Deutscher StarTrek-Index  
  7.4 Der Schachzug Teil I  
  Gambit Part I  
 

von Yann-Patrick Schlame

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: 47135,2
Riker, Troi, Worf und Dr. Crusher versuchen in einer Spelunke auf Desika II herauszufinden, was mit dem Captain passiert ist. Schließlich erfahren sie von einem verängstigten Gast, der darum bittet, als Gegenleistung für Informationen mitgenommen zu werden, dass ein Mann, auf den Picards Beschreibung passt, vor einigen Wochen in dieser Bar getötet wurde - von einem Phaser. Crusher bestätigt, dass an der gezeigten Stelle entsprechende Spuren zu finden sind, die die DNA des Captains aufweisen.
Riker erhält die Erlaubnis, sich mit der Enterprise auf die Suche nach Picards Mördern zu machen und gelangt schließlich nach Boradas III, ein eigentlich unbewohnter Planet, von dem jedoch eine Energiesignatur registriert wird. Gegen Datas Einwand führt Riker das Außenteam an. Bei der Spurensuche wird es angegriffen, und nach einem heißen Feuergefecht wird Riker niedergeschossen und zusammen mit den Angreifern weggebeamt. Als man ein fremdes Schiff entdeckt, das gleich darauf vom Planeten startet, nimmt Data die Verfolgung auf, jedoch verliert man schnell den Kontakt, und so kehrt er ohne Riker zum Planeten zurück. Entgegen Worfs Drängen will Data erst einmal Spuren sichern, anstatt sofort eine sinnlose Verfolgung aufzunehmen.
Informationen vom Sternenflottengeheimdienst besagen, dass jenes Schiff offenbar einer Söldnerbande gehört, die in dieser Gegend schon mehrere Überfälle durchgeführt hat, jedesmal mit dem Ziel, Artefakte zu stehlen. Da das Schiff aus einem energieabsorbierenden Material gebaut ist, hatte man es aus den Augen verloren.

Indes findet sich Riker auf der Brücke des Söldnerschiffes wieder, wo er mitbekommt, dass bei der Flucht vor der Enterprise der Antrieb beschädigt wurde. Arctus Baran, der Führer der Söldner, möchte Riker als Geisel behalten, um ihn irgendwann einzutauschen. Zunächst stellt er seine Autorität unter Beweis: Riker, wie auch alle anderen an Bord, hat einen Nervenservo implantiert bekommen, der, wann immer Baran es will, Schmerz in beliebiger Dosierung zufügt.
Tallera, eine der Söldner, schlägt vor, Riker lieber wieder freizulassen. Da mischt sich ein anderer ein und schlägt vor, Riker zu töten - es ist Picard!
Er trägt ähnliche Kleidung wie die anderen Söldner und hat ebenfalls einen Nervenservo. Er argumentiert, dass Riker eine zu große Gefahr sei und ein aufsässiger Commander noch dazu, der bald vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollte, wäre er nicht gefangen genommen worden. Doch plötzlich kommt es zu einem Problem mit dem Antrieb, es scheint, man müsste den Antriebskern abwerfen, um eine Katastrophe zu verhindern. Doch Picard, der von den anderen Galen genannt wird, meint, Riker könnte den Fehler beheben. Es gelingt Riker, das Schiff zu retten, ohne den Kern abzustoßen, dann wird er abgeführt.
Später kommt Picard zu Riker und erklärt, was passiert ist: Eine Ausgrabungsstätte, die er besucht hatte, war überfallen worden. Auf der Suche nach den Dieben gelangte er in die Bar auf Desika II, wo die Söldner ihn mit einem Transporter, der in einem Phaser eingebaut ist, auf ihr Schiff holten und von ihm wissen wollten, wie viel er von ihren Plänen wüsste. Er konnte sie überzeugen, dass er ein Schmuggler sei und wurde in die Gruppe aufgenommen. Er hat herausgefunden, dass Baran nur an Artefakten mit einer bestimmten Partikelsignatur interessiert ist und vermutet, dass Baran oder seine Auftraggeber ein übergeordnetes Ziel verfolgen, das es zu verhindern gilt. Da Baran Picard nicht besonders mag, ihn aber für die Untersuchung der Artefakte benötigt, soll Riker sich ihm gegenüber so feindselig wie möglich verhalten, damit Baran zu Riker Vertrauen fasst. Zu diesem Zweck hatte Picard bereits den Antriebszwischenfall inszeniert.

Data und Crew haben indes gefolgert, dass die Söldner vermutlich demnächst Caldar II überfallen wollen, wo sich ein kleiner Föderationsaußenposten befindet. Die Enterprise macht sich sofort auf den Weg.

