Deutscher StarTrek-Index  

Die blaue Stunde der Föderation

von Andrej Schwabe, 30.09.2014

Inhalt:
Die Titan untersucht den gigantischen Vela-Pulsar und entdeckt in seinem Umfeld einen Planeten, der offenbar eine Zivilisation beherbergte. Genauere Untersuchungen fördern zutage, dass er scheinbar noch immer bewohnt ist, jedoch extrem durch den Pulsar gefährdet ist, der Strahlung auf tödlichem Niveau aussendet und die Raumzeit stört. Ein weiteres Problem: Nicht nur durch den Pulsar, sondern auch durch die Titan werden die Raumzeit und ein schützendes Magnetfeld um den Planeten immer weiter destabilisiert.
Währenddessen ordnet die Sternenflotte an, dass alle Andorianer von der Titan auf weniger sensible Posten versetzt werden sollen. Andor ist im Zuge der Bildung des Typhon-Paktes aus der Föderation ausgetreten und sympathisiert mit dem neuen Bündnis. Sowohl die Sternenflotte als auch Andor schicken ein Schiff, um die Andorianer abzuholen.

Kritik:
Gefallene Götter "Gefallene Götter" spielt auf die Ahnen der bedrohten Zivilisation in der Nähe des Pulsars an, deren Nachfahren darum streiten, ob das Wissen ihrer Altvorderen bewahrt werden oder lieber einem neuen Denken weichen sollte. Allerdings liegt es nicht so fern, den Buchtitel auch als Metapher für den Zustand der Föderation nach dem Borg-Krieg in der Destiny-Trilogie anzusehen, der die gewohnte Star Trek-Welt in Trümmern hinterlassen hat. Nicht nur, dass die Welten mühsam wiederaufgebaut werden müssen, die im kybernetischen Fegefeuer vernichtet wurden: Es formieren sich neue politische Bündnisse, seitdem die Föderation geschwächt darnieder liegt. Um diese Idee kreist die Typhon-Pakt-Romanreihe, nach deren dritten Teil "Gefallene Götter" angesiedelt ist.
Da die Andorianer offenbar den mächtigen Planetenbund verlassen haben (vor allem wegen innerer Konflikte um ihre Fortpflanzungsfähigkeit, siehe "Andor - Paradigma"), keimt in der Sternenflotte Misstrauen gegenüber allen Angehörigen dieses Volkes auf. Nun mag man das zwar für unbegründete Paranoia halten, aber letztlich signalisieren die neuen Befehle für Riker, dass die zahllosen kriegerischen Konflikte der letzten Star Trek-Jahre nicht spurlos an der einst so aufrechten Flotte vorüber gegangen sind - ein unübersehbarer Bezug auf die aktuelle Weltpolitik. Riker wäre nicht Riker, wenn ihm am Ende nicht der Spagat gelingen würde: Er kann seine Leute behalten, aber selten zuvor wurden die Grundfesten der Föderation so empfindlich erschüttert.
Zu allem Überfluss wird die Titan außerdem von einem andorianischen Schiff herausgefordert, das die Landsleute zu ihrem Heimatplaneten zurückbringen will. Dabei erzeugen sowohl die neuen Flottenbefehle als auch Andors Wille, seine Bürger zurückzuholen, einen sehr persönlichen Zwiespalt bei den sechs Andorianern auf Rikers Schiff. Am Beispiel von Lieutenant Pava, die in Tuvoks Team arbeitet, spielt Martin die Wahl zwischen Pest und Cholera durch: Pava kann zwischen der andorianischen Heimat mit all ihrem beschränkenden Konservatismus und ihren sozialen Problemen und einer diskriminierenden Sternenflotte auswählen, die ihr keine Heimat mehr bieten will.
Diese Spannungsfelder sind allesamt spannend rübergebracht und sorgen zusammen mit den entworfenen Bildern von der zerstörerischen und beängstigenden Schönheit des Pulsars (vor allem beim Besuch des Planeten) für die besten Momente des Romans.

Leider teilt sich dieser Handlungsstrang das Buch noch mit der unzählige Male erzählten Geschichte von bedrohten und irgendwie hilflosen Planetenbewohnern. Da sich deren Bevölkerung in zwei verfeindete Lager teilt, winkt ein schematisch erzählter Plot um die Vorherrschaft auf dem Planeten vor dem Hintergrund der nahenden Vernichtung - blutleer und hohl. Martin gelingt es in keiner Zeile, den Leser irgendwie für die Probleme der armen Seelen (mit ihren unaussprechlichen Namen) zu interessieren; zu unpersönlich und eindimensional geht die Handlung über die Bühne. Und am Ende stellt sich auch heraus, dass sie nur dazu dient, die Titan in der Nähe des Pulsars zu halten und den Konflikt mit dem andorianischen Schiff anzuheizen. Der Höhepunkt der Unglaubwürdigkeit wird schließlich dadurch gebildet, dass Riker als Geste guten Willens seine andorianischen Offiziere auf das andorianische Schiff beamen lässt, noch dazu während sie sich im gefährlichen Einflussbereich des Pulsars befinden. Würde Riker wirklich allen Ernstes für solch riskante und mehr als fragwürdige Operationen seine Zustimmung geben? Unglücklicherweise ist das gleichzeitig eine zentrale Prämisse des Andorianer-Plots, was nur noch mehr verdeutlicht, wie konstruiert dieser Teil der Handlung ist.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Rahmenstory langweiliger Allerweltskram ist, aber die Ankopplung an den Typhon-Pakt (und natürlich die immer wieder unterhaltsame Besatzung der Titan) viel Lust auf mehr macht. Das Schicksal der Föderation und ihrer Ideale scheint ungewisser denn je zu sein.


Infos:
Star Trek: Titan
Band 7
Titel: Gefallene Götter (Fallen Gods)
Autor: Michael A. Martin
Erscheinungsjahr: Deutschland: 2014, USA: 2012
Deutsche Übersetzung von Stephanie Pannen
Preis: 12,80 €
Cross Cult Verlag

Mit freundlicher Unterstützung vom Cross Cult Verlag

Fragen, Kritik oder Anregungen? Schreiben Sie an Andrej Schwabe.

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