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Episodenbeschreibung
Sternzeit: unbekannt
Der Geschichtsprofessor John Gill wurde von der Föderation auf den Planeten Ekos geschickt. Vor 6
Monaten brach der Kontakt völlig ab. Die Enterprise soll nun herausfinden, was aus Gill geworden
ist. Die Ekosianer sind ein primitives, wildes und kriegerisches Volk. Auf Ekos herrscht Anarchie.
Der Nachbarplanet wird von den Zeonisten bewohnt, die technisch relativ hoch entwickelt sind und
ein sehr friedliebendes Volk sind. Als die Enterprise den Planeten Ekos anfliegt, wird auf sie
eine Rakete mit nuklearem Sprengkopf abgefeuert. Die Ekosianer dürften eigentlich noch lange nicht
auf diesem Entwicklungsstand sein. Kirk kann die Rakete mit den Phasern der Enterprise zerstören.
Uhura bekommt keinen Kontakt zu John Gill und so beamen Kirk und Spock in Zivilkleidung auf den
Planeten. Vorher implantiert ihnen Dr. McCoy noch Transponder, mit denen man sie im Notfall orten
kann.
Auf dem Planeten werden die beiden gleich Zeuge, wie der Zeonist Isak von drei Ekosianern in
Nazi-Uniform verprügelt und abgeführt wird. Die drei Ekosianer beschimpfen Isak als
Zeonisten-Schwein.
Nachdem Isak abgeführt wurde, sehen Kirk und Spock auf einem öffentlichen Bildschirm eine
Nachrichtenpropagandasendung. Dort wird verkündet, dass die Zeonisten Ekos angegriffen haben.
Der Angriff wurde jedoch abgewehrt und nun werden die Vorbereitungen für die Endlösung getroffen,
bei der Ekos von allen Zeonisten völlig gesäubert werden soll. Außerdem wurde die Heldin des
Vaterlands Daras mit einem Orden ausgezeichnet. Dann wird auch noch ein Bild des Führers gezeigt
und Kirk und Spock müssen entsetzt feststellen, dass es sich dabei um John Gill handelt. Als die
beiden von einem ekosianischen Nazi angehalten werden, der sie als Zeonisten im Verdacht hat,
können die beiden ihn überwältigen und Spock zieht die Uniform des Soldaten an, damit die beiden
die Möglichkeit haben ins Führerhauptquartier vorzudringen und mit Gill zu reden. Unterwegs können
sie einen weiteren Nazi überwältigen und dessen Uniform stehlen, so dass auch Kirk eine Uniform
hat. Vor dem Hauptquartier werden sie jedoch von einem SS-Major gestoppt, der Spock befiehlt den
Helm abzunehmen, woraufhin er dessen vulkanische Ohren sieht.
Die beiden werden festgenommen, ihre Kommunikatoren und ihre Phaser werden ihnen abgenommen. Die
beiden werden gefoltert und verhört, doch die SS bringt nichts aus den beiden heraus. Dann erscheint
der Parteivorsitzende Eneg, der befiehlt, die beiden einzusperren, obwohl man Gefangene
normalerweise sofort hinrichtet, wenn das Verhör abgeschlossen ist. Doch Eneg ist der Meinung, dass
sie nach einer Weile im Gefängnis aufweichen und dann doch doch noch zu reden beginnen.
Kirk und Spock treffen im Gefängnis Isak wieder. Dieser erklärt ihnen die Hintergründe des Ganzen.
Die Zeonisten kamen vor einigen Jahren auf den Planeten, um die wilden Ekosianer zu zivilisieren,
doch dann begann vor einigen Jahren die Nazibewegung und die Zeonisten wurden zur Gefahr erklärt.
Seither ist die Verfolgung der Zeonisten an der Tagesordnung und wenn alle Zeonisten auf dem
Planeten vernichtet wurden, dann wird als Endlösung der Planet Zeon angegriffen werden. Die
Ekosianer machten sich bei ihrem Vorhaben die mitgebrachte Technik der Zeonisten zu Nutze und da
die Zeonisten extrem pazifistisch veranlagt sind, gibt es kaum Gegenwehr gegen die Ekosianer. Der
Beginn des Nazi-Regimes fällt ungefähr mit der Zeit von Gills Ankunft auf dem Planeten zusammen.
