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TOS 2.24 Computer M5


The Ultimate Computer

Review: Matthias Weber
Statistik: Elisabeth Leidenfrost

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 4729,4
Die Enterprise wird zur nächstgelegenen Raumbasis zurückgerufen. Dort angekommen beamt Commodore Robert Wesley an Bord. Er erklärt Kirk, dass die Enterprise ausgesucht wurde, um das neue Computersystem M5 zu testen. M5 wurde von Dr. Richard Daystrom erfunden, der bereits in sehr jungen Jahren ein Computergenie war und eine Revolution der Computertechnik ausgelöst hat. M5 soll ein Raumschiff völlig ohne Hilfe der Crew steuern können und der größte Teil der Enterprise-Crew scheint bei diesem Unterfangen auch überflüssig sein. Kirk soll lediglich mit 20 Mann an Bord bleiben.

Daystrom beamt an Bord der Enterprise und installiert M5 im Maschinenraum. Alle außer Spock scheinen zunächst recht skeptisch gegenüber dem neuen Computer zu sein, vor allem auch, weil dieser sie alle ersetzen soll, sogar den Captain.

Als M5 installiert ist, verlässt die Enterprise die Raumstation und fliegt den Planeten Alpha Carinae II an, den man erkunden soll. M5 erledigt seine Arbeit eindrucksvoll und trifft viele Entscheidungen bevor Kirk sie befiehlt. Dann nähern sich die beiden Sternenflottenschiffe Excalibur und Lexington, die einen Angriff auf die Enterprise simulieren. M5 wehrt den Scheinangriff erfolgreich ab.

Kirk ist deprimiert, weil M5 ihm seinen Posten streitig zu machen scheint. McCoy kann den Captain jedoch wieder aufmuntern.

Als sich die Enterprise dem Frachter Wooden nähert, macht M5 seinen ersten Fehler. Er sieht in dem unbemannten Schiff eine Gefahr und zerstört es, ohne dass die Crew etwas dagegen unternehmen kann. Man kann M5 nicht abschalten. Kirk will ihm die Energieversorgung nehmen, doch als Ensign Harper dies erledigen will, wird er von M5 durch einen Energiestrahl getötet. Der Computer verschlingt nun immer größere Mengen Energie.

Spock und Scotty wollen M5 die Energie per Handsteuerung nehmen, doch das System durchschaut auch ihren Plan und überlistet sie. Daystrom gibt zu, dass er M5 seine eigenen Denkstrukturen einprogrammiert hat. M5 kann somit denken und handelt nun ähnlich wie ein Mensch, dessen Leben bedroht wird. Er kämpft also ums Überleben.

Inzwischen nähern sich die Schiffe Excalibur, Lexington, Potemkin und Hood, um einen weiteren Scheinangriff durchzuführen. M5 unterscheidet nicht zwischen Freund und Feind und greift sofort an. Obwohl Wesley mit seiner Flotte in der Überzahl ist, kann er gegen die Enterprise mit M5 nichts ausrichten. Es gibt auf allen Schiffen schwere Schäden.

Uhura kann keinen Kontakt zu den anderen Schiffen mehr herstellen, M5 blockiert alle Frequenzen. Als er die Excalibur schließlich zerstört, erbittet Wesley von der Sternenflotte die Erlaubnis, die Enterprise zu vernichten.

Daystrom versucht M5 dazu zu überreden, mit den Angriffen aufzuhören. Er sieht den Computer als sein Kind an, doch M5 hört nicht auf ihn und Daystrom bricht schon bald zusammen und wird auf die Krankenstation gebracht.

Kirk redet nun mit M5. Er macht ihm klar, dass er gemordet hat. Da Daystrom ihm einprogrammiert hat, dass Mord Unrecht ist, bestraft sich M5 selbst und schaltet sich ab. Kirk lässt die Schilde senken, während sich Wesleys Flotte wieder nähert. Wesley erkennt, dass keine Gefahr mehr besteht und lässt den Angriff auf die Enterprise abbrechen.

Die Enterprise kehrt zur Raumstation zurück, wo Daystrom geholfen wird.




