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von Matthias Weber

Der Fluch der ungeraden Nummer

Eines gleich vorweg: Auch wenn die Nummerierung der Filme von nun an nur noch unter Fans weiter betrieben wurde, kann auch "Star Trek VII" den "Fluch" der Trek-Filme mit ungerader Nummer nicht durchbrechen.
Der Film hat durchaus vielversprechende Ansätze, die die Macher aber leider nicht dazu nutzen, einen tollen Star Trek Film zu machen.
Das hat er mit den Filmen Star Trek - Der Film, Star Trek III - Auf der Suche nach Mr. Spock und Star Trek V - Am Rande des Universums gemeinsam, sie alle haben ihr durchaus vorhandenes Potential nicht richtig nutzen können. Sie alle bleiben am Ende hinter den Chancen zurück, die ihnen das Star Trek Universum, die Story und die Charaktere geboten haben, lediglich das Ausmaß der Katastrophe ist von Film zu Film verschieden groß.

In Anbetracht seiner zahlreichen Probleme erstaunt es, dass "Star Trek VII" bei weitem nicht der schlechteste unter diesen ungeraden Filmen ist. Er ist vom Gelingen ungefähr mit Star Trek III - Auf der Suche nach Mr. Spock zu vergleichen, lässt Star Trek - Der Film und Star Trek V - Am Rande des Universums aber doch weit hinter sich.

"Star Trek VII" hat drei große Probleme, die hier auch etwas näher beleuchtet werden sollen.
Da wäre zunächst die Handlung, die dieses Mal überhaupt nicht überzeugen kann. Schon beim ersten Anschauen offenbaren sich riesige Logik-Löcher, bei genauerem Hinsehen und Nachdenken wird der Berg an Ungereimtheiten immer noch größer.

Das zweite große Problem sind die nicht genutzten Chancen des Films. Obwohl die Handlung kaum überzeugen kann, bietet sie den Autoren an vielen Stellen die Gelegenheit tolles Star Trek auf die Kinoleinwand zu bringen und die angesprochenen Logikfehler damit vergessen zu machen. Die Autoren können die guten Ansätze der Geschichte aber nicht für tolle Szenen nutzen.

Zu guter letzt wären da noch die Charaktere, die dieses Mal sehr flach, eher eindimensional und auch nicht immer wie die Charaktere aus der Serie wirken. Der Film lässt eine gute Charakterisierung vermissen, die Charaktere, die wir nur allzu gut aus 178 TV-Folgen kennen, wirken merkwürdig neben der Spur und stolpern die Handlung entlang. Die Dialoge kommen bei weitem nicht an die Qualität der Serie heran.

Die positiven Aspekte

Dass der Film trotz seiner ganzen Kritikpunkte noch relativ ordentlich anzuschauen ist, liegt ebenfalls an drei Punkten.
Zunächst einmal langweilt der Film zu keinem Zeitpunkt. Die Handlung mag keinesfalls schlüssig sein, aber sie wird von den Machern, die fast alle auch schon zu Serienzeiten dabei waren kurzweilig erzählt und routiniert-solide umgesetzt.
Das alleine mag natürlich noch nicht dazu reichen, den Kino-Zuschauer in Jubelschreie ausbrechen zu lassen, aber wenn man sich Star Trek - Der Film anschaut, ist das auch nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit für den Star Trek-Fan.

"Star Trek VII" stellt innerhalb der Kinoreihe den Wechsel von alter Enterprise-Crew auf die neue TNG-Crew dar. Und damit sind wir auch beim 2. Punkt, warum der 7. Film nicht völlig misslungen ist. Die TNG-Crew überzeugte in ihrer Gesamtheit schon immer mehr als die TOS-Crew, bei der sowieso meist nur Kirk, Spock und McCoy größere Szenen hatten. Die TNG-Crew hat hier von Anfang an einen anderen Weg eingeschlagen und ganz bewusst das Team in den Mittelpunkt gestellt.
Auch wenn in den 7 TNG-Jahren ganz klar das Hauptinteresse auf den 3 interessantesten Charakteren Picard, Data und Riker lag, war TNG immer mehr eine Ensemble-Show. Anders als bei Kirk, ging die Position von Picard als Star der Serie niemals auf Kosten seiner übrigen Crew. Der Rest der Enterprise-Crew war immer deutlich gleichberechtigter, als die Nebencharaktere Scotty, Sulu, Chekov und Uhura zu TOS-Zeiten.
Jedes der 7 Ensemble-Mitglieder hatte eigene Episoden, wo ihr Charakter ganz im Mittelpunkt stand, ihr Hintergrund wurde viel stärker ausgeleuchtet, als das bei den TOS-Charakteren je der Fall war. Die Darsteller durften viele Charakterszenen spielen, anstatt nur Werte von Konsolen abzulesen, ein Umstand auf den die Darsteller James Doohan (Scotty), George Takei (Sulu), Walter Koenig (Chekov) und Nichelle Nichols (Uhura) ganz zu Recht neidisch sein durften. Natürlich hatten Picard, Riker und Data im Verhältnis mehr Anteil an der Handlung als die anderen Charaktere, trotzdem konnte sich keines der 7 Crewmitglieder beschweren.
Auch im übertragenen Sinne wurde uns präsentiert, dass hier ein Team am Werk ist. In vielen Episoden wurde betont, dass auch der beste Captain gar nichts ohne seine Crew ist, Entscheidungen wurden in Gruppenbesprechungen getroffen. Lösungen für knifflige Situationen kamen oft von den einzelnen Crewmitgliedern und Picard kommentierte die Vorschläge oft nur mit einem "make it so.". Auch in diesem übertragenen Sinne spielten die "Nebencharaktere" eine größere Rolle, als bei TOS, wo die Lösung zu einem Problem fast immer von Kirk oder Spock präsentiert wurde.
Gerade weil alle 7 TNG-Charaktere näher beleuchtet wurden, sind sie natürlich auch vielschichtiger angelegt als das bei TOS der Fall war, die Crew im Gesamten wirkt daher interessanter als die der Originalserie.
Gerade in ihrer Teamorientierung lag immer der große Vorteil der TNG-Crew gegenüber der TOS-Crew und schon aus diesem Grund brachte der Zuschauer der TNG-Crew von Anfang an eine gewisse Grundsympathie entgegen, vielleicht ein Grund dafür, dass die Fans trotz der eher schwachen Folgen zu Beginn, der Serie die Stange hielten. Spätestens ab der 3. Staffel mit steigender Qualität der Drehbücher wuchs die Mannschaft zu einer Einheit zusammen, die der Serie und dem Ensemble einen unheimlichen Charme verlieh. Mit ihrem Charme konnte die TNG-Crew auch gerne mal über eine schwächere Episode hinwegtrösten.

