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TOS 2.20 Geist sucht Körper


Return to Tomorrow

Review: Matthias Weber
Statistik: Elisabeth Leidenfrost

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 4768,3
Als sich die Enterprise dem unerforschten Planeten Arret nähert, nimmt eine Stimme mit Namen Sargon Kontakt mit dem Schiff auf. Da Spock festgestellt hat, dass die Atmosphäre des Planeten schon vor einer halben Million Jahren zerstört wurde, ist dies erstaunlich und Kirk hat eine Menge Fragen an Sargon. Die Sargon-Stimme bittet den Captain, auf den Planeten zu beamen. Kirk ist zunächst misstrauisch, stimmt dann jedoch zu und beamt mit Spock, McCoy und Dr. Ann Mulhall auf den Planeten. Er möchte auch zwei Sicherheitsmänner mitnehmen, doch aus irgendeinem Grund schlägt ihr Transport fehl und sie bleiben auf der Enterprise.

Das Außenteam landet in einer Höhle weit unter der Oberfläche des Planeten. In einer Kammer entdecken sie eine Kugel mit einem Licht im Innern. Die Kugel stellt sich als Sargon vor. Offenbar ist er körperlos und sein Geist wurde irgendwie in dieser Kugel gespeichert. Sargon ist der Meinung, dass die Menschen Nachfahren der Arretianer sein könnten, die früher auf dem Planeten gelebt haben. Sie haben vor über 500 000 Jahren mit Raumschiffen den Weltraum erforscht und auf verschiedenen unbewohnten Welten den Anstoß zur Entwicklung von Leben gegeben.

Da Sargon erwähnt hat, dass er die Hilfe der Enterprise-Crew braucht, fragt Kirk nun, um was für eine Hilfe es sich dabei handelt. Sargon übernimmt daraufhin kurzerhand Kirks Körper. Als die anderen einschreiten wollen, gibt Sargon zu verstehen, dass keine Gefahr für den Captain bestehe und die Übernahme nur zeitweise sei. Sargon kann berichten, dass es auf Arret vor 500 000 Jahren einen Krieg gegeben hat, der die Atmosphäre zerstörte und die Arretianer das Leben kostete. Allerdings wurde vor der totalen Vernichtung den fähigsten Köpfen des Planeten die Möglichkeit zum Überleben gegeben, indem diese Kammern mit ihren Kugeln konstruiert wurden. Darin wurde der Geist der jeweiligen Personen gespeichert in der Hoffnung, dass eines Tages die Saat, die sie auf anderen Planeten ausgesetzt hatten, die Raumfahrt erlernen und diesen Planeten finden würde. Dieses lange Warten hätten allerdings außer Sargon nur zwei Arretianer, nämlich Henoch von der damaligen gegnerischen Partei und Thalassa, Sargons Frau, überlebt. Sargon bittet nun die Enterprise-Crew darum, dass die drei für einige Zeit die Körper von Kirk, Spock und Mulhall übernehmen dürfen, damit sie die Möglichkeit haben, für sich selbst Androidenkörper herzustellen, in denen sie dann in Zukunft leben können. Da Kirks Körper den energiereichen Geist Sargons nicht gewohnt ist, wird es für ihn langsam gefährlich und Sargon wechselt zurück in die Kugel, während Kirks Geist wieder seinen Körper übernimmt. Um über Sargons Bitte zu beraten, kehrt das Außenteam zurück auf die Enterprise.

Kirk ist dafür, das Experiment durchzuführen und dem Wunsch Sargons zu entsprechen, schon allein wegen des unglaublichen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns, der der Föderation dabei winkt. Auch Spock und Mulhall sind nicht abgeneigt, doch McCoy hat seine Bedenken. Er glaubt, dass die menschlichen Körper den Belastungen nicht standhalten werden. Kirk kann McCoy jedoch überreden, dem Experiment zuzustimmen.