Bewertung

Am Ende der zweiten Staffel häufen sich nun doch die Klischees der Serie. Kirk darf in fast jeder zweiten Folge die Hauptdirektive verletzten, die Rothemden sind vom Aussterben bedroht, Spock überlebt oft nur wegen seines grünen Blutes und Kirk darf hier erneut einen Computer zu Tode argumentieren.

Wiederum geht es darum was höher einzuschätzen ist, ein Mensch oder eine Maschine. Wer handelt logischer, arbeitet der Mensch oder der Computer effizientier? Kann ein Computer Entscheidungen treffen? Ist es erstrebenswert, wenn ein Computer den Menschen Befehle gibt? Und birgt diese Konzentration auf den Computer Gefahren? Dies sind die Fragen, mit denen sich "Computer M5" auseinandersetzt. Letztendlich stellt sich die Folge ganz klar auf die Seite der Menschen. Kein Computer kann die menschlichen Aufgaben so gut erledigen, dass der Mensch überflüssig wird. Die Folge betont, dass der Computer ein wichtiges und gutes Werkzeug ist, um viele verschiedene Arbeiten zu erledigen, doch er muss immer unter der Kontrolle des Menschen bleiben, und nicht umgekehrt. Der Computer darf nie mächtiger werden als seine Erbauer. Die Folge sagt sogar, dass es gefährlich sein kann, sich zu sehr auf eine Maschine zu verlassen.
Dieses interessante Thema wird in der Folge durchaus gelungen behandelt. Man kennt das Problem bereits zum Teil aus der Folge 1.23: Krieg der Computer.

Neben dieser interessanten Thematik kann "Computer M5" vor allem charakterseitig überzeugen. Unter hohem Zeitdruck und unter ständiger Lebensgefahr sind die Hauptcharaktere gezwungen, schnell und effektiv zu handeln. Kirk ist von Anfang an misstrauisch gegenüber M5. Außerdem fühlt er sich in seiner Ehre verletzt, da es für ihn völlig ungewohnt ist, auf seinem eigenen Schiff keine Kommandogewalt mehr zu haben. Auch wenn Kirk dies immer abstreitet, so kann man nicht leugnen, dass er sich durch M5 bedroht fühlt. Daystrom hat vielleicht gar nicht so unrecht, wenn er sagt, Kirk fürchte um sein Prestige und seinen Ruhm, wenn er durch einen Computer ersetzt werden würde und andere Aufgaben übernehmen müsste.

Spock zeigt sich dieses Mal als sehr guter Kenner seines Captains. Er erklärt ihm in einem Gespräch auf der Brücke nachdrücklich, dass seine Dienste durchaus noch gebraucht würden, da eine Besatzung einen Captain benötige, dem sie sich anvertrauen kann und dessen Urteil sie schätzt.
Spock ist in dieser Folge jedoch auch von M5 fasziniert. Er ist zu Beginn weit weniger kritisch gegenüber der Maschine eingestellt, als die anderen. Der Vulkanier hatte schon immer eine besondere Beziehung zu Computern, da sie ähnlich logisch handeln, wie er selbst.

Auch McCoy versucht Kirk zu helfen und ihn zu unterstützen. Die Dialoge zwischen ihm und dem Doktor sind sehr gelungen, und die besondere Situation unterstreicht die Tatsache, dass McCoy in Kirks Kabine sogar einen Schnaps vorbeibringt. Wann hat es das schon gegeben?

Von Scotty würde man als Ingenieur eigentlich etwas mehr Begeisterung für M5 erwarten, doch für ihn ist die neue Erfindung nichts anderes als ein Fremdkörper.

Daystrom ist ein interessanter Gastcharakter. Er hat schon sehr früh eine große Erfindung gemacht und wurde daduch berühmt. Seither sieht er sich mit Neidern konfroniert, die seine Erfindung als Zufall verspotten. Er versucht deswegen etwas ähnlich Neues zu generieren und hat deswegen zu M5 auch eine besondere Beziehung. Er sieht den Computer als sein Kind an. Daystrom wurde in Fankreisen recht populär. In den Nachfolgeserien wurde oft ein Daystrom-Institut erwähnt, eine Föderations-Forschungseinrichtung, die nach Richard Daystrom benannt wurde.

