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Was wäre, wenn...?

von Andrej Schwabe, 08.05.2004

Margaret Wander Bonanno hat für Star Trek bereits TOS "Geiseln des Friedens" und TOS "Die Sonde" verfasst. Sie wohnt in New York.

Handlung:
Fremde vom Himmel In der Zeit zwischen "Star Trek: Der Film" und "Der Zorn des Khan" erscheint ein Roman namens "Fremde vom Himmel" und wird auf der ganzen Erde populär. Dabei fällt es natürlich auch Admiral Kirk in die Hände, der es auf Anraten von Pille liest. Es schildert den wirklich ersten Kontakt zwischen den Vulkaniern und den Menschen, Jahrzehnte vor dem historischen Erstkontakt, und bezieht sich auf angeblich authentische Quellen. Als Kirk aber schließlich an Alpträumen zu leiden beginnt, in denen er Passagen des Buches selbst nacherlebt, ahnen McCoy und er, dass etwas nicht stimmt.

Kritik:
Der Erstkontakt zwischen Erde und Vulkan ist großes Thema des Star Trek Films "Erster Kontakt", wo er auch eine deutlich unterschiedliche Handlung nimmt, als er es hier in dem Buch macht. Dies tut allerdings weder dem Film noch dem Buch einen Abbruch, weil beide trotzdem für sich alleine sehr gute Erzählungen sind.

Margret Bonanno ist eine sehr gute Erzählerin, sie versteht es, ruhige Momente intensiv einzufangen, Gefühle zu vermitteln und gleichzeitig nicht an Action und Spannung zu sparen. "Fremde vom Himmel" sprüht vor Phantasie, Humor und Gedanken.
Die Charaktere - insbesondere das Triumvirat Kirk-Spock-McCoy - sind sehr gut gezeichnet und absolut seriengetreu. Die wichtigen Nebencharaktere sind liebevoll und realistisch gestaltet, haben Ecken und Kanten, lieben und hassen.
Das Thema des Buches - der Erste Kontakt - ist gleichzeitig auf die Beziehung zwischen Kirk und Spock herunter gebrochen, quasi als Metapher der Beziehung zwischen Erde und Vulkan. Und letztlich entscheidet sich daran auch - wieder einmal - das Schicksal der gesamten Föderation. Dabei illustriert die Autorin sehr gut, wie wichtig die Beziehung der beiden nicht nur für sie selbst in den Jahren geworden ist, sondern auch für die Crew und die Föderation.

Bonanno gelingt es ebenfalls, die Erde des Ersten Kontakts sehr genau und glaubwürdig darzustellen und uns ihre Probleme und Hoffnungen klar zu machen. Sie ist genau die Erde, die zwischen der heutigen und der Föderations-Erde steht. Es gibt eine Weltregierung, so was wie einen halbwegs sicheren globalen Frieden, eine interstellare Mission wurde in Richtung unseres Nachbarsterns Alpha Centauri gestartet, aber eigentlich rumort es noch überall und der mentale Weg zur Kirk-Ära ist noch weit. Die Begegnung mit den ersten Aliens auf der Erde ist Beweis genug. Hoffnung und Fortschrittsglaube, die wichtigen Stützen des Star Trek-Universums, nehmen die Menschen genauso an wie Hass und Gier. Versinnbildlicht wird dies in den verschiedenen Gruppierungen, die sich um die zwei gestrandeten Vulkanier reißen: Armee und Regierung, Terroristen, Pazifisten, Journalisten...
In diesen Reaktionen liegt auch ein Reiz des Romans. Es ist nur ein kleiner Schritt zu der Frage, was geschehen würde, wenn die zwei Vulkanier in der heutigen Zeit landen würden und was wir dann tun würden.

Damit beide Zeitebenen (Kirk-Zeit und 21. Jahrhundert) halbwegs zu einander finden, konstruiert Frau Bonanno etwas und macht es sich komplexierter, als sie müsste. Andererseits tappt man dafür als Leser die größte Zeit des Romans im Dunkeln, was die Ursachen von Kirks Alpträumen angeht. Und Bonanno kann ein paar Fantasy-Elemente einbauen; so stattet Kirk einem Aborigini-Heiler einen Besuch ab, was sehr schön beschrieben ist und ganz und gar nicht deplaziert wirkt. Ja, und außerdem gewährt sie uns einen Blick auf die Zeit vor der Pilotepisode "Die Spitze des Eisbergs", als Spock erst noch Kirks Freund werden musste, wie Bonanno es formuliert. Dabei macht es ungeheuer Spaß, die Unterschiede zwischen den zwei Zeitebenen (vor "Die Spitze des Eisbergs" und zwischen Star Trek I und II) zu sehen.

Fazit: Für TOS-Fans absolutes Muss und auch für alle anderen Trekkies mit ein wenig Zeit (475 Seiten) nur zu empfehlen.

Infos:
STAR TREK - Die Anfänge, Band 2
Titel: Fremde vom Himmel (Strangers from the Sky)
Autor: Margaret Wander Bonanno
Erscheinungsjahr: Deutschland: 1990, USA: 1987
Deutsche Übersetzung von Andreas Brandhorst
Preis: 10 €
Wilhelm Heyne Verlag, München
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