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DS9 5.4 Die Schlacht um Ajilon Prime


... Nor the Battle to the Strong

von Matthias Weber

Episodenbeschreibung

Jake Sisko schreibt an einem Porträt über Dr. Bashir und begleitet ihn deswegen auf eine medizinische Konferenz. Auf dem Heimflug nach DS9 erhalten die beiden plötzlich einen Notruf von der Föderationskolonie auf Ajilon Prime. Die Klingonen haben den Waffenstillstand gebrochen und greifen dort jetzt einige Siedlungen an, man benötigt dringend medizinische Hilfe. Bashir möchte nicht hinfliegen, da er Jake an Bord hat, doch dieser überredet den Doktor doch den Kurs zu ändern, weil er auf eine gute Story hofft.

Auf Ajilon Prime angekommen finden Jake und Bashir das Grauen des Krieges vor. Es gibt viele Verwundete und Tote. Die Klingonen kämpfen nicht mit Disruptoren, sondern traditionell mit den Bath'leths, was viele schlimme Wunden verursacht. Jake hilft den Ärzten, wird aber nur schwer mit der Situation fertig. Dann wird ein Ensign eingeliefert, der sich selbst mit dem Phaser in den Fuß geschossen hat, da er so große Angst vor dem Kampf mit den Klingonen hatte, dass er lieber verwundet ins Lazarett eingeliefert werden wollte. Das Krankenhauspersonal meidet ihn, da er als Feigling angesehen wird.

Auf Deep Space Nine hat man inzwischen die Nachricht von Dr. Bashir erhalten, dass die beiden einen Umweg gemacht haben. Sisko macht sich große Sorgen um seinen Sohn, doch er ist mit der Defiant 3 Tage von Ajilon Prime entfernt. Die Farragut, die zur Verstärkung und zur Evakuierung der Zivilisten nach Ajilon Prime geschickt wurde, ist deutlich näher.

In der Nacht fällt im Krankenhaus der Strom aus, der Generator wurde von den Klingonen beschädigt und es dauert Stunden, bis man wieder Strom hat. Im Runabout, mit dem Bashir und Jake geflogen sind, befindet sich ein tragbarer Generator, den die beiden nun holen wollen. Auf der Oberfläche geraten sie jedoch unter Beschuss durch die Klingonen. Jake verliert Bashir aus den Augen und bekommt es mit der Angst zu tun. Er läuft davon und irrt ziellos umher, bis er auf einen verwundeten Sternenflottenoffizier trifft, der vor seinen Augen stirbt.

Inzwischen erreicht Sisko auf DS9 die Nachricht, dass die Farragut von den Klingonen zerstört wurde. Er startet mit der Defiant nach Ajilon Prime um ihre Mission zu übernehmen.

Jake Sisko kehrt ins Krankenhaus zurück. Er erzählt den anderen, dass er ohnmächtig wurde, als die Klingonen angegriffen haben. Bashir hat den Generator ganz alleine ins Krankenhaus geschleppt und wurde dabei schwer verwundet. Er ist aber sehr froh darüber, dass Jake noch lebt. Inzwischen geht die Nachricht um, dass die Klingonen vorhaben, die Siedlung zu stürmen. Kurze Zeit später trifft man den Entschluss, das Krankenhaus zu evakuieren. Man transportiert gerade die letzten Patienten weg, als die Klingonen eintreffen. Sie erschießen die Wachen der Sternenflotte. Lediglich Jake Sisko ist jetzt noch da. Er hat sich aus Angst unter einem Tisch versteckt und greift nun zu einem Phasergewehr. Er schießt damit wild um sich und bringt einen Gang vollständig zum Einsturz. Unter den Felstrümmern werden die Klingonen begraben und der Zugang ist für sie versperrt. Kurze Zeit später trifft Sisko mit der Defiant ein. Der Waffenstillstand mit den Klingonen ist inzwischen wieder in Kraft und Bashir erklärt Jake, dass man sämtliche Patienten nur wegen seiner Hilfe evakuieren konnte.

Zurück auf DS9 schreibt Jake Sisko seine Erlebnisse nieder und zeigt sie seinem Vater. Er verschweigt auch nicht, dass er zweimal aus Angst gehandelt hat und nicht weil er ein Held ist. Sisko erklärt seinem Sohn, dass alle Offiziere im Kampf Angst haben, es sich aber nur die wenigsten eingestehen würden.




Bewertung

"Die Schlacht um Ajilon Prime" ist eine sehr gelungene Jake-Episode und gleichzeitig die bislang ambitionierteste Folge der Staffel, wenn es um ernsthafte Charakterszenen geht.

