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TOS 1.10 Pokerspiele


T h e   C o r b o m i t e   M a n e u v e r

von Matthias Weber

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 1512,2
Während Kirk auf der Krankenstation von Dr.McCoy routinemäßig untersucht wird, kartographiert die Enterprise einen fremden Raumsektor. Der Navigator Lieutenant Bailey beschwert sich, dass man dies schon seit 5 Wochen tut und sich nichts bemerkenswertes ereignet.
Auf einmal kommt ein fremdartiger rotierender Würfel auf die Enterprise zu und versperrt ihr die Flugbahn.
Spock versucht an dem Würfel vorbeizufliegen, doch auch der Würfel ändert den Kurs und setzt sich wieder vor das Schiff. Jeglicher Versuch mit dem Würfel Kontakt aufzunehmen schlägt fehl. Die Situation wird gefährlich als der Würfel sich der Enterprise immer mehr nähert und dabei radioaktiv strahlt. Spock gibt Alarm rot.

Kirk bekommt vom roten Alarm zunächst gar nichts mit, da McCoy ihn nicht informiert. Als Kirk ihn später zur Rede stellt, sagt er, er habe zur Abwechslung mal eine Untersuchung bei ihm zu Ende führen wollen.

Der Würfel kommt immer näher und die Deflektoren können nicht mehr lange Schutz vor der radioaktiven Strahlung bieten. Kirk versucht mit Warp-Geschwindigkeit zu entkommen, doch der Würfel bleibt an der Enterprise dran. Kirk bleibt nichts anderes übrig, als den Würfel mit den Phasern zu zerstören. Im kritischen Moment hat Lieutenant Bailey etwas lang mit dem Ausführen von Kirks Befehlen, gezögert. Deswegen lässt Kirk ihn und die Phasermannschaft einige Übungsmanöver durchführen.
McCoy kritisiert unterdessen Kirk. Er wirft ihm vor Bailey zu schnell befördert zu haben. Mc Coy hat Bedenken, dass dieser mit seinen Aufgaben nicht fertig wird.
Kirk unterhält sich mit Spock über das, was sie in dem fremden Raumsektor erwartet. Spock ist der Meinung, dass man auf irgendeine Form von Intelligenz treffen wird, die technisch der Föderation vermutlich überlegen ist. Kirk entscheidet sich trotzdem weiterzufliegen.

Kurze Zeit später trifft die Enterprise auf ein riesiges kugelförmiges Raumschiff. Der Commander des fremden Raumschiffs, Balok, nimmt Kontakt mit der Enterprise auf. Er stellt sein Schiff als eines der ersten Föderation vor. Er beschuldigt die Enterprise die Warnboje zerstört zu haben und in fremdes Gebiet eingedrungen zu sein. Er kündigt die Zerstörung der Enterprise an, gewährt der Besatzung allerdings 10 Minuten, damit sie Vorbereitungen für ihren Tod treffen kann.
Kirk und seine Führungscrew überlegen, wie sie der drohenden Zerstörung entkommen können, doch selbst Spock fällt nichts mehr ein. Spock vergleicht ihre Situation mit einem Schach-Matt. Inzwischen dreht Bailey durch, er kann es nicht ertragen, dass alle so ruhig dasitzen und ihrem Tod entgegen sehen. Kirk lässt ihn ablösen und schickt ihn in sein Quartier.
Plötzlich fällt Kirk ein, wie er die Enterprise retten kann. Er nimmt mit dem fremden Schiff Kontakt auf und behauptet an Bord der Enterprise gäbe es eine Substanz names Corbomit, welche jede tödliche Waffe, die gegen das Schiff eingesetzt wird auf den Angreifer zurückführt und ihn damit zerstört.

