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  4.9 Das Schwert des Kahless  
  The Sword of Kahless  
 

von Burkhard Wallner

 
 
 

Episodenbeschreibung

Ein alter Klingone sitzt im Quarks und erzählt ziemlich blutrünstige Heldengeschichten. Interessiert lauschen Odo, Kira, Dax, Dr. Bashir und Chief O'Brien. Nur Worf sitzt abseits an einem Tisch mit dem Rücken zum Erzähler. Dax stellt die beiden schließlich einander vor, obwohl Worf Bedenken hatte, denn der alte Klingone ist der Dahar-Meister Kor und er könnte sich gekränkt fühlen, wegen Worfs Ehrgeschichte, die ihm immer noch anhaftet. Überraschend begrüßt ihn Kor jedoch als Freund und meint, jeder Feind Gowrons sei sein Freund. Sogleich weiht der vom genossenen Blutwein angetrunkene Kor seinen klingonischen Landsmann in sein neuestes Vorhaben ein: Er will das Schwert des Kahless finden, eine rituelle Waffe, die einst dem Gründer des klingonischen Reiches gehört haben soll, aber bei einem Überfall der Hur'q vor langer Zeit geraubt wurde. Vergebens versucht Jadzia den euphorischen Kor daran zu erinnern, dass das Vorhaben eigentlich geheim bleiben sollte. Das Schwert des Kahless wiederzufinden könnte nach den Worten des faszinierten Worf enorme Auswirkungen auf die klingonische Gesellschaft haben. Er bittet um Teilnahme an der Expedition zum verlassenen Heimatplaneten der Hur'q im Gammaquadranten. Kor stimmt sogleich zu und beauftragt Jadzia mit der Echtheitsprüfung eines Tuches, in das das Schwert einst eingewickelt gewesen sein soll. Spät in der Nacht begibt sich Kor nach einem Trinkgelage in sein Quartier, wo er überwältigt und von einem Letheaner, einer telepathischen Spezies, ausgehorcht wird.

Am nächsten Morgen weiß Kor nichts mehr davon. Jadzia bestätigt ihm die Echtheit des Tuches und man informiert Captain Sisko über die geplante Mission. Die Hur'q waren ein Außenseiter-Volk der Klingonen, die das Schwert des Kahless vor 1.000 Jahren raubten. Die Wiederkehr des Artefaktes könnte, so erklärt Worf, eine neue Ära des Ruhmes auf dem klingonischen Heimatplaneten Qo'noS einläuten. Das Volk könnte wieder vereint werden und die beteiligten Sternenflottenoffiziere die Beziehungen zu den Klingonen verbessern, stimmt Sisko zu. Mit der Rio Grande starten Kor, Worf und Dax in Richtung Wurmloch, um zum Fundplaneten im Gammaquadranten zu gelangen.

Worf bedankt sich bei Dax für die Bekanntmachung mit Kor. Der gut ausgeschlafene Meister fantasiert bereits vom kommenden Ruhm, wenn man das legendäre Schwert des Kahless dem klingonischen Herrscher überreichen und in der Halle des Ruhmes verewigt werden würde.

Bei dem unbewohnten Hur'q-Planeten angelangt stellt man fest, dass die infrage kommende unterirdische Heiligtum-Kammer von einem Kraftfeld gesichert ist, das die vulkanischen Geologen seinerzeit nicht deaktivieren konnten, als sie hier auf der Suche nach Bodenschätzen waren. Dax und Worf jedoch gelingt es und sie finden zunächst einen geplünderten Raum vor. Worf entdeckt jedoch eine durch holografische Projektion gesicherte Geheimkammer, in der sich tatsächlich das Schwert des Kahless befindet. Man nimmt es an sich und will das Heiligtum verlassen, als man von dem zur Duras-Familie gehörenden Klingonen Toral und seinen Männern aufgehalten wird. Toral hat dem betrunkenen Kor die Geschichte schon woanders abgelauscht und durch den ebenfalls anwesenden Letheaner von dem Bergungsvorhaben erfahren. Der Duras-Sohn will ebenfalls das Schwert nach Qo'noS zurückbringen und nicht weniger als sich zum Herrscher aufschwingen. Es kommt zum Kampf, bei dem es Worf, Dax und Kor gelingt, die Verfolger abzuschütteln und vorerst im Kraftfeld einzuschließen.