Genau das gleiche ist auch bei "Star Trek VII" der Fall. Auch wenn der Film im Ganzen nicht zu überzeugen weiß, trägt die Grundsympathie der TNG-Crew den Film zu weiten Teilen.
Das hat gar nicht unbedingt was mit den einzelnen Charakteren zu tun, denn die Charakterisierung der einzelnen Personen ist in vielen Punkten in diesem Film keineswegs gelungen. Trotzdem entsteht schon aus der Tatsache, dass nun diese sympathische Truppe auf der großen Leinwand zu sehen ist eine gewisse Grundfaszination für den Film.
So ist der Film auch beim wiederholten Anschauen immer noch nicht annähernd gut, aber trotzdem immer noch sehr unterhaltsam.

Der dritte und letzte Punkt, warum der Film trotz vieler Probleme noch zu ertragen ist, sind die Special Effects. Im Vergleich zu den Vorgängerfilmen wird uns hier ein bisschen mehr geboten. Zum einen dürfen wir natürlich neue Hauptkulissen bewundern, da nun nicht mehr Kirk mit der Enterprise-A herum fliegt, sondern Picards Enterprise-D Schauplatz der Handlung ist. Natürlich kennen wir diese Kulissen schon aus der Serie, wenn auch einige kleinere Änderungen gegenüber der Serie vorgenommen wurden. Interessanter wird es schon mit der Enterprise-B, die wir hier zum ersten und wahrscheinlich auch letzten Mal innerhalb von Star Trek gesehen haben. Auch wenn das Schiff selbst aus Kulissen vorheriger Filme aufgebaut wurde, macht es einen guten Eindruck auf der Leinwand (es wirkt auch einladender als die Enterpise-D, da diese übertrieben dunkel präsentiert wird). Gelungen sind die Szenen mit der Enterprise-B im Energieband des Nexus, vor allem der Energiestrahl der die Enterprise-B trifft und Kirk damit vermeintlich tötet, ist optisch eindrucksvoll umgesetzt worden.

Die Raumschlacht zwischen dem klingonischen Bird of Prey und der Enterprise-D enttäuscht da schon eher, vor allem da die Sequenz des explodierenden Bird of Prey komplett aus dem 6. Film entnommen wurde. Der Zuschauer wird dafür aber schon kurze Zeit später entschädigt. Die Absturz der Untertassensektion der Enterprise auf den Planeten ist tricktechnisch aller erste Sahne und zeigt, dass die Effektemacher uns in den Kinofilmen jedes Mal etwas Neues zeigen wollen. Der Absturz stellt dieses Mal den Höhepunkt der Effekte dar.

Die vielen gelungenen Effekte tragen dazu bei, den 7. Film vor allem auch optisch interessant zu machen. Doch nun zu den (leider) überwiegenden negativen Aspekten des Films.

Problem Nr. 1: Die Handlung

Die abstruse Handlung von "Star Trek VII" ist sicher mit der größte Minuspunkt des Films. Die Ungereimtheiten treten so massiv auf, wie bei keinem anderen Star Trek-Film zuvor.

Das fängt schon bei der Rettung der El Aurian-Flüchtlinge durch die Enterprise-B an. "Star Trek VII" ist nun nach den Filmen Star Trek - Der Film, Star Trek II - Der Zorn des Khan und Star Trek V - Am Rande des Universums schon der 4. Star Trek Film, der seine Handlung darauf aufbaut, dass es entweder kein anderes Schiff außer der Enterprise, oder keinen erfahrenen Kommandanten außer Kirk in der Nähe irgendeines wichtigen Geschehens gibt. Nun also wieder dasselbe Muster bei der Rettung der 2 verunglückten Schiffe mit den El-Aurian-Flüchtlingen.
Wäre die Meldung, dass die Enterprise-B das einzig verfügbare Schiff ist mit ein bisschen mehr Ironie präsentiert worden, hätte man sogar noch an einen gar nicht mal unoriginellen Insider-Gag der Autoren glauben können. Da das aber offensichtlich nicht die Absicht war, ist dieses Muster inzwischen ziemlich lächerlich, noch dazu, da es sich dieses Mal auch noch um einen Zwischenfall direkt vor der Haustür der Erde, dem Zentrum der Föderation und dem Hauptquartier der Sternenflotte handelt. Sollen wir ernsthaft glauben, dass zum Schutz dieses wichtigen Planeten nicht mehr zurück gelassen wird, als nur ein Schiff, welches kaum einsatzfähig ist.
Natürlich wäre dieser Umstand alleine noch kein Grund die Handlung zu zerreißen, aber es zeigt schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt, dass der Film auf unglaubwürdigen Begebenheiten aufgebaut ist.