Der Transfer findet in der Krankenstation statt und ist erfolgreich, wobei Spocks Körper von Henoch übernommen wird und die Belastungen am besten verkraftet. Sargon und Thalassa müssen Kirk und Mulhalls Körper schon bald wieder verlassen, doch Henoch hat genug Zeit ein Serum zu entwickeln, das dafür sorgt, dass die Körper die energiereichen Geister der drei besser aushalten. Christine Chapel assistiert Henoch dabei. Sie entdeckt, dass er für Kirk eine andere Injektion vorbereitet hat, die Kirk/Sargon töten wird, doch Henoch hypnotisiert Chapel und löscht ihre Erinnerungen an diesen Vorfall.

Als das Präparat verabreicht wird, übernehmen auch Sargon und Thalassa wieder die Körper von Kirk und Mulhall. Die drei beginnen mit der Arbeit. Als Thalassa und Henoch allein sind, gesteht er ihr, dass er den Körper von Spock nicht wieder verlassen werde und auch Thalassa scheint Gefallen an Mulhalls Körper gefunden zu haben. Als sie Sargon im Konferenzraum aufsucht und ihn fragt, ob es nicht möglich sei die Körper zu behalten, bricht Kirk bzw. Sargon zusammen. McCoy, der gerufen wird, kann nur noch seinen Tod feststellen. Er bringt den leblosen Körper auf die Krankenstation und hält ihn mit Hilfe der Maschinen künstlich am Leben, doch ohne Sargon kann Kirks Geist nicht mehr in seinen Körper zurückkehren.

Thalassa ist inzwischen immer besessener davon, Mulhalls Körper zu behalten. Als sie McCoy davon erzählt sagt dieser, dass er dies nie genehmigen würde. Thalassa setzt ihre überlegenen mentalen Kräfte ein um McCoy starke Schmerzen zuzufügen, doch schließlich bricht sie das ab. Sie erkennt, dass Sargon Recht hatte. Die Gefahr, dass man in den menschlichen Körpern zu große Macht über die Menschen ausübt, ist offensichtlich. Plötzlich ertönt Sargons Stimme wieder. Er war gar nicht tot, er hat Kräfte, von denen Henoch keine Ahnung hat.

Sargon hat einen Plan, wie man Henoch ausschalten kann und er fügt Kirks und Mulhalls Geister wieder in ihre Körper ein. Dann lässt er McCoy eine Spritze tödlichen Gifts aufziehen, mit der man Spocks Körper töten will. Kirk zerstört unterdessen die drei Kugeln, auch wenn Spock dabei getötet werden könnte.

Mit der tödlichen Spritze begibt man sich auf die Brücke, doch Henoch, der jetzt die Gewalt über die Enterprise hat, kann die Gedanken der anderen lesen und lässt Chapel McCoy die Spritze abnehmen. Plötzlich injiziert Chapel jedoch Henoch das Gift und da dieser in McCoys Gedanken gelesen hat, dass die Spritze tödlich ist, flüchtet er aus Spocks Körper. Da er jedoch nicht mehr in seine Kugel zurückkehren kann, hört er auf zu existieren. Sargon meldet sich erneut und transferiert Spocks Geist wieder in seinen Körper. Der Vulkanier hatte sich nicht in der Kugel befunden, als diese zerstört wurde, er hatte Besitz von Chapel ergriffen, deswegen konnte Henoch auch ihre Gedanken nicht lesen. Auch McCoys Gift war gar nicht tödlich. Allerdings musste McCoy von der Giftigkeit überzeugt sein, da Henoch ja seine Gedanken lesen konnte.

Sargon und Thalassa haben eingesehen, dass es gefährlich wäre, wenn sie wieder einen Körper besäßen, also werden die beiden in die Vergessenheit eintreten. Doch bevor sie dies tun, übernehmen sie noch einmal die Körper von Kirk und Mulhall und Sargon küsst noch ein letztes Mal seine Frau.




Bewertung

"Geist sucht Körper" ist eine eher ungewöhnliche Folge, denn bei TOS ist es relativ selten, dass die Wissenschaft so im Zentrum steht wie hier. Auf jeden Fall begegnet die Enterprise und ihre Crew hier einem wirklich faszinierenden Phänomen und muss mit diesem auch noch interagieren.

Selbst Kirk ist dieses Mal ganz der Wissenschaftler. Er ist von dem Projekt begeistert und derjenige, der sich am meisten dafür einsetzt, dass man Sargon und den anderen beiden hilft.

