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  6.17 Der Moment der Erkenntnis Teil II  
  Birthright Part II  
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 46759,2
Im Gefangenenlager erfährt Worf, wie es zu der Entstehung des Lagers kam: Die Gruppe von Klingonen hatte den Außenposten auf Khitomer verteidigt und war bei einer Explosion ohnmächtig geworden. Sie wurden von den Romulanern gefangen genommen und drei Monate lang verhört. Als die Romulaner anschließend der klingonischen Regierung vorschlugen, die Gefangenen gegen eine Gebietsabtretung einzutauschen, wollte die klingonische Regierung nichts davon wissen - Klingonen lassen sich nicht gefangen nehmen. Zuzugeben, dass diese Überlebenden drei Monate in romulanischer Gefangenschaft verbracht haben, würde nicht nur die Gefangenen, sondern auch die Regierung entehren.
Doch Tokath, der verantwortliche Romulaner, stellte sich gegen eine Massenexekution. Stattdessen gab er seine militärische Karriere auf und versprach, sich um die gefangenen Klingonen zu kümmern und mit ihnen auf jenem Planeten in völliger Abgeschiedenheit zu leben.
Doch Worf eckt überall an, indem er versucht, den Kindern die wahren klingonischen Ideale beizubringen; so benutzt Toq, Sohn von L'kor, einen Speer zum Graben, was Worf zur Weißglut bringt. Es gelingt Worf, den Kindern ihre Ehre zu erläutern und sie zu überzeugen, dass ihre Eltern nicht, wie sie zu wissen glauben, auf diesem Planeten leben, weil sie gemeinsam mit den hiesigen Romulanern dem Krieg entfliehen wollten, sondern weil sie Gefangene sind.
Sowohl L'kor als auch Tokath versuchen Worf zu überzeugen, dass er hierbleiben muss, denn niemand darf je etwas von diesem Planeten erfahren. Worf gibt sich unbeugsam. Doch als er mit Toq auf die rituelle klingonische Jagd gehen will, nimmt L'kor sein Ehrenwort als Garantie, dass Worf keinen Fluchtversuch begehen wird. Tatsächlich kehren die beiden bald von der Jagd zurück, und Toq hat ein gehäutetes Tier in den Händen, das er stolz den anderen präsentiert. Sodann stimmt er ein altes Kampflied an, was sie von ihren Eltern als Wiegenlied gelernt hatten. Alle stimmen ein bis auf die Romulaner.
Worf und die junge Ba'el fühlen sich zueinander hingezogen, bis Worf bemerkt, dass sie spitze Ohren hat: Sie ist die Tochter von Tokath und einer alten Klingonin. Er braucht einige Zeit, bis er sich mit ihr ausspricht, doch dann erkennt er, dass seine Gefühle sich nicht durch das Wissen ändern, dass sie zur Hälfte Romulanerin ist.
Obwohl er sie mag und anerkennt, dass es keinen anderen Planeten gibt, wo Romulaner und Klingonen in Frieden zusammen leben, unternimmt er schließlich doch einen Fluchtversuch, als er das Signal erhält, dass das Shuttle wieder da ist, um ihn abzuholen. Die Flucht wird vereitelt, und Tokath stellt Worf vor die Wahl: Entweder bleibt er für immer hier und gibt sein Wort, nicht noch einmal fliehen zu wollen, oder er wird exekutiert. Worf erwidert, dass es ein ehrenvoller Tod sein wird.
Am nächsten Morgen soll die Exekution vor allen Anwesenden stattfinden, doch im letzten Moment stellt sich Toq zu Worf und meint, auch er würde lieber sterben, als noch länger seine wahre Herkunft zu ignorieren. Nachdem alle Klingonen bis auf Ba'els Mutter zu Worf getreten sind, gibt Tokath die Exekution auf. Worf erkennt, dass die Kinder mit ihm kommen wollen und schärft ihnen ein, niemals und zu niemandem ein Sterbenswörtchen über dieses Lager verlauten zu lassen, sonst würden sie und die Gefangenen und ihrer aller Familien für drei Generationen entehrt.