Balok gibt zwar keine Antwort, doch er hat offenbar den Bluff geschluckt, denn als das Ultimatum verstreicht wird keine Waffe abgefeuert. Kurze Zeit später meldet sich Balok, er möchte einen Beweis für die Existenz des Corbomits, doch Kirk lehnt dies ab. Daraufhin wird die Enterprise von einem kleineren Schiff, dass sich vom Mutterschiff gelöst hat weggeschleppt. Balok gibt die neue Bestrafung bekannt. Die Crew wird in ein Straflager gebracht werden, während das Schiff zerstört wird.
Die Crew spielt zunächst mit, versucht aber, als sie weit genug vom Mutterschif weg ist, mit voller Maschinenkraft dem Traktorstrahl des kleinen Schiffes zu entkommen. Mit Hilfe der Impulskraft gelingt dies auch. Plötzlich fängt die Enterprise einen Notruf des kleinen Schiffes an sein Mutterschiff auf. Bei dem Ausbruchversuch der Enterprise wurden offenbar die Maschinen des kleinen Schiffes überlastet, nun treibt es mit Maschinenschaden im All.
Kirk entschließt sich dazu, auf das fremde Schiff zu beamen und der Crew zu helfen.
Auf dem fremden Schiff finden Kirk, McCoy und Bailey einen kleinen Jungen vor, Balok. Das, was die Crew als Balok gesehen hat war in Wirklichkeit eine Puppe, die der Crew lediglich Furcht einflößen sollte, da Baloks wahres Erscheinungsbild dies wohl kaum erreicht hätte. Außer dem Jungen gibt es sowohl auf dem kleinen, als auch auf dem Mutterschiff keine Crew. Auch der Maschinenschaden war nur fingiert um herauszufinden, ob die Enterprise-Crew friedliche oder feindliche Absichten hat.
Balok gesteht, dass er sich auf dem großen Schiff doch sehr einsam fühlt und möchte deswegen am liebsten einen Begleiter. Bailey erklärt sich bereit eine zeitlang auf dem Schiff zu bleiben. Zum Schluss führt Balok die drei noch durch das Schiff.


Bewertung
"Pokerspiele" ist eine typische Star Trek-Bottle Show. Bottle Show nennt man Folgen, die fast nur in den gewohnten Kulissen (hier also auf der Enterprise spielen) und die so gut wie ohne Guest Stars auskommen.
Solche Folgen sind natürlich budgetsparend und man könnte denken sie seien nicht sehr interressant. Doch gerade Star Trek zeigt (auch bei den neueren Serien) immer wieder, dass gerade die Bottle Shows zu den interessanten Folgen zählen.

So ähnlich ist es auch hier. Die Folge beschäftigt sich unter anderem mit der Angst vor dem Fremden, die man vor allem an Lieutenant Bailey gut beobachten kann. Zu Anfang scheint seine Angst auch durchaus gerechtfertigt zu sein. Balok scheint nicht gerade das zu sein, was man unter einer verständnisvollen Person versteht. Er ist zunächst keinerlei logischem Argument zugänglich, lässt sich durch nichts überzeugen und ist der Enterprise gegenüber einfach nur feindlich eingestellt.
Doch am Ende müssen die Enterprise Crew und der Zuschauer ihre Meinung komplett revidieren.

Dass sich Balok letztendlich als Kind entpuppt, das ebenso neugierig ist und ebenso viel Angst vor dem Unbekannten (sprich vor der Enterprise) hat, wie die Enterprise-Crew selbst, ist sehr originell und kommt durchaus überaschend. Außerdem zeigt es, dass man sich bei Star Trek sehr oft, vor allem bei fremden Lebewesen nicht auf den ersten Eindruck verlassen darf.

Bailey ist ein interessanter Seriengast. Endlich sehen wir auch mal ein Crewmitglied, welches nicht perfekt arbeitet und menschliche Reaktionen, wie Angst offen zeigt. Interessant ist, dass ausgerechnet Bailey, der die größten Vorurteile gegen Balok hatte und von Anfang schießen wollte, am Ende bei ihm auf dem fremden Schiff bleibt.

Die Folge ist für Star Trek sehr wichtig, da sie, wie kaum eine andere Folge der Originalserie die Ideale von Star Trek verdeutlicht. Kirk lässt ein Rettungsteam für Balok rüberbeamen, obwohl dieser die Enterprise vernichten wollte und es sicher die einfachere Lösung gewesen wäre, davonzufliegen und Balok seinem Schicksal zu überlassen. Was für Picard in TNG ganz selbstverständlich gewesen wäre, ist bei Kirk alles andere als selbstverständlich, da die Originalserie in einer ganz anderen Zeit entstanden ist und die Star Trek Ideale noch nicht dermaßen in Stein gemeiselt waren, wie heute bei den neueren Serien.

Kirk macht in dieser Folge überhaupt eine gute Figur. Ganz besonders kommen hier seine Fähigkeiten zum Tragen, seine Crew und sein Schiff aus einer schier ausweglosen Situation doch noch heil herauszubringen. Dabei setzt er des öfteren, wie hier, einen Bluff ein, was ein glänzende Idee ist, auf die nicht mal Spock gekommen wäre.
Auch sonst behält er den Überblick, hat seine Mannschaft im Großen und Ganzen im Griff, hört sich ihre Vorschläge an und hat dann die entscheidende Lösung parat.

