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Sektion 31 im Delta-Quadrant

von Andrej Schwabe, 11.01.2003

Als sich Dean Wesley Smith und Kristine Kathryn Rusch zum ersten Mal bei einem Literatur-Workshop in New Mexico trafen, hatten sie bereits einige Arbeiten veröffentlicht. Smith schrieb Hunderte Gedichte und Short Storys für "Twilight Zone" u.a., während Rusch ihre Storys an "Aboriginal SF" und "Amazing Stories" verkaufte.
Und wie das so im Leben ist, blühte ihre gemeinsame schriftstellerische Karriere nach dem Beginn der Romanze auf. So brachte ihnen ihre Zusammenarbeit bei dem Verlag "Pulphouse Publishing" eine Hugo Award Nomination. Rusch arbeitet nun als Redakteurin für das "Magazine of Fantasy and Science Fiction" und ist inzwischen Preisträgerin des Locus Awards, des John W. Campbell Awards, des Hugo Awards (den sie 1994 für ihre Arbeit beim "Magazine of Fantasy and Science Fiction" gewann), des World Fantasy Awards und des Homer Awards.
1991 begannen die beiden auch in Sachen Fiction zusammenzuarbeiten. Ihr erster Versuch "Model Lover" erschien in "Ghosttide".
Doch die meisten gemeinsamen Werke finden sich wohl in den Star Trek-Reihen; DS9 "Die lange Nacht", VOY "Die Flucht" und unter dem Synonym Sandy Schofield DS9 "Das große Spiel".

Handlung:
Die Voyager trifft auf ein riesiges Kolonieschiff, deren 800 Millionen Bewohner vor den unangenehmen Auswirkungen der Kollision ihrer beiden Heimatsterne fliehen. Die Crew bietet natürlich ihre Hilfe an, doch bei Rettungseinsätzen werden offenbar Anschläge auf Seven of Nine verübt, denen sie nur knapp entgehen kann.

Kritik:
Voyager: Der Schatten Das Autorenduo hat es fertig gebracht, den schlechtesten Sektion 31-Roman verfasst zu haben, der unter dem sonstigen STAR TREK-Ausstoß an Voyager-Produkten sicher nicht auffallen wird.

Fast das gesamte Buch über ist nicht mal die Rede von der Geheimorganisation, bis dann irgendwann auf ihre Existenz hingewiesen und auf den letzten drei Seiten noch mal einer auf Moralapostel gemacht wird, wie böse und teuflisch diese Leute doch sind. Weder findet eine Auseinandersetzung mit dem Thema statt, noch eine Erweiterung unserer Kenntnisse zu Sektion 31. Ich wäre ja schon (im Nachhinein betrachtet) völlig zufrieden gewesen, wenn die Autoren die TV-Episode "Der Verrat" (die ganz ähnlichen Inhalt viel besser rübergebracht hat) abgeschrieben hätten, aber selbst eine halbwegs spannende Verschwörungs-Story bringen die beiden nicht auf die Reihe!
Damit passt der Roman natürlich glänzend in die Riege mittelmäßiger Voyager-Fabrikate. Denn auch die TV-Produzenten waren nie zimperlich, wenn es darum ging, unverschämt und auf absolut unfähige Weise von anderen zu kopieren (und das taten sie sehr oft). Dass "Der Schatten" mit seiner Sektion 31-Handlung viele Anleihen an "Der Verrat" nimmt, ist deswegen auch nicht besonders überraschend.

Tja und weil das Buch allein mit der Sektion 31-Handlung wahrscheinlich Kinderbuch-Format erreicht hätte, überlegten Smith und Rusch etwas länger und kamen dann zum Ergebnis, dass es nicht ausreicht, die ganze Crew von einem wahnsinnigen Schiffscomputer (eine S31-Agentin hat den Computer infiltriert) ermorden zu lassen, nein - wie wär's denn, wenn wir noch ein unterentwickeltes Völkchen nehmen? Sagen wir 1 Million Lebewesen? - Nein? - Dann halt gleich fast 1 Milliarde!!! So etwas Bescheuertes! Wieder diese völlig überzogenen Superlative! Kein Wunder, dass Janeway in "Star Trek: Nemesis" jetzt Admiral geworden ist! Und wer interessiert sich bitte schön für ein Kolonieschiff, wenn auf der Voyager voll die Verschwörung ist?

Die Charaktere sind wie bei Voyager üblich absolut langweilig dargestellt und teilweise scheint der ganzen Crew das Gehirn entfernt worden zu sein (siehe TOS "Spocks Gehirn"). Anders kann ich mir die mehrmaligen Wiederholungen von eben Gesagtem nicht erklären. Aber gut, das war ja in der Serie auch schon so.
Das Kolonie-Schiff ist kein Stückchen Interesse erregend, auch nicht deren Bewohner und schon gar nicht die Geschichte um das kleine, süße Kindchen, das bei der Beschädigung des Schiffes schwer verwundet um sein Leben kämpft. Gut, dass man Seiten auch schnell umblättern kann. Die Bewohner sind eh nur Vorlage für eine Action-Geschichte für Hirnamputierte!

Fazit: Wehe, dieses Buch kauft jemand!

Infos:
STAR TREK - Voyager, Band 21
Titel: Sektion 31 - Der Schatten (Section 31: Shadow)
Autor: Dean Wesley Smith, Kristine Kathryn Rusch
Erscheinungsjahr: Deutschland: 2002, USA: 2001
Deutsche Übersetzung von Andreas Brandhorst
Preis: 7,95 €
Wilhelm Heyne Verlag, München
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