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TOS 3.16 Fast unsterblich


T h e   M a r k   o f   G i d e o n

Review: Matthias Weber
Statistik: Elisabeth Leidenfrost

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 5423,4
Die Föderation führt schon seit langer Zeit Verhandlungen mit dem Planeten Gideon. Gideon hat sich bisher immer von der Außenwelt abgeschottet, doch nun stimmen sie einer Ein-Mann-Delegation zu, allerdings muss es sich dabei unbedingt um den Captain der Enterprise handeln.

Kirk beamt deswegen auf den Planeten. Doch Kirk materialisiert nicht in der Ratskammer von Gideon, wie eigentlich vorgesehen, sondern er steht nach dem Ende des Beamens immer noch auf der Transporterplattform der Enterprise. Spock, der ihn hinunter gebeamt hat, ist jedoch verschwunden. Kirk sucht das ganze Schiff ab, doch er findet keinerlei Spur der Crew. Alle sind einfach verschwunden. Außerdem stellt Kirk fest, dass er einige Minuten bewusstlos war und eine Verletzung am Arm davon getragen hat.

Hodin vom Hohen Rat von Gideon nimmt inzwischen Kontakt mit Spock auf und teilt ihm mit, dass Kirk nicht auf Gideon angekommen ist. Spock bittet Hodin darum, selbst auf Gideon hinunterzubeamen und nach dem Captain suchen zu dürfen, doch Hodin lehnt dies ab, er verspricht aber eine gründliche Suche nach Kirk durchzuführen. Spock kann auch mit den Schiffssensoren wenig ausrichten, da der Planet gegen solche Instrumente abgeschottet ist.

Kirk trifft auf der verlassenen Enterprise inzwischen auf die schöne Odona, die ebensowenig wie er weiß, wie sie auf die Enterprise gekommen ist. Sie hat auch noch nie was vom Planeten Gideon gehört. Sie weiß nicht woher sie kommt. Sie weiß nur, dass ihr Planet hoffnungslos überbevölkert ist. Nirgends findet man seine Ruhe. Deswegen genießt sie die Zeit auf der verlassenen Enterprise.

Inzwischen wird ein Test mit dem Transporter durchgeführt. Ratsmitglied Krodak wird an Bord gebeamt und sofort wieder zurück, ohne dass es zu Komplikationen kommt, doch Hodin ist immer noch gegen eine Suchmannschaft der Enterprise auf Gideon.

Inzwischen kommen sich Kirk und Odona näher, doch dann wird Odona krank und sie erklärt Kirk, dass man ihn dazu benutzt hat, um sie mit einer veganischen Meningitis anzustecken. Kirk hat diese Krankheit vor kurzem gehabt und wurde davon geheilt, er hat aber immer noch die Erreger im Blut. Odona soll die Krankheit auf ihr Volk übertragen, damit auf Gideon endlich wieder jemand sterben kann und damit das Problem der Überbevölkerung gelöst werden kann. Deswegen hat man auch nach Kirk verlangt und deswegen wurde eine exakte Kopie der Enterprise erstellt. Kirk sollte sich in Odona verlieben und wegen ihr auf dem Planeten bleiben.

Inzwischen beamt Spock eigenmächtig zu den Koordinaten, zu denen er Kirk gebeamt hat. Er landet auf der kopierten Enterprise und findet schließlich Kirk vor, der sich um die schwer erkrankte Odona kümmert. Gegen Hodins Willen nehmen die beiden Odona mit auf die echte Enterprise und lassen sie dort von McCoy behandeln. Auch nach der Heilung hat Odona den Erreger noch im Blut und wird deswegen viele auf Gideon anstecken. Sie kehrt für diese Aufgabe auf den Planeten zurück.


Bewertung
Diese Folge entstand zu einer Zeit, als in Asien und Afrika das Bevölkerungswachstum explodierte. Doch auch heute ist die Folge im Prinzip noch aktueller denn je, denn wir haben längst die 6 Milliarden Menschen-Grenze überschritten und wenn das Bevölkerungswachstum vor allem in den Ländern der dritten Welt weiterhin anhält werden wir schon in wenigen Jahrzehnten 9 Milliarden Menschen auf dem Planeten Erde ernähren müssen.

Der Folge ist also zu Gute zu halten, dass sie sich mit einem interessanten, ernsthaften und auch für die Menschheit wichtigen Thema auseinandersetzt. Dabei vertritt die Folge die Meinung, dass in einer Situation, wie sich Gideon befindet Geburtenkontrolle unablässig ist. Die Geburtenkontrolle wird in dieser Folge unterstützt und befürwortet. Die Folge trifft dabei die Problematik ganz gut, denn die Gideonisten lehnen die Geburtenkontrolle ab, weil sie das Leben als heilig ansehen. Auch heute noch ist in vielen Ländern auf der Erde die Geburtenkontrolle aus religiösen Gründen ein Tabu. Der andere große Gegner der Geburtenkontrolle ist die dritte Welt, in der die Kinder die Altersversorgung für die Eltern darstellen und es einem somit umso besser geht, je mehr Kinder man hat.