Wie im 13 Jahre später entstandenen Star Trek - Der Film geschieht in dieser Folge oft sehr wenig und die ganze Crew starrt unentwegt auf den Bildschirm, ohne etwas zu sagen. Allerdings kommen diese Passagen in ST 1 derart geballt, dass sie die eh schon schwache Spannung auf Null abbremsen. Hier sind diese Phasen der Tatenlosigkeit eher kurz und steigern die Spannung eher, als dass sie ihr schaden.

McCoy sammelt hier leider keine Pluspunte, zunächst einmal verschweigt er Kirk den roten Alarm, was nicht gerade sehr professionell ist (auch wenn man sich fragt, wieso es ausgerechnet in der Krankenstation einen stummen Alarm gibt, während man den roten Alarm überall sonst auf dem Schiff mit lautem Signal mitgeteilt bekommt) und dann nervt er Kirk auch noch mit Bailey und das, obwohl Kirk gerade über eine Lösung nachdenkt, wie er die Enterprise innerhalb von 3 Minuten retten kann. In dieser Situation gibt es zwei Möglichkeiten, entweder die Enterprise wird zerstört, dann hätte sich das Bailey-Problem eh erledigt, oder Kirk fällt ein Plan zur Rettung ein und dann hätte McCoys Meinung über Baileys Beförderung auch noch die paar Minuten warten können.

2 kleinere Mankos gibt es noch. Zum einen zeigt sich an Janice' Rolle in der Folge viel zu deutlich die Rollenverteilung der 60er Jahre. Sie darf den Männern den Kaffee und Kirk das Essen servieren, wobei sie von diesem dann noch entsprechend schroff behandelt wird. Auffallend ist hier die Distanz zwischen Rand und Kirk, in den späteren Folgen entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft, die in einer Beziehung hätte münden können, hätten die Produzenten es zugelassen und nicht Grace Lee Whitney gefeuert. Allerdings wird diese langsame Etwicklung der Beziehung der beiden dadurch zunichte gemacht, dass die Produktionsreihenfolge nicht mit der Ausstrahlungsreihenfolge übereinstimmt. Dadurch erscheint das Verhältnis der beiden ziemlich willkürlich. In der einen Folge verstehen sie sich gut, in der anderen können sie sich nicht leiden.

Das zweite kleine Manko ist der Schauspieler des jungen Balok, der leider nicht sonderlich überzeugen kann. Es handelt sich hierbei um Clint Howard (bei den Dreharbeiten erst 7 Jahre alt), den Bruder des Hollywood-Regisseurs Ron Howard ("A Beautiful Mind").

"Pokerspiele" ist die erste regulär produzierte Star Trek Folge. 1.00: Der Käfig wurde bereits 1964 produziert, dann von NBC abgelehnt, woraufhin 1965 1.03: Die Spitze des Eisbergs produziert wurde und 1966 mit "Pokerspiele" die reguläre Produktion der ersten Staffel beginnen konnte. Deswegen hat Uhura hier auch noch ihre gelbe Uniform, anstatt der roten, wie in den späteren Folgen. Uhura war sowieso eine Idee der letzten Minute, zunächst sollte Bailey der Kommunikationsoffizier werden, deswegen kommt auch Baloks erste Nachricht über die Navigationskonsole herein.

Diese Folge beinhaltet Grace Lee Whitneys 6. Auftritt als Yeoman Janice Rand.
Autor Jerry Sohl war auch an den Storys zu 1.24: Falsche Paradiese und 3.14: Wen die Götter zerstören beteiligt.
Regisseur Joseph Sargent arbeitete nur dieses eine Mal für die Serie.

Das ZDF schnitt bei der deutschen Erstaustrahlung, wie üblich einige Szenen, welche Ende der 80er Jahre allerdings alle von Sat.1 wieder restauriert wurden. Der deutsche Titel unterscheidet sich zwar wieder vom Original, ist dieses Mal aber ausnahmsweise geschickt und mit Bezug zur Handlung gewählt.
Stattdessen stellt sich in dieser Folge die Frage, was an der Übersetzung von Zahlenwerten so schwierig ist. Neben einer Änderung der Sternzeit (die nicht weiter ins Gewicht fällt, da diese in der Originalserie eh ziemlich wilde Sprünge macht), gibt Sulu bei Baloks Countdown einmal die falsche Zeit an. Im Original ist die Rede von 7 Minuten und 41 Sekunden, während der deutsche Sulu von 4 Minuten und 21 Sekunden spricht. Besonders unsinnig ist dies deswegen, weil Bailey wenige Augenblicke vorher noch durchgedreht ist, weil er nur noch 8 Minuten zum Leben hat.
Yeoman Janice Rand hatte in der deutschen Version bei fast allen ihrer 8 Auftritte verschiedene Ränge und Posten. Dieses Mal wird sie sogar als Bedienung bezeichnet.
Die DVD hat keine Fehler der Synchronisation korrigiert.