Die Folge hat insgesamt eine sehr düstere Atmosphäre, wie kurz zuvor auch schon die Episode 5.02: Das Schiff. Episoden wie diesen verdankt "Deep Space Nine" seinen Ruf, Star Trek eine neue, düsterere Seite gegeben zu haben. Nach solchen Folgen muss man bei den anderen Star Trek-Serien tatsächlich oftmals recht lange suchen, doch machen Geschichten wie diese Star Trek nicht nur düsterer, sondern auch realistischer. "Die Schlacht um Ajilon Prime" zeigt uns recht schonungslos, wie brutal und sinnlos die Schlachten bei genauerer Betrachtung wirklich sind, die in Star Trek des Öfteren geschlagen werden und wie der Alltag an der Kriegsfront aussieht, der uns sonst eher vorenthalten wird.

Dabei bildet die Folge auch einen erfrischenden Kontrast zu vielen anderen Deep Space Nine-Episoden, in denen irgendwelche Kämpfe ausgefochten werden, sei es nun mit dem Dominion oder mit den Klingonen und in denen die namenlosen Ensigns reihenweise und ohne Rücksicht auf Verluste geopfert werden, ohne dass man dazu als Zuschauer irgendeinen Bezug bekommt. Hier dreht man nun den Spieß um. All die Menschen, die sonst bei Star Trek eher selten im Mittelpunkt stehen, werden hier einmal näher beleuchtet. Dies fängt bei den ganz normalen Zivilisten, wie Jake einer ist, an und geht bis hin zu dem feigen Ensign, der sich lieber in den Fuß schießt, als kämpfen zu müssen.
Jake Sisko ist dabei sicher die richtige Wahl als Hauptperson für diese Geschichte gewesen, da er einer der wenigen Charaktere ist, der nicht zur Sternenflotte gehört und somit keine spezielle Ausbildung für Kampfsituationen erhalten hat. Somit vermittelt uns Jake auch nicht den vertrauten Blick durch die Sternenflotten-Brille, sondern bringt einem den Blickwinkel des Zivilisten näher, der ansonsten bei Star Trek eher fernab vom Geschehen bleibt.

Lobenswert ist auch, dass Autor René Echevarria den Mut hatte Jake Sisko nicht zum Vorzeige-Helden zu machen. Aus Angst, eine Hauptperson könnte beim Zuschauer als unsympathisch durchfallen, gibt es im Fernsehen nicht viele Hauptcharaktere, die in Extremsituationen nicht wie die perfekten Helden funktionieren. Auch hier hätte man wohl eher erwartet, dass Jake mit seiner Angst fertig wird und wie ein Sternenflottenoffizier handelt, wie es von ihm eben auch erwartet wird, doch Echevarria hatte bei dieser Geschichte den Mut, Jake auch einmal feige sein zu lassen. Der Sisko-Sohn lässt sich von seiner Angst leiten und macht viele Fehler, was eine willkommene Abwechslung zu den sonst fast immer perfekt funktionierenden Sternenflotten-Offizieren ist. Die Folge hat damit eine ähnliche Thematik, wie 4.24: Hoffnung, in der ebenfalls nicht der typische Held in den Vordergrund gestellt wurde, sondern Bashir auch mal einen schwerwiegenden Fehler beging. Dies wirkt nicht nur sehr menschlich, sonder macht die agierenden Personen auch real-sympathisch. Jake hat eben wie jeder Mensch seine Ängste nicht immer vollständig unter Kontrolle und sein Davonlaufen vor den Bombenexplosionen erscheint sehr nachvollziehbar.

Am Beispiel von Jakes Verzweiflungstat am Ende zeigt die Folge, dass auch eine Handlung aus Feigheit heraus später als große Heldentat ausgelegt werden kann und der Abstand zwischen diesen Extremen gar nicht so groß ist, wie man immer denkt.

Interessant waren auch die anderen Charaktere im Krankenhaus. Jeder hatte hier eine andere Art mit dem Grauen des Alltags fertig zu werden. Die einen reagierten mit Zynismus, Jake dagegen rannte davon und der Ensign schoss sich in den Fuß.

Interessant ist auch, das Jake den größten Teil der Folge völlig allein agiert und kein Gegenüber hat, mit dem er sich austauschen kann. Deswegen wurde auf das in Star Trek recht selten benutzte Stilmittel zurückgegriffen, dass eine Hauptperson die Ereignisse als Erzähler kommentiert und seine Gedanken mitteilt.
Jake-Darsteller Cirroc Lofton hatte hierbei wieder einmal die Gelegenheit zu zeigen was er kann. Er liefert dabei eine gelungene Vorstellung ab. Lofton wurde kurz zuvor 18 Jahre alt und durfte von nun an deutlich mehr Zeit am Set der Serie verbringen. Dies machte die Jake-Episoden zwar nicht zahlreicher, aber doch deutlich einfacher zu drehen. Angeblich sollte Cirroc Lofton von nun an auch in jeder Episode einen Auftritt erhalten, was sich aber schon bald als nicht verwirklichbar herausstellen sollte, denn Jake war auch in den Staffeln 5, 6 und 7 nie in mehr als 12 Episoden pro Staffel dabei.