Es gehört nicht viel Phantasie dazu, dass der explosionsartige Anstieg der Erdbevölkerung früher oder später in einer humanitären Katastrophe enden wird, jedoch ist ein Szenario, wie es uns in "Fast unsterblich" dargeboten wird, völlig unmöglich. Gideon wird uns als Planet präsentiert, auf dem jeder Quadratmeter Erde von Menschen überfüllt ist. Da fragt man sich, wie das funktionieren soll? Soweit könnte es niemals kommen, da hätte es doch schon viel früher Hungersnöte geben müssen. Wo wird hier zum Beispiel das Essen für die ganzen Leute angebaut, wenn jeder Quadratmeter Erde bevölkert ist? Auch würden die Gideonisten bei einer solchen Enge früher oder später einfach an Stress sterben. Das ganze Szenario des überfüllten Planeten erscheint ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Biologisch gesehen ist eine exponentielle Vermehrung für eine Population am Anfang normal. Es gibt zunächst unbegrenzt Nahrung und Lebensraum, doch wenn die Bevölkerungsanzahl eine bestimmte Grenze überschritten hat, gibt es nicht mehr genügend Lebensraum, bzw. Nahrung. Das heißt die Population nimmt wieder ab, woraufhin der Nahrungsmittelbestand wieder zunimmt. Ist wieder mehr Nahrung vorhanden, kann auch die Population wieder wachsen, allerdings auch nur wieder bis zu der bestimmten Grenze. Nun können natürlich intelligente Wesen, wie die Menschen oder die Gideonisten, solche Populationsgrenzen verschieben, zum Beispiel durch Erschließung von neuem Lebensraum, oder Erhöhung des landwirtschaftlichen Ertrags, durch Einsetzen von Düngern, etc.. Die Grenze kann also verschoben, jedoch nicht völlig umgangen werden. Früher oder später würde es auf Gideon einfach nicht mehr genügend Nahrung geben, oder das Ökosystem würde zusammenbrechen und das wäre sicher schon deutlich früher der Fall, als es uns in dieser Folge weiß gemacht werden soll. Früher oder später würde die Natur einen Weg finden, die gideonistische Population zu regulieren, sei es nun durch Hungersnöte, oder was auch immer. Die ganze Geschichte mit dem überbevölkerten Planeten erscheint ziemlich unglaubwürdig und viel zu dick aufgetragen. Es bleibt vor allem schleierhaft, wieso man dieses unglaubwürdige Handlungskonstrukt überhaupt verwendet hat. Es hätte doch auch eine ganz normale Überbevölkerung gereicht. Überbevölkerung heißt ja nicht zwangsläufig, dass sich auf jedem Quadratmeter Erde die Menschen drängen. Die Zuschauer hätten die Problematik auch verstanden, wenn die Überbevölkerung nicht so drastisch gezeigt worden wäre.

Ebenso schwachsinnig ist der Gedanke einer völlig keimfreien Atmosphäre. Überall befinden sich Keime, eine völlig keimfreie Luft ist nicht zu realisieren, auch nicht mit viel Phantasie.

Es erscheint absurd, dass die Gideonisten einerseits gegen Geburtenkontrolle sind, weil sie das Leben als heilig ansehen, gleichzeitig aber durch Kirks Krankheit Millionen ihrer Bevölkerung töten wollen. Ist das Leben nur dann heilig, wenn es noch nicht geboren ist? Eine merkwürdige Doppelmoral, die diesem Gedanken zu Grunde liegt.

Völlig unklar bleibt, wie es die Gideonisten überhaupt geschafft haben, eine so perfekte Nachbildung der Enterprise zu bauen, wenn sie doch überhaupt keinen Kontakt mit der Föderation hatten. Und wieso hat die Föderation seit Jahren mit den Gideonisten verhandelt? Seit wann drängt sich die Föderation einem Volk auf? Wenn ein Volk ungestört leben will, dann hat das die Föderation bisher doch immer akzeptiert.

Warum beamt Kirk eigentlich ohne Kommunikator auf den Planeten? Und wenn er einen dabei hatte, wieso benutzt er ihn dann nicht? Kirk steht dieses Mal allgemein etwas arg blöd da. Er verbringt Stunden auf der Enterprise-Attrape und merkt nicht, dass es sich um eine Fälschung handelt, obwohl er mehrmals verschiedene Knöpfe drückt, wohingegen Spock dies innerhalb von wenigen Minuten feststellt.

