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ENT 2.24 Erstflug


First Flight

von Sebastian Däs

Episodenbeschreibung

Als die Enterprise einen Nebel untersuchen will, der vermutlich aus Dunkler Materie besteht, erhält Captain Archer eine beunruhigende Nachricht von der Erde: Sein alter Freund A.G. Robinson ist beim Klettern auf Mount McKinley ums Leben gekommen. Robinson war ein alter Rivale aus der frühen Zeit des NX-Programms der Sternenflotte. Als Archer betrübt allein den Nebel erforschen will um nachzudenken, wird er von T'Pol begleitet, die die Vorschrift zitiert, ein Captain dürfe nicht allein auf eine Außenmission gehen.

Im Shuttle erzählt Archer der Vulkanierin von der damaligen Zeit:
Er und A.G. stritten sich um den ersten Flug beim Versuch, die Warp 2-Marke zu durchbrechen. Archer war natürlich sehr engagiert, weil es das Triebwerk seines Vaters war, aber Forrest, damals noch Kommodore, wählte A.G. aus. Archer war sehr enttäuscht, stieß aber zusammen mit seinem Rivalen im "602 Club" an. Robinson meinte damals zu ihm, dass er zu starr sei und die Sternenflotte nicht nur einen guten Piloten, sondern auch einen guten Captain suchen würde.

Kurze Zeit später startete Robinson mit der NX-Alpha und unternahm den ersten Versuch. Zwar konnte er Warp 2 erreichen, doch die Mission endete in einer Katastrophe: Beim ersten Anzeichen von Problemen weigerte sich A.G. unter Warp zu gehen und das Schiff wurde zerstört. Robinson selbst konnte gerade noch mit einer Rettungskapsel entkommen. Die Vulkanier betrachteten dadurch das Projekt als einen Fehlschlag. Auf ihren Druck hin wollte die Sternenflotte erst wieder nach vielen Jahren der Forschung praktische Einsätze fliegen.

Archer betrank sich im "602 Club" mit seinem neuen Freund Lieutenant Charles Tucker - der als Ingenieur auch von den Fähigkeiten des Triebwerks überzeugt war. Als Robinson auch in den Club kam, eskalierte die Situation: In einem Streit warf Archer A.G. vor, durch seine Befehlsverweigerung den Abbruch der Mission verursacht zu haben. Robinson entgegnete stattdessen, dass das Treibwerk von Archers Vater ein Fehlschlag ist. Es kam zu einer Schlägerei zwischen den beiden, die letztendlich durch Trips Eingreifen beendet wurde.

Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten gestand sich Archer ein, dass Robinson zum Teil Recht hatte. Mit der Hilfe von Trip nahm er einige Modifikationen am Warptriebwerk vor und präsentierte die Ergebnisse Robinson. Archer war jetzt fest von den Qualitäten des Triebwerks überzeugt und verwirklichte mit A.G. einen Plan: Sie stahlen bei Nacht den zweiten verbleibenden Prototyp, die NX-Beta, und wollten mit einem Testflug ihren Standpunkt beweisen. Und tatsächlich klappte es: Während Trip auf der Erde die Situation überwachte, konnten sie das Schiff auf Warp 2,5 bringen und es ohne Schwierigkeiten auf dieser Geschwindigkeit halten. Natürlich bemerkte die Sternenflotte recht schnell den Start und Forrest beorderte die zwei Piloten zurück.

Zurück auf der Erde mussten sich Archer und A.G. erst einmal eine Standpauke von Forrest anhören. Zwar war ihr Flug erfolgreich, aber sie hatten direkte Befehle missachtet und ein Schiff gestohlen. Archer klärte Forrest noch einmal über die Wichtigkeit der Mission auf.
Am Ende wurden beide mehrere Monate beurlaubt, aber das NX-Programm wurde fortgesetzt. Einige Jahre später brachte es Archer dann zum Captain der Enterprise.

Im Shuttle ist T'Pol fasziniert von Archers Geschichte. Bisher hätten keine offiziellen Aufzeichnungen über jene Ereignisse existiert. Direkt im Anschluss finden sie schließlich den Nebel aus dunkler Materie, und Archer meint, A.G. hätte bestimmt so etwas gerne gesehen. Als sie später zurück auf der Enterprise sind, schlägt T'Pol vor, den Nebel nach A.G. Robinson zu benennen. Archer scheint einverstanden zu sein.


Bewertung
Mit "Erstflug" wollte man diesmal etwas ruhiger an die Aufarbeitung von Hintergrundwissen gehen, leider war das Ergebnis für den Zuschauer nicht sonderlich unterhaltend. Die Story kränkelt dabei an all zu nostalgischer Banalität, die durch Vorhersehbarkeit und recht primitive Charakterzeichnung noch zusätzlich verschlimmert wird.

Ganz klar ist erstmal: Die Geschichte mit dem Nebel aus dunkler Materie ist nur Mittel zum Zweck, Archer soll im langweiligen Shuttle die Gelegenheit zur Erzählung der Geschichte haben. Doch das ist auch durchaus legitim und fügt sich am Ende recht gut in den Zusammenhang ein. Jolene Blalock und Scott Bakula agieren aber stellenweise zu starr, hier hätte man sich mehr wünschen können.