Die Folge wurde aus 2 Gründen erst als 10. gesendet. Zunächst einmal gab NBC immer Folgen den Vorrang, die auf irgendwelchen Planeten spielten, wohl um den Zuschauer durch die vielen fremden Welten für die Serie zu begeistern, außerdem ließen bei der Folge die Special Effects lange auf sich warten, was man auch durchaus sieht, denn die Effekte gehören zu den gelungensten der ersten Staffel. Neue Kulissen gab es zwar wenig (Baloks Schiff war in Wirklichkeit der Konferenzraum der Enterprise, nur durch Tücher verhüllt), der kleine rotierende Würfel und auch die riesige Raumschiff-Kugel, gegenüber der die Enterprise wie ein Zwerg aussieht, können dagegen aber überzeugen. Hinweise, dass es sich bei dieser Mission um die erste der Enterprise handelt wurden aus dem Drehbuch entfernt.

Alles in allem eine rundum gelungene Folge, die in allen Bereichen überzeugen konnte und der man zum ersten Mal gerne die Gesamtnote Gut gibt.
Spannung: 5 SFX: 5 Handlung: 5 Gesamt: 5
Zusammenhänge
Grace Lee Whitney ist dieses Mal zum 6. Mal in der Rolle von Yeoman Janice Rand zu sehen. Sie war zuletzt in 1.08: Miri, ein Kleinling dabei. Ihr nächster Auftritt ist in 1.13: Kodos, der Henker.

Ted Cassidy der im amerikanischen Original Balok seine Stimme gab, sahen wir zuletzt in Folge 1.07: Der alte Traum als Ruk. In Folge 1.18: Ganz neue Dimensionen wird er dem Gorn seine Stimme leihen.

Ebenfalls ein Wiedersehen gibt es mit Clint Howard, bei dem es sich um den Bruder des bekannten Regisseurs Ron Howard ("Apollo 13") handelt. Howard spielt Grady in der DS9 Folge 3.12: Gefangen in der Vergangenheit Teil 2.
Kleine TOS-Statstik
1. zerrissene Shirts von Kirk: 0
Kirks Shirt bleibt in tadellosem Zustand.
2. Anwendungen von Spocks Nackengriff: 0
Spocks Nackengriff kommt hier nicht zum Einsatz.
3. Spocks "Faszinierend": 0 mal
Spock fasziniert hier nichts.
4a. Spocks "logisch": 5 mal
Den rotierenden Würfel, der der Enterprise den Weg versperrt, findet Spock "faszinierend".
Die Vorstellung, dass die Enterprise für immer an dem Würfel hängen bleibt findet Spock "nicht unbedingt faszinierend".
Ebenfalls "faszinierend" findet Spock das fremde Schiff, die Fresarius.
Als Balok einige Systeme der Enterprise lahmlegt, kommentiert Spock das mit einem "Faszinierend".
Als Kirk mit seinem Bluff erfolgreich ist, sagt Spock: "Ein faszinierendes Spiel: Poker!".

Außerdem:
Kirk findet McCoys psychologische Fähigkeiten faszinierend.
4b. Spocks "unlogisch": 2 mal
Spock findet es logisch, dass der Würfel der Enterprise von einer intelligenten Lebensform entgegengesendet wurde.
Spock kann Kirk keine Alternative anbieten, die logisch wäre.

Außerdem:
Als Kirk Kurs auf Balok befiehlt, fragt Spock: "Kurs auf ihn?", woraufhin Kirk entgegnet: "Ist doch logisch".
5. McCoys: "Ich bin Arzt und kein...": 1 mal
Als Kirk fragt, ob sie noch eine Chance haben, entgegnet Spock: "Das ist unlogisch. Nach einem Schach-Matt gibt es keine Chance mehr."
6. McCoys: "Er ist tot, Jim." und Variationen: 1 mal
Endlich erleben wir die Geburt von McCoys berühmtem Satz: Er sagt:
"Ich bin schließlich Arzt und kein Raumschiffschaffner."
7. tote Rothemden: 0
Diesmal überleben alle.
8. hysterisch kreischende Frauen: 0
Selbst die Rothemden bleiben verschont.
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Ausdruck vom: 08. 02. 2012
Stand des Reviews: 21. 04. 2010
URL: http://www.startrek-index.de/tv/tos1_10.htm