Deutscher StarTrek-Index  

Zwei Welten - zwei Portale

von Andrej Schwabe, 22.08.2014

Inhalt:
Durch die Rückkehr der Iconianer und ihrer Technologie können die Markanianer und die Aeroner wieder gegeneinander kämpfen, nachdem sie ein Jahrhundert durch die Thallonianer daran gehindert wurden, indem sie auf unterschiedliche, weit entfernte Planeten umgesiedelt wurden. Kurze Zeit später wird die königliche Familie der Aeroner umgebracht, offenbar mit der Hilfe der iconianischen Portale. Ein perfektes Szenario, um die Kreativität und Cleverness von Captain Calhoun von der Excalibur und Captain Shelby von der Trident zu testen, die von der Sternenflotte geschickt werden, um die Portale auszuschalten.

Kritik:
Kalte Kriege David hält sich nicht lange mit einer Einführung auf, sondern lässt den Leser sofort Zeuge der Ermordung der aeronischen Königsfamilie werden. Die Ausgangslage ist klar: Beide Captains müssen die zwei verfeindeten Spezies vor einem sinnlosem Krieg bewahren, der über Portale auf beiden Seiten ausgetragen würde, und gleichzeitig mehr über die Iconianer und ihre Ziele erfahren. David spart auch nicht mit mehr oder weniger offensichtlichen Bezügen zu unserer Gegenwart, wenn er die zwei Völker sich auf religiöse Ansprüche aus ferner Vergangenheit berufen lässt. Am Ende stellen sich diese Ansprüche aber als wertlos heraus, weil der hart umkämpfte heilige Ort einer Wüste gleicht und so gar nicht die Erwartungen der zwei Kontrahenten erfüllt.
Das Iconianer-Thema bleibt leider im Hintergrund und bildet lediglich den Rahmen der Handlung, was recht unbefriedigend ist. Erst am Ende geht es hier etwas grundlegender zur Sache, aber auch wieder ohne neue Erkenntnisse. Dies war bereits im DS9-Roman "Dämonen der Luft und Finsternis" der Fall und wirft ein bedenkliches Licht auf die Portale-Reihe. Es drängt sich der Gedanke auf, dass ähnlich wie in der "Doppelhelix"-Reihe erst im letzten Roman überhaupt nennenswerte Informationen zu den Iconianern auftauchen werden.

Was diese doch recht typische Trek-Geschichte trotzdem interessant macht, ist wie üblich Davids lebendiger Schreibstil, der die Handlung immer am Laufen hält und gleichzeitig viel Interesse für die Charaktere aufbringt. Und da birgt dieser Roman viel Potential. Shelby ist nun Captain der Trident und ihre Besatzung ist mindestens genauso einzigartig wie die der Excalibur. Während Shelby sichtlich von Calhouns Führungsstil geprägt ist (wodurch sie ja in "Restauration" bereits einige Probleme bekommen hat), verkörpert die ebenfalls von der Excalibur gewechselte Erste Offizierin Müller eiskalte Prinzipientreue, die ein wenig an die junge Shelby aus TNG erinnert. Beide versprechen ein interessantes Zweiergespann zu werden.
Eine sehr unterhaltsame Idee ist die Einbindung der katzenähnlichen M'Ress und des dreiarmigen Arex aus Kirks Zeiten (Star Trek Animated), die offenbar durch einen Zeitsprung (ausgelöst durch die Iconianer) in der New Frontier-Gegenwart landen und auf die Trident versetzt werden. Beide gehen ganz unterschiedlich mit der Tatsache um, dass hundert Jahre vergangen sind, was natürlich viel Gelegenheit für amüsante Kommentare und Situationen bietet, die die ziemlich konventionelle Story auflockern.
Am Schluss des Romans macht das frisch gebackene Ehepaar Shelby und Calhoun dann noch Erfahrung mit dem Walhalla der Xenexianer (ganz ähnlich wie Kira in "Dämonen der Luft und Finsternis"). Und irgendwie hat man inzwischen das Gefühl, dass die ständigen Nahtod-Erfahrungen Calhoun mit jedem Mal kompromissloser und härter werden lassen. Überraschende Erkenntnis: Shelby lässt sich immer noch mit einem drohenden Borg-Angriff reanimieren - vielleicht eine der besten Szenen des ganzen Buches.

Die Geschichte um die zwei Portale und den drohenden Kampf wird von Seite zu Seite immer mühseliger. Aber wie geht es weiter mit den Portalen und den Iconianern? Das müssen wohl die Nachfolgeromane klären. "Kalte Kriege" findet darauf kaum Antworten.


Infos:
Star Trek: New Frontier
Band 10
Titel: Kalte Kriege (Gateways - Cold Wars)
Autor: Peter David
Erscheinungsjahr: Deutschland: 2014, USA: 2001
Deutsche Übersetzung von Claudia Kern & Helga Parmiter
Preis: 12,80 €
Cross Cult Verlag

Mit freundlicher Unterstützung vom Cross Cult Verlag

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