Den Darstellern fällt dabei ein besonderes Lob zu, denn sie müssen in dieser Folge auf einmal völlig andere Charaktere spielen als sonst, was ihnen jedoch meisterhaft gelingt. Auch wenn es nicht explizit gesagt wird, ob es sich nun um Sargon, Thalassa, Henoch oder um Kirk, Spock und Mulhall handelt, gelingt es den Darstellern durch ihre Gestik und ihren Gesichtsausdruck einen deutlichen Unterschied zwischen ihren beiden Charakteren herauszuarbeiten.

Vor allem bei Henoch ist es interessant, ihn in Spocks Körper agieren zu sehen. Leonard Nimoy hat es sichtlich genossen, auch einmal völlig ohne vulkanische Hemmungen zu agieren und Gefühle frei zu zeigen.

Dass Henoch sich als der Bösewicht entpuppt, ist dabei völlig unvorhersehbar. Erfreulicherweise werden aber die Gründe seines Verhaltens deutlich gemacht und es erscheint nachvollziehbar, warum es ihm so schwer fällt, den Körper des Vulkaniers wieder zu verlassen, nachdem er so lange ohne existieren musste. Henoch bleibt also wenigstens nicht der völlig eindimensionale Bösewicht.

Sargon ist ein typisches Star Trek-Alien. Er ist freundlich, hat keinerlei böse Absichten und auch die Crew, die ihm zu Beginn nicht ganz zu Unrecht Misstrauen entgegenbringt (immerhin übernimmt er ungefragt Kirks Körper) muss einsehen, dass Sargon nicht ihr Feind ist. In vielen anderen Science Fiction-Serien, in den denen das Vernichte-das-böse-Alien-Schema vorherrscht, sucht man vergeblich nach solchen Außerirdischen.

Etwas merkwürdig ist die Auflösung zum Schluss. Wir erfahren, dass Spock Chapels Körper übernommen hatte und deswegen sein Geist nicht mehr in der Glaskugel war, als Kirk diese zerstörte. Nur stellt sich dann die Frage, wo der Geist Chapels sich zu dieser Zeit aufgehalten hat. Es ist auch fraglich, wie Spock so einfach Chapels Körper übernehmen konnte. Eine Erklärung dafür wird jedenfalls nicht angeboten.

Die Folge hat eigentlich ein ungewöhnlich tragisches Ende, da sich heraustellt, dass Sargon und Thalassa nicht mehr fähig sind unter den Menschen zu leben, was dazu führt, dass sie in die Vergessenheit eintreten, wobei unklar bleibt, um was es sich dabei genau handelt. Es lässt sich aber vermuten, dass es für die beiden körperlosen Wesen den Tod bedeutet.

Zum ersten Mal in Star Trek hat Diana Muldaur eine Rolle, sie spielt in Folge 3.05: Die fremde Materie Dr. Miranda Jones. In TNG verkörperte sie in der zweiten Staffel die Rolle von Dr. Pulaski. Es ist zu vermuten, dass es sich bei Diana Muldaur um eine von Roddenberrys Lieblingsschauspielerinnen gehandelt hat.

Interessanterweise ist bei dieser Folge etwas unklar, wem das Drehbuch zuzuschreiben ist. Die Credits schreiben diese Ehre einem gewissen John Kingsbridge zu. In anderen Quellen, sowohl im Internet als auch in Buchform wird das Drehbuch jedoch Gene Roddenberry zugeschrieben, wobei die Story von John T. Dugan stammen soll. Es konnte trotz umfangreicher Recherche leider nicht festgestellt werden, wer nun tatsächlich das Drehbuch verfasst hat bzw. ob es sich bei John Kingsbridge eventuell um ein Pseudonym Roddenberrys handelt. Da jedoch in den Credits John Kingsbridge aufgeführt wird, wurde dies so für den Episodenführer übernommen.
Regie führte Stammregisseur Ralph Senensky.

