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Kinofilm-Führer ST IV - Zurück in die Gegenwart


Bewertung




Bewertung
von Matthias Weber

Ein heiterer Star Trek Film

"Star Trek IV - Zurück in die Gegenwart" hat eine Sonderstellung unter den mittlerweile 10 Star Trek Kinofilmen. Während in allen anderen Filmen die Ernsthaftigkeit überwiegt, steht beim vierten Kinoabenteuer von Kirk und seiner Mannschaft der Humor und der Spaß an vorderster Stelle. Der Film folgt ganz der Vorgabe von Produzent Harve Bennett und Regisseur Leonard Nimoy, die einen humorvollen und heiteren Film produzieren wollten. Der Film hat sowohl in der Handlung, als auch bei den Charakteren eine besondere Leichtigkeit, die dem Film zu Gute kommt und die ihn damit deutlich von seinen Vorgängern, aber auch von seinen Nachfolgern abhebt.

"Star Trek IV" verbindet dabei die erfolgreichsten Elemente der Originalserie miteinander. So wenige es davon gab, gehörten fast alle Komödien der Originalserie zu den Highlights (zum Beispiel: 2.15: Kennen Sie Tribbles?, oder 2.17: Epigonen). Mit "Star Trek IV" bekommt man nun einen Film präsentiert, bei dem der Humor ähnlich viel zum Gelingen des Films beiträgt, wie in den erwähnten Folgen.
Der Humor spielt dabei jedoch eine zentrale Rolle, ohne dass der Film dabei zur reinen Komödie, oder gar zum Slapstick verkommt. Nimoy zeigt viel Gespür für komische Momente. Die Dialoge sind pointenreich und treffsicher inszeniert, ohne dass die bekannten Charaktere dabei irgendwie lächerlich gemacht werden, oder zu Witzfiguren verkommen. Im Gegenteil steht der Humor in diesem Film in Einklang mit den Charakteren. Man bleibt den bekannten Charakteren treu und der Witz des Films entsteht nicht dadurch, dass er die Charaktere veralbert, sondern durch die Tatsache, dass Kirk und Co. in der Gegenwart ihre Mission erfüllen müssen und sie in dieser für sie fremden Welt völlig hilflos erscheinen.
Der Humor funktioniert dabei ausgezeichnet. Es gibt etliche witzige Szenen, stellvertretend seien hier beispielsweise die hervorragende Szene im Bus, als Kirk und Spock auf einen Punker treffen, oder der nicht minder gelungene Gesichtsausdruck von Kirk, als er Spock im Meerwasserbecken der Wale entdeckt, erwähnt.

Nach dem immensen Erfolg des Humors in "Star Trek IV" wurde dieser für Star Trek quasi wieder entdeckt. Auch wenn die nachfolgenden Kinofilme wieder deutlich ernster waren, wurde immer versucht den Humor in einer wichtigeren Rolle als in den ersten 3 Filmen zu intergrieren. Dabei war dieses Unterfangen keineswegs immer von Erfolg gekrönt. Gerade der Nachfolger Star Trek V - Am Rande des Universums versuchte erneut Punkte durch Humor zu machen, scheiterte jedoch kläglich. Der Grund dafür mag wohl darin liegen, dass der Humor im fünften Teil viel zu aufgesetzt wirkte, während der vierte Film dagegen eine natürliche Witzigkeit ausstrahlte.