Kirk und Spock können sich mit Hilfe ihres implantierten Transponders aus der Zelle befreien. Sie
nehmen Isak auf ihrer Flucht mit. Dabei überwältigen sie zwei Soldaten und rauben denen erneut die
Uniform. Sie dringen bis ins Waffenlabor der SS vor, wo sie ihre Kommunikatoren vorfinden, die von
der SS jedoch völlig auseinandergebaut wurden. Die Phaser sind nicht aufzufinden. Die drei nehmen
die Bauteile der Kommunikatoren mit und flüchten aus dem Hauptquartier. Sie werden von Isak zu
seiner Untergrundbewegung gebracht.
Dort erfährt Isak, dass seine zukünftige Frau von den Nazis getötet wurde. Kirk und Spock suchen
sich einen ruhigen Ort, um die Kommunikatoren wieder zusammenzusetzen. Daras und zwei SS-Soldaten
können inzwischen den Unterschlupf stürmen, doch Kirk und Spock gelingt es Daras zu überwältigen.
Es stellt sich heraus, dass Daras der Untergrundbewegung angehört und man nur testen wollte, ob
Kirk und Spock Nazi-Spione sind. Kirk erklärt nun, dass er und Spock von der Föderation kommen und
herausfinden wollen, was mit Gill los ist. Daras berichtet, dass Gill am selben Abend eine Rede im
Hauptquartier halten soll und sie dazu eingeladen ist.
Am selben Abend gehen Daras, Kirk, Spock und Isak ins Hauptquartier. Sie tarnen sich als Fernsehteam,
welches die Heldin des Vaterlandes einen Abend lang begleitet. So kommen sie unerkannt ins
Hauptquartier hinein. Sie können einen kurzen Blick auf Gill werfen. Er sitzt völlig regungslos in
einem Stuhl und wartet auf den Beginn der Übertragung seiner Rede. Kirk vermutet, dass Gill unter
dem Einfluss von Drogen steht und lässt deswegen mit dem von Spock reparierten Kommunikator McCoy
in SS-Uniform runterbeamen.
Die Rede beginnt und die Crew der Enterprise stellt fest, dass sie lediglich aus zusammenhanglosen
leeren Phrasen besteht, die aus alten Archivaufnahmen zusammengeschnitten wurde. Gill selbst bewegt
sich während der ganzen Rede überhaupt nicht und ein Mikrofon verdeckt seinen Mund, so dass niemand
bemerkt, dass er gar nicht die Rede hält. Nach der Rede können Kirk, Spock, McCoy, Daras und Isak
zu Gill vordringen. McCoy stellt fest, dass er tatsächlich unter Drogen steht, er gibt ihm eine
Stimulanz und Spock stellt bei Gill mit einer Geistesverschmelzung einen Zustand her, in dem er auf
Fragen antworten kann. Gill erklärt Kirk, dass Nazi-Deutschland immer einer der effektivsten Staaten
der Erde war. Deswegen wollte Gill einen friedlichen Nazistaat aufbauen, um die Bevölkerung von
Ekos zu vereinen, doch dann übernahm Melakon, sein Stellvertreter, die Führung, setzte ihn unter
Drogen und benutzte ihn für seine Zwecke. Er begann damit die Zeonisten zu verfolgen.
Inzwischn verkündet Melakon, dass der Führer die Endlösung beschlossen hat und dass bereits eine
Flotte von Raumschiffen unterwegs zum Planeten Zeon ist, um dort die Endlösung durchzuführen.
Eneg kommt mit zwei Wachen in den Raum, wo sich Gill und die anderen befinden. Kirk gibt Spock
als Verräter aus, der Gill töten wollte. Daras sagt Eneg, dass Spock unbedingt Melakon vorgeführt
werden müsste. Eneg, der ebenfalls zu Isaks Untergrundbewegung gehört, spielt mit und führt Spock
zu Melakon, während Kirk bei Gill bleibt und ihm noch eine weitere Stimulanz injiziert.
Während sich Melakon mit Spock beschäftigt, kann Kirk Gill dazu bringen noch eine weitere Rede zu
halten, in der er Melankon als Verräter hinstellt und der Flotte befiehlt sofort nach Ekos
zurückzukehren. Außerdem befiehlt er alle Feindseligkeiten gegenüber den Zeonisten abzubrechen.
Melakon nimmt kurzerhand ein Maschinengewehr und schießt auf die Kabine, in der Gill die Rede hält.