Die Folge muss man eigentlich im Original gesehen haben, da in der vom ZDF erstellten deutschen Version einiges verändert wurde. Zunächst wurden Sargon, Henoch und Thalassa mit anderen Stimmen versehen, während sie in den Körpern von Kirk, Spock und Mulhall stecken. Im Original sprechen die drei weiterhin mit den Originalstimmen von William Shatner, Leonard Nimoy und Diana Muldaur, was ja auch deutlich mehr Sinn macht, denn wieso sollte sich die Stimme verändern, wenn die Körper unangetastet bleiben?
Außerdem wurden im Deutschen einige wichtige Szenen geschnitten. Es fehlt zum Beispiel eine Szene, in der Sargon Kirks Körper zum ersten Mal entdeckt. Außerdem fehlt noch ein Teil der Konferenzraum-Szene. Kirk versucht dabei McCoy zu überzeugen, dem Experiment zuzustimmen. Er ist der Meinung, dass die Menschheit heute nicht dort wäre wo sie ist, wenn man aus Angst vor dem Unbekannten immer nein gesagt hätte. Außerdem fehlt noch eine Szene, in der sich Sargon und Thalassa an ihre Vergangenheit erinnern. Zwei kleinere Einstellungen, welche vom ZDF ebenfalls geschnitten wurden, wurden in der Sat.1-Version später restauriert und wieder eingefügt. Die Schnitte vom ZDF sind (wieder einmal) wenig nachzuvollziehen, da es sich dabei um einige der eindrucksvollsten Szenen der Folge handelt.
Die DVD-Version enthält alle Szenen, auch die, die in der restaurierten Sat.1-Version noch fehlten. Die anderen Veränderungen blieben jedoch erhalten.

Alles in allem ist "Geist sucht Körper" keine grandiose Folge, aber immerhin solide Star Trek-Kost.

Spannung: 4 SFX: 3 Handlung: 4 Gesamt: 4
Zusammenhänge

Majel Barrett ist in dieser Folge zum zum 11. Mal als Christine Chapel zu sehen. Das letzte Mal war sie in Folge 2.19: Der erste Krieg zu sehen. Ihr nächster Auftritt ist in 2.22: Stein und Staub.

Die Folge beinhaltet den ersten Auftritt von Diana Muldaur in Star Trek. Sie spielt in 3.05: Die fremde Materie Dr. Marion Jones und hatte in der zweiten TNG-Staffel eine wiederkehrende Rolle als Dr. Katherine Pulaski.

James Doohan, der Darsteller von Scotty, spricht in dieser Folge im Original Sargon. Doohan lieh bereits Trelanes Vater in 1.17: Tödliche Spiele auf Gothos seine Stimme und wird in 2.24: Computer M5 dem namensgebenden Computer seine Stimme leihen.

Kleine TOS-Statstik
1. zerrissene Shirts von Kirk: 0
Kirks Shirt bleibt in tadellosem Zustand.
2. Anwendungen von Spocks Nackengriff: 0
Spocks Nackengriff kommt hier nicht zum Einsatz.
3. Spocks "Faszinierend": 0 mal
Spock fasziniert hier nichts.
4a. Spocks "logisch": 2 mal
Spock findet Sargons Lichtsignale, mit denen er andeutet, dass er Spock beim Außenteam haben möchte, faszinierend.
Ebenso ist Spock von Sargons Geschichte fasziniert.
4b. Spocks "unlogisch": 1 mal
Spock findet es logisch, dass Sargon mit Hilfe von den Nachkommen rechnet.

Außerdem:
Spock an Kirk: "Selbst mit der mir eigenen Logik ist nicht alles zu erklären, Captain."
5. McCoys: "Ich bin Arzt und kein...": 0 mal
McCoy darf seinen berühmten Satz nicht sagen.
6. McCoys: "Er ist tot, Jim." und Variationen: 1 mal
Pille zu Thalassa: "Ich lasse mich nicht erpressen, von niemandem. Ich bin Arzt!"
7. tote Rothemden: 2
McCoy als er den umgekippten Kirk/Sargon findet: "Er ist tot."
Logbucheintrag von Dr. McCoy: "Sargon [in Kirks Körper] ist tot."
8. hysterisch kreischende Frauen: 0
Keine toten Rothemden diesmal.

Aber:
Kirk und Spock (bzw. ihre Körper) sterben, können aber wiederbelebt werden.
Henoch stirbt, als er Spocks vermeintlich toten Körper verlässt.
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Ausdruck vom: 08. 12. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tos2_20.htm