Die Aussage des Films

Trotz des vielen Humors im vierten Film kommt eine ernsthafte Geschichte keineswegs zu kurz. Im Gegenteil enthält der Film sogar einen ernstgemeinten Umweltschutzappell. Passend zur Kritik an der menschlichen Ausbeutung der Natur, wurde der Film oft als Ökoabenteuer bezeichnet. Der Film kam 1986 auch äußerst passend gerade zu einem Zeitpunkt, als die westliche Welt zum ersten Mal ein Bewusstsein für die immensen Zerstörungen und Belastungen entwickelt hat, die wir Menschen der Erde tagtäglich zufügen. Der Film reiht sich mit seiner zum Nachdenken anregenden Aussage, bestens in Star Trek ein, wo es schon immer üblich war auch einmal ein wenig die Menschheit zu kritisieren.
Dank der Unbeschwertheit des Films bekommt man aber bei der leisen Gesellschaftskritik des Films niemals den Eindruck, man bekäme diese mit dem erhobenen Zeigefinger präsentiert (ein Problem dass es häufig bei der Originalserie gegeben hatte). Die Kritik rundet stattdessen, die ansonsten äußerst kurzweilige Handlung perfekt ab, anstatt dass sie von ihr ablenkt, oder irgendwie moralisierend wirkt. Man merkt dem Film an, dass seine Macher in erster Linie einen Unterhaltungsfilm produzieren wollten und erst als zweites daran gedacht haben dem Zuschauer eine Botschaft zu vermitteln.

Die Zeitreise - Ein beliebtes Science Fiction Element

Mit der Zeitreise kommt ein weiteres, in der Originalserie sehr erfolgreiches Element in ST IV zum Zuge. Die Episode 1.28: Griff in die Geschichte der Originalserie ist nach wie vor die beliebteste Folge, auch die Zeitreise in 2.26: Ein Planet, genannt Erde war durchaus gelungen. In "Star Trek IV" wird nun zum ersten Mal innerhalb der Kinofilme auf eine Zeitreise als Grundhandlung zurückgegriffen. Dabei gewinnt die Handlung ihren Reiz vor allem wieder aus dem Aufeinanderprallen zweier völlig verschiedener Welten, in diesem Fall der der 80er Jahre und der Star Trek Welt. Es ist einfach herrlich mit anzusehen, wie die inzwischen liebgewonnene Enterprise Crew in dieser für sie fremden Welt herumstolpert und ohne die sie sonst umgebende Technik völlig verloren ist. Die Crew muss sich erst in der Großstadt San Francisco zurechtfinden und gerät von einem Schlamassel in den nächsten. Der Enterprise Crew gelingt es dabei in der Vergangenheit natürlich sich ungefähr so unauffällig zu verhalten, wie ein Elefant im Porzellanladen. Ein großer Teil des komödiantischen Potential des Films entsteht aus dem Aufeinandertreffen der verschiedenen Welten und Leonard Nimoy stellt den Unterschied der Kulturen mit viel Ironie dar. Es ist zum Beispiel ausgesprochen witzig mit anzusehen, wie Kirk und Spock irritiert den Bus verlassen müssen, da sie kein passendes Kleingeld haben.
Der Enterprise-Crew fehlt dabei auch jeglicher Respekt für die Menschen des 20. Jahrhunderts. Kirk bezeichnet die Menschen der Gegenwart als "extrem primitive und paranoide Kultur". Dazu passend, lässt Kirk das Schiff einfach im belebten Golden Gate Park landen, ohne dabei beim Landeanflug auf die beiden Müllmänner oder beim Abflug auf die Jogger auch nur die geringste Rücksicht zu nehmen. Auch hier drängt sich wieder der Vergleich mit dem Elefanten im Porzellanladen auf. Man fühlt sich den Menschen des 20. Jahrhunderts überlegen, man schaut von oben auf sie herab (bezeichnend zum Beispiel auch McCoys Aussage, dass er sich darüber wundert, dass die Menschheit das 20. Jahrhundert überlebt hat, als er eine Schlagzeile in der Zeitung über gescheiterte Abrüstungsverhandlungen liest). Die Arroganz der Enterprise Crew gegenüber ihrer eigenen Vergangenheit macht ihre völlige Hilflosigkeit und Desorientierung in dieser Zeit umso witziger und interessanter.

Die Fehler des Films

Wie auch schon bei den vorherigen Filmen haben sich im vierten Film einige Ungereimtheiten eingeschlichen.
Zunächst erscheint es recht unglaubwürdig, dass eine Zeitreise dermaßen einfach durchzuführen ist, wie im Film gezeigt. Der kurze Flug ins 20. Jahrhundert erweckt den Eindruck, dass Zeitreisen im 23. Jahrhundert etwas vollkommen alltägliches sind.