Einen interessanten selbstironischen Gag enthält die Folge als M5 feststellt, dass Kirk und McCoy für die Erforschung des Planeten unwichtig sind. In der Tat fragt man sich als Zuschauer des Öfteren, warum die beiden so oft Außenmissionen begleiten, obwohl sie meist wenig Sinnvolles beitragen können. Das liegt jedoch natürlich daran, dass Kirk und McCoy zwei der wichtigsten Hauptpersonen der Serie sind und deswegen natürlich auch im Mittelpunkt der Handlung stehen. Dies war auch ein Problem, mit dem TNG eine Zeitlang zu kämfen hatte. Dort saß Picard am Anfang oft auf der Brücke herum, während sich auf dem Planeten unter Rikers Führung das eigentlich Wichtige abspielte.

Die Handlung von "Computer M5" erscheint an manchen Stellen etwas unlogisch. So ist es unglaubwürdg, dass eine so gravierende Fehlfunktion wie das Zerstören eines unbemannten Frachters bei den sicher sehr umfassenden Tests nicht entdeckt wurde. Fraglich ist außerdem, wie M5 zu der Ansicht gelangt, dass es sich bei den anderen Schiffen um Angreifer handelt. Dass ein so perfektes Computersystem den Unterschied zwischen Freund und Feind, zwischen Simulation und Wirklichkeit nicht erkennt, erscheint seltsam.

Dass M5 von Kirk zur Selbstzerstörung überredet werden kann, setzt der Unglaubwürdigkeit natürlich die Krone auf. Diese Auflösung hat schon in den Folgen 1.21: Landru und die Ewigkeit und 2.03: Ich heiße Nomad nicht überzeugen können, und sie kann es hier noch viel weniger. Wenigstens wurde Kirks Ansprache an M5 dieses Mal recht kurz und unspektakulär gehalten.
Trotzdem drückt die Auflösung die Bewertung der Folge deutlich nach unten.

Erneut zum Einsatz kam hier das Schläferschiff aus 1.22: Der schlafende Tiger, welches hier für den Frachter Wooden Modell stand. Außerdem durfte man kurz das Raumstationsmodell aus 2.15: Kennen Sie Tribbles? wiedersehen. Bei den anderen Föderationsschiffen handelt es sich erneut um Schwesterschiffe der Enterprise, allerdings darf Wesley in einem Kommandosessel mit höherer Rückenlehne sitzen. Diese Lehne kennen wir bereits aus 2.04: Ein Parallel-Universum.

Unter den Gaststars gibt es dieses Mal keine wiederkehrenden Charaktere.
Geschrieben wurde die Folge von Stammautorin D.C. Fontana, die damit ihr letztes Drehbuch zur zweiten Staffel ablieferte. Storyautor Laurence N. Wolfe arbeite nur einmal für die Originalserie.
Produzent John Meredyth Lucas führte hier zum ersten Mal Regie.

Die deutsche Version kommt wieder einmal vom ZDF, welches einige Szenen geschnitten hat, die aber fast alle inzwischen wieder eingefügt wurden. Es fehlen nun nur noch einige wenige Sekunden in der Mitte der Folge, in denen Spock Dr. McCoy erklärt, was es mit Commodore Wesleys Gruß an Captain Dunsel auf sich hat. Dieser Gruß ist in der deutschen Version zwar enthalten, doch nur im Original erklärt Spock, dass es sich bei Dunsel um ein überflüssiges Zubehörteil handelt, welches von Sternenflotten-Kadetten so genannt wird. Wesley bezeichnet mit Dunsel also den "überflüssigen" Captain Kirk. Im Original erwähnt Kirk "Dunsel" wenige Szenen später noch einmal, in der deutschen Version fiel das weg und man weiß eigentlich nicht so recht, wer oder was mit Dunsel gemeint ist.
Für die DVD-Version wurden auch die letzten noch fehlenden Szenen synchronisiert und eingefügt. Die Erklärung des Begriffs Dunsel ist somit wieder enthalten. Auch einige andere Dialogzeilen wurden neu synchronisiert, um Fehler in der Übersetzung zu korrigieren.

Alles in allem handelt es sich bei Computer M5 um eine durchaus spannende und stimmungsvolle Episode, mit interessanten Charakterstudien, die aber durch einige Ungereimtheiten und die schlechte Auflösung auf eine befriedigende Endwertung gedrückt wird.

