Deutscher StarTrek-Index  
  1.6 Tosk, der Gejagte  
  Captive Pursuit  
 

von Arne Kirsten

 
 
 

Episodenbeschreibung

Als Stations-Kommandant von DS9 hat Sisko viel mehr zu händeln als der typische Sternenflottenoffizier. Heute ist es Miss Sarda, das neue "Dabo-Mädchen" in Quarks Bar und Grill. Es scheint, dass die Vereinbarung, die sie mit dem Ferengi einging, für sie ungeahnt ihm sexuelle Begünstigungen garantiert, sehr zu ihrer Plage. Sisko verspricht ihr, diesen Vertragsabschnitt zu beseitigen, als ein beschädigtes fremdartiges Schiff aus dem Wurmloch purzelt. Sie rufen den einzigen Insassen, ein sehr nervöses, misstrauisches reptilienartiges Wesen. Anfangs nicht willig, Hilfe von der Station anzunehmen, willigt der Fremde schließlich ein, sein angeschlagenes Schiff zum Andockplatz treideln zu lassen. Chief O'Brien wird aufgetragen, sich um die nötigen Reparaturen zu kümmern.

Aber es ist O'Brien, der nervös ist, als er beim Schiff ankommt und es unbesetzt findet, nirgendwo auch nur ein Zeichen vom Fremden. Behutsam beginnt er, während er in einem freundlichen Ton spricht, die technischen Innereien des Schiffes zu untersuchen. Schließlich materialisiert die Kreatur aus dem Nichts und informiert den verblüfften O'Brien, dass der Coladrium-Fluss Schaden genommen hat. Als er herausgefunden hat, was ein Coladrium-Fluss ist, ist sich der Chief sicher, dass er es reparieren kann. Der Fremde, der sich selbst Tosk nennt, ist begierig darauf, die Reparaturen sofort zu beginnen. Nichts kann getan werden, bis der Reaktor abgekühlt ist; daher begleitet der Ingenieur einen argwöhnischen Tosk zu einem Quartier auf der Station. Tosk nimmt jedes Detail entlang des Weges in sich auf, bleibt aber ausweichend, als er gefragt wird, wie sein Schiff beschädigt wurde. Auch scheint er zu befürchten, dass andere aus dem Gamma-Quadranten ihm hierher folgen könnten. O'Brien erklärt seine Aufgabe auf DS9, Ingenieur und Operationschef. Aber als er fragt, ob Tosk ein Forscher oder Wissenschaftler sei, antwortet der Fremde nur, er sei Tosk. Der Chief lässt den Neuling in dessen neuem Quartier zurück, um die Schiffsreparatur abzuwarten. Sofort nimmt der Fremde Zugriff auf den Stationscomputer und betrachtet die Lage der Waffendepots auf der Station.

Chief O'Brien bespricht diesen Erstkontakt mit Sisko und merkt Tosks Nervosität an. Der Fremde könnte auf der Flucht sein, und der Schaden am Schiff stamme zweifellos von irgendeiner Art von Angriff. Tosk verbirgt irgend etwas. Sisko bittet O'Brien und Sicherheitschef Odo, ein Auge auf den Fremden zu halten. Später als O'Brien und Tosk ihre Reparaturen auf dem Schiff durchführen, entsteht so eine Art von Kameradschaft zwischen ihnen: O'Brien, der leichtfüßige Charmeur, und Tosk, der kulturell naive ehrliche Mann. In einer Pause besuchen sie Quarks Etablissement, eine weitere Verwirrung für den Fremden. Der Ferengi sieht Tosk, eine Kreatur ohne jeglichen ausbeutbaren Mangel, als eine Herausforderung. Als Qaurk ein Phantasie-Abenteuer in seiner Holosuite anbietet, informiert ihn Tosk, er brauche kein Phantasie-Abenteuer, er lebe im größten Abenteuer, das man sich vorstellen könne. Aber er kann es nicht weiter besprechen, außer dass er seinem neuen Freund O'Brien als kleine Gunst gesteht, dass es natürlich ein gefahrvolles Abenteuer sei. Er sei Tosk, was alles zu erklären scheint. O'Brien gesteht seine gemischten Gefühle gegenüber dem Fremden der Führungscrew. Während er weiß, Tosk läuft vor etwas weg, fühlt er kein bisschen kriminelle Absicht oder Unehrlichkeit bei ihm. Es gibt jedoch Anzeichen von Edelmut beim Neuling. Aber später verstößt Tosk gegen O'Briens Einschätzung, als Odo den Fremden bei einem Versuch ertappt, ein Sicherheitsfeld nahe eines Waffenlagerschotts aufzuheben. Seine einzige Erklärung ist, er müsse sich vorbereiten, weiter nichts, er sei Tosk. Odo ist unbeeindruckt und wirft ihn in den Bau. Tosk ist angsterfüllt, fast wahnsinnig, in seiner Haftzelle. Aber er werde weder Sisko, Odo oder gar O'Brien erzählen, warum er versuchte in die Waffenkammer zu gelangen. Seine einzige Antwort, er sei Tosk. Aber mit seinem Freund O'Brien allein bittet er ihn innig, ihn zu befreien, ihm zu erlauben, ehrenvoll zu sterben.

