Deutscher StarTrek-Index  
  3.07 Das Gleichgewicht der Kräfte  
  The Day of the Dove  
 

Review: Matthias Weber
Statistik: Elisabeth Leidenfrost

 
 
 

Episodenbeschreibung

Sternzeit: unbekannt
Die Enterprise erhält einen Notruf von der Kolonie auf dem Planeten Beta XII-A. Dort angekommen, beamen sich Kirk, McCoy, Chekov und Lt. Johnson auf die Oberfläche. Man findet keine Spur von der Kolonie vor. Ruinen oder Leichen fehlen, sie ist einfach nur weg.

Die Enterprise-Crew stellt inzwischen fest, dass sich ein Klingonenschiff dem Planeten nähert. Spock gibt Alarm Rot, doch die Klingonen scheinen keine Gefahr für die Enterprise darzustellen, auf ihrem Schiff gibt es schwere Explosionen und es scheint manövrierunfähig.

Auf den Planeten beamt sich schließlich eine Gruppe von Klingonen hinunter, die das Außenteam als Geisel nimmt. Kang, der klingonische Kommandant, wirft Kirk Vertragsbruch vor, er habe das Klingonenschiff angegriffen. Kirk macht Kang im Gegenzug dafür verantwortlich, dass die Kolonie nicht mehr da ist. Kang möchte von Kirk, dass er ihm die Enterprise übergibt, doch Kirk weigert sich. Da beginnt der Klingone damit, das Außenteam zu foltern. Chekov greift Kang auf einmal an, er hatte einen Bruder, der bei einem Überfall der Klingonen auf einen Außenposten der Föderation getötet wurde. Der Navigator will sich jetzt rächen, doch Kang kann ihn abwehren und quält ihn ebenfalls. Kirk lenkt ein und nimmt Kontakt mit Spock auf. Durch einen Trick macht er ihm klar, dass er alle zusammen hochbeamen, die Klingonen jedoch erst nach dem Außenteam materialisieren soll. So geschieht es und die Sicherheit kann den Klingonen nach ihrer Materialisierung die Waffen abnehmen. Inzwischen wurden auch die Überlebenden des Klingonenschiffes an Bord gebeamt und von der Sicherheit in einen extra Raum gebracht. Nachdem sich niemand mehr an Bord des Klingonenschiffes befindet, wird es zerstört, da es gefährliche Strahlung aussendet. Spock gibt unterdessen zu bedenken, dass das Klingonenschiff gar nicht in der Lage war, die Kolonie zu zerstören und dass auch die Klingonen nicht über so perfekte Waffen verfügen.

Auf der Enterprise gehen inzwischen merkürdige Dinge vor sich. Auf den unteren Decks werden die Schotten geschlossen und 400 Mann der Crew sind gefangen. Die Enterprise beschleunigt plötzlich und ändert von allein den Kurs. Sie fliegt jetzt aus der Galaxie heraus, und das mit Warp 9. Kirk verdächtigt die Klingonen und stellt Kang zur Rede. Plötzlich verwandeln sich verschiedene Dinge im Raum der Klingonen in antike Schwerter, welche die Klingonen sofort an sich nehmen. Kirk zückt seinen Phaser, doch auch der ist nun plötzlich ein Schwert und der Captain kann gerade noch entkommen. Die Klingonen beginnen nun mit den Schwertern einen Kampf mit der Enterprise-Crew. Da ein Großteil der Besatzung eingeschlossen ist, haben beide Seiten jetzt nur 40 Männer und Frauen.

Die Crew der Enterprise erscheint ungewöhnlich aggressiv und Chekov dreht nun völlig durch. In seinem Rachedrang verlässt er die Brücke, um die Klingonen zu ermorden. Sulu ist erstaunt, da Chekov eigentlich ein Einzelkind ist und gar keinen Bruder hatte, der von den Klingonen getötet werden konnte.

Spock stellt fest, dass sich mehr Lebensformen an Bord befinden, als es eigentlich mit den Klingonen zusammen sein dürften. Es scheint ein fremdes Wesen an Bord zu sein. Kang, seine Frau Mara und Kangs Männer können inzwischen den Maschinenraum erobern und stellen die Lebenserhaltung für die restlichen Teile des Schiffes ab. Die Brückencrew schreit sich inzwischen gegenseitig an und es kommt fast zu Handgreiflichkeiten. Als das Lebenserhaltungssystem aus unerklärlichen Gründen wieder Energie bekommt, stellt Kirk eine Hypothese auf. Er vermutet, dass sich ein fremdes Lebewesen an Bord befindet, welches sich von den negativen Emotionen ernährt und unter allen Umständen erreichen will, dass der Kampf weitergeht. Deswegen heilen auch die Verletzungen der verwundeten Männer völlig von alleine.