Zum zweiten wird etwas arg sorglos mit der Zeitlinie umgegangen. Während die Enterprise-Crew bei früheren Gelegeheiten penibel darauf geachtet hat, ja nicht den Lauf der Geschichte zu verändern, schert sich dieses Mal keiner auch nur ein bißchen um den Einfluss der Enterprise-Crew auf die Vergangenheit.
Regisseur Nimoy, Produzent Bennett und Autor Nicholas Meyer wollten mit dem etwas laxen Umgang mit der Zeitlinie wohl den ironischen Grundton des Filmes unterstreichen. Man soll den Film nicht zu ernst nehmen. Leider sind sie dabei jedoch etwas zu weit gegangen. Das oben bereits erwähnte Vorgehen, mit dem klingonischen Schiff einfach im Park zu landen, ohne sich dabei um die Spaziergänger im Park zu kümmern, kann noch akzeptiert werden, vor allem da dieses Vorgehen keine Auswirkungen auf die Zeitlinie hat und es zu den Charakteren passt, dass sie denken, sie wären den Menschen des 20. Jahrhunderts überlegen und damit außer Gefahr von diesen entdeckt zu werden.
Später werden die Verstöße gegen die Zeitlinie dann aber schon gravierender.
Dass Kirk die Brille, die er von McCoy geschenkt bekam, in der Vergangenheit verkauft, kann ebenfalls noch durchgehen, da McCoy die Brille tatsächlich 300 Jahre später in eben diesem Geschäft wieder kaufen hätte können. Schwerer zu verdauen ist da schon die Tatsache, dass Scotty der Firma Plexicorp kurzerhand die Formel für ein völlig neues Material überlässt, welches ganz offensichtlich erst viel später erfunden werden sollte. Hier wird eindeutig der Lauf der Geschichte verändert. Dass später mit Gillian Taylor ein Mensch komplett aus der Vergangenheit entfernt wird, setzt dem ganzen jedoch die Krone auf. Woher weiß Kirk, dass nicht einer von Taylors Nachfahren eine wichtige Rolle in der Menschheitsgeschichte gespielt hat. Auch Chekovs Phaser und sein Kommunikator, den er auf dem Atom-U-Boot an die Marine abgeben musste, werden später völlig vergessen (undenkbar was der amerikanische Geheimdienst mit diesen Geräten anfangen könnte).
Es ist begrüßenswert, dass Kirk und Co. nicht allzu streng mit den Vorschriften umgehen, das trägt gerade zur Leichtigkeit des Films bei, es ist jedoch was ganz anderes, wenn Kirk und Co. vorsätzlich in die Vergangenheit eingreifen und sie mit voller Absicht verändern. Das passt eigentlich nicht zu den Charakteren, die ansonsten recht pflichtbewusst erscheinen. Noch dazu hätten die größten Eingriffe in die Zeitlinie leicht vermieden werden können. Zum Beispiel hätte Scotty später die Formel für das transparente Aluminium einfach aus Dr. Nichols Computer wieder löschen können, nachdem er alles erhalten hat, was er braucht.
Hier hätte man vielleicht trotz des ironischen Grundton des Filmes etwas mehr auf die Einhaltung der Zeitlinie und der Glaubwürdigkeit achten sollen.

Letztendlich zeigt sich jedoch gerade in den logischen Fehlern, wie gut "Star Trek IV - Zurück in die Gegenwart" eigentlich ist, denn der Film wirkt durch seine heitere Handlung so lebendig, wie kein anderer Star Trek Film und man macht ihm deswegen auch keine Vorhaltungen wegen seinen Verstößen gegen die Logik.