Isak erschießt daraufhin Melakon und als ein Nazi Isak erschießen will, hält Eneg ihn davon ab und
verkündet, dass bereits genug Blut geflossen ist. Nun soll ein friedlicher Staat gegründet werden.
Als Gill im Sterben liegt, gesteht er Kirk gegenüber ein, dass er sich geirrt hat und die
Hauptdirektive doch der einzige richtige Weg ist. Er stirbt in Kirks Armen.
Kirk, Spock und McCoy kehren auf die Enterprise zurück in gutem Glauben, dass die Ekosianer und die
Zeonisten ihre Feindseligkeiten nun einstellen und Ekos auf friedlichem Weg regiert wird.
Bewertung
"Schablonen der Gewalt" ist vielleicht sogar heute noch, nach 35 Jahren und etlichen weiteren Star
Trek Serien, die umstrittenste Folge überhaupt. Die Episode beschäftigt sich mit dem recht heiklen
Thema des nationalsozialistischen Regimes. Viele werfen der Folge vor, dass sie die Gefahren des
Nationalsozialismus verallgemeinert und verharmlost. Die Folge wurde bis heute nie im deutschen
Free TV gezeigt und erst 1996 aufgrund der Videoveröffentlichung der Serie synchronisiert.
Zunächst sei gesagt, dass es nicht die Zielsetzung dieses Reviews ist, völlig objektiv zu erörtern,
ob die Folge die Problematik des NS-Regimes richtig erfasst. Erstens würde das den Rahmen sprengen
und zweitens bin ich kein Geschichtsexperte, dem ein solches Urteil zusteht. Es gibt zu dieser
Folge soviele verschiedene Meinungen, wie es verschiedene Star Trek Fans gibt und deswegen handelt
es sich bei diesem Review, wie bei allen anderen Reviews natürlich auch, nur um die subjektive
Meinung des Autors.
Es ist sicher lobenswert, dass sich Star Trek an ein so schwieriges Thema überhaupt herantraut.
Star Trek war schon immer eine Serie, die vor solch schwierigen und heiklen Themen nicht
zurückgeschreckt ist, sondern im Gegenteil versucht hat, solche Themen ernsthaft und differenziert
zu behandeln.
Man muss jedoch bedenken, dass es sich bei Star Trek nicht um das Telekolleg, sondern um eine
TV-Unterhaltungsserie handelt, für die es natürlich schwierig ist innerhalb von 45 Minuten ein
derart komplexes Thema wie das des Nazi-Regimes zu behandeln und dabei noch eine kurzweilige Folge
zu präsentieren.
So muss die Folge natürlich auch zwangsläufig daran scheitern die außerordentlich komplexen Umstände,
die im 3. Reich zur Nazibewegung geführt haben, zu durchleuchten. Dies ist in einer 45 Minuten
Episode gar nicht zu bewerkstelligen. Da es sich noch dazu um eine amerikanische Serie handelt
und die Amerikaner ihre ganz eigene Sicht der Geschichte Deutschlands haben, ist "Schablonen der
Gewalt" als historische Aufarbeitung der deutschen Geschichte der Nazi-Zeit sicherlich ungeeignet.
Beispielsweise wird die äußerst komplizierte NS-Ideologie in dieser Folge kaum behandelt.
Die Umstrittenheit der Folge macht sich interessanterweise immer wieder an einigen wenigen Zitaten
fest. Da wäre zum einen der oft falsch wiedergegebene Dialog zwischen Kirk und Spock über die
Nazi-Uniformen.
Spock gibt Kirk seine Uniform, woraufhin Kirk sagt: "Ja, es ist schade, daß ihre nicht so attraktiv
ist, wie meine. Gestapo, glaube ich."
Spock erwidert daraufhin: "Vollkommen richtig. Sie würden einen sehr überzeugenden Nazi abgeben."
Dieser Dialog wird meiner Meinung nach oft viel zu sehr überbewertet. Es ist sicher richtig, dass
der Witz, angesichts der Ernsthaftigkeit des Themas, unpassend ist, es gibt jedoch einige viel
problematischere Aussagen in der Folge, die von den Fans bei den zahlreichen Diskussionen um diese
Folge oft völlig vergessen werden. Noch dazu sind die Witze, die die Folge durchziehen, letztendlich
nur ein Zeichen dafür, dass das dritte Reich für die Amerikaner kein derart ernstes und heikles Thema
ist, wie für uns Deutsche.