Kirk und Spock wollen mit Kang über einen Waffenstillstand reden. Unterwegs treffen sie auf Mara, die gerade von Chekov angefallen wird. Der Captain schlägt den Navigator nieder und versucht Mara davon zu überzeugen, dass das fremde Wesen die beiden Seiten gegeneinander aufhetzt. Nach und nach gelingt ihm das und er und Mara beamen sich zusammen in den Maschinenraum. Dort versucht Kirk Kang zu überzeugen, doch dieser steht unter dem Einfluss des Wesens und will nicht zuhören. Es kommt zum Kampf zwischen ihm und dem Captain. Plötzlich taucht das fremde Wesen im Maschinenraum auf und Kang sieht es nun auch. Er kann nun endlich überzeugt werden und gemeinsam sorgen Kirk und Kang dafür, dass die Kämpfe aufhören. Sie schließen Frieden und das fremde Wesen verschwindet schließlich.

Bewertung

"Das Gleichgewicht der Kräfte" ist eine sehr eindrucksvolle Folge. Sie handelt vom Hass, der bei beiden Parteien eines Krieges entsteht und um so mehr geschürt wird, je länger der Krieg dauert.

Die Folge zeigt deutlich, welch schlimme Auswirkungen dieser Hass hat, wie unnötig er ist und wie die Personen sich daran gewöhnen, mit ihm leben, ihn vielleicht sogar genießen. Es ist ja auch viel einfacher, den Hass einfach weiterhin wirken zu lassen, statt zu versuchen, ihn zu überwinden und Frieden zu schließen.

Auch wenn hier das fremde Wesen für den Hass der Crew verantwortlich ist, sieht man in dieser Folge deutlich, wie ein solcher eingeimpfter Hass nach einer Weile ein Eigenleben entwickelt, man braucht dann gar keinen mehr, der einem so etwas einredet, sondern ist bereits selbst total fixiert darauf, den Gegner zu hassen.

In dieser Folge gibt es erneut ein Wesen, welches sich von negativen Emotionen ernährt. In 3.04: Kurs auf Marcus 12 gab es ein ähnliches Wesen. Dieses Mal spielt das Wesen jedoch eine eher untergeordnete Rolle, es ist nur Mittel zum Zweck, um die Klingonen und die Menschen aufeinander losgehen zu lassen und zu zeigen, dass selbst diese beiden verfeindeten Parteien Frieden schließen können.

Die Episode beschäftigt sich erenut sehr stark mit Roddenberrys Visionen beziehungsweise seiner humanistischen Philosophie. Nach ihm ist es zwei verfeindeten Parteien immer möglich, friedlich miteinander zusammenzuleben, wenn sie es nur schaffen, den Hass und die Vorurteile zu überwinden, die es auf beiden Seiten gibt. Seine Sicht der Dinge war allerdings auch stark vom Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen geprägt, als eine Verständigung und Versöhnung mit den einstmaligen Gegnern nach Beendigung des Krieges gelang. Genau dies machen Kirk und Kang auch am Ende dieser Folge, als sie Frieden schließen und das fremde Wesen verjagen. Beide Seiten müssen dabei stark gegen ihre Gefühle ankämpfen.

Die Folge zeigt auch, dass dieser Hass nur zu oft auf Missverständnissen und Fehlinformationen beruht. Die Klingonen meinen, die Föderation würde ihre Gefangenen misshandeln und töten und die Enterprise-Crew denkt genau dasselbe von den Klingonen.

In Krisenzeiten werden immer wieder auch bewusste Falschinformationen durch die Propaganda der Kriegsparteien noch verstärkt, bis es zum Krieg kommt. Die unsägliche Behauptung der US-Regierung vor Beginn des 2. Golfkriegs, der Irak würde Massenvernichtungswaffen besitzen, was sich erst nach dem Krieg als dreiste Lüge herausstellte, ist eines der schrecklichen Beispiele dafür. Wenn der Krieg erst einmal begonnen hat, ist zwischen Gut und Böse kaum noch zu unterscheiden, denn jeder moderne Krieg entwickelt eine Spirale der Gewalt, auf der es sehr schnell nach oben geht und die mit unendlich vielen Toten verbunden ist. Diese Opfer sind dann die Grundlage für den Hass, den Menschen während eines Krieges entwickeln und der Jahrhunderte andauern kann, wenn keine Versöhnung erfolgt.

Hier in dieser Folge ist es das fremde Wesen, welches den Hass, den Patriotismus und sogar die Rassendiskriminierung (gegenüber Spock) verursacht.