Die Handlung

"Star Trek IV" erstaunt bei genauerem Hinsehen auch durch die erstaunlich simpel aufgebaute Handlung. Es ist bemerkenswert, wie viel in diesem Film aus diesem an sich so einfachen Plot herausgeholt wird. Die Bedrohung durch die Erde kann nur mit Lebewesen aus der Vergangenheit beseitigt werden, also fliegt die Enterprise-Crew zurück, holt diese Lebewesen, rettet damit die Erde und wird im Gegenzug von allen Anklagepunkten freigesprochen. Auch die eigentliche Haupthandlung in der Vergangenheit ist recht einfach gestrickt und wird im Prinzip schon am Anfang von Kirk vorweggenommen, als er die Einteilung der Teams bekannt gibt. Man muss die Wale besorgen, den Waltank bauen und Energie für die Rückreise beschaffen, mehr gibt es eigentlich nicht zu tun und außer der Tatsache, dass hier und da natürlich nicht alles nach Plan funktioniert und das eine oder andere schief geht, passiert auch nicht wirklich mehr als das, was Kirk bereits angekündigt hat. Trotz des einfach aufgebauten Plot wird einem zu keinem Zeitpunkt des Films irgendwie langweilig und das obwohl der Film mit fast 2 Stunden deutlich länger geraten ist, als Star Trek III - Auf der Suche nach Mr. Spock. Hier muss man ein dickes Lob an die Autoren Bennett und Meyer und Regisseur Leonard Nimoy verteilen, die es alle gemeinsam meisterhaft verstehen, aus der einfachen Handlung mehr herauszuholen, als aus so manch anderer komplexer angelegter Filmhandlung.

Ein Hollywood-Film ohne Gewalt

Ein weiteres Merkmal welches den vierten Kinofilm kennzeichnet, ist seine völlige Abwendung von der Gewalt. Hier zeigt sich wieder einmal, dass Star Trek nicht unbedingt dann am besten ist, wenn es um irgendwelche großen Raumschlachten geht, sondern wenn der Zuschuer etwas unerwartetes präsentiert bekommt. So wird auch in "Star Trek IV" völlig auf jegliche gewalttätige Auseinandersetzung verzichtet, es gibt keine Weltraumschlachten, keine Faustkämfe, nichts. Es wird niemand getötet und verletzt wird lediglich Chekov, jedoch bei einem Unfall der von seiner eigenen Unachtsamkeit verursacht wird. Es gibt im ganzen Film keinen einzigen Antagonisten (der klingonische Botschafter ist Kirk gegenüber zwar feindselig eingestellt, als wirklichen Antagonisten kann man ihn dabei jedoch nicht bezeichnen). Wenn es wirklich einen Gegenspieler für die Enterprise-Crew gibt, dann ist es in diesem Falle die Ignoranz und die Dummheit der Menschen, die aus Profitgier die Wale ausgerottet haben. Mit seiner völligen Gewaltlosigkeit unterstreicht der Film nicht nur seine Sonderstellung unter den Star Trek Kinoabenteuern, sondern ist auch unter den Hollywood-Produktionen einzigartig. Bedenkt man dies, erstaunt es wohl kaum, dass Gene Roddenberry, der auch bei diesem Film wieder nur in beratender Funktion tätig war, sich mit dem Ergebnis des Films deutlich zufriedener zeigte, als dies bei den beiden Vorgängern der Fall war.