Wirklich problematisch ist der Dialog zwischen Kirk, Spock und Gill, indem Gill sagt, er hätte
vorgehabt einen friedlichen Nazistaat aufzubauen, weil Nazi-Deutschland vom wirtschaftlichen
Standpunkt her erfolgreich war. Spock gibt ihm daraufhin Recht und Gill erwidert noch, dass es am
Anfang auch funktioniert hat, bis Melakon die Macht übernommen hat. Gill bezeichnet Nazi-Deutschland
auch als die wirkungsvollste Staatsform, die die Welt je gesehen hat.
Dies ist zum einen eine völlige Verdrehung der Tatsachen. Ein friedlicher Nazi-Staat wäre schon
deswegen nicht möglich, da das NS-Regime selbst in der Zeit von 1933-1939, also in der Zeit vor dem
2. Weltkrieg niemals auf Frieden ausgelegt war. Die Wirtschaft funktionierte ja erst durch die
maßlose Aufrüstung und Kriegsvorbereitungen, die in diesen Jahren getroffen wurden. Auch ist es
falsch den Nazi-Staat wirtschaftlich erfolgreich zu nennen, denn die blühende Wirtschaft zog ein
explosionsartiges Ansteigen der Staatsverschuldung nach sich und zu Beginn des 2. Weltkrieges hatte
Deutschland die höchste Staatsverschuldung aller Zeiten. Die Devise lautete, "Entweder wir gewinnen
den Krieg, oder unser Staat ist bankrott". Wenn es nicht zum Krieg gekommen wäre, wäre auch der
wirtschaftliche Erfolg wie eine Seifenblase geplatzt, da dieser ja nur durch staatliche Investitionen
hervorgerufen wurde. Insofern ist es also schlichtweg falsch, Nazi-Deutschland als erfolgreiche
Wirtschaftsform einzustufen. Das hätte gerade Gill als Historiker verstehen müssen.
Da dieser Dialog in der Konsequenz ja aber auch heißt, dass ein Nazi-Staat ohne die bösen,
machthungrigen Führer funktionieren würde, ist dies auch eine ziemlich massive Verharmlosung der
Gefährlichkeit des NS-Regimes.
Das scheint mir eine der gefährlichsten Aussagen der Folge zu sein.
Der Folge wird von manchen Kritikern sogar vorgeworfen, sie würde das NS-Regime in gewisser Weise
verherrlichen. Diesen Vorwurf kann ich eigentlich nicht teilen. Die Folge macht einige leichtfertige
Aussagen über die Nazi-Herrschaft, sie verharmlost das NS-Regime an vielen Stellen, oder gibt
geschichtliche Zusammenhänge falsch wieder, verherrlicht wird hier jedoch nichts.
Dass das Nazi-Regime nach 45 Minuten dann auch vom Tisch gefegt war, hat viele Zuschauer gestört.
Nun, das ist jedoch wohl ein Zugeständnis, welches man an das Fernsehen machen musste. Schließlich
musste die Folge nach 45 Minuten zu Ende sein.
Fehl am Platz ist aber die Friede-Freude-Eierkuchen Stimmung auf der Brücke der Enterprise am Ende
der Folge. Auch erscheint der Optimismus der Crew, dass Ekos nun in guten Händen ist, etwas fehl
am Platz, schließlich ist es sicher nicht mit dem Einlenken einiger weniger führenden
Persönlichkeiten getan, um das Nazi-Regime auf dem Planeten zu beseitigen. Auch lässt sich der den
Ekosianern eingeimpfte Hass gegen die Zeonisten nicht so einfach wieder abstellen und es ist wohl
noch ein weiter Weg, bis die beiden Planeten wertvolle Mitglieder für die Föderation werden, wie
Spock das ausdrückt.
Hat John Meredyth Lucas die geschichtlichen Hintergründe des NS-Regimes verstanden? Eine Äußerung
Kirks am Ende der Folge verleitet mich zu der Antwort Nein. Kirk bezeichnet das Führerprinzip als
das schlimmste am dritten Reich. Nun, diese Aussage erscheint doch so, als ob es sich der Autor
hier etwas einfach gemacht hätte, beziehungsweise es nicht besser gewusst hat. Man kann die
komplexen und schwer zu überschauenden Umstände, die das Nazi-Regime so grausam und unmenschlich
gemacht haben, nicht auf das Führerprinzip reduzieren. Das ist eine ziemliche Verzerrung und
Vereinfachung der geschichtlichen Hintergründe. Da scheinen ganz offenbar Lucas' Geschichtskenntnisse
nicht ausgereicht zu haben, um eine fundiertere Aussage zu treffen.
