Deutscher StarTrek-Index  

Der zweite Versuch

von Andrej Schwabe, 17.09.2014

Inhalt:
Die Enterprise-Crew wird auf der Erde Zeuge einer erschreckenden Serie von Terroranschlägen, die unter anderem Christopher Pike das Leben kosten. Der Schuldige ist schnell gefunden und wird nun vom Flaggschiff bis zum klingonischen Heimatplaneten verfolgt, wo sich ein dramatischer Showdown abzeichnet, denn auch die Sternenflotte selbst ist in die Sache verwickelt.

Kritik:
Into Darkness Wer sein Herz für den Vorgänger "Star Trek" nicht erwärmen konnte, war 2013 im Kinosessel sicherlich ein weiteres Mal enttäuscht. Zwar auf dem neusten Stand der 3D-Technik und mit brillanten Effekten gewappnet, konnte der Film unglücklicherweise nur mit einer sprunghaften und manchmal etwas sinnfreien Story aufwarten, die einen von einem Gefechtsschauplatz zum nächsten trug. Man könnte jetzt die unzähligen haarsträubenden Logikfehler aufzählen: Wie kann die Enterprise tief in den klingonischen Raum eindringen, ohne entdeckt zu werden? Wieso ist die Reise zwischen dem klingonischen Heimatplaneten und der Erde ein Katzensprung? Und die übliche Frage: Wie kann Admiral Marcus eine neues, waffenstarrendes Schiff bauen lassen und Khan für seine Zwecke benutzen, ohne dass jemand davon Wind bekommt?

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Charaktere entwickeln sich nur mühsam weiter, sind gefangen in den endlosen Action-Szenen, die die Geschichte antreiben. Die Beziehung zwischen Spock und Uhura driftet stellenweise ins Lächerliche ab, obwohl Uhura insgesamt gesehen angenehmerweise deutlich bestimmter als in der originalen TV-Serie gezeichnet ist. Weitere einsame Lichtblicke sind Scotty und sein kleinwüchsiger Assistent und natürlich McCoy. Viele notwendige Weiterentwicklungen der Charaktere werden nur angedeutet, wie zum Beispiel die von Spock, der nach der Vernichtung Vulkans offenbar deutlich aggressiver geworden ist und Khan ordentlich verprügelt, nachdem Kirk wegen Khans Angriff erst mal verstorben ist. Khan bleibt, insbesondere verglichen mit dem Film, äußerst blass. Es fehlt nicht nur an dem markanten Auftreten von Benedict Cumberbatch, sondern auch an der klaren Motivation von Khan. Mühsam wird ein direkter Konflikt mit Kirk und Spock aufgebaut, um ein dramatisches Ende zu bekommen.

Der größte Haken ist allerdings der grundlegende Plot, für den sich die Autoren schamlos bei früheren Filmen (Star Trek II) bedient haben. Am Anfang wirkt das noch wie eine nette Hommage und es ist auch interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Ereignisse im Alternativuniversum ablaufen (Khan wird nicht von der Enterprise gefunden, Kirk und nicht Spock stirbt). Allerdings wird das Interesse schnell abgelöst von einem ungläubigen Kopfschütteln, spätestens wenn Kirk im Warpreaktorraum verstirbt und damit eine der zentralen und emotionalsten Szenen der Trek-Geschichte lieblos kopiert wird, um so etwas wie Gefühl zu simulieren.

Star Trek ist immer ein Abbild seiner Zeit gewesen, geboren um eine überaus positive Zukunft zu proklamieren, die ganz im Sinne des unbändigen Fortschrittsglaubens der 1960er Jahre war. Im Zuge der veränderten Realitäten in den folgenden Dekaden, wandelte sich auch Star Trek, bis hin zu "Enterprise", das die deutlich militaristische Post-2001-Ära imitierte. Das aktuelle Star Trek scheint hingegen keine Botschaft zu besitzen; es ist zwar schnell, es ist schön, die Charaktere und ihre Konstellationen besitzen in ihrer Neuauflage unglaubliches Potential. Man würde nur zu gerne sehen, dass sie auch auf ihren eigenen Beinen stehen können. Aber es bedient sich einfach nur bei seinen Urahnen, garniert mit ein paar moralischen Sprüchen hier und da, aber ohne eigene Botschaft. Vielleicht ist es damit ein Spiegel unserer heutigen Welt. Vielleicht ist es aber auch einfach an der Zeit, dass Abrams die Verantwortung an jemand anderen weiterreicht.

Der Roman kann an diesen Dingen natürlich nichts ändern, fügt dem Film aber auch nichts wirklich Neues hinzu. Einige Aspekte werden verständlicher, dennoch wird man wohl ohne das Buch "Into Darkness" nichts verpasst haben.


Infos:
Titel: Star Trek Into Darkness (Star Trek Into Darkness)
Autor: Alan Dean Foster
Erscheinungsjahr: Deutschland: 2013, USA: 2013
Deutsche Übersetzung von Susanne Döpke
Preis: 12,80 €
Cross Cult Verlag

Mit freundlicher Unterstützung vom Cross Cult Verlag

Fragen, Kritik oder Anregungen? Schreiben Sie an Andrej Schwabe.

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