Nach Spocks Tod in Star Trek II - Der Zorn des Khan prophezeiten viele, dass Star Trek ohne Spock niemals funktionieren würde. Der nachfolgende Film Star Trek III - Auf der Suche nach Mr. Spock bewies das Gegenteil. Auch bei der Zerstörung der Enterprise im dritten Teil wurden die Stimmen laut, die voraussagten, dass der Name Enterprise inzwischen so mit Star Trek verwoben sei, dass ohne die Enterprise das Ende Star Treks sehr bald käme. Der vierte Film zeigt nun allerdings, dass man auch einen erfolgreichen Star Trek Film fast komplett ohne Enterprise drehen kann. Erst ganz am Ende tritt die neue Enterprise-A die Nachfolge des im dritten Teil verschrotteten Schiffes an, wobei dies als Zugeständnis an Roddenberry gewertet werden kann, war doch zunächst geplant die Excelsior die Nachfolge antreten zu lassen. Roddenberry hatte beim dritten Teil vehement gegen die Zerstörung der Enterprise protestiert. Die neue Enterprise, am Ende dieses Films bleibt ein netter Schlussgag, man fragt sich hier jedoch zwangsläufig, woher die Sternenflotte so schnell ein völlig neues Schiff gezaubert hat. Der Film bleibt uns hier eine Erklärung schuldig, allerdings wurde von einem Produzenten in einem Interview erklärt, dass die Enterprise in Wirklichkeit die U.S.S. Yorktown ist, die dann aber in U.S.S. Enterprise-A umbenannt wurde.

Etwas merkwürdig ist auch die Anklage des klingonischen Botschafters welche er gegen Kirk zu Beginn des Films vorbringt. Es bleibt völlig ungeklärt, woher die Aufzeichnungen kommen, die die Klingonen zeigen, wie sie kurz vor der Zerstörung der Enterprise auf die Brücke kommen. Wenn die Enterprise zerstört wurde, kann es davon wohl kaum Aufzeichnungen geben.

Die Charaktere

Charakterseitig kommt auch in diesem Film wieder die führende Rolle Kirk zu. Obwohl er nun im Gegensatz zum letzten Film wieder seinen ersten Offizier Spock an der Seite hat, führt Kirk seine Crew an. Spock liefert zwar viele Ideen, doch Kirk trifft die Entscheidungen. Da Kirk sich als Mensch im Gegensatz zu Spock auch viel schneller an die neue Umgebung (also die Vergangenheit) anpassen kann, wird er mit den neuen Umständen der Mission deutlich besser fertig. Interessant ist, dass sich Kirk mit Gillian Taylor nur anfreundet, jedoch keine Affäre oder Beziehung mit ihr beginnt. Dass er die Phase, in der er mit jedem weiblichen Gast gleich eine Affäre hatte, überwunden hat, stärkt Kirks Charakter und zeigt, dass er seit der Serie eine deutliche Entwicklung durchgemacht hat.

Obwohl Kirk im Mittelpunkt der Handlung steht, ist der Film mehr denn je eine Teamleistung der gesamten Enterprise-Crew. In keinem anderen Film wird das Essemble der 7 unterschiedlichen Charaktere so genutzt, wie hier. Nicht nur, dass jeder der 7 Charaktere dieses Mal etwas sinnvolles zur Rettung der Erde beitragen darf, es werden auch jedem Darsteller unvergessliche Momente mit seinem jeweiligen Charakter zugestanden. Hinzu kommt, dass man sich viel Zeit für die Charaktere nimmt. Da dürfen Kirk und Spock beispielsweise einfach mal eine lockere Plauderei im Bus führen, nachdem sie einen nervigen Punker losgeworden sind, ohne, dass diese Unterhaltung wirklich wichtig für die Handlung an sich wäre. Auch McCoy möchte sich auf der Brücke des klingonschen Schiffes einfach mal mit seinem Freund Spock unterhalten. Allgemein dürfen die Charaktere in dieser Folge mehr miteinander interagieren, als dies bei den anderen Filmen der Fall ist.

Am interessantesten ist nach wie vor der Charakter von Spock. Er darf dank seiner Wiedergeburt im letzten Teil noch einmal im Schnelldurchlauf die Entwicklung durchmachen, die er bereits in der Originalserie gemacht hat. Am Anfang des Films ist Spock zwar geistig wieder völlig hergestellt, allerdings haben seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten gelitten. Er verhält sich der Crew gegenüber sehr distanziert und spricht Kirk formell mit Admiral an. Am Ende des Films hat er jedoch wieder zu sich selbst gefunden, nennt Kirk nun wieder bei seinem Vornamen und bezeichnet die Enterprise-Crew zum ersten Mal ganz offen als seine Freunde. Dabei wird in diesem Film weniger das Triumvirat thematisiert, als vielmehr die Beziehung von Kirk und Spock im Speziellen, da die beiden die meisten gemeinsamen Szenen haben, während McCoy dieses Mal mehr eigenständige Szenen hat.