Warum die Serie gerade mit dieser Folge so starke Probleme hatte, ist schwer zu beantworten. Es gab
viele Folgen, in denen die Enterprise auf Parallelwelten zur Erde traf und die Serie andere
Zeitepochen der Erde näher beleuchtete (zum Beispiel das römische Reich in
2.25: Brot und Spiele). Auch in diesen Folgen ging es zum Teil um grausame
und unmenschliche Regimes und auch dort sind die historischen Zusammenhänge nur sehr lücken- oder
sogar fehlerhaft, aber auf jeden Fall sehr oberflächlich wiedergegeben worden. Die historische
Aufarbeitung dieser Zeitepochen war keineswegs besser als die in dieser Folge und doch ist keine
dieser Folgen auch nur annähernd so umstritten, wie "Schablonen der Gewalt".
Das mag vielleicht daran liegen, dass das NS-Regime an Grausamkeit und Unmenschlichkeit an kein
anderes Regime heranreicht. Ein anderer Grund mag sein, dass das NS-Regime zur Entstehungszeit der
Folge noch deutlich in den Köpfen der Menschen war. "Patterns of Force" entstand immerhin erst 23
Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs.
Eine Fernsehserie ist sicher von vorne herein ungeeignet, um sich wirklich ernsthaft mit dem extrem
komplexen Thema der Nazi-Zeit auseinanderzusetzen, wenn ich auch nicht sagen möchte, dass es
unmöglich ist. Trotzdem ist das in einer Fernsehserie auch nicht das Ziel, denn sonst würde es sich
letztendlich doch um das Telekolleg handeln.
"Schablonen der Gewalt" gibt jedoch viele geschichtlichen Zusammenhänge falsch wieder und geht an
vielen Punkten zu leichtfertig mit dem Thema um. Hier hätte man, wenn man das ausgesprochen heikle
Thema schon anschneidet, mit mehr Sorgfalt vorgehen müssen.
Das ist es letztendlich auch, was die Folge so enttäuschend macht, vor allem da man von Star Trek
in diesem Zusammenhang auch besseres gewohnt ist.
Es sollte letztendlich jedem Zuschauer selbst überlassen sein, zu entscheiden, was er von dieser
Folge und ihrer Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit hält.
Deswegen ist es auch ärgerlich, dass die Folge bis heute nicht im deutschen Free TV zu sehen war.
Natürlich ist das Thema heikel, doch hat es letztendlich wenig Sinn so vorzugehen, wie es in den
50er, 60er und 70ern in Deutschland an der Tagesordnung war, nämlich das Thema einfach unter den
Teppich zu kehren. Die NS-Zeit war damals ein Tabu-Thema in Deutschland und man hat sich mit der
dunklen Vergangenheit kaum auseinandergesetzt. Man wollte einfach nichts mehr davon wissen.
Insofern ist es verständlich, dass die Folge in dieser Zeit nicht im Fernsehen zu sehen war. Zu
dieser Zeit wurden auch viele Folgen anderer Serien, die dieses Thema angeschnitten haben, nicht
im TV gezeigt.
Doch inzwischen wurde dieses Tabu gebrochen und das deutsche Volk setzt sich inzwischen recht
offen gegenüber unangenehmen Themen mit seiner Vergangenheit auseinander. Dazu würde also passen,
diese Folge nun endlich einmal im TV zu zeigen, dann könnte sich wenigstens jeder Zuschauer selbst
ein Bild machen.
Die Ausrede, man würde die Folge wegen den vielen Neonazibewegungen nicht zeigen, kann man kaum
gelten lassen, denn die Folge verherrlicht das Nazi-Regime nicht, also gibt sie den Neonazibewegungen
auch keinen Ansatzpunkt Star Trek hier in irgendeiner Form vor ihren Karren zu spannen.
Am ehesten überzeugt mich noch die Aussage, dass die Freigabe der Folge ab 16 ein Problem für die
deutschen TV-Sender darstellt, da damit eine Sendung im Nachmittagsprogramm wegfällt und das
Programmschema umgestellt werden müsste. Andererseits, was läuft heute nicht alles im
Nachmittagsprogramm, was 12-16 Jährige vielleicht besser nicht sehen sollten.