Nach dem Treffen mit einem Warbird sind Worf und die jungen Klingonen an Bord der Enterprise. Noch im Transporterraum fragt Picard, ob Worfs Suche erfolgreich war. Worf antwortet, dass niemand das Khitomermassaker überlebt hat; die Kinder stammten von einem Schiff, das vor vier Jahren in der Nähe der romulanischen Grenze abgestürzt sei. Picard schaut ihn wissend an...

Bewertung

Langsam aber sicher muss es für Picard zur Gewohnheit werden, beurlaubte Crewmitglieder auf romulanischen Warbirds wiederzusehen (siehe "Das Gesicht des Feindes"). Nun, was passiert alles bis zu diesem Abschluss des zweiten Teils von "Der Moment der Erkenntnis"?

Ganz klar steht Worf in der gesamten Episode im Mittelpunkt, denn von der Enterprise sieht man in zwei kurzen Szenen einen Teil der Crew, sonst nichts. Das ist genau das, was man sich schon für den ersten Teil gewünscht hätte, da die Klingonenhandlung ausreicht, um eine Doppelfolge voll auszufüllen. Im Gegensatz zum ersten Teil wird hier nicht versucht, durch eine belanglose Nebenhandlung mehr Stoff als notwendig zu verfilmen, sondern man beschränkt sich auf die Tragweite des dargestellten Konflikts und fährt sehr gut damit.

Die Story um die greisen und zum Teil verbitterten Klingonen ist hintergründig und spannend inszeniert. Für einen Menschen fällt es schwer, die damalige Entscheidung der Klingonen bzw. ihrer Regierung nachzuvollziehen - so wie es auch den Romulanern schwerfällt - doch die Episode beleuchtet die Wichtigkeit der Klingonenehre ausreichend, um selbst Trek-Neulingen zu verdeutlichen, dass ein Klingone lieber sterben würde, als eine Entehrung hinzunehmen. Oder besser gesagt: der Heldentod ist für einen Klingonen die Vollendung der Ehre.
Den Klingonen dieses Lagers wurde vom Schicksal übel mitgespielt, denn nach ihrer Gefangennahme bekamen sie keine Möglichkeit, sich selbst zu töten. Ihre Rückkehr aus der Gefangenschaft hätte ihre Familien für drei Generationen entehrt. Wir erinnern uns, wie Worf sich während seiner Entehrung fühlte (siehe "Die Sünden des Vaters") und wissen, dass diesen Klingonen keine Wahl blieb, nachdem sich die Dinge so entwickelt hatten, wie sie es taten.
Mit Erstaunen stellt man fest, dass Tokath zwar Romulaner ist, aber keineswegs so herz- und gefühllos, wie die Romulaner zu früheren Zeiten dargestellt wurden. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass die ersten Kontakte zwischen Föderation und Romulanern während TNG üblicherweise mit geladenen Waffen und Kopf an Kopf stattfanden. Schon in "Wiedervereinigung?" und "Das Gesicht des Feindes" erfuhr man, dass nicht alle Romulaner den Kurs ihrer Regierung teilen bzw. dass es neben dem von der Föderation gefürchteten Militär auch noch den Geheimdienst Tal Shiar gibt, der um einiges schlimmer ist und sogar von den Romulanern selbst gefürchtet wird.
Hier sehen wir sie von der friedlicheren Seite: Tokath ist bereit, seine Laufbahn aufzugeben, um eine Gruppe von Klingonen vor dem Tod zu bewahren. Sie danken es ihm, indem sie nicht versuchen, zu fliehen - wohin auch? Erstaunlich sind die Beziehungen, die sich ergeben, z.B. dass sich Ba'els Mutter und Tokath ineinander verlieben und eine Tochter haben, die von allen Anwesenden gleich hoch angesehen scheint, sowohl von den Romulanern als auch von den Klingonen.
Tokath und Ba'el haben schon recht, dass auf diesem Planeten eine Art Eden entstanden ist, wo Angehörige zweier bis zum Tod verfeindeter Kulturen in bestem Einvernehmen miteinander leben. Der Preis, den sie zahlen, ist hoch, doch höher noch ist der Preis, den ihre Kinder zahlen, denn auch sie sind auf diesem Planeten gefangen und wurden, ohne es zu wissen, ihres kulturellen Erbes beraubt.