Zweiter großer Schwachpunkt des Films ist alles, was mit dem Thema Nexus zu tun hat. Der Nexus ist an sich ein dermaßen haarsträubendes Handlungselement, wo einfach gar nichts zusammen passen will, dass man sich wirklich überlegt, welchem Autorenhirn so etwas nur entspringen kann.
Guinan erzählt Picard auf der Enterprise vom Nexus, trotzdem hat sie ein Echo im Nexus hinterlassen, dass offensichtlich die ganze Zeit nur auf das Eintreffen von Picard gewartet hat, um sich dann mit Picard zu unterhalten und ihn zu beraten. Klar, denn irgendjemand musste Picard ja sagen, dass er nun im Nexus ist und ihn auf Kirk aufmerksam machen.
Schon bei dieser Einführung des Nexus riecht das ganze stark nach Deus ex machina.
Mit "Deus ex Machina" bezeichnet man eine unerwartet eintretende und unerklärliche (damit meist auch sehr unglaubwürdige) Begebenheit in der Handlung, die eigentlich nur dazu dient eine Auflösung für die Handlung zu präsentieren, aus der der Autor selbst keinen Ausweg mehr gefnden hat.
Genau so etwas scheint der Nexus für Brannon Braga und Ronald D. Moore gewesen zu sein, als sie ihn in das Drehbuch von "Star Trek VII" eingefügt haben, denn letztlich dient das alles nur dazu, Soran ein Motiv zu verleihen und Kirk und Picard irgendwie zusammentreffen zu lassen, ohne schon wieder die alt bekannte Zeitreise bemühen zu müssen.
Es wäre für einen großen Kinofilm natürlich einfach zu langweilig gewesen, wenn Picard Soran auf dem Planeten einfach erledigt hätte, bevor er die Rakete abschießen kann, mal abgesehen davon, dass man dann Kirk nicht hätte integrieren können. Also werden Soran und Picard in den Nexus gezogen, damit das alles etwas spektakulärer wird und Kirk auch noch mitmischen darf. Das Problem ist nur, dass jetzt eben alle 3 (Picard, Soran, Kirk) im Nexus sitzen. Also was tun?, werden sich die Autoren gefragt haben. Ganz einfach, man tut einfach so, als könnte man den Nexus einfach so wieder verlassen. Und genau hier wird es wieder extrem unlogisch.

Kirk und Picard - ganz die Helden natürlich imun gegen die Verlockungen durch die ewige Glückseligkeit im Nexus - entscheiden mal kurz, dass sie den Nexus verlassen wollen und mir nix, dir nix, sind 230 Millionen Bewohner von Veridian IV und 1000 Crewmitglieder der Enterprise wieder von den Toten auferstanden, die Zeit wurde etwas zurück gedreht und Soran wurde zusammen mit Kirk und Picard aus dem Nexus gerissen.
Wow, der Nexus ist schon eine tolle Sache. Jeder Autor sollte einen haben, denn er kann alle Autoren-Wünsche sofort erfüllen.

Noch unglaubwürdiger wird es, wenn man mal etwas genauer über die Sache nachdenkt. Wenn man den Nexus schon einfach verlassen kann, um einfach so die Zeit zurück zu drehen, um dann noch einen Versuch zu haben, Soran zu stoppen, warum um alles in der Welt sprint Picard denn dann nur ein paar läppische Minuten zurück? Warum nicht gleich ein paar Stunden, um die Rakete vor Sorans Eintreffen zu zerstören, oder vielleicht sogar noch weiter vor den Angriff der Raumstation. Dann hätte er sich auch das ganze mühsame Überreden von Kirk sparen können, denn den hätte er dann gar nicht gebraucht. Aber gut, dann hätte der Film-Plot natürlich nicht funktioniert.
Interessant ist auch die Überlegung, dass Picard und Kirk letztlich unendlich viele Chancen haben Soran zu stoppen. Wenn es nicht gelingt und sie wieder im Nexus landen, können sie es ja einfach noch einmal probieren.

Nicht überzeugend ist auch die Erklärung, warum Soran überhaupt diesen umständlichen Weg wählt, um wieder in den Nexus zu komen. Dass alle Schiffe, die in den Nexus fliegen zerstört werden, ist lediglich eine Ausrede der Autoren um keinen vernünftigen Grund nennen zu müssen, denn es gibt schlicht und einfach keinen. Immerhin sind die El Aurian-Flüchtlinge und Kirk ja auch auf einem Schiff gewesen, als sie in den Nexus gezogen wurden. Und selbst wenn ein hineinfliegen mit einem Schiff zu gefährlich wäre, warum beamt er dann nicht direkt in das Energieband? So schwierig kann das doch wirklich nicht sein, er hatte schließlich 80 Jahre Zeit zu überlegen.

Im Hinblick auf die Logik im Film, ist auch die Raumschlacht zwischen der Enterprise-D und den Klingonen interessant. Die Klingonen bekommen die Schildfrequenz der Enterprise raus und können somit Torpedos durch die Schilde der Enterprise schicken. Es erscheint schon etwas unglaubwürdig, dass man die wohl sehr wichtige Schildfrequenz einfach so auf einer Konsole ablesen kann. Aber gut, dass kann man ja noch verschmerzen. Nun schießen die Klingonen also auf die Enterprise und was macht die Sternenflotten-Crew? Anstatt den Klingonen eine volle Ladung Torpedos und Phaserschüsse vor den Latz zu knallen (immerhin haben die es ja mit einem alten, klapprigen, stark unterlegenen Bird of Prey zu tun, so schwer kann es nicht sein die Schilde zu durchdringen), versuchen sie mit einem schwerfälligen Ausweichmanöver den bösen Torpedos auszuweichen. Wer hätte gedacht, dass die Torpedos da gewinnen? Anstatt einfach mal die Schildfrequenzen rotieren zu lassen (in früheren, vergleichbaren Situationen war das imm er der erste Gedanke der Crew) lässt man sich einfach weiter von den Klingonen beschießen.

