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Das Gute und das Böse

von Andrej Schwabe und Florian Schwabe, 06.09.2004

Judith und Garfield Reeves-Stevens Judith und Garfield Reeves-Stevens haben bereits drei Star Trek-Romane und zahlreiche sehr gute und erfolgreiche Star Trek-Sachbücher verfasst. Sie leben in Los Angeles, sind seit 1987 ein Autorenteam und ergänzen seit einiger Zeit den Autorenstab der neusten Star Trek-Serie "Enterprise". Ihren Internetauftritt findet man unter www.reeves-stevens.com.

Handlung:
Die Föderation Zefram Cochrane erfindet im 21. Jahrhundert den Warpantrieb. Allerdings in der krisengeschüttelten Zeit vor dem 3. Weltkrieg, in der ein nach Weltherrschaft gierender Faschist namens Adrik Thorsen versucht, von Cochrane das Geheimnis der "Warpbombe" zu erpressen.
Im 22. Jahrhundert erfährt Captain Kirk während der Reise zum Planeten Babel ("Reise nach Babel"), dass ein Passagierschiff in der Nähe des Planetoiden verschwunden ist, auf dem er Cochrane ein halbes Jahr zuvor zurückgelassen hatte ("Metamorphose"). Doch dort findet er nur ein zerstörtes Haus vor und keine Spur von Cochrane - nur von seiner Gefährtin Nancy Hedford.

Kritik:
Als ob zwei Zeitebenen nicht schon genug wären, führen die beiden Autoren noch eine dritte ein, die in der Zeit von Captain Picard spielt. Als Leser fragt man sich lange, wie die unterschiedlichen Handlungsstränge nun eigentlich zusammenhängen, woraus der Roman sehr viel Spannung gewinnt und am Ende jeden Kapitels stets den dringenden Wunsch weckt weiterzulesen.
Dann, ungefähr bei der Hälfte des Romans, wird einem langsam klar, dass wohl Zefram Cochrane eine nicht geringe Rolle bei der Lösung des Rätsels spielen wird. Bis zur Lösung ist es aber für Cochrane, Kirk und Picard ein weiter Weg - ständig werden die Karten neu gemischt, ändern sich Freund und Feind. Bis zum Ende bleibt "Die Föderation" ein großes, unergründliches Rätsel - und das ist es auch, was vielen Star Trek-Episoden zu unvergesslichem Erfolg verholfen hat.

Doch nicht nur die Komplexität der Geschichte zeichnet diesen Roman aus, auch die Charakteren sind vortrefflich ausgestaltet.
Zefram Cochrane ist im Rahmen von TOS absolut realistisch beschrieben, man merkt ihm seine Neugierde und Ehrfurcht vor der Entwicklung "seiner" Warptechnik förmlich an, man fürchtet mit ihm zusammen um sein Leben auf der Erde des 21. Jahrhunderts und man versteht, wie sehr er den Companion bzw. Nancy Hedford lieben muss. Leider, und das ist ein riesiges leider, deckt sich seine Persönlichkeit nicht mit der des Zeframs aus "Star Trek: First Contact". Auch die Geschichte des ersten Warp-Flugs ist hier anders dargestellt als im Kinofilm erzählt. Dies tut der Geschichte und dem Charakter jedoch überhaupt keinen Abbruch.
Sein großer Widerstreiter Colonel Adrik Thorsen ist hingegen für meinen Geschmack etwas einfach gezeichnet, passt aber trotzdem gut in die Geschichte. Er verkörpert das Böse im Menschen, die unersättlich und alles zerstörende Gier nach Macht und Ehre. Damit ist er der klassische Gegenspieler von Cochrane und dies wäre keine ordentliche Star Trek-Geschichte, wenn er nicht sein gerechtes Ende finden würde.
Die zwei Crews der alten und neuen Enterprise wirken sehr echt, man wähnt sich wie in einer der richtig guten Episoden mit viel Charme und Witz. Fehlen darf bei einer solchen Zeitreise-Story natürlich auch auf keinen Fall eine (grandios erklärte) Botschaft von Kirk an Picard.

Ein bisschen zurückstecken muss man als Leser allerdings am Ende, wenn die zwei Enterprises sich auf ein Schwarzes Loch zubewegen und die Geschichte etwas unglaubwürdig und konstruiert wird, auch wenn die Autoren viel wissenschaftliches Geschütz auffahren, um die Story dennoch halbwegs realistisch wirken zu lassen. Trotzdem ist dies, glaube ich, für einer der aufregendsten Teile des Buches, denn Kirk schickt die Enterprise direkt in das Schwarze Loch...

Judith und Garfield Reeves-Stevens haben einen großen Roman geschaffen, eigentlich gedacht als Abschied von Kirk von der Raumfahrt. Viele Situationen zeigen Parallelen zu Star Trek VI: Kirk macht seine letzte Reise und wir erleben ihn noch einmal bei dem, was er am besten kann: Die Föderation retten. Und mit voller Absicht sind diese Passagen auch wehmütig und nostalgisch geschrieben.
Aber letztlich ist "Die Föderation" viel mehr als das: Es zeichnet die Ideale nach, die den Geist der Föderation ausmachen: Menschlichkeit, Güte und Fortschritt. Die Autoren können dies nicht oft genug betonen.
Sicherlich wirkt dies kitschig und sicherlich ist das alles viel zu einfach und optimistisch gedacht, doch die beiden Autoren formulieren damit eine wichtige Botschaft: Die Hoffnung stirbt zuletzt, das Leben geht weiter - und wenn jeder täglich sein Bestes probiert, dann ist es möglich, eines Tages eine bessere Welt für alle zu erschaffen, die frei ist von den heutigen Problemen wie Krieg, Hunger, Gewalt etc. Und dafür stehen die drei Figuren Cochrane, Kirk und Picard allemal.

Fazit: Hut ab vor diesem fantastischen Buch. Teils ein wenig zu lang, aber dennoch absolut empfehlenswert und sein Geld wert!

Infos:
STAR TREK, Band 84
Titel: Die Föderation (Federation)
Autor: Judith und Garfield Reeves-Stevens
Erscheinungsjahr: Deutschland: 2000, USA: 1994
Deutsche Übersetzung von Ronald M. Hahn
Preis: 8,50 €
Wilhelm Heyne Verlag, München
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