War McCoys Charakter im dritten Film noch etwas kurz gekommen, hat DeForest Kelley in diesem Film deutlich mehr die Gelegenheit sich zu entfalten und seinem Charakter ein paar neue Seiten abzugewinnen. McCoy trägt mit seiner ihm eigenen Ironie viel zum Humor des Films bei. Zusätzlich gibt es einige unheimlich komische Momente bei McCoys Auftritt im Krankenhaus (unvergesslich, wie die Dialyse-Patientin ruft: "Mir ist eine neue Niere gewachsen!"). Bei eben diesen Szenen im Krankenhaus bekommt man zum ersten Mal auch die Gelegenheit McCoys professionelle Hingabe zu seinem Beruf zu erkennen. McCoy nimmt seine Arbeit sehr ernst. Gerade deswegen ist er dermaßen entsetzt über die medizinischen Behandlungsmethoden des 20. Jahrhunderts. Doch es sind nicht nur die Behandlungsmethoden an sich, auch die Einstellung der Ärzte schreckt ihn ab. Im 23. Jahrhundert scheint das Heilen der Patienten im Mittelpunkt des Arztberufes zu stehen und nicht das Prestige, welches der Beruf mit sich bringt.

Auch Scotty trägt dieses Mal sehr viel zum Humor des Films bei. Sein Auftritt als schottischer Professor ist einmalig gut gelungen und James Doohan darf in diesen Szenen endlich einmal zeigen, was er schauspielerisch für Möglichkeiten hat. Highlight seines Auftrittes bei Plexicorp sind dabei natürlich seine Versuche mit dem Computer über die Maus Kontakt aufzunehmen ("Hallo Computer") und sein Kommentar, als Dr. Nichols ihn auf die Tastatur hinweist ("Wie rückschrittlich").

Der einzige Charakter der Stammbesetzung, der in "Star Trek IV" etwas kurz kommt, ist Sulu. Damit vergibt der Film die Chance auch dem vernachlässigten Sulu etwas mehr Profil zu geben, womit Sulu weiterhin der uninteressanteste Charakter der ganzen Crew bleibt. Dies ist eigentlich enttäuschend, wenn man bedenkt, dass es durchaus eine Szene gegeben hätte, die Sulu zwar vielleicht nicht unbedingt mehr Profil, so aber doch immerhin mehr zu tun gegeben hätte, die dann aber leider aus völlig unverständlichen Gründen geschnitten wurde. Unverständlich auch, weil die Szene für die Handlung, wenn auch nicht von elementarer Bedeutung, so doch nicht ganz unwichtig war. Im fertigen Film unterhält sich Sulu mit dem Piloten des Hubschraubers, einige Szenen später fliegt er mit eben diesem Hubschrauber bereits über San Francisco hinweg, ohne dass erklärt wird, woher er diesen nun hat. Hier entfiel eine Szene, in der Sulu dem Piloten den Hubschrauber gestohlen hatte. Da George Takei bereits auf eine andere eigene Szene verzichten musste, da es Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten gab (siehe Hintergründe), ist das Entfallen der Hubschrauberszene umso bedauerlicher.

Der Film vernachlässigt auch Uhura ein wenig, die ähnlich wie Sulu kaum eine eigenständige Szene hat. Dafür hat sie jedoch zusammen mit Chekov einige gelungene Szenen. Wie sehr die Crew inzwischen zusammen gewachsen ist, merkt man auch an der Tatsache, dass Uhura sich Vorwürfe wegen Chekovs Verschwinden macht.