Nicht weniger verwunderlich ist die Reaktion der Klingonen, als die Enterprise-Crew es geschafft hat, beim Bird of Prey die Tarnung ein- und damit die Schilde auszuschalten. Anstatt die Tarnung wieder zu deaktivieren und die Schilde hochzufahren, oder sein Glück dieses Mal vielleicht wirklich mit einem Ausweichmanöver zu probieren (denn die Enterprise kann die Position des Klingonenschiffs im getarnten Zustand ja nicht orten) schaut man einfach zu, wie der Torpedo näher kommt und damit den Tod für alle Klingonen bringt. Vielleicht war ja auch einfach ein guter Tag zum Sterben.

Die ganze Handlung ist eine Aneinanderreihung von Plot-Holes und hätte vermutlich lieber im Müll landen soll, anstatt auf der Kinoleinwand.

Die Unterschiede zur Abschluss-Doppel-Episode der TNG-Serie 7.25 + 7.26: Gestern, heute, morgen sind interessant. Sowohl die beiden Episoden, als auch der Kinofilm wurden von Brannon Braga und Ronald D. Moore geschrieben. Auch die Abschluss-Episode von TNG weist einen krassen Logikfehler auf: Die Enterprise-Crew untersucht hier in 3 verschiedenen Zeitperioden eine Anomalie, wobei die Anomalie in der Zukunfts-Zeitlinie zunächst nicht zu sehen ist. Später stellt die Crew fest, dass die Anomalie rückwärts durch die Zeit wächst, also in der Vergagenheit immer größer wird. Daraufhin fliegt auch die Enterprise in der Zukunft noch einmal zum Ort der Anomalie zurück und sieht sie jetzt, obwohl sie kurz davor noch nicht da war. Das kann natürlich nicht sein, da die Anomalie ja eben rückwärts und nicht vorwärts durch die Zeit wächst, also nach ihrer Entstehung erst recht nicht da sein dürfte.
Auch wenn es sich hier nur um einen einzigen Logikfehler in dieser Abschluss-Episode handelt, so ist dieser doch so gravierend, dass er die Logik der ganzen Handlung untergräbt. Letztlich ergibt dadurch die ganze Handlung keinen Sinn mehr, genauso wie die ganzen Logik-Fehler in "Star Trek VII" dazu beitragen, dass die Handlung des Films keinen Sinn ergibt und unglaubwürdig ist. Trotzdem bescheinigen fast alle Kritiken der TNG-Abschluss-Episode, dass sie einen hervorragenden Abschluss der Serie darstellt, während bei "Star Trek VII" fast alle auf den besprochenen Logikfehlern "rumhacken". Woran das liegt, ist leicht zu beantworten. Die Folge 7.25 + 7.26: Gestern, heute, morgen erzhält uns (von diesem offensichtlichen Fehler abgesehen) eine durch und durch fesselnde Geschichte mit tollen Charakterszenen und Dialogen. Jeder Zuschauer verzeiht einer solchen, mitreißenden Handlung sofort den einen oder anderen Fehler im Drehbuch. Eventuell hätte man "Star Trek VII" die ganzen Logikfehler auch verziehen, wenn eine fesselnde Geschichte dabei rausgekommen wäre. Das ist aber leider nicht der Fall. Der Film mag kurzweilig und optisch durchaus ansprechend sein, der Gesamteindruck überzeugt aber einfach zu wenig, als dass man solche massiven Fehler als Zuschauer akzeptieren würde.

Problem Nr. 2: Die nicht genutzten Chancen

Und damit sind wir beim 2. großen Problem des Films, den verschenkten Möglichkeiten. Trotz der schwachen Handlung bieten sich den Autoren viele Gelegenheiten ihre Versäumnisse durch tolle Szenen und neue Einblicke in die Charaktere wieder gut zu machen, doch sie lassen sie ungenutzt verstreichen.
Da wäre zum Einen Datas Emotionschip. Jahrelang arbeitete Data daraufhin menschlicher zu werden und nun hat er seinen vielleicht größten Schritt dahin getan, doch von den Autoren wird das lediglich in ein paar humorvollen Szenen thematisiert, anstatt hier wirklich einmal tiefgehende Charakterszenen zu zeigen.
Ähnlich ist der Umgang mit Picard. Der Tod seiner beiden engsten Verwandten hätte dem Film die Möglichkeit gegeben, Picards Charakter näher auszuleuchten und neue Facetten zu zeigen, stattdessen wird in einigen, noch dazu eher misslungenen, Szenen lediglich an der Oberfläche der Thematik gekratzt. Letztlich kommt einem der Tod von Robert und René wie ein notwendiges Übel vor, welches die Autoren abarbeiten mussten, um Picards Version des ewigen Glücks im Nexus später plausibel zu machen.
Die fehlende Vertiefung dieser Themen schlägt sich auch negativ auf den Eindruck der beiden Charaktere Picard und Data nieder. Deswegen dazu später noch mehr.