Die Episode ist nicht nur die erste Folge seit langem, die mit guten Jake-Charakterszenen überzeugen kann, sie lenkt seine Figur gleichzeitig auch in neue Bahnen, da er hier zum ersten Mal als Reporter arbeiten darf, eine Tätigkeit, die er bis zum Ende der Serie noch des Öfteren ausüben wird.

Neben den guten Jake-Szenen überzeugen dieses Mal auch einige gute Charakterszenen mit Jakes Vater, der sich zu beschäftigen versucht, um sich nicht zu sehr um seinen Sohn Sorgen machen zu müssen.

Negativ fällt auf, dass die Sternenflotte wieder einmal etwas zu militärisch dargestellt wird. Natürlich ist sie eine militärische Organisation, aber wenn ein Ensign, der aus einer nachvollziehbaren Angst heraus handelt und sich selbst verwundet, um nicht kämpfen zu müssen, vors Kriegsgericht gezerrt wird, dann erinnert einen das doch etwas zu sehr an die Gegenwart und mag nicht so recht zur aufgeklärten Föderationswelt des 24. Jahrhunderts passen. Jakes Vorschlag, den Ensign zu einem Counselor zu schicken, klingt da schon viel eher wie eine Idee der Sternenflotte, die wir kennen.

Zu Beginn der Folge gibt es einige Szenen im Krankenhaus der Kolonie mit vielen Verwundeten und schnellen Schnitten, die einen sehr an Krankenkaus-Dramen, wie "Emergency Room (ER)" erinnern. Dabei dürfen natürlich auch eine ganze Reihe von Klischees nicht fehlen, die in diesen Szenen bemüht werden.

Etwas witzlos war die Darstellung des Krankenhauses. Offensichtlich gab es hier nicht genug Geld, um wirklich Krankenhaus-ähnliche Kulissen herzustellen, also musste alles in der Star Trek-Höhlenkulisse inszeniert werden. Gleichzeitig wurden leider auch nicht genug Statisten eingesetzt, um den Eindruck einer lebendigen Siedlung zu erwecken.

Zwei Folgen nach dem Staffelauftakt erfährt man hier endlich etwas über den Fortgang der Beziehungen zwischen der Föderation und den Klingonen. Offenbar wurde nach den Ereignissen in 5.01: Die Apokalypse droht ein Waffenstillstand vereinbart, der hier zum ersten Mal gebrochen wird.

Etwas merkwürdig war ein Dialog zu Beginn der Folge, indem sich die Crew auf der Ops über die schädliche Wirkung des Coffeins auf das Kind der O'Briens unterhält. Wenn Kira replizierten Kaffee trinkt, ist das Koffein im Kaffee denn dann überhaupt echt? Bei repliziertem Alkohol hatte man bisher immer den Eindruck, dass dieser nicht die schädlichen Auswirkungen von echtem Alkohol hat. Ist dies beim Kaffee dann nicht genauso, oder ist Kaffee etwa auch etwas, was der Replikator nicht replizieren kann und die Stationscrew kocht ihn deswegen noch ganz altmodisch mit einer Kaffeemaschine?

Witzig war die Eröffnungsszene, in der Bashir dem ahnungslosen Jake eine große Portion Medizin-Kauderwelsch auftischt und Jake in Gedanken meint: "Ich habe absolut keine Ahnung, wovon er da redet. Wen interessieren schon Anomalien? Die Leute wollen Geschichten über Themen, mit denen sie was anfangen können." Hier bauten die Autoren ganz offensichtlich wieder einmal etwas Selbstironie ein, denn wo gibt es wohl Anomalien in großen Mengen, wenn nicht bei Star Trek?

Diese Folge ist René Echevarrias erster Beitrag in der 5. Staffel.
Die Regie stammt von Kim Friedman.

Alles in allem ist "Die Schlacht um Ajilon Prime" eine gelungene Jake-Charakter-Folge, die das Gesamturteil "Gut" verdient hat.

Spannung: 5 SFX: 4 Handlung: 5 Gesamt: 5
Zusammenhänge

Karen Austin spielt außer Dr. Kalandra in dieser Folge auch noch Miral in der Voyager-Folge 6.03: Barke der Toten.

Auch Danny Goldring spielte in Star Trek schon zahlreiche andere Rollen neben seinem Auftritt als Burke in dieser Folge. Er spielte Legate Kell in der DS9-Episode 3.07: In der Falle, den Alpha-Hirogen in der Voyager-Doppelfolge 4.18 + 4.19: Das Tötungsspiel und den nausicaanischen Captain in der Enterprise-Folge 1.10: Familienbande.

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Ausdruck vom: 21. 09. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/ds5_4.htm