In diese Situation platzt Worf herein, vollgestopft mit seinen Vorstellungen von Ehre und klingonischer Kultur, und versucht, alle Klingonen eines Besseren zu belehren. Bei den Kindern gelingt es ihm, und so ist die Auflösung dann auch ein Happy End par Excéllence: Worf ist wieder auf der Enterprise, die Kinder kommen endlich auf ihre Heimatwelt, und die alten Klingonen und Tokath verbringen ihren Lebensabend auf jenem idyllischen Planeten in Harmonie, ohne dass ihre Familien entehrt werden müssen.

Stellt sich die Frage: Was ist mit Ba'el? Es war nicht auszumachen, ob sie sich unter den Kindern befindet, die Worf mitgenommen hat. Sollte sie mitgekommen sein, wird ihr romulanischer Teil schnell auffallen, denn spitze Ohren sind bei Klingonen höchst selten. Es fällt aber genauso schwer, sich vorzustellen, dass sie zurückbleibt, während alle anderen ihres Alters fortgehen und mit ihnen Worf, in den sie sich verliebt hat. Man könnte sich vorstellen, dass ihre Herkunft mittels Chirurgie unkenntlich gemacht wird - wir erinnern uns wiederum an "Das Gesicht des Feindes", wo Deanna zur vollwertigen Romulanerin operiert wurde - eine klitzekleine Erwähnung am Rande hätte hier Klarheit schaffen können.

Des Weiteren ist die Stimmungsmache in dem Lager unschön dargestellt: Wenn Worf oder auch Toq interessante Neuigkeiten haben oder kontroverse Standpunkte ausdiskutieren, hört man aus dem Hintergrund immer zustimmende oder gegenteilige Bemerkungen, die leider sehr plump formuliert sind und sich beim besten Willen nicht anhören, als hätten Klingonen diese Worte gesprochen.

Und schließlich: Was ist mit Datas Träumen? Im ersten Teil fiel die Aufspaltung in die zwei Themen "Worf/Klingonen" und "Datas Träume" sehr negativ auf. Aber nachdem dieser duale Ablauf begonnen wurde, hätte man ihn wenigstens auch konsequent zu Ende bringen sollen, anstatt sich im zweiten Teil ausschließlich auf Worf zu konzentrieren. Am besten wäre gewesen, zwei isolierte Episoden daraus zu machen. Hier gibt es klare Abstriche in der Bewertung der Handlung.

Positiv fällt Worf auf, der klingonischste aller Klingonen. Unermüdlich erzählt er Geschichten, singt Schlachtlieder und vermittelt Kenntnis über Kultur und Waffengang. Interessanter wird er noch im Umgang mit Ba'el, die er schon küssen will, bevor er ihre Ohren bemerkt. Etwas später wird er sich seiner Gefühle klar und merkt, dass es seine Gefühle wenig interessiert, von welchen Spezies Ba'el abstammt. So bekommt er doch noch eine Gelegenheit, sich leidenschaftlich mit ihr zu küssen. Leider erfahren wir nicht, wie sich ihr Verhältnis weiterentwickelt und können nur mutmaßen, dass sie sich nach der Rückkehr auf die Enterprise - sofern Ba'el überhaupt mitgekommen ist - nie wieder sehen werden.

Markant:
Alan Scarfe (Tokath) spielte bereits in "Datas Tag" einen Romulaner, nämlich Adm. Mendak.

Abschließend ist "Der Moment der Erkenntnis (2)" eine interessante, hintergründige Episode, die aber nicht der Erwartung gerecht wird, die man nach dem ersten Teil in sie gesetzt hat. Insgesamt eine gute Episode.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

In "Die Sünden des Vaters" erfuhr man recht ausführlich vom Khitomer-Massaker, auf das hier Bezug genommen wird.

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  27. 2. 1993

 Erstausstrahlung D:
  9. 6. 1994

 Regie:
  Dan Curry

 Buch:
  René Echevarria

 Gaststars:
  James Cromwell 
  Jennifer Gatti
  Richard Herd
  Sterling Macer Jr.
  Christine Rose
  Alan Scarfe



  Zuletzt geändert:
  2016-02-01, 02:47
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