Und dann natürlich das große Zusammentreffen zwischen Picard und Kirk. Jahrelang wurde in Fankreisen darüber gestritten, wer denn nun der bessere Captain ist und alle fieberten sie der Begegnung zwischen den beiden Anführern der Enterprise entgegen. Und was kommt dann? Ein paar sinnlose Reitszenen hier und ein bisschen Faustkampf dort und dann natürlich noch der Tod von Kirk, der mal überhaupt nichts heldenhaftes an sich hat. Und dafür musste das Ende extra neu gedreht werden? Um Kirk dann mit einer alten Stahlbrücke den Berg hinunter rauschen zu lassen, von der er dann zu allem Überfluss auch noch erschlagen wird? Warum eigentlich? Warum musste Kirk denn unbedingt sterben? Hier berauben sich die Autoren doch selbst ihrer Möglichkeiten Kirk vielleicht in Zukunft noch einmal auftreten zu lassen. Man hätte Kirk jedenfalls ein würdigeres Ende gewünscht. Auch die Sterbeszene an sich ist zwar schon in Ordnung, so beeindrucked wie die von Spock in Star Trek II - Der Zorn des Khan war sie aber bei weitem nicht.
Der Film versteht es auch nicht, uns die Verluste, die die Handlung mit sich bringt, nahe gehen zu lassen. Mit Kirk stirbt einer der wichtigsten Charaktere des Star Trek Universums, sein Tod lässt uns aber merkwürdig kalt. Genauso bei der Enterprise. Das Schiff, dass uns durch 178 TV-Abenteuer begleitet hat, wird zerstört, doch die Autoren verstehen es nicht, Abschiedsschmerz aufkommen zu lassen, dafür geht am Ende doch alles viel zu schnell. Man wird den Eindruck nicht los, dass die Autoren keine Lust haben, die eigentlich interessanten Themen des Films näher zu beleuchten, stattdessen wird immer nur an der Oberfläche gekratzt.

Doch zurück zum Aufeinandertreffen Picard-Kirk. Warum um alles in der Welt wählen die Autoen eigentlich ein hirnloses Faustkampfszenario als Finale des Films? Die Autoren hätten die Chance gehabt, das Zusammentreffen der Captains zum größten und besten Crossover zwischen den Star Trek Serien aller Zeiten zu machen. Aber was machen sie? Sie vergeben die Chance für eine kleine Schlägerei mit dem verrückten Soran. Phantasielos, kann man da nur sagen. Mein Gott, liebe Autoren, das sind immerhin die beiden begnadedsten Kommandanten, die die Sternenflotte je gesehen hat, beide mit ganz unterschiedlichen Stärken. Picard der weltgewandte Diplomat, Kirk der Stratege und Draufgänger, der noch aus jeder ausweglosen Situation eben doch einen Ausweg gefunden hat. Warum wird für dieses Zusammentreffen nicht ein würdiges Szenarion entworfen, in dem beide Captains ihre Stärken zeigen müssen und mit ihren Schwächen konfrontiert werden? Stattdessen hätte Picard auch mit jedem anderen Typen, der gerade im Nexus rumhängt Soran verprügeln können, dafür braucht er doch nicht den altersschwachen Kirk zu rekrutieren.

Es liegt nicht an der Kombination Picard-Kirk, die viele vor Drehstart des Films problematisch fanden, dass dieses Zusammentreffen irgendwie nicht zu dem wird, was man sich als Zuschauer erhofft. Im Gegenteil, die beiden Charaktere harmonieren gut miteinander, wenn die Autoren sie denn mal harmonieren lassen. Zunächst einmal wirken die Dialoge beim Zusammentreffen sehr hölzern und irgenwie reden die beiden sowieso aneinander vorbei. Das sollte wohl witzig sein, dass Picard von der Mission erzählt, während Kirk nur sein Frühstück im Kopf hat. Nur dumm, dass das nicht so richtig witzig ist, es verhindert eigentlich nur lange Zeit, dass hier eine Chemie zwischen den Darstellern und den Charakteren entsteht. Das darf dann erst bei der Reitszene passieren. Hier passt fast alles zusammen, die Charaktere harmonieren gut, die Dialoge sind zumindest besser als davor, die Landschaftsaufnahmen eine Abwechslung zur normalen Star Trek Umgebung. Auch die Erkenntnis, dass der Nexus als Paradies nicht geeignet ist, weil man ja doch weiß, dass es eben nicht real ist, passt zu Kirk. Schon zu TOS-Serienzeiten hatte er immer wieder gepredigt, dass der Mensch nicht für das Paradies geschaffen ist. Da ist es nur passend, dass er hier nun dem Paradies den Rücken zukehrt, um wieder auf eine Mission zu gehen.

Problem Nr. 3: Die Charaktere

Das dritte größere Problem des Films sind die Charaktere. Während die TNG-Crew als Team genauso wie in Serienzeiten zu überzeugen weiß und den Zuschauer trotz der vielen Probleme mit ihrem Charme und ihrer Sympathie auf ihre Seite zieht, sind die Charaktere in der Einzelanalyse nicht so gut getroffen. Wie schon beim ersten Film präsentiert uns auch "Star Trek VII" Charaktere, die wir zwar aus der Serie kennen, die aber an vielen Stellen eine ordentliche Charakterisierung vermissen lassen. Oft kommt es sogar zu einem Bruch mit den Charakteren aus der Serie.

Da wäre zunächst Picard, der mit einem tragischen Verlust, dem Tod seines Bruders Robert und seines Neffen René konfrontiert wird. Da ist natürlich Trauerarbeit angesagt. Doch Picard trauert auf eine merkwürdige Art und Weise. So offenbart er Troi in einer sowohl charaktertechnisch als auch schauspielerisch erstaunlich schwachen Szene, dass es nun keine weiteren Picards mehr geben wird und die Familiengeschichte somit ein Ende hat. Er hätte sich der Weiterführung der Familiengeschichte niemals verpflichtet gefühlt, weil sein Bruder ja ein Kind bekommen hat. Bitte? Wie dürfen wir denn das jetzt verstehen? Geht es Picard nun eigentlich um den Tod seiner engsten Verwandten, oder um den Fortbestand des Namens Picard? Natürlich gestehen wir Picard Trauer über seine Angehörigen zu, aber er soll doch bitte nicht in Selbstmitleid darüber versinken, dass er nun der letzte Picard sein wird. Das geht doch stark an der Thematik vorbei und so kennen wir unseren Captain der Enterprise-D nicht und so wollen wir ihn auch nicht sehen.
Picards Familiengeschichte wirkt, wie oben schon festgestellt, sowieso eher lieblos für den Film herangezogen, um später im Nexus etwas zu haben, was man den Zuschauern als Picards unvorstellbares Glück präsentieren kann.

