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Marsmenschen sind nicht grün!

von Andrej Schwabe und Florian Schwabe, 06.02.2003

Dass Ankündigungen manchmal mehr versprechen, als Bücher dann halten, zeigt der zweite Enterprise-Roman "Das Rätsel der Fazi". John Ordover, Redakteur der Trek-Romane in den USA, kündigte diesen Roman Anfang Oktober 2001 bei www.psiphi.org folgendermaßen an: "Captain Jonathan Archer und die Crew der Enterprise sehen sich einem Planet gegenüber, der nicht nur eine, sondern zwei Arten seltsamer Außerirdischer beherbergt, die sich von allem unterscheiden, was die Raumfahrer je zuvor gesehen haben. Als ihr erster Kontakt auf schreckliche Weise schief geht, muss Captain Archer einen Weg finden, um einen interplanetaren Krieg zu verhindern." Doch weder finde ich einen interplanetaren Krieg auf den 250 Seiten, noch irgendeine Andeutung, dass es je einen geben könnte oder gegeben hat. Und auch die Außerirdischen sind nicht so seltsam, wie von Ordover verkündet, sondern halt einfach nur ein wenig eklig bzw. verängstigt.

Handlung:
Die Enterprise hat einen Planeten mit intelligenter, humanoider Bevölkerung entdeckt. Doch die Kultur der Fazi bleibt der Crew dank strenger Ordnung und feinstem Protokoll unverständlich. Ein erster Kontaktversuch scheitert am starren Umgang und Denken der Fazi und verärgert sie.
Dann macht die Crew eine weitere intelligente Spezies auf der südlichen Planetenhälfte aus. Und dieser Kontaktversuch hat weit schwer wiegendere Folgen als der mit den Fazi.

Kritik:
Das Rätsel der Fazi "Marsmenschen sind nicht grün!" Mit dieser Aussage beginnt der Roman und ein Rollenspiel der Crewmitglieder, das sich um einen fiktiven Außeneinsatz auf dem Mars dreht. Nur nicht dem Star Trek-Mars, sondern dem Mars, wie ihn sich die Menschen aus dem 19. Jahrhundert vorgestellt haben. Sicherlich ist dies alles nicht mit einem Maximum an Spannung und Orginalität erzählt, aber trotzdem noch ganz interessant.

Ebenfalls gut passt Nowakowitsch in die Crew, weil er von einem Transporterunfall ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde (seine Haut verschmolz beim Beamen mit unzähligen Sandkörnchen) und nun mit Pickeln zu kämpfen hat. Hier wirkt es nicht aufgesetzt, dass die Enterprise über weniger ausgereifte Technologie verfügt als ihre Nachfolger.

Die Idee zweier Intelligenzen auf einem Planeten ist interessant und auch die Idee, dass sich beide nicht recht leiden können, hat ihren Reiz. Nur leider beschäftigt sich ungefähr 1/10 des ganzen Buches mit dem Thema, was leider etwas ungenügend ist, weil diese Passagen nicht über die Benennung und Schilderung des Problems hinausgehen. Das Gefühl, sich in einer mittelmäßigen Voyager-Episode zu befinden, will das ganze Buch über nicht weggehen. Es fehlen nur das viele Geballer und außerdem entschuldigen sich die "bösen" Aliens am Ende auch noch.

Aber schon beim Thema Erstkontakt fangen die grundsätzlichen Probleme an, die dieses Buch hat. Der Gedanke, dass in Archers Zeit (d.h. vor der Gründung der Föderation) natürlich noch keine klaren Regeln für einen solchen Kontaktversuch existieren, ist nachvollziehbar. Allerdings nicht warum es so aussieht, als ob nach diesem Buch diese gleich fast feststehen. Die Zeitspanne ist leider etwas unrealistisch.
Genauso der Charakter von Archer: Anfangs wird er um einiges aggressiver und unüberlegter dargestellt, als ich ihn in der Serie erlebt habe. Zum Beispiel zwingt er die Crew ohne große Vorbereitungen zum Erstkontakt mit den Fazi, obwohl alle darauf hinweisen, dass sie mehr Zeit benötigen etc. Und am Ende ist er plötzlich die einsichtigste Person des ganzen Schiffes. Irgendwo zwischen den beiden Extremen ist jedoch nur der Charakter von Archer angesiedelt, was teils zu peinlichen Momenten führt.
Insgesamt gesehen, zeichnet sich bei den Autoren eine Tendenz dazu ab, dass sie die Spannung in der Handlung und den Personen viel zu stark betonen, nur um sie am Ende wieder wegzuschreiben. Mir fällt da als Beispiel die Situation des Maquis in Voyager ein. Im Pilotfilm "Der Fürsorger" dachte man, die zwei Gruppen könnten keine friedliche Minute auf der Voyager erleben, aber schon nach der ersten regulären Folge war alles wieder geregelt. Das ist für mich jedoch kein Entwickeln des Konflikts, geschweige denn Spannung.

Zu den Charakteren kann ich nicht viel sagen, da wussten die Autoren wohl auch nicht mehr, als aus den Episoden und hatten vielleicht auch keine Lust, sich mehr zu überlegen. Jedenfalls bleibt alles sehr oberflächlich und hat keinerlei Tiefgang.
Einige Fragen drängen sich mir trotzdem noch auf. Seit wann hat Archer so viel Zeit für so viele und so lange Logbucheinträge? Und warum schafft Dr. Phlox es nicht, dafür zu sorgen, dass das Alien zur rechten Zeit erwacht oder zumindest dass da genug Wachen stehen, damit es nicht ausbüxen kann?

Fazit: Ein sehr durchschnittliches, nur sehr bedingt empfehlenswertes Buch, dem das gewisse Etwas zu einem richtigen Roman mit Spannung und Anspruch fehlt.

Infos:
Enterprise, Band 2
Titel: Das Rätsel der Fazi (By the Book)
Autor: Dean Wesley Smith, Kristine Kathryn Rusch
Erscheinungsjahr: Deutschland: 2002, USA: 2002
Deutsche Übersetzung von Andreas Brandhorst
Preis: 7,95 €
Wilhelm Heyne Verlag, München
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