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  5.16 Die Operation  
  Ethics  
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 45587,3
Bei einer Untersuchung in Frachtraum 3 wird Worf von einem herunterfallenden Fass getroffen und schwer verletzt: Sieben Rückenwirbel sind zertrümmert, und Dr. Crusher meint, dass diese Verletzung nie mehr vollständig heilen wird; Worf ist gelähmt.
Die Neurospezialistin Dr. Toby Russel kommt an Bord, um eventuelle Auswege aufzuzeigen, während Worf Riker bittet, ihm beim Hegh'bat beizustehen, einem klingonischen Ritual, mit dem sich ein Krieger würdevoll das Leben nehmen kann, wenn er - wie Worf - so schwer verletzt ist, dass er nicht mehr kämpfen kann. Riker ist von dem Gedanken angewidert und lehnt zunächst ab.
Indes berichtet Dr. Russel, dass sie einen genetronischen Generator erfunden hat, mit dem man komplette Organe replizieren kann. In Simulationen war ihre Erfolgsquote recht hoch. Dr. Crusher will auf keinen Fall zulassen, dass Russel an Worf den ersten Versuch dieser Technik bei einem echten Patienten durchführt, da ihr die Erfolgsaussichten viel zu niedrig scheinen. Sie klärt Worf auf, dass er mit künstlichen Implantaten, die die Impulse vom Gehirn an die Beine übersetzen, etwa 70 Prozent seiner Mobilität wiedererlangen kann und meint, er könnte damit noch sehr alt werden, da er ansonsten unverletzt ist. Für Worf ist das keine Option: Er will nicht wie ein Krüppel leben, was Crusher nicht nachvollziehen kann.
Dann gibt es einen Zwischenfall auf der Denver, als sie mit über 500 Flüchtlingen an Bord von einer Mine schwer beschädigt wird, und die Enterprise muss sofort zu Hilfe eilen. Als man angekommen ist, nimmt Crusher Russels Hilfe bei der Behandlung der Verletzten dankbar an, bis Russel bei einem schwer Verletzten ein von ihr entwickeltes neues Medikament einsetzt. Crusher ist empört, da herkömmliche Medikamente möglicherweise Erfolg gezeigt hätten, doch der Patient ist bereits verstorben. Es entbrennt eine heiße Diskussion, da Russel es für gerechtfertigt hält, in dieser Situation neue und noch nicht vollkommen ausgereifte Medikamente und Methoden einzusetzen, während Crusher die Sicherheit der Patienten über alles stellt und auf neue Medikamente verzichtet, bis deren Wirksamkeit absolut erwiesen ist.
Riker unterhält sich mit Picard über das Hegh'bat. Zu seiner Verwunderung steht Picard diesem Ritual nicht so feindselig gegenüber wie er. Der Captain meint, für einen Klingonen ist es so gut wie unmöglich, mit der Schande einer so schweren Verletzung zu leben. Er gibt zu bedenken, dass das Hegh'bat eine sehr persönliche Angelegenheit ist und dass Riker sich geehrt fühlen sollte, von Worf dafür ausgewählt worden zu sein. Im Gespräch mit Crusher gibt Picard außerdem zu bedenken, dass die Genetronik vielleicht Worfs einzige Chance ist. Schlägt eine Operation fehl, wird Worf sterben. Führt man keine Operation durch, nimmt er sich ohnehin das Leben. Crusher stellt sich quer. Für sie hat das Leben oberste Priorität, und sie ist sicher, dass Worf sich mit der Verletzung abfinden wird.
Schließlich kommt Riker mit Worfs Dolch in die Krankenstation und erklärt Worf, dass er das Hegh'bat für barbarisch hält und Worf nicht beim Selbstmord helfen wird. Laut Tradition ist dies die Aufgabe des ältesten Sohnes. Worf schreckt davor zurück, sich von Alexander beim Hegh'bat assistieren zu lassen, da er noch zu jung dafür ist, doch Riker hilft ihm jedenfalls nicht. Worf überdenkt die Situation und ruft Alexander zu sich. Er erzählt seinem Sohn, dass er das Hegh'bat nicht durchführen wird, stattdessen werden sie zusammen mit dieser Behinderung fertig werden. Worf möchte sich der Operation unterziehen und damit riskieren, zu sterben oder aber wieder völlig zu gesunden. Er bittet Deanna, sich im Falle seines Todes um Alexander zu kümmern: Er könnte sich niemanden vorstellen, der besser dafür geeignet wäre, Alexander eine Mutter zu sein.
Also führen Crusher und Russel die Operation durch, und sie verläuft zunächst gut, doch am Ende stirbt Worf. Nach mehreren Minuten regt er sich plötzlich wieder, und Dr. Crusher kann seine Lage stabilisieren. Sie erkennt, dass Worfs scheinbar überflüssige Organe, über die jeder Klingone verfügt, eingesprungen sind und die Funktionen der primären Organe zunächst übernommen haben, so dass Worf überlebt.
Seine Rehabilitierung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, doch er wird wieder völlig gesund und ist froh, dass Alexander ihm beisteht.