Die Nexus-Szene mit Picard wirkt dann aber dermaßen kitschig und ist an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Picards Familienwunsch wird extrem plump dargestellt, hinzu kommt, dass Picard einen Haufen oberstreberhafte Musterkinder hat.
Selbst René, den wir als Zuschauer schon aus der TNG-Folge 4.02: Familienbegegnung kennen, ist inzwischen ebenfalls zu einem oberbraven Musterkind mutiert, der weder von seinem Verhalten noch vom Äußeren irgendeine Ähnlichkeit mit dem Jungen aus der TV-Folge hat (letzteres übrigens bedingt durch einen Schauspielerwechsel).

Letztlich verwundert es uns kaum, dass Picard bei dieser Art von spießiger Familienidylle den Nexus auf schnellstem Wege wieder verlassen will.

Auch Picards Vorgehen um Soran zu stoppen, kann wenig überzeugen. Seine Strategie sich mit Geordi austauschen zu lassen, wirkt wenig durchdacht. Lursa und B'Etor sind nicht gerade Gegenspieler, denen man vertrauen kann. Woher weiß Picard, dass sie ihn wirklich zu Soran beamen? Außerdem muss er ja auch damit rechnen, dass Soran Vorsichtsmaßnahmen getroffen hat. Auf den Planeten gebeamt, latscht Picard dann natürlich auch prompt erstmal in Sorans Kraftfeld. Dann steht er ewig nur blöd herum, weil er das Kraftfeld nicht durchdringen kann. Hätte er nicht durch Zufall die Lücke im Kraftfeld gefunden, wäre er da wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit stehen geblieben, während Riker auf der Enterprise mit den Klingonen kämpft. Zwischendurch mal ein Versuch Soran mit Worten von seinem Vorhaben abzubringen, aber alles auch eher halbherzig.

Seltsam lieblos geht Picard in der letzten Szene des Films mit dem Artefakt um, dass er in der Folge 6.20: Das fehlende Fragment von seinem ehemaligen Archäologie-Professor bekommen hat. Das antike Stück hat im damals viel bedeutet und es wirkt unglaubwürdig, dass Picard es jetzt einfach lieblos in die Ecke wirft, um es im Wrack der Enterprise zurück zu lassen, dass passt nicht zu Picard.

Alles in allem bekommt man des öfteren den Eindruck, nicht den Picard der Serie zu sehen.

Riker hat sehr wenige persönliche Szenen im Film, er wird vor allem bei der Erfüllung seiner Pflicht gezeigt, weswegen man auch wenig über seinen Charakter als solchen aussagen kann.

Aber gerade als Kommandant der Enterprise war er auch schon mal besser in Form. Vier Jahre zuvor hatte er in einer brillianten Strategie die Borg besiegt, den schlimmsten Gegner, den die Föderation wohl je hatte und nun lässt er sich von ein paar abtrünnigen Klingonen in einem uralten Bird of Prey übertölpeln und verliert dabei auch noch die Enterprise. Warum lässt er nicht die Schildfrequenzen ändern oder gar rotieren, wie das gerade beim Zusammentreffen mit den Borg schon öfter gemacht wurde. Wenn die Klingonen einfach so die Schilde durchdringen können, erscheint dieser Schritt irgendwie logisch. Stattdessen versucht er den Torpedos mit einigen schwerfälligen Ausweichmanövern zu entkommen. Tolle Strategie.

Und dann plötzlich Picards Entscheidung, Soran alleine entgegen zu treten. Man hätte lautstarke Proteste von Riker erwartet. Er war doch sonst immer darauf bedacht, Picard auf seinen Platz auf der Brücke hinzuweisen und ihn nicht unnötig in gefährliche Situationen zu schicken. Was ist denn hier auf einmal los mit ihm? Auch hier wurde wieder einmal die Handlung auf dem Rücken der Charaktere ausgetragen.

Gelungen ist die Abschiedsszene am Ende des Films, als Riker seinem Captain offenbart, dass er insgeheim gehofft hat, eines Tages den Posten des Enterprise-Captains zu bekommen.