Als die Serie 1996 auf Video erschien, wurde die Folge synchronisiert. Zunächst wurde versucht
zu klären, ob an den Gerüchten, dass die Folge bereits in den 70er-Jahren vom ZDF unter dem Titel
"Kirks Traum" synchronisiert wurde, etwas dran ist. Diese Gerüchte halten sich bis heute hartnäckig.
In der fraglichen Synchronisation sollte die Folge wohl ähnlich wie in
2.01: Weltraumfieber so umgeschnitten worden sein, dass sich die gesamten
Geschehnisse am Ende als ein Traum von Kirk herausstellen. K.E. Ludwig, der Synchronsprecher von
Scott, behauptete auf einer Convention einmal, dass es diese Synchronisation tatsächlich gegeben
hat, einige Jahre später sagte er das genaue Gegenteil. Auch hat bis heute keiner diese erste
deutsche Version der Folge zu sehen bekommen. Die Recherchen im Vorfeld der Videoveröffentlichung
blieben ebenfalls ergebnislos und so wurde die Folge synchronisiert. Man hielt sich bei dieser
Folge sehr genau an die Originalfassung. Das Synchronisationsdrehbuch wurde sogar von zahlreichen
Sachverständigen überprüft, um bei dieser problematischen Thematik ja keinen Fehler zu machen. Die
Synchronisation ist auch durchaus gelungen. Es wurde auf die sonstigen Albernheiten der deutschen
Synchronisation verzichtet und man hielt sich, wie bei keiner anderen Folge an das Original. Zwar
wirken die deutschen Sprecher, die für diese Folge fast alle wieder vereint werden konnten,
inzwischen viel zu alt, doch handelt es sich dabei um ein allgemeines Problem der TOS-Synchronisation.
Vor der Veröffentlichung auf DVD hätten sich die Verantwortlichen vielleicht wirklich überlegen sollen,
ob eine komplette Neu-Synchronisation der Serie nicht doch wünschenswert gewesen wäre. Doch auf dieses
Thema wurde bereits im Review zu 2.09: Metamorphose genauer eingegangen.
Für die DVD wurde die Version der Video-Veröffentlichung übernommen.
Kirk bricht hier erneut die Hauptdirektive, allerdings tut er es, ähnlich wie in
2.17: Epigonen nur, um den Einfluss, den die Föderation, hier durch
John Gill, bereits ausgeübt hat, wieder zu korrigieren. Dadurch dass John Gill am Ende erkennt, dass
die Direktive richtig ist, wird die Hauptdirektive hier also eher gestärkt als demontiert.
Zum ersten und letzten Mal erscheinen die subkutanen Minitransponder, die sich als recht nützlich
erweisen und bei denen man sich zwangsläufig fragt, wieso man diese nicht viel öfters einsetzt.
Die Folge beinhaltet unter den Gaststars keine bekannten Charaktere.
Die Folge stellt den ersten Beitrag von John Meredyth Lucas dar, nachdem er zu Gene L. Coons
Nachfolger als Produzent der Serie ernannt wurde. Er hatte bereits
2.03: Ich heiße Nomad beigesteuert, schrieb noch zwei weitere Drehbücher
und führte auch bei 3 Folgen Regie.
Zum ersten Mal in der zweiten Staffel führte hier Stammregisseur Vincent McEveety Regie.
Nach 2.17: Epigonen ist erneut die Austattung der Folge, was Kulissen
und Kostüme angeht, sehr gelungen. Für die Dreharbeiten wurden auch einige Gebäude von Paramount
verwendet, zum Beispiel das Produzentengebäude als Nazihauptquartier.
Alles in allem ist "Schablonen der Gewalt" ein zweischneidiges Schwert. Die Folge bemüht sich zwar
um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema, scheitert letztendlich jedoch an
der Komplexität des Themas und stellt das Thema doch erstaunlich oberflächlich dar. Deswegen ist
die Folge auch allenfalls Durchschnittskost unter den Star Trek Episoden.
hi,
du schreibst im bericht: "Die Folge wurde bis heute nie im deutschen Free TV
gezeigt..."
das ist leider nicht korrekt. sie wurde bereits vor 1996 (synchonierung) in
englisch
auf ORF gezeigt.
mfg Johannes
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