Kirk macht dieses Mal einen sehr guten Eindruck. Er lässt sich am wenigsten von den Hassgefühlen überwältigen und zeigt, dass Vertrauen der erste Schritt in Richtung Frieden ist, indem er mit Mara zusammen zu Kang in den Maschinenraum beamt. Er hat verstanden, dass der Hass nur durch Vernunft überwunden werden kann.

Das Ende der Folge ist sehr sympathisch. Die verfeindeten Parteien schließen Frieden und lachen das fremde Wesen aus und sich damit auch den Hass von der Seele.

Die Folge hält damit erneut die Star Trek-Ideale wie Frieden, Vernunft, Toleranz gegenüber Andersartigen usw. hoch und hat wieder ein sehr friedliches Ende. Damit ist Jerome Bixby, der bereits das hervorragende 2.04: Ein Parallel-Universum und das weniger gelungene 2.22: Stein und Staub geschrieben hatte, eine sehr starke und aussagekräftige Antikriegsfolge gelungen. Sie ist wiederum deutlich ihrer Zeit voraus und steht noch dazu in einem interessanten Kontrast zu späteren Star Trek-Schöpfungen, bei denen die Gewalt als Mittel zur Lösung von Problemen wieder mehr in Mode kommt.

Erfreulicherweise sind die Klingonen hier im Gegensatz zu 2.11: Im Namen des jungen Tiru und 2.19: Der erste Krieg nicht wieder die bösen Buben vom Dienst. Stattdessen sind sie endlich wieder als die vielschichtigen Gegner aus 1.26: Kampf um Organia zu erkennen. Man erfährt hier auch viel über ihre Geschichte, wie sie zu den Kriegern wurden, die sie heute sind. Mara erwähnt, dass das klingonische System relativ arm an Ressourcen sei und ihre Spezies in andere Systeme eindringen müsse, um zu überleben. Daraus resultiere ihre kriegerische Art.

Selbst Spock zeigt sich erstaunlicherweise nicht immun gegen den Einfluss des Wesens, er verliert während einer Auseinandersetzung mit Scotty die Kontrolle über sich.

Auch den friedliebenden McCoy hat es erwischt, er ist voller Hass auf die Klingonen, wenn er all die Verletzten sieht.

Chekov steht am meisten unter dem Einfluss des Wesens. Er hat eigentlich nichts gegen die Klingonen, doch das Wesen redet ihm ein, dass er einen Bruder hatte, der von den Klingonen getötet wurde. Chekov-Darsteller Walter Koenig darf in der Anfangsszene auf dem Planeten auch einige seiner berühmt gewordenen Schreie zum Besten geben, als er von den Klingonen gefoltert wird. Es fällt auf, dass Koenig auch dieses Mal wieder eine verhältnismäßig große Rolle hat, was wohl vor allem auf seine Beliebtheit beim Publikum zurückzuführen ist.

In dieser Folge wird zum ersten Mal in Star Trek ein Ort-zu-Ort-Transport auf der Enterprise durchgeführt. Was hier noch relativ gefährlich ist, gehört in den Nachfolgeserien zum Standard.

Die Klingonen sind in ihrem Aussehen in dieser Folge wieder eher vom orientalischen Typ, wie zum Beispiel auch in 1.26: Kampf um Organia oder 2.19: Der erste Krieg.

In dieser Folge gibt es keine wiederkehrenden Charaktere unter den Gaststars.
Jerome Bixby schrieb neben seinen oben bereits erwähnten anderen Beiträgen auch noch die Folge 3.19: Planet der Unsterblichen.
Regisseur Marvin J. Chomsky hatte bereits Folge 3.04: Kurs auf Marcus 12 inszeniert und war später auch noch für 3.23: Portal in die Vergangenheit verantwortlich.

Die deutsche Version wurde von Sat.1 erstellt und enthält alle Originalszenen. Das englische "empire" wurde erneut nicht übersetzt, obwohl "Imperium" praktisch lippensynchron ausgesprochen werden kann.
In der deutschen Version wurden wieder allerlei Dialoge umgeschrieben, wobei weniger die Veränderungen selbst schlimm sind, als vielmehr ihre Zahl.
Der Hilfskontrollraum (Originalversion: auxiliary control center) erhält in der deutschen Version wieder einmal eine neue Bezeichnung. Er heißt dieses Mal Notsystemzentrale.
Interessant ist noch, dass Kirk in der Originalversion nicht lügt. Er sagt hier zu den Klingonen: "Ich beame Sie an Bord der Enterprise. Wenn wir erst dort sind, gibt es keine Tricks." In der deutschen Version behauptet er dagegen "Wir werden Sie auf die Enterprise beamen, und ich verspreche Ihnen, es gibt keine Tricks.", was nicht ganz wahr ist.
Für die DVD-Version wurde dieses Mal nur wenig verändert. Lediglich ein Logbucheintrag von Kirk wurde korrigiert. Ansonsten blieben leider alle Fehler und Veränderungen erhalten.