Bewertung

"Die Operation" ist in mehrfacher Hinsicht spannend.

Im Vordergrund steht natürlich Worf, der unter diesen Bedingungen nicht weiterleben will. Obwohl sein geplanter Selbstmord dadurch erklärt wird, dass er Klingone ist, ist doch nicht zu übersehen, dass man hier aufgreift, wie sich Menschen fühlen, die plötzlich schwere körperliche Behinderungen erleiden und sich nicht vorstellen können, damit weiterzuleben. Worfs Entschluss, die Behinderung zu ertragen und weiterzuleben macht vor, wie man Stärke zeigen kann und neuen Lebensmut fasst. Letzten Endes ist es in seinem Fall aber nicht so wesentlich, da er ja durch die gefährliche Operation wieder komplett gesund wird, also gar nicht mit einer Behinderung leben muss. Trotzdem beleuchtet sein Standpunkt einen Aspekt dieses Themas.
Für die andere Seite ist Dr. Crusher zuständig: Als Ärztin ist ihr unverständlich, wie jemand seinem Leben ein Ende setzen möchte, wo er doch im Prinzip gesund ist und "bloß" einen Teil seiner Mobilität einbüßt. Sie verkörpert den hippokratischen Eid in Perfektion, da Worfs ritueller Selbstmord für sie keine Option ist; eher würde sie Worf einsperren, als ihm das Hegh'bat zu gestatten.
Ich sehe hier eine Parallele zu VOY, als in "Tatoo" der Doktor sich mit einer virtuellen Grippe infiziert und vollkommen mit den Nerven am Ende ist, als sie länger dauert, als er es programmiert hat: Für Dr. Crusher ist es einfach, Worfs Selbstmordgedanken zu verurteilen, weil sie nicht in seiner Situation ist. Es wäre interessant zu sehen wie sie reagiert, sollte ihr eine solche Verletzung widerfahren.

Eine weitere Frage der Ethik wird aufgeworfen, als Dr. Russel bereit ist, neue Erfindungen an Patienten zu testen: Ist es legitim, dies zu tun? Hat man das Recht, neue Methoden zu testen und die Entwicklung entscheidend zu beschleunigen, indem man an lebenden Menschen experimentiert? Ist es moralischer, wenn es fragwürdig ist, ob herkömmliche Medikamente geholfen hätten, der Patient also mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso gestorben wäre?
In diesem Fall neige ich dazu, Dr. Crushers Standpunkt für den besseren zu halten: Das Leben und die Sicherheit des Patienten haben absolute Priorität; allerdings ist diese Kontroverse so einfach wohl nicht zu beantworten, und die Folge regt zum Nachdenken an.

Charakterseitig gibt es ebenfalls einiges Interessantes: Es verwundert, dass Worf nicht Picard, der ihm immerhin als cha'Dich zur Seite stand, sondern Riker bittet, beim Hegh'bat dabei zu sein. Dies zeigt, wie sehr Worf in Riker einen guten Freund bzw. Vertrauten sieht. Noch markanter ist, dass er Deanna bittet, sich im Falle seines Todes um die Erziehung seines Sohnes Alexander zu kümmern. Die Beziehung zwischen Worf und Deanna festigt sich damit weiter, und am Ende der Serie sind die beiden sogar für kurze Zeit ein Paar, was leider in den Filmen und bei DS9 nie erwähnt wird.
Ebenso markant ist, was man nicht sieht: Geordi hat nur einen kurzen Auftritt, und Data fehlt in dieser Episode völlig. Meiner Meinung nach verdeutlicht das, dass Worf die beiden zwar als Kollegen achtet, in ihnen aber nicht wirklich Freunde sieht, wie es bei Riker, Picard und Troi der Fall ist.

Insgesamt ist "Die Operation" (der Originaltitel "Ethics" ist ungleich treffender) eine sehr interessante und tiefgründige Episode mit überwiegend überzeugenden Charakteren; lediglich Dr. Russel ist sehr einseitig dargestellt und wirkt zu flach.
Die Handlung ist spannend, und die moralischen Fragen sind geschickt in die Episode eingewoben.

Eine interessante Beobachtung gibt es noch von unserem Leser Nille:

Wie schon in Episode 4.15 "Erster Kontakt" ist auch hier Gertie Honeck als Synchronstimme (hier von Dr. Russel) mit von der Partie, sie spricht auch Capt. Janeway von der Voyager.
 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

Keine

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  2. 3. 1992

 Erstausstrahlung D:
  26. 4. 1994

 Regie:
  Chip Chalmers

 Buch:
  Ronald D. Moore
  Sara Charno
  Stuart Charno

 Gaststars:
  Brian Bonsall
  Caroline Kava
  Patti Yasutake



  Zuletzt geändert:
  2015-01-12, 02:13
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