Chekov hingegen hat in diesem Film, ähnlich wie schon im zweiten Teil, einige sehr gelungene Szenen. Geschickt eingesetzt wird dieses Mal vor allem sein russischer Akzent, zum Beispiel als er in San Francisco auf der Straße nach den atomgetriebenen U-Booten fragt und das zur Zeit des kalten Kriegs. Auch sein Verhör mit einem FBI-Agenten ist einfach nur hervorragend geschrieben und inszeniert und sorgt für viel Humor.

Alles in allem ist "Star Trek IV" das, was man einen Essemble-Film nennt. Man merkt dem fertigen Film auch an, dass die Darsteller froh über die gelungenen Szenen mit ihren Charakteren waren und sie viel Spaß am Set hatten.

Die Neben- und Gastcharaktere

Verabschieden muss man sich in diesem Film von Gastcharakter Saavik, die uns durch die Trilogie der Filme II, III und IV hindurch begleitet hatte. Sie wird in diesem Film, wie im dritten Teil von Robin Curtis gespielt. Allerdings hat sie dieses Mal nur eine sehr kleine Szene, nachdem die Szene geschnitten wurde, in der deutlich zu erkennen war, dass sie schwanger von Spock ist. Man überlegte zunächst, ob man Saavik mit auf die Reise in die Vergangenheit nehmen sollte, entschied sich jedoch letztendlich dagegen, um die Zahl der Charaktere überschaubar zu halten. Die Szene mit ihr und Captain Kirk, in der sie ihm vom Tod seines Sohnes erzählt, war ursprünglich bereits für den dritten Film geplant gewesen, wurde jedoch erst in diesem verwirklicht. Hier wirkt sie etwas deplaziert, da es unglaubwürdig erscheint, dass Saavik in den 2 Monaten Aufenthalt der Enterprise-Crew auf Vulkan noch keine Gelegenheit fand mit Kirk über dieses Thema zu reden.

Ein Wiedersehen gibt es auch wieder mit Spocks Vater Sarek. Er wird uns hier wieder als sehr starker, energischer Charakter präsentiert. Er beherrscht die Szenerie, sobald er auftritt. Er wertet auch die Gerichtsszenen auf, die für sich alleine genommen zu den schwächeren Momenten des Films gehören. Gleichzeitg wird auch ein Handlungsbogen aus der TOS-Folge 2.10: Reise nach Babel beendet. Dort wurde erstmals erwähnt, dass Sarek nicht mit Spocks Entschluss zur Sternenflotte zu gehen, einverstanden war. Hier entschuldigt sich Sarek nun für sein engstirniges Denken und gibt zu, dass seine Freunde gute Menschen sind.

Ein erfreuliches Wiedersehen gibt es auch mit Jane Wyatt bekannt aus der TOS-Folge 2.10: Reise nach Babel. Sie spielt hier erneut Spocks Mutter Amanda. Sie hat zwar in diesem Film eine nette Szene mit Spock, allerdings wäre ihre Anwesenheit im letzten Film notwendiger gewesen, als in diesem Film.

Die Nebencharaktere Rand und Chapel durften hier erneut auftreten. Allerdings hatten die Darstellerinnen auf größere Rollen gehofft. Es wurden auch ein paar kleinere Szenen mit ihnen gedreht, allerdings fielen die meisten ihrer Szenen der Schere zum Opfer. Übrig blieben lediglich ganz kurze Szenen mit den beiden im Hauptquartier der Sternenflotte. Während Grace Lee Whitney in Star Trek VI - Das unentdeckte Land noch einmal Commander Rand spielte, war es für Majel Barrett der endgültig letzte Auftritt als Christine Chapel. Sie spielte jedoch kurze Zeit später in der Nachfolgeserie "Star Trek - The Next Generation" eine deutlich größere wiederkehrende Rolle als Lwaxana Troi.

Die Effekte

Die Special Effects des Films überzeugen dieses Mal vor allem durch zwei gelungene Walmodelle, die im fertigen Film eigentlich kaum von echten Walaufnahmen zu unterscheiden sind. Ansonsten gibt es in diesem Film vergleichsweise wenige Effekte zu bewundern, was natürlich daran liegt, dass er deutlich weniger Zeit im Weltraum spielt, als üblich.