Die Geschichte selbst ist da schon negativer. Allerdings muss man zum erneuten Male sagen, dass die Idee nicht schlecht war. Von den ersten Warp-Schritten der Menschen sollten wir ruhig öfter erfahren, "Enterprise" als Serie bietet da geradezu eine perfekte Ausgangslage, die die Autoren bisher verschenkt haben. Trotzdem sollte man dann auf diese durchschaubaren Plots verzichten. Die ganze Geschichte um das NX-Programm ist ziemlich lahm inszeniert, die Konflikte der Charaktere missraten zu einer Ansammlung von Klischees. Archer ist vom Werk des Vaters besessen, Robinson ist der etwas draufgängerische Freund, Trip bleibt völlig blass als übereifriger Ingenieur und dann ist da noch Commodore Forrest als Vorgesetzter, der sich an die Vorschriften halten muss aber trotzdem Sympathie zeigt. Die Vulkanier dürfen sowieso in die ENT-typische Rolle der unsympathischen Aufseher schlüpfen. Dass etwas schief läuft und die beiden Piloten sich schließlich zusammenraufen und das Problem lösen, sieht man einfach zu schnell kommen. Es scheint, als ob es dem Standard-Baukasten für TV-Folgen entspringen würde. Der Negativhöhepunkt ist dann die Schlägerei, die auf sehr rudimentäre Weise zusätzliche Dramatik erzeugen will. Dabei bleibt die Motivation der Charaktere ebenso primitiv, wie die (nicht) resultierende Überzeugungskraft.

Offensichtlich wollte man ohne große Mühe einfach durch das nostalgische Setting profitieren. Doch auch das ist nicht 100%ig geglückt: Wen interessiert eigentlich der Durchbruch zu Warp 2? Wirklich entscheidend war der erste Warpflug oder die Geschwindigkeit Warp 10 in der VOY-Folge "Die Schwelle". Dass man irgendwelche Geschwindigkeiten nur fürs Rekordbuch bricht, bleibt für den Zuschauer erstmal uninteressant - außer eine charakterliche Dynamik eröffnet zusätzliche Aspekte. Wie schon erwähnt ist das hier aber überhaupt nicht der Fall - ganz im Gegenteil.
Sehr merkwürdig ist auch die Logik innerhalb der "Enterprise"-Zeitlinie: Man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, Archer und Trip vom Alter her auffälliger anzupassen. Ja sie sehen sogar genau wie in der Gegenwart aus. Demzufolge liegt das NX-Projekt noch gar nicht so lange zurück, aber dass man damals noch an Warp 2 knabberte und jetzt mit einem ausgewachsenen Warp 5-Schiff durch die Galaxis "galoppiert", ist nicht ganz plausibel. Trotz interessanter Ansätze muss man also auch diesmal die Handlung als größten Schwachpunkt ansehen und sie mit einem "Ausreichend" bewerten.

Im gleichen Maß hält sich die Spannung in Grenzen. Natürlich muss diese bei ruhigeren Episoden nicht immer die höchsten Wellen schlagen, doch dann sollte wenigstens der Plot intelligenter sein. Hier langweilt man sich regelmäßig. Sollte man mal kurz einnicken und später wieder aufwachen, hat man kaum etwas verpasst, was man sich nicht selbst zusammenreimen könnte. Deshalb auch nur drei Punkte für die Spannung.

Im SFX-Bereich beeindruckt der schöne Nebel, die Warpflüge oder die Startsequenzen der NX-Schiffe. Alles in allem also durchaus gut, doch muten diesmal die Sets erstaunlich billig an. Besonders der "602 Club" und die Einrichtungen der NX-Flugkontrolle hätte man deutlich besser machen können. Dafür gibt einen Punkt Abzug, womit wir auf 4 Punkte für Effekte und Ausstattung kommen.

Zusammenfassend kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man sich nicht gerade die größte Mühe mit der Entwicklung der Geschichte gemacht hat. Nach den ersten Ankündigungen waren wohl die Hoffnungen zu groß, Co-Autor John Shiban glänzte in der Vergangenheit auch nicht gerade mit Bestleistungen und setzt hier seine Schwäche fort. Schon seine Vorgängerepisoden "Canamar" und "Morgengrauen" waren Katastrophen und so ist es nicht verwunderlich, dass er mit "Erstflug" auch gleich nach einem Jahr wieder Abschied von der Serie nimmt.

Fazit zur Episode: Lieblos und uninspiriert, aber dennoch mit einigen hellen Momenten und interessantem Hintergrundwissen.
Spannung: 3 SFX: 4 Handlung: 3 Gesamt: 3
Zusammenhänge
  • Archer übernahm das Kommando der Enterprise im Pilotfilm "Aufbruch ins Unbekannte".
  • Den allerersten Warpflug von Zefram Cochrane konnte man in "Star Trek: Der erste Kontakt" sehen.
  • Eine andere Geschichtsstunde gab es bereits in "Carbon Creek", da erzählte aber T'Pol von ihrer Urgroßmutter.
  • Die Barkeeperin Ruby und das 602 scheinen recht beliebt zu sein: Schon Trip und Reed plauderten über sie in "Allein".
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Ausdruck vom: 01. 08. 2021
Stand des Reviews: 26. 11. 2020
URL: http://www.startrek-index.de/tv/ent2_24.htm