Auch Picard erfährt, dass Baran nach Caldar II will. Er kann Barans Plan, den Außenposten zu zerstören und dann die Artefakte zu holen, vereiteln, indem er eine List vorschlägt: Riker soll seine Sternenflottenzugehörigkeit ausspielen. Da er nach wie vor Offizier ist, würde er eher bei einem Überfall helfen, als die Zerstörung des Postens zuzulassen. Tatsächlich stimmt Riker zu, doch auf dem Posten ignoriert man seine Befehle. Als Baran eine Falle der Sternenflotte wittert, will er doch angreifen, aber Picard kann mit wenigen Modifikationen die Schilde der Forschungsstation vorläufig außer Kraft setzen, ohne dass jemand zu Schaden kommt. Doch bevor alle Artefakte an Bord gebeamt sind, werden die Schilde wieder aktiviert. Erneut will Baran angreifen, als das Schiff beschossen wird - von der Enterprise.

Data befiehlt den Söldnern, sich zu ergeben, doch nimmt Riker Kontakt zu ihm auf. Riker befiehlt, dass sich die Enterprise sofort zurückzieht und beendet dann die Kommunikation. Anschließend versucht er, eine Computerverbindung herzustellen und mit Hilfe seiner Kommandocodes die Schilde der Enterprise zu senken.

Natürlich wurden jene nach seiner Gefangennahme geändert, was auch Data weiß. Als man Rikers Versuch auf der Enterprise bemerkt, lässt Data gegen Worfs heftigen Einspruch die Schilde senken. Picard gehorcht auf dem Söldnerschiff Barans Befehl und feuert die Disruptoren auf die Enterprise ab.

To be continued...

Bewertung

Gleich zu Beginn der siebten Staffel kommt mit "Der Schachzug" eine weitere Doppelfolge - und was für eine. Diese Episode fängt da an, wo andere aufhören. Zunächst herrscht Verwirrung und Bestürzung, da man Picard für tot hält und keine Ahnung über die Hintergründe hat.

Im Folgenden geht es zunächst um die Konsequenzen dieses Verlustes: Jeder an Bord ist niedergeschlagen, und Riker gerät in einen heftigen Streit mit Troi, die ihm wegen seines mitleidigen, aber wenig einfühlsamen Verhaltens Egoismus vorwirft, und das nicht ganz zu Unrecht. Anschließend geht es darum, die Täter zu finden. Auch hierüber gibt es einen Disput mit Troi, die Rikers Verlangen danach, die Mörder des Captains zu finden, für rachsüchtig hält, während Riker nur der Gerechtigkeit Genüge tun will. Aber man kann mit einiger Sicherheit behaupten, dass er von seinen Gefühlen stark beeinflusst wird. Bei der Behandlung des Informanten, der ihm sagen soll, wo Picards Mörder sich aufhalten, verliert Riker beinahe die Beherrschung und wird handgreiflich. Das ist nicht neu, aber es bedarf normalerweise einer größeren Provokation als bloß der Zurückhaltung von Informationen wegen fehlender Bezahlung, um Riker so aus der Reserve zu locken. Andererseits bewahrt Riker, wie auch früher, trotz allen Jähzorns einen kühlen Kopf und bekommt schließlich die gewünschten Informationen. Das ist der Riker, wie man ihn aus den früheren Staffeln kennt und der in der letzten Zeit immer mehr zu einem Schatten Picards wurde.

Rikers Entscheidung, das Außenteam anzuführen, ist definitiv unklug, immerhin hat Riker zu Beginn der Serie mit Picard den einen oder anderen Disput darüber gehabt, dass der Platz des Captains auf der Brücke ist. Für das Missachten dieser Regel erhält er auch prompt die Rechnung: Er wird gefangen genommen. Daher kann man Riker schon attestieren, dass er nicht ausreichend rational vorgeht. Auf der anderen Seite führt seine Gefangennahme zu einer interessanten Situation: Riker und Picard befinden sich auf dem Schiff der Söldner und versuchen gemeinsam, Barans Pläne zu vereiteln, wobei jeder der beiden eine Rolle spielt: Picard den Schmuggler, Riker den aufsässigen Offizier, der der Sternenflotte nur zu gerne den Rücken kehren würde. Innerhalb des ersten Teils können beide ihre Tarnung noch wahren...