Data ist der zweite TNG-Charakter der deutlich stärker beleuchtet wird. Dabei wird man als Kenner der Serie aber ähnlich wie bei Picard das Gefühl nicht los, nicht den Charakter zu sehen, den man aus 7 TNG-Staffeln kennt.
Allen voran wirkt Datas überstürzte Entscheidung nun doch den Emotionschip einzusetzen wenig überzeugend. Wir durften Data 7 Jahre lang dabei zusehen, wie er versucht hat menschlicher zu werden, Humor zu begreifen und Emotionen erleben zu können. Dabei gab es mehr als einmal größere Rückschläge, doch alles in allem entwickelte Data sich in diesen Jahren weiter. Er verstand vielleicht nicht jeden Scherz seiner Kameraden, trotzdem konnte er mit Humor umgehen, auch wenn er selbst eben nicht zum Lachen fähig war.
Wenn er nun zu Beginn der TNG-Handlung des Films Dr. Crusher fragt, wieso es witzig sei, Worf ins Wasser fallen zu lassen, dann ist das ein Bruch mit der Figur, denn soweit hatte Data den Humor schon längst verstanden. Dies wirkt eher wie ein ärmlicher Versuch der Autoren nebenbei auch den unbedarften Kino-Zuschauern klar zu machen, dass Data eben kein Mensch sondern ein Android ist.
Selbst wenn man diesen Teil noch akzeptiert, dann wirkt es doch unglaubwürdig, dass Data nach all den Jahren wegen eines einzigen missglückten Scherzes seinerseits gleich zum Emotionschip greift. Da gab es in der Serie schon gewichtigere Gründe, diesen einzusetzen, als dass diese Wendung nun glaubwürdig erscheint. Das hätte man schon besser begründen müssen.
Man hätte den Autoren, bzw. dem Film die schwache Begründung noch verziehen, wenn aus der Nutzung des Emotionschips die Handlung voran gekommen wäre, oder viele tolle Szenen entstanden wären, doch auch das ist leider nicht der Fall. Einzig und allein die Szene im astronomischen Labor mit Picard und Data ist ausgezeichnet und wird sowohl von Patrick Stewart (Picard), als auch von Brent Spriner (Data) toll gespielt. Hier kommen kurze Zeit wieder die gewohnten Charaktere zum Vorschein, nur um gleich wieder zu verschwinden.
Ansonsten wird die Handlung rund um den Emotionschip kaum genutzt. Hier hätte es dermaßen viele Möglichkeiten gegeben, tolle Charakterszenen aus dieser Entwicklung zu schöpfen. Für Data ist das immerhin der größte Sprung hin zur Menschlichkeit überhaupt. Doch im Film wird das alles fast nur aus der Humor-Perpektive beleuchtet, als ob es für Data keine anderen Emotionen geben würde. Gut, ein paar andere Emotionen gibt es auch noch, ein bisschen Angst hier, ein bisschen Schuldgefühl dort, aber alles immer schön an der Oberfläche. Wir wollen den Zuschauer ja nicht mit echten Charakterszenen überfordern. Letztlich wird der Emotionschip für eine Aneinaderreihung von belanglosen Szenen, ohne jegliche emotionale Tiefe verheizt. Data als Pausenclown des Films, wenn gerade mal nicht irgendwas in die Luft fliegt.

Brent Spiner, Datas Darsteller, kann einem dabei schon leid tun. Vor lauter Uninspiriertheit des Drehbuchs sacken auch seine Darstellerleistungen deutlich ab. Er schafft es nicht wie in der Serie, seiner Figur Leben einzuhauchen.

Einen relativ großen Part der Handlung nimmt Geordi ein, wobei sein Charakter selbst wenig beleuchtet wird. Er dient meist nur als Stichwortgeber für Data. Für seinen Charakter wäre es interessanter gewesen, wenn die bereits gedrehte Folter-Szene zwischen ihm und Soran nicht aus dem Film herausgeschnitten worden wäre, denn ansonsten kommt eben auch er nicht über den Status eines normalen Crewmitglieds hinaus, welches an der Mission beteiligt ist.

Worf hat gleich zu Beginn des Films einen etwas größeren Part, er wird für seine Leistungen in den vergangenen Jahren zum Lieutenant Commander befördert. Anschließend verschwindet er aber extrem schnell in der Versenkung und darf kaum noch etwas zum Film beitragen.

Troi hat eine etwas größere Szene, in Picards Quartier, in der sie versucht ihn in seiner Trauer zu unterstützen. Da die Szene an sich leider nicht so toll ist, ist das für Trois Charakter natürlich auch nicht gerade förderlich. Ansonsten hat Troi das Problem, dass in den Kinofilmen allgemein nicht so viel Platz für Charakterszenen bleibt, weshalb auch sie als Counselor autmoatisch nicht so viel Anteil an der Handlung hat, so auch hier in diesem Film. Sie darf noch ein bisschen an den Konsolen rumsitzen, aber ansonsten bleibt sie im Hintergrund.

Dr. Crusher hat von allen 7 Hauptcharakteren am wenigsten Handlung und Leinwand-Präsenz. Dieses Problem sollte sich bei ihrem Charakter auch in den nächsten Kinofilmen noch fortsetzen. Da sie eben kein Brückenoffizier ist, hat sie an sich schon weniger Szenen. Die Autoren haben es bei keinem der Filme geschafft, das durch Handlungsstränge für Crsuher auszugleichen. So wird ihre Rolle von Film zu Film immer bedeutungsloser.

Zusätzlich zu den 7 TNG-Charakteren muss man bei "Star Trek VII" auch noch 3 TOS-Charaktere beleuchten, was die Anzahl der Hauptpersonen im Film nochmal drastisch erhöht.
An Kirks Charakterisierung gibt es eigentlich wenig zu meckern. Dass das Zusammentreffen zwischen ihm und Picard nicht so richtig funktionieren mag, liegt nicht an ihm, sondern eher an den Autoren, die es versäumen hier gute Dialoge und eine sinnvolle Handlung zu schreiben.
Weniger überzeugend ist das emotionale Dilemma im Nexus umgesetzt worden. Wenn es auch bei Kirk durchaus zu seinem Charakter passte, dass er nicht im Paradies leben will, so war das Verlassen des Nexus doch etwas zu einfach, sowohl für Kirk, als auch für Picard. Das Dilemma, dass hier immerhin die ewige Glückseligkeit hinter sich gelassen wird, wurde bei beiden kaum herausgearbeitet.