Später taucht ein weiteres Schiff aus dem Wurmloch auf, mit ähnlichen Kennzeichen wie das von Tosk. Ohne Warnung scannt das neue Schiff die Station, senkt deren Schilde und transportiert dann drei Lebensformen auf die Stationspromenade. Sisko, O'Brien, Odo und Kira eilen zum Invasionsort und finden drei sorgfältig gekleidete und schwer bewaffnete Individuen vor. Diese zollen den Sternenflottenoffizieren keine Achtung und eilen geradewegs zur Sicherheitszelle und Tosk. Nach einem wütenden Kampf bewerkstelligt es der Anführer der Fremden, in die Sicherheitszelle einzudringen. Als er den Gefangenen sieht, informiert er seine Kameraden, er habe Tosk, lebend, es sei vorbei. Sofort stellen sie den Kampf ein und entmaterialisieren ohne ein Wort. Inzwischen betrachtet der Cheffremdling Tosk mit Ablehnung: Was für eine Enttäuschung, nach so einem unterhaltsamen Anfang! Diese Fremden hätten ihnen sehr viel Widerstand gezeigt, sie fragten sich, wie Tosk sie zur Kooperation bewegen konnte, ohne sein Schweigegelübde zu verletzen. Tosk antwortet, er habe nichts gesagt. Aber der Anführer meint, ihn hier zu sehen, gefangen und hilflos, sei eine Schande für alle Tosk, und die enttäuschendste Jagd, an die er sich erinnere. Als Strafe für seine Schmach, lebend gefangen worden zu sein, wird Tosk sein Leben in Erniedrigung verbringen, in öffentlicher Zurschaustellung. Die ganze Sache ist also nur eine sorgfältig geplante Jagd, und Tosk die Beute? Sisko ist angewidert und fordert den Jäger auf, mit ihm Tosks Schicksal zu bereden. Der Jäger erklärt, dass die Rasse der Tosk empfindungsfähig gemacht und nur zu dem Zweck erzeugt wurde, gejagt zu werden; sie ehrten die Tosk, die das Symbol für alles Heldenmutige und Ehrenhafte seien, sich ihr ganzes Leben für diesen Moment trainierten und stolz auf ihre Rolle wären. Sisko erinnert sich an die Vorschrift der Obersten Direktive und stimmt zu, Tosk zu übergeben. Der Jäger bemerkt gütig, man werde die Passage durch das Wurmloch für die Jagd verbieten, dann kehrt er zu seinem Schiff zurück. O'Brien ist überrascht über Siskos Nachricht und bittet seinen Kommandanten, es sich zu überlegen; was wäre, wenn Tosk um Asyl bäte? Aber Tosk wird dies nicht tun, sich nicht hinter Föderationsschutz verstecken, denn das widerspräche allem, an das er glaubt; zu bleiben sei eine größere Schande, er sei Tosk, der Gejagte, der lebe um den Jägern jeden Tag aufs neue eine Finte zu schlagen, zu überleben, bis er ehrenvoll sterbe. Nun kann dies nicht sein Schicksal sein, aber er werde sein Erbe als Tosk nicht abstreiten. Er dankt seinem Freund O'Brien, lehnt aber Asyl ab.