Auffällig ist dieses Mal Spocks ablehnende Haltung gegenüber Diplomaten. Später sollte sich Spock selbst unter diese mischen, denn in Star Trek VI - Das unentdeckte Land wird er Botschafter der Föderation.

Spocks Auseinandersetzungen mit Hodin am Anfang der Folge sind ziemlich langweilig und überhaupt handelt es sich alles in allem um eine ziemlich langatmige Geschichte, die nur sehr schwer in die Gänge kommt und erst am Ende ein wenig das Interesse des Zuchauers zu wecken vermag.

Es gibt in dieser Folge einige recht gelungene gruselige Szenen, zum Beispiel die, als Kirk das Schiebefenster der Enterprise öffnet und draußen eine stumme Menschenmasse steht, die ihn und Odona anstarrt.

Kirk darf hier erneut eine Romanze haben, außerdem darf er einige interessante Wortgefechte mit Hodin austragen.

Nach 1.11 + 1.12: Talos IV - Tabu, widersetzt sich Spock hier zum zweiten Mal einer Anordnung des Sternenflottenkommandos.

Der Rest der Crew erfüllt Routineaufgaben und hat ansonsten kaum etwas zu tun.

Unter den Gaststars gibt es dieses Mal keine bekannten Charaktere, allerdings hatte der Darsteller von Admiral Fitzgerald schon einmal einen Auftritt als Commodore, in einer anderen Folge. Auch hier bleibt unverständlich, wieso man nicht diesen Charakter erneut mitspielen ließ, anstatt sich einen neuen Namen auszudenken.
Geschrieben wurde die Folge unter anderem von Stanley Adams, der in 2.15: Kennen Sie Tribbles? die Rolle des Cyrano Jones spielte. Der zweite Autor dieser Folge, George F. Slavin arbeitete hingegen nur einmal für Star Trek.
Jud Taylor führte bei dieser Folge zum vorletzten Mal Regie.

Die deutsche Version kommt erneut von Sat.1 und hat keine fehlenden Szenen aufzuweisen. Im deutschen fallen allerdings einige kleinere Fehler auf. Der Raum der Föderation wurde wieder einmal mit Galaxie übersetzt, was den Eindruck erweckt, dass die Enterprise zwischen verschiedenen Galaxien hin und herfliegt. In Wirklichkeit sind es natürlich Sternensysteme, die sich alle in einer Galaxie, nämlich der Milchstraße befinden. Dafür wurde der Begriff Sektor falsch mit Quadrant übersetzt, also ebenfalls eine deutlich zu große Angabe.
Die Sat.1-Version wurde unverändert für die DVD übernommen.

Die Effekte halten sich in Grenzen. Man sieht vom Planeten Gideon nicht viel mehr als den Konferenzraum und eine größere Menschenmasse, im Hintergrund. Und auch sonst gibt es kaum interessante Effekte.

Alles in allem eine Folge, die sicher gut gemeint war, die letztendlich aber an ihrer totalen Unglaubwürdigkeit scheitert und zusätzlich noch durch fehlende Spannung negativ auffällt.
Spannung: 3 SFX: 2 Handlung: 2 Gesamt: 2
Zusammenhänge
Richard Derr, hier als Admiral Fitzgerald zu sehen, spielte bereits in Folge 1.27: Auf Messers Schneide als Commodore Barstow mit.

Gene Dynarski, der hier Krodak verkörpert, war in Folge 1.06: Die Frauen des Mr. Mudd als Chief Ben Childress zu sehen und wird noch einen Auftritt als Commander Orfil Quinteros in der TNG-Folge 1.15: 11001001 haben.
Kleine TOS-Statstik
1. zerrissene Shirts von Kirk: 0
Kirks Shirt bleibt in tadellosem Zustand.
2. Anwendungen von Spocks Nackengriff: 0
Die schöne Odona versucht Kirk zu täuschen und gibt vor, in ihn verliebt zu sein.
3. Spocks "Faszinierend": 1 mal
Spock setzt damit eine gideonische Wache außer Gefecht.
4a. Spocks "logisch": 0 mal
Spock findet hier überhaupt nichts logisch.
4b. Spocks "unlogisch": 0 mal
Spock findet auch nichts unlogisches.
5. McCoys: "Ich bin Arzt und kein...": 0 mal
McCoy darf seinen berühmten Satz nicht sagen.
6. McCoys: "Er ist tot, Jim." und Variationen: 0 mal
Alle leben noch, Jim.
7. tote Rothemden: 0
Die Rothemden bleiben diesmal verschont.
8. hysterisch kreischende Frauen: 0
Hier kreischt niemand.
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Ausdruck vom: 06. 09. 2010
Stand des Reviews: 21. 04. 2010
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tos3_16.htm