Die drei "Archäologen" kämpfen sich durch weit verzweigte Höhlengänge weiter zum Runaboat. Beamen kann man wegen eines Störsignals von Torals Leuten nicht. Es kommt zum Streit zwischen Worf und Kor. Der Sicherheitsoffizier wirft dem Meister seine Trunksucht und dieser ihm seine Unehre vor. Kor traut Worf nicht mehr, bereut sogar, dass er ihn überhaupt mitgenommen hat. Fassungslos steht Dax daneben. Die drei müssen in den Höhlen übernachten. Sie essen ein erlegtes Höhlentier und der Streit zwischen Worf und Kor geht weiter. Worf wirft dem Alten erneut seinen Alkoholmissbrauch, die übertriebenen Geschichten und die respektlose Behandlung des Kahless-Schwertes vor. Gereizt widerspricht Kor. Es entspinnt sich ein Disput über klingonische Politik. Die gegensätzlichen Positionen der beiden Streithähne erweisen sich als unüberbrückbar. Sie beginnen sich zu hassen und zu verachten.

Während Kor ruht, erzählt Worf Jadzia, dass er glaube, dass es seine Bestimmung gewesen sei, das Schwert des Kahless zu finden. Er ist inzwischen überzeugt, dass er das klingonische Volk mit diesem Schwert führen müsse, womit er jedoch das Gleiche sagt wie Kor, worauf Dax ihn hinweist.

Auf der weiteren Wanderung zur Oberfläche verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen Kor und Worf. Schließlich muss Dax eingreifen und das Schwert an sich nehmen, bevor die beiden übereinander herfallen. Als man ein wenig schlafen will, geht der Streit und das gegenseitige Belauern zwischen den Klingonen weiter. Kor provoziert Worf mit Worten und schließlich zücken sie ihre Messer, als Torals Leute wieder auftauchen. Erneut kommt es zum Kampf mit den Verfolgern, wobei der Letheaner und ein weiterer Klingone getötet werden. Dann gehen sich Worf und Kor an die Gurgel. Dax muss beide ausschalten, indem sie sie mit ihrem Phaser betäubt. Den am Leben gebliebenen Toral zwingt sie, das Störsignal abzustellen. Wieder im Runaboat wird das Schwert des Kahless von Worf in den Weltraum gebeamt. Er und Kor haben eingesehen, dass es nur Unfrieden stiftet und Worf meint, wenn es an der Zeit ist, wird es auch wiedergefunden werden.

Bewertung

In dieser ungewöhnlichen Klingonen-Episode geht es vordergründig nur um ein Artefakt aus längst vergangener Zeit, in Wirklichkeit jedoch um die klingonischen Denkweisen und Umgangsformen, die hier besonders krass zum Vorschein kommen. Dabei erinnern diese nur zu oft an menschliches Verhalten.

Die Spannung hält sich von Anfang an auf eher geringem Niveau, denn dass Kor nicht auf die Suche geht um erfolglos zu sein, ist von vornherein klar. Nachdem das Schwert des Kahless relativ schnell gefunden ist, erscheint Toral, um Ansprüche geltend zu machen und die Abreise der Finder zu verhindern bzw. zu verzögern. Dabei ist es auch nicht spannend ob ihm das gelingt, sondern lediglich, wieviel Schaden er anrichten kann. Spannend wird es höchstens bei der immer erregter werdenden Debatte zwischen Worf und Kor und dessen Beinahe-Absturz in der Höhle sowie dem letzten Kampf mit der Toral-Gruppe. Hier ist man sich manchmal nicht sicher, ob Kor das alles überleben wird. Von Hochspannung kann aber keine Rede sein, daher auch nur 2 Punkte.

Was die SFX angeht, so spielt die Folge fast ausschließlich in den Kulissen des Studios bzw. in der (Studio-) Höhle. Es gibt keine nennenswerten Flug- oder Kampfszenen im Weltall. Immerhin sind die Studiokulissen von gewohnt hoher Qualität und das Schwert des Kahless besticht durch sein gut nachempfundenes antikes Design. Erwähnenswert ist auch die in Szene gesetzte telepathische Fähigkeit des Letheaners, die stark an die vulkanische Gedankenverschmelzung erinnert. 3 Punkte.

