird. Als man kurz darauf im Transporterraum steht und der Admiral heruntergebeamt wird, trägt Picard aber selbst keine Galauniform mehr, die er kurz zuvor noch anhatte. Hat er die zwischen der offiziellen Verabschiedung und dem Transporterraum schnell abgelegt?

Schön ist hingegen Wesleys "Psychotest": Er ähnelt dem Kobayashi-Maru Test (siehe u.a. "Star Trek II: Der Zorn des Khan"), dem sich jeder Captain-Anwärter vor seinem ersten Kommando unterziehen muss: Man wird mit seinen persönlichen Fehlern bzw. Ängsten konfrontiert und muss versuchen, diese zu überwinden, ohne dass es eine Musterlösung gäbe. Im Gespräch mit Worf wird auch kurz auf etwas subtilere Weise als bei anderen Aussagen in dieser Episode verdeutlicht, dass Worf als Klingone doch recht einsam ist und nach wie vor Probleme damit hat, sich ein- bzw. unterzuordnen.

Um zum Abschluss der Besprechung zu kommen: Es ist wahrlich nicht einfach, bei dieser Episode ein Urteil zu fällen, das allen Aspekten gerecht wird; während die Wesley-Story langfristig für Probleme sorgt und die Sternenflotte in einem sehr schlechten Licht dastehen lässt, sind die Implikationen der Quinn-Story ziemlich tiefgreifend. Da jedoch auch diese Story handlungsseitig schlecht dargeboten wurde, wird die Handlung insgesamt sehr schwach bewertet. Um dem Zusammenhang zu "Die Verschwörung" Sorge zu tragen, ist die Gesamtnote besser, zumal die Inszenierung der Episode deutlich über der Handlung steht. Die Effekte sind relativ ordentlich, Spannung kommt jedoch kaum auf.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

Die Vorkommnisse, über die Remmick die Crewmitglieder befragt, sind im Folgenden:

  • Lt. Kosinski war der Ingenieuer, dessen Helfer in "Der Reisende" die Enterprise in kürzester Zeit extrem weit fort brachte - und anschließend mit Wesleys Hilfe wieder zurück.
  • Der Ferengizwischenfall mit der Stargazer fand in "Die Schlacht von Maxia" statt, wo DaiMon Bok Picard sein altes Schiff übergab.
  • Die Virusinfektion fand in "Gedankengift" statt.
  • Der Zwischenfall mit den Edo, wo Picard die Oberste Direktive der Sternenflotte verletzte, war in "Das Gesetz der Edo".

Die Fortsetzung der Verschwörungsstory kommt in "Die Verschwörung".

 
 
 
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 Erstausstrahlung USA:
  14. 3. 1988

 Erstausstrahlung D:
  2. 3. 1991

 Regie:
  Michael Vejar

 Buch:
  Sandy Fries

 Gaststars:
  Estee Chandler
  Ward Costello
  Stephen Gregory
  Robert Ito
  Brendan McKane
  Wyatt Knight
  John Putch
  Daniel Riordan
  Robert Shenkkan
  Tasia Valenza



  Zuletzt geändert:
  2014-11-10, 00:20
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