Über einem Getränk im Quarks knurrt O'Brien über die Regeln der Jagd und die der Sternenflotte, und wie Tosk dazwischen stehe. Quark versucht ein mitfühlendes Ferengi-Ohr zu leihen, versorgt ihn unbeabsichtigt mit Inspiration: Natürlich, die Regeln ändern! Warum hat er daran nicht gedacht? O'Brien stürmt zur Sicherheitskontrolle, wo er etwas eingibt, dann zum Zellentrakt, gerade rechtzeitig, um eine offizielle Eskorte für Tosk und den Jäger anzubieten, wodurch er einen sehr irritierten Odo übergeht. Während der Constable hinfort stürmt, um Sisko mit dem Protokollbruch zu konfrontieren, hinterlässt der Chief seinen Kommunikator auf dem Sicherheitstisch und eskortiert dann die Fremden zur Luftschleuse. Beim Sicherheitskontrollpunkt hat O'Brien das Waffenabtastungsgerät umprogrammiert, eine starke Betäubung zu verursachen, was beim Jäger auch geschieht, der immer noch seine armbrustartige Phaser-Waffe bei sich trägt. O'Brien und Tosk entkommen, und der zu sich kommende Jäger meldet seinen Kameraden die Nachricht, die Jagd gehe weiter! Inzwischen sind Sisko und Odo hinter O'Briens Plan gekommen und haben die beiden durch die Sensoren aufgespürt, doch hält der Commander Odo zurück, er solle sich Zeit lassen. Das verfolgte Paar kämpft sich einen Weg zu Tosks Schiff, sie legen ein oder zwei der Jäger um und nehmen eine Armbrustwaffe auf ihrem Weg mit. Nun sei O'Brien auch Tosk. Aber gerade als sie dem Schiff sehr nahe sind, stehen die Jäger ihnen im Weg. Der Hauptjäger zielt und feuert auf Tosk, doch seine Beute ist schneller. Indem er O'Brien aus der Schussbahn drückt und den Phaserschuss gleichzeitig abhält, zielt Tosk und feuert selbst auf den Jäger, tötet ihn und lässt dessen Kameraden bewusstlos zurück. Auf O'Briens Frage lächelt Tosk, die Jagd gehe weiter. Dies sei sein Leben, und es sei ein gutes. Er fragt O'Brien, ob dieser ihn begleiten wolle, aber ein Tag als Tosk ist genug für den Chief. Sie wünschen sich noch gegenseitig, ehrenvoll zu sterben, und dann ist Tosk gegangen.

Doch O'Brien ist noch nicht aus dem Schneider. Sisko hält ihm eine große Gardinenpredigt wegen dieser ganzen Affäre, und seiner sehr unangemessenen Rolle darin. Er habe seine Pflicht gegenüber der Sternenflotte vernachlässigt, seinen Kommunikator abgelegt, so dass niemand ihn erreichen konnte, ebenso habe er die Oberste Direktive missachtet, da er sich in die verdammte Jagd eingemischt habe, ein weiteres Ding wie dies, und Mrs. O'Brien brauche sich nicht mehr über die schlechten Bedingungen auf DS9 zu beschweren. Sehr betroffen steht O'Brien auf, merkt aber an, er habe gewusst, er könnte nicht alle Sicherheitssperren der Station umgehen, er habe erwartet, irgendwann von Sisko oder Odo geortet zu werden, so dass es vorbei gewesen wäre. Sisko erwidert, sie müssten da wohl etwas übersehen haben. Chief O'Brien bedankt sich und geht.

Bewertung

Diese Folge ist sehr interessant. Technisch ist anzumerken, dass die Entwicklung der Serie weiter fortschreitet, was auf Großartiges hoffen lässt.

Zwei Dinge fallen aber in der Handlung auf: 1. Es schlägt der eine Jäger Odo, sodass dieser zurücktaumelt, wohingegen in Emissary/Der Abgesandte ihm ein Messer nichts anhaben kann; 2. Der Schluss der Episode ist zwar bei derartigen Star-Trek-Episoden, in denen sich einer der Hauptcharaktere schuldig gemacht hat, üblich, aber dennoch genau wie bei den anderen inkonsequent; jedesmal schimpft der befehlshabende Offizier und damit ist die Sache erledigt, wenige Folgen später besteht sogar die Möglichkeit, dass der "Missetäter" befördert wird.

Positiv ist anzumerken, dass durch diese Folge der O'Brien-Charakter immer glaubhafter wird. Färben bajoranische Verhaltensweisen auf ihn ab?

Insgesamt ist dies eine passable Folge mit ein paar Stolpersteinen.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

Keine

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  1. Februar 1993

 Erstausstrahlung D:
  20. Februar 1994

 Regie:
  Corey Allan

 Buch:
  Jill Sherman Donner
  Michael Piller

 Gaststars:
  Scott MacDonald
  Gerrit Graham
  Kelly Curtis



  Zuletzt geändert:
  2015-02-12, 23:32
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