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Misstrauen und Überleben

von Andrej Schwabe, 29.06.2011

Inhalt:
Kurz nach den Ereignissen aus ENT: Die Xindi, als die Erde von einer mysteriösen Waffe der Xindi angegriffen wurde: Die Enterprise wird von den Anomalien in der Delphischen Ausdehnung getroffen und ein Teil der Besatzung inklusive Trip Tucker bekommt Nervenprobleme und muss ins Koma versetzt werden. Währenddessen gelingt es der Crew der Enterprise einen Planeten namens Kaleeto zu finden, auf dem angeblich häufiger Xindi verkehren. Dort erhofft man sich von einem Händler namens Trahve Informationen über die Xindi und ihr Waffenprojekt, das die Erde die endgültige Vernichtung kosten könnte. Doch spielt Trahve ein ehrliches Spiel oder ist alles nur eine perfekt arrangierte Falle?

Kritik:
Das höchste Maß an Hingabe Die dritte Enterprise-Staffel beschritt neue Wege im Trek-Universum (aufbauend auf den Erfahrungen aus DS9), als ein Storybogen aufgebaut wurde, der eine ganze Staffel überspannte. Archer und seine Untergebenen werden in die Delphische Ausdehnung geschickt, um die Xindi daran zu hindern, der Erde den endgültigen Todesschlag zu versetzen, nachdem ihre erste Waffe bereits sieben Millionen Lebenwesen getötet hat.

"Das höchste Maß an Hingabe" setzt die Pilotepisode der dritten Staffel fort, indem die Xindi-Story gekonnt weitergeführt wird. Selbstverständlich kann der Roman angesichts der großen Rahmenhandlung nur ein kleines Zwischenspiel mit wenig überraschendem Ausgang darstellen - immerhin liegen vor Archers Crew noch knapp ein Jahr bis die Mission ihr erfolgreiches Ende finden wird. Zum Zeitpunkt des Romans ist immer noch kaum Genaues über die Xindi selbst bekannt und das drängende Ziel, an die Waffe zu kommen, nicht erreicht. Archer ist verbissen damit beschäftigt, an Informationen gleich welcher Art und Herkunft, zu gelangen.
Neben der reinen Action, übrings das einzige was handlungstechnisch überraschen kann, stehen auch wichtige moralische Fragen im Vordergrund. Obwohl Archer in seinem Inneren immer noch gern Forscher wäre, akzeptiert er den Prämissenwechsel und forciert ihn später noch stärker, als er den Händler Trahve zusammen mit Colonel Hayes foltert. Nicht nur er selbst stört sich an dieser und anderen Grenzüberschreitungen, auch Reed begehrt zunächst dagegen auf. Damit werden zentrale Konflikte der ganzen Staffel vorweg genommen, die in den späteren Episoden noch einmal intensiv betrachtet werden: Darf man unter solch extremen Bedingungen einfach Leute foltern, die vorgeben, lebenswichtige Informationen zu besitzen? Macht es Sinn, mit zwielichtigen Personen zu handeln, die einen womöglich betrügen werden? Was bedeuten Würde und Vertrauen in solchen Zeiten? Obwohl die Positionen in diesem Roman gesetzt sind, werden die Fragen damit nicht endgültig beantwortet, das beweisen die nachfolgenden TV-Episoden.

Die Konflikte zwischen der Besatzung und den MACOs, die seit dem Beginn der dritten Staffel mit an Bord sind und die Enterprise militärisch unterstützen sollen, werden teils amüsant, teils ernsthafter aus der Serie aufgenommen und fortgeführt. Die Schwangerschaft der MACO Guitierrez, die deswegen sofort an das Ende ihrer MACO-Karriere glaubt, wird ebenso thematisiert wie die unzähligen kleineren Scharmützel um die Quartierszustände und das Kompetenzgerangel (zum Beispiel zwischen Reed und Colonel Hayes).

Der Roman gibt dem Leser die Gelegenheit, Reeds wechselhafte Vergangenheit kennen zu lernen. Reeds kleine und große Schulraufereien werden detailliert erzählt, sind leider aber nur mäßig interessant und als die Autoren diese dann noch mit der Rahmenhandlung in Verbindung bringen, wirkt das mehr als ungelenk. Dennoch ist der Einblick in Reeds Ansichten interessant und man hätte gern mehr davon schon in der Serie gesehen.
Steuermann Mayweather gehört genauso zu den vernachlässigten Charakteren in "Enterprise" und ihm wird ebenfalls vergleichsweise viel Aufmerksamkeit eingeräumt, wenn man bedenkt, wie spärlich und oft unbedeutend seine Auftritte in der Serie letztlich waren. Das Autoren-Duo spart nicht mit Einblicken in seine Gedanken und Gefühle und lässt ihn bei der Außenmission gegen eine Xindi-Raffinerie endlich mal angemessen verantwortungsvoll und kompetent wirken.

"Das höchste Maß an Hingabe" bietet kurzweilige Action und interessante Charaktere auf gewohntem Niveau, mit Höhen und Tiefen.


Infos:
Star Trek: Enterprise
Band 1
Titel: Das höchste Maß an Hingabe (Last full Measure)
Autor: Michael A. Martin, Andy Mangels
Erscheinungsjahr: Deutschland: 2011, USA: 2006
Deutsche Übersetzung von Bernd Perplies
Preis: 12,80 €
Cross Cult Verlag

Mit freundlicher Unterstützung vom Cross Cult Verlag

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