Effekte gibt es in der Folge recht wenige, doch konnte zum Beispiel die Zerstörung des klingonischen Schiffes überzeugen.

Alles in allem eine herausragende, spannende Folge mit einer überzeugenden Aussage, die sich gut in die Star Trek-Philosophie einfügt und mit der Jerome Bixby ein ähnlich großer Wurf gelingt, wie bereits mit seiner Paralleluniversums-Folge.

 
 
 

Spannung

SFX

Handlung

Gesamt

 
 
 

Zusammenhänge

Michael Ansaras Rolle als Kang wurde für die DS9-Folge 2.19: Der Blutschwur zusammen mit der von Kor aus 1.26: Kampf um Organia und der von Koloth aus 2.15: Kennen Sie Tribbles? wiederbelebt. Die drei Klingonen aus der Originalserie sind damit dafür verantwortlich, dass alle Versuche der Fans, das veränderte Aussehen der Klingonen ab dem Kinofilm Star Trek - Der Film zu erklären, gescheitert sind.
Michael Ansara hatte auch in der VOY-Folge 3.02: Tuvoks Flashback einen Auftritt als Kang. In der DS9-Folge 4.21: Die Muse spielt Michael Ansara außerdem Jeyal.

David L. Ross hat hier einen ungewöhnlichen Auftritt. Er spielt ausnahmsweise nicht Lieutenant Galloway sondern tritt als Rothemd Lieutenant Johnson in Erscheinung.

Mark Tobin, der hier einen Klingonen verkörpert, spielte in 1.22: Der schlafende Tiger Khans Anhänger Joachim.

Diese Folge enthält den vorletzten Auftritt der Klingonen. Wir sahen sie zum letzten Mal in 2.19: Der erste Krieg. Ihren letzten Auftritt haben sie in 3.13: Brautschiff Enterprise.



Kleine TOS-Statistik

1. Zerrissene Shirts von Kirk: 0
Kirks Shirt bleibt in tadellosem Zustand. Dafür lässt aber Kangs Frau Mara eine nackte Schulter sehen.
2. Kirks Eroberungen: 0
Keine Eroberung dieses Mal.
3. Anwendungen von Spocks Nackengriff: 2
Spocks setzt damit den wahnsinnigen Johnson außer Gefecht.
Außerdem legt er damit einen Klingonen lahm.
4. Spocks "Faszinierend": 2 mal
Spock über Scottys beleidigende Bemerkungen: "Faszinierend, das kommt alles nur vom Stress."
Außerdem findet er das Energiewesen faszinierend.
5a. Spocks "logisch": 0 mal
Spock findet diesmal nichts logisch.

Aber:
Kirk zu Spock, als dieser feststellt, dass Klingonen noch nicht zur Materie-Transformation fähig sind: "Noch andere logische Erkenntnisse?"
5b. Spocks "unlogisch": 1 mal
Spock zu Scotty, als dieser ihn als "grünblütigen Zuchtbullen" bezeichnet: "Ihre unlogischen und bösartigen Reden zeigen, dass Sie nicht mehr ganz normal sind."
6. McCoys: "Ich bin Arzt und kein...": 0 mal
McCoy darf seinen berühmten Satz nicht sagen.
7. McCoys: "Er ist tot, Jim." und Variationen: 0 mal
Alle leben noch, Jim.
8. Tote Rothemden: 0
Obwohl mehrere Rothemden schwer verletzt werden, heilt das Energiewesen alle Verwundeten, um das Kräftegleichgewicht aufrecht zu erhalten.

Aber:
Der Klingonenanführer Kang erwähnt bei seiner ersten Begegnung mit der Enterprise, dass 400 seiner Männer durch einen Angriff der Enterprise getötet wurden.
9. Hysterisch kreischende Frauen: 0
Hier kreischt niemand.
 
 
 
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  Druckbare Version

 Erstausstrahlung USA:
  01.11.1968
  
 Erstausstrahlung D:
  18.04.1988

 Regie:
  Marvin J. Chomsky

 Buch:
  Jerome Bixby

 Gaststars:
  Michael Ansara
   [Klingonen-Commander
   Kang]
  Susan Howard
   [Mara]
  David L. Ross
   [Lieutenant Johnson]
  Mark Tobin
   [Klingone]



  Zuletzt geändert:
  2017-09-10, 17:13
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