Bei der Handlung selber fällt sofort das viel zu leichte "Ausgraben" des Schwerts durch die drei in Archäologie völlig unerfahrenen Sucher auf. Reichlich unglaubwürdig ist auch, dass es niemandem zuvor gelungen sein soll, die Kraftfelder auszuschalten, die das Schwert und die geheime Kammer schützten. Dass Dax und Worf (nicht Kor!) das in kürzester Zeit gelingt und sie innerhalb weniger Minuten an ein Artefakt gelangen, das für die klingonische Heimatwelt von allerhöchster Bedeutung ist, erscheint völlig unrealistisch, selbst wenn man die Vorgabe berücksichtigt, dass es ja um eine 45-Minuten-Story geht. Wer auf unserem Planeten ein dem Schwert des Kahless vergleichbares Artefakt suchen wollte, würde sich zuallererst einmal mit dem massiven, religiös motivierten und handgreiflichen Widerstand der am Grabungsort wohnenden Menschen konfrontiert sehen, der leider allzu oft ein unüberwindliches Hindernis ist. Das wusste wohl auch der Autor Richard Danus, der die Hur'q als Hüter dann auch gleich weggelassen hat.

Es fällt weiterhin auf, dass in dieser staubigen Höhle Kraftfelder 1.000 Jahre überdauert haben sollen. Neben der zeitlichen Problematik (eine Null weniger hätte auch gereicht) stellt sich auch die Frage: Mit welcher Energiequelle denn? Es gibt Fragezeichen über Fragezeichen. Beantwortet wird nur wenig. Der erfolglose Versuch des Toral an das Schwert zu kommen, ist ein dramaturgischer Einschub, der - wie bereits oben erwähnt - wenig spannend, ja eigentlich völlig überflüssig ist. Denn die Dispute zwischen Worf und Kor haben es viel mehr in sich. Besonders Kor wandelt sich vom väterlichen Freund zum hasserfüllt auf der Lauer liegenden Gegner und Worf kann seine Emotionen angesichts dieser Bedrohung zunehmend nicht mehr unter Kontrolle halten. Das Schwert übt auf die in der Story auftretenden Klingonen eine derart magische Anziehungskraft aus, dass sie sich geradezu übertreffen in der Absurdität ihrer Vorstellungen, was sie damit machen bzw. werden wollen, wenn sie erst einmal auf Qo'noS eingetroffen sind. Stellvertretend für den Zuschauer steht Dax daneben und muss verzweifelt die Kontrahenten beruhigen und schließlich zur Räson bringen.

Den meisten Zuschauern mag ein uraltes Artefakt wenig oder gar nichts bedeuten, aber man stelle sich einmal vor, die legendäre Bundeslade mit den 10 Geboten Gottes würde heute in einem 2.000 Jahre alten Versteck in der Jerusalemer Altstadt gefunden werden: Sofort würden da ganz erhebliche Emotionen hochkochen und weltweit würde das Auswirkungen auf das religiöse Denken und Fühlen der gesamten gläubigen Menschheit haben. Wenn man sich dies vor Augen hält, ist die besondere Emotionalität der Klingonen in dieser Folge wohl am ehesten verständlich und die Problemlösung durch das Beamen des Schwertes in den Weltraum auch nachvollziehbar.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es sich hier um die erste richtige Worf-Episode handelt, nachdem dieser seit seinem Auftauchen bei DS9 eher wenig zu tun hatte. Michael Dorn gibt eine gewohnt gute schauspielerische Leistung ab und sein Gespräch mit Jadzia, als er ihr seine vermeintliche Bestimmung erläutert, überzeugt von der Körpersprache und Mimik her. Gleichwohl ist das Agieren des Klingonen bei seiner bekannten Vergangenheit als kühler Sternenflottenoffizier völlig unglaubwürdig. Der gesamte Handlungsverlauf ist überhaupt viel zu dialoglastig und kommt mit dem Umherschleichen der Akteure in der Höhle auch langweilig daher. Daher auch nur 2 Punkte für die Handlung und ein "Befriedigend" insgesamt, das noch geschmeichelt ist.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  20. 11. 1995

 Erstausstrahlung D:
  23.10.1996

 Regie:
  LeVar Burton

 Buch:
  Richard Danus

 Gaststars:
  John Colicos
   (Kor)
  Rick Pasqualone
   (Toral)



  Zuletzt geändert:
  2015-05-19, 03:06
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