Eine weitere Folge ist die Tatsache, dass Data das Kommando über die Enterprise hat. Und allein diese Begebenheit würde beinahe schon ausreichen, um der Episode eine sehr gute Bewertung einzutragen (die sie ohnehin erhält). Denn jedes Mal, wenn jemand anders als Picard das Kommando innehat, kommt es erfahrungsgemäß zu spannenden Situationen und innovativen Problemlösungen. Datas Führungsstil ließ sich erstmals in "Der Kampf um das klingonische Reich (2)" ausführlich bewundern, und die Serie bleibt in dieser Hinsicht konsistent, denn hier geht Data ganz ähnlich vor: Er lässt sich alle Fakten nennen und hört sich alle Argumente an, ohne sie zu kommentieren, und trifft dann eine unerwartete bzw. unkonventionelle Entscheidung, die er im Folgenden auch fest vertritt. Dadurch gerät er mit Worf aneinander, der zunächst das Söldnerschiff verfolgen will und meint, man könne doch nicht nur rumsitzen und warten. Data entgegnet, dass es genau das ist, was man tun wird: rumsitzen und warten - und Spuren suchen. Diese Taktik hat Erfolg, denn anstatt quer durch den Quadranten zu irren, kann man das Ziel des fremden Schiffes vorherbestimmen und so gerade noch rechtzeitig eintreffen, um einen Überfall zu verhindern.

Von größerer Tragweite ist Datas Entscheidung, die Schilde zu senken: In der letzten Szene der Episode wird die Enterprise vom Söldnerschiff beschossen. Ob Datas Entscheidung richtig war, lässt sich dann in der Fortsetzung herausfinden (und natürlich war sie richtig).

Die anderen Charaktere wachsen nicht über ihre sonstigen Rollen hinaus, was angesichts der Konzentrierung auf Picard/Riker und Data verständlich ist. Allerdings gibt es am Beginn der Episode einige schöne Szenen in der Bar, denn die Enterpriseoffiziere tragen zur Abwechslung normale Kleidung und bemühen sich um Unauffälligkeit - was ihnen in etwa so gut gelingt, wie einem Streifenpolizisten, der nur die Mütze absetzt, doch das nur am Rande. Troi setzt andeutungsweise ihre weiblichen Reize ein, um Informationen zu sammeln, was für das ansonsten eher prüde Trek-Universum eine angenehme Überraschung darstellt, Worf und Riker sorgen für eine Prise Humor, und Dr. Crusher darf sich einmal von ihrer harten Seite zeigen.

Interessant ist die Ansammlung prominenter und semiprominenter Gäste:

Da wäre zunächst einmal Robin Curtis (Tallera), die bereits in den Filmen Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock und Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart als Ersatz für Kirstie Alley die Rolle der Lt. Saavik übernahm und daher auch einige ausgeprägte Dialoge mit Picard erhalten hat.
Auf der Enterprisebrücke gibt es ein neues Gesicht an der sonst von Data bemannten Konsole zu sehen: Sabrina LeBeauf (bekannt u.a. aus der Cosby Show) spielt Fähnrich Giusti, die im Gegensatz zu vielen Vorgängern einige Sätze sprechen darf.
Alan Altshuld, der in dieser Episode ebenfalls mitspielt, war bereits in "In der Hand von Terroristen" zu sehen.
Und schließlich Richard Lynch (Baran), der zu Hollywoods zweiter Riege zählt und hier Picards Oberwidersacher darstellt - mit einer beachtlichen Portion Verschlagenheit.

Die Effekte sind mit dem bisher wohl intensivsten Handphasergefecht wieder einmal vom Feinsten, und die Gestaltung des Söldnerschiffes ist sowohl von außen als auch von innen gut gelungen.

Um schließlich noch kurz auf die Handlung einzugehen: Jene ist zur Abwechslung quasi frei von logischen Fehlern. Es wäre zwar nett gewesen, wenn man zur Einleitung etwas mehr darüber erfahren hätte, weshalb der Captain überhaupt eine Ausgrabungsstätte besucht hat, doch wird auch ein ungenannter Zusammenhang zu "Das fehlende Fragment" hergestellt: Dort verstarb Picards ehemaliger Mentor Galen, daher Picards Deckname. Die Story ist interessant aufgebaut und wird logisch fortgeführt, wobei besonders hervorzuheben ist, dass Riker für die Dauer der Episode wieder zu alter Form aufläuft und aus seinem Schatten tritt, sowie Datas Kommando und das Aufgreifen von Picards Liebe zur Archäologie.

Insgesamt besonders sehenswert.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  9. 10. 1993

 Erstausstrahlung D:
  28. 6. 1994

 Regie:
  Peter Lauritson

 Buch:
  Naren Shankar
  Christopher Hatton

 Gaststars:
  Alan Altshuld
  Caitlin Brown
  Robin Curtis
  Bruce Gray
  Sabrina LeBeauf
  Stephen Lee
  Richard Lynch
  Cameron Thor
  Derek Webster



  Zuletzt geändert:
  2016-02-01, 02:47
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