Die Special DVD Edition

Im Jahr 2003 erschien der Film, wie auch schon seine Vorgänger als Special Edition auf DVD. Leider wurde dieses Mal, wie beim dritten Teil auf einen Director's Cut verzichtet, womit es leider keine einzige der geschnittenen Szenen zurück in den Film geschafft hat.

Die deutsche Version

Nachdem sich viele Fans über die lustlos-schludrige Synchronisation der letzten Teile beschwert hatten, bildete sich eine Kampagne, die später sogar die Unterstützung von Leonard Nimoy und Harve Bennett erhielt. Daraufhin durfte das sogenannte Standby-Team das Synchrondrehbuch überarbeiten und beim Aufnahmeprozess dabei sein. Offensichtlich verhinderte die Kampagne auch ein völliges Synchronisations-Desaster, wenn auch die deutsche Version nach wie vor deutlich hinter dem Original zurück bleibt.
Erfreulich ist es, dass für diesen Film der ursprüngliche Kirk-Sprecher Gert-Günther Hoffmann wieder engagiert wurde. Auch Chekov erhielt mit Elmar Wepper wieder seine Originalstimme. Spock und Scotty blieben mit Herbert Weicker und K.E. Ludwig nach wie vor die einzigen Charaktere, die immer die gleiche deutsche Stimme hatten. Bei McCoy griff man mit Randolf Kronberg auf die Sat.1-Stimme zurück, genauso wie bei Uhura mit Ilona Grandke. Lediglich die Wahl von Tommi Piper als Sulu-Stimme kann nicht überzeugen.
Die deutsche Version wurde zu Beginn zusätzlich mit einer Rückblende auf die Geschehnisse des dritten Teils versehen, dafür fehlt die Widmung der Opfer der Challenger-Katastrophe.
Der deutsche Titel war nicht so gut gewählt, da er große Ähnlichkeit mit den "Zurück in die Zukunft"-Filmen hatte.
Obwohl es dem Standby-Team nicht gelang alle Fehler zu korrigieren, ist ihre Leistung durchaus beeindruckend. So ist es größtenteils auch ihnen zu verdanken, dass die deutsche Version durchaus akzeptabel ist. Das Standby-Team durfte auch bei den kommenden Filmen beratend tätig sein.

Fazit

Letztendlich kann "Star Trek IV" in allen Kategorien überzeugen und nachdem Star Trek - Der Film und Star Trek III - Auf der Suche nach Mr. Spock eher die schwächeren Beiträge der Kinofilmreihe waren und nicht an die gelungeneren Filme Star Trek II - Der Zorn des Khan und "Star Trek IV - Zurück in die Gegenwart" heranreichten, bestätigt sich nun zum ersten Mal die Regel, dass die Filme mit gerader Nummer deutlich besser ausfallen, als die mit ungerader Nummer. Eine Regel, die sich leider auch beim fünften Film bestätigen sollte.
Der inzwischen deutlich selbstsicherere Leonard Nimoy schafft es mit dem vierten Film jedenfalls einen genau passenden, heiteren Abschluss einer Trilogie zu setzen, die mit Star Trek II - Der Zorn des Khan und Star Trek III - Auf der Suche nach Mr. Spock zwei recht düstere erste Teile hatte. Mit dem Ende der Trilogie sind alle Altlasten aus den vorherigen Filmen erledigt und die Kinofilmreihe steht wieder ganz am Anfang. "Star Trek IV" bleibt jedenfalls als humorvolles, gewaltloses Highlight der Kinofilmreihe in unserer Erinnerung. Vielleicht der beste Star Trek Film aller Zeiten.

Bewertung von Punkte Zusammenfassung
Matthias Weber 6/6 Ein witziger und ungemein unterhaltsamer Film mit ernstgemeinter Botschaft.
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Ausdruck vom: 21. 09. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tms/st4_mw.htm