Deutscher StarTrek-Index  

Calhouns kurze große Geschichte

von Andrej Schwabe, 21.09.2011

Inhalt:
"Gebranntes Kind" ist Teil des "The Captain's Table"-Zyklus, bei dem die Captains der Sternenflotte von sehr persönlichen und prägenden Passagen ihres Lebens berichten. Calhoun erzählt von den wahren Begebenheiten hinter dem Militärgerichtsverfahren, das dazu führte, dass er aus der Sternenflotte ausgetreten ist.

Kritik:
Gebranntes Kind Endlich geht "New Frontier" weiter! Und gleichzeitig ist Peter David wieder in Bestform und verteidigt ein weiteres Mal seinen Ruf als einer der besten Star Trek-Autoren.
"Gebranntes Kind" steigt mitreißend ein, indem Calhouns Anfänge als Befreier von Xenex erzählt werden. Allein diese paar Seiten sind so lebendig und gefühlvoll zu Papier gebracht, dass es bei anderen Autoren locker für das ganze Buch reichen würde. Calhoun tötet seinen ersten Gegner, aber anders als er es sich vorher ausgemalt hat, stellt sich das nicht als angenehmes Ereignis heraus. Es ist einfach beeindruckend, wie es David gelingt, solche Situationen, geprägt von Aggressivität, Erstaunen und Trauer, nicht nur zu billigen Action-Quatsch verkommen zu lassen, sondern die gesamte Gedanken- und Gefühlswelt Calhouns zu vermitteln und den Leser daran teilhaben zu lassen.

Calhouns Tafelgeschichte dreht sich um die Geschehnisse, die zu dem besagten Gerichtsverfahren führten, nach dem er die Flotte verlassen hat. Im Wesentlichen handelt sie von einem Captain, der durch seine Rache für den Tod seiner Familie in immer waghalsigere und unmenschlichere Taten getriebenen wird. Calhoun ist dabei gefangen in der Entscheidung zwischen Gehorsam dem Captain gegenüber und der Pflicht, seinem Treiben Einhalt zu gebieten und viele intelligente Lebewesen vor dem Tod zu bewahren.
Also ein eher klassisches Thema, das in vielen Star Trek-Episoden, -Filmen und -Büchern in unzähligen Variationen bereits behandelt wurde. Trotzdem bleibt der Roman auf einer unterhaltsamen und spannenden Ebene. David lässt es sich nicht nehmen, den Leser auf Holzwege zu führen, schickt Calhoun in schnelle actionreiche Situationen, verlangsamt das Tempo aber auch, wenn es nötig ist, um die Charaktere voranzubringen.
Die Charaktere - vor allem Calhoun - sind vielseitig, interessant und glaubwürdig, richtig gehend schon menschlich, mit ganz normalen Bedürfnissen und Gefühlen, z.B. Calhouns Liebesgeschichten. An manchen Stellen mag man David zwar vorwerfen, das er etwas zu dick aufträgt und über das Ziel hinaus schießt, wenn er die Rache des Captains in stetig extremere Arten steigert. Dennoch verliert sich nie das Gefühl, die Rachegelüste doch irgendwie ein bisschen verstehen zu können. Die beklemmende Atmosphäre, die sich aus der Zwickmühle ergibt, in der Calhoun steckt, unterstreicht wieder einmal Davids großes Talent.

"Gebranntes Kind" ist eine der besten "New Frontier"-Bücher und auch eines der besten von Peter David, ist locker und zügig erzählt. Und trotz seiner Kürze von 250 Seiten hat der Roman immer noch mehr Gewicht und Fülle als viele der 400er-600er.


Infos:
Star Trek: New Frontier
The Captain's Table
Titel: Gebranntes Kind (Once Burned)
Autor: Peter David
Erscheinungsjahr: Deutschland: 2011, USA: 1998
Deutsche Übersetzung von Stephanie Pannen
Preis: 12,80 €
Cross Cult Verlag

Mit freundlicher Unterstützung vom Cross Cult Verlag

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