Spannung: 5 SFX: 5 Handlung: 4 Gesamt: 4
Zusammenhänge

Barry Russo, der Darsteller von Commodore Wesley hatte bereits als Commander Giotto in 1.25: Horta rettet ihre Kinder einen Auftritt.

Sean Morgan (Ensign Harper) spielt in den Folgen 1.21: Landru und die Ewigkeit und 3.09: Das Spinnennetz die Rolle von Lieutenant O'Neil. In Folge 3.03: Der Obelisk spielt er einen Ingenieur.

James Doohan, der Darsteller von Chefingenieur Scott, spricht in dieser Folge im Original außerdem noch den Computer M5. Doohan lieh bereits Trelanes Vater in 1.17: Tödliche Spiele auf Gothos und Sargon in 2.20: Geist sucht Körper seine Stimme.

In dieser Folge geht Kirk erneut seiner Lieblingsbeschäftigung nach, Computer zur Selbstzerstörung zu überreden. Dies tat er bereits in 1.21: Landru und die Ewigkeit und 2.03: Ich heiße Nomad. Glücklicherweise wird er es in Zukunft nicht mehr tun.

In dieser Folge sieht man mit den Schiffen U.S.S. Hood, U.S.S. Lexington, U.S.S. Excalibur und U.S.S. Potemkin gleich vier Schwesterschiffe der Enterprise. In 2.06: Planeten-Killer sah man bereits die U.S.S. Constellation, in 2.23: Das Jahr des roten Vogels die U.S.S. Exeter. Die U.S.S. Defiant in 3.09: Das Spinnennetz wird das letzte Schwesterschiff sein, das in der Originalserie auftaucht. Der Grund, warum es in der Originalserie so viele Schwesterschiffe der Enterprise gibt, ist schlicht das knappe Budget, das keine weiteren Raumschiffmodelle außer dem der Enterprise zuließ.

Kleine TOS-Statstik
1. zerrissene Shirts von Kirk: 0
Kirks Shirt bleibt in tadellosem Zustand.
2. Anwendungen von Spocks Nackengriff: 0
Keine Eroberungen diesmal.
3. Spocks "Faszinierend": 1 mal
Spock setzt damit Daystrom außer Gefecht, der wahnsinnig zu werden droht.
4a. Spocks "logisch": 2 mal
Spock zu Dr. Daystrom: "Faszinierend Doktor, die M5-Multitronik übertrifft alles, was ich bisher gesehen habe."
Spock findet Daystroms Wahnsinn faszinierend.

Außerdem:
McCoy an Spock: "Bitte Spock, tun Sie mir einen Gefallen. Sagen Sie jetzt nicht 'faszinierend'."
4b. Spocks "unlogisch": 3 mal
Spock: "Captain, der Computer hat keine Ansichten. Er trifft logische Entscheidungen."
Spock zu McCoy, als dieser meint, ein Computer könne kein Captain sein: "Logisch denken, Dr. McCoy. Er erfüllt zumindest die Funktion eines Captains."
Spock: "Wie M5 gehandelt hat, war auf keinen Fall logisch.

Außerdem:
McCoy über M5: "Aber um mit Spocks Worten zu sprechen: Es handelt nicht logisch."
5. McCoys: "Ich bin Arzt und kein...": 0 mal
Spock findet diesmal nichts unlogisch.

Aber:
Spock zu McCoy: "Es wäre für mich hochinteressant, einen Computer mit ihren Denkstrukturen zu programmieren. Die daraus resultierende Sturzflut von Unlogik müsste sehr amüsant sein."
6. McCoys: "Er ist tot, Jim." und Variationen: 1 mal
McCoy bringt Kirk einen Drink ins Quartier: "Ich bin zwar nur ein Pillendreher, aber McCoys munteren Magentröster kennt man bis zum Orion."
7. tote Rothemden: 0
Kein Kommentar von Dr. McCoy.
8. hysterisch kreischende Frauen: 1
M5 tötet ein Rothemd (Ensign Harper), als dieser ihm die Hauptenergie abschalten will.

Außerdem:
Kirk überredet M5 zum Selbstmord.
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Ausdruck vom: 19. 08. 2019
Stand des Reviews: 24. 03. 2019
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tos2_24.htm