Chekov und Scotty nehmen deutlich weniger Zeit der Handlung in Anspruch, sie sind ingsesamt nur 15 Minuten zu sehen und agieren eigentlich nur in Kombination mit Kirk.
Die Dialoge zwischen den 3 TOS-Stars auf der Enterprise-B sind dabei durchaus gut geschrieben. Das muss man den Autoren insbesondere deswegen anrechnen, da Ronald D. Moore und Brannon Braga niemals auch nur eine Zeile Drehbuch für die Originalserie oder deren Kinofilme geschrieben haben. Trotzdem zeigen die Dialoge, dass sie die Charaktere scheinbar verstanden haben und mit ihnen umzugehen wissen.
Dumm ist hierbei nur, dass am Ende nicht diejenigen Charaktere auf der Leinwand zu sehen sind, für die die Dialoge ursprünglich geschrieben wurden. Wären Spock und McCoy tatsächlich dabei gewesen, wären diese 15 Minuten zu Beginn durchaus sehenswert gewesen. Leider wirkt das in der Umsetzung aber nicht, denn Leonard Nimoy und DeForest Kelley lehnten die Rollen ab. Sie wurden einfach durch Scotty und Chekov ersetzt, ohne groß etwas an den Dialogen zu ändern, ob aus Zeitgründen oder aus Bequemlichkeitsgründen ist unbekannt. Das merkt dann aber der etwas geübte TOS-Zuschauer leider allzu schnell und so wirken die Dialoge auf der Enterprise-B irgendwie ein bisschen fehl am Platz.

Soran stellt den Gegenspieler Nr. 1 des Films dar. Hierbei muss man leider urteilen, dass er nicht im Entferntesten an die grandiosen Gegenspieler Kirks (Khan aus Star Trek II - Der Zorn des Khan und Chang aus Star Trek VI - Das unentdeckte Land) erinnert.
Er erinnert eher ein bisschen an den durchgeknallten Sybok aus Star Trek V - Am Rande des Universums, der auch nicht so richtig überzeugen wollte. Bei Soran liegt das vielleicht auch einfach daran, dass er eigentlich kaum Dialogzeilen hat. Malcolm McDowell kann der Figur mit den wenigen Dialogzeilen kein Leben einhauchen.

Lursa und B'Etor als weitere Gegenspieler sind hingegen ganz nett. Natürlich stimmt es, dass hier nun schon zum x.ten Mal die Klingonen als Schurken herhalten mussten und das Lursa und B'Etor auch nicht die interessantesten TNG-Gegenspieler waren, aber immerhin hat man mit ihnen jemanden auf der Leinwand, den die Zuschauer schon kennen und mit ihrem Tod wird hier auch ein offener Handlungsstrang der TNG beendet.

Guinan hat im 7. Film nach ewigen Zeiten wieder einen Auftritt. In der Serie war sie seit der Folge 6.22: Verdächtigungen nicht mehr zu sehen gewesen. Leider enttäuscht ihr Auftritt im Film ziemlich. So richtig viel darf sie nicht zur Handlung beitragen, außer Picard ein paar Dinge über den Nexus zu erzählen. Auch der erste Blick auf ihr Quartier enttäuscht ein bisschen. Warum hat man denn die Gelegenheit des Films nicht endlich genutzt, um Guinans Vergangenheit und das Zustandekommen der Freundschaft mit Picard aufzuklären. In verschiedenen Folgen hat man bisher immer nur Bruckstücke hierüber erfahren, die sich zum Teil auch noch widersprechen. Wenn der Film sowieso schon auf Guinans Vergangenheit eingeht, hätte man das ja vielleicht auch klären können.

Der Übergang vom TV-Schirm auf die große Leinwand

Etwas beeindruckendes gibt es dann aber doch noch an "Star Trek VII" und das ist die Art und Weise, mit der hier die Serie den Übergang zum Kinofilm schafft. Inzwischen gibt es ja etliche Serien, die nach ihrem Ende ein Revival im Kino erleben, allerdings gibt es dabei nur wenige Beispiele, bei denen der Sprung auf die große Kinoleinwand ähnlich reibungslos vollzogen wurde. Auch der Kontrast zur eignenen Vorgängerserie könnte kaum größer sein. Als TOS ins Kino kam, geschah das 10 Jahre nach Serienende, nur noch wenige Personen hinter den Kulissen waren auch schon bei der Serie tätig. Der Film an sich war mehr ein Zufallsprodukt, da eigentlich eine 2. Fernsehserie geplant war. Die Verantwortlichen zerfleischten sich im Vorfeld um Kompetenzen und Nennungen in den Credits des Films, die Dreharbeiten zogen sich daher ewig hin. Kulissen und Raumschiffmodelle mussten alle komplett neu gebaut werden, weil die alten nicht mehr zur Verfügung standen und außerdem auch nicht mehr zeitgemäß waren. Alles in allem war der Stilbruch gegenüber der Fernsehserie gewaltig.
Ganz anders bei TNG. Der Film wurde bereits während der der Produktion der 6. TNG-Staffel geplant. Die Vorbereitungen und Dreharbeiten begannen quasi direkt nach Ende der Serie, teilweise sogar parallel dazu. Fast alle Verantwortlichen, die bei der Serie dabei waren, waren auch wieder am Kinofilm beteiligt. Infolgedessen gab es auch keine Kompetenzstreitigkeiten oder sich ewig hinziehende Dreharbeiten. Die Kulissen der Serie wurden für den Film leicht verändert, bzw. ergänzt, aber ansonsten weiter verwendet. Die einzige wirklich neue Kulisse innerhalb der Enterprise war das Astronomie-Labor, in dem Picard und Data Sorans Plan auf die Spur kommen. An den anderen Kulissen wurden einige Details hinzugefügt, auf der Brücke gab es zum Beispiel neue Konsolen an der Seite. Das war nötig geworden, weil die Kulissen für die große Kinoleinwand nicht detailliert genug waren. Das war auch der Grund warum man sich letztlich dafür entchied die Enterprise-D in diesem Film zu zerstören und im nächsten Kinofilm neue Kulissen und ein neues Schiffsmodell zu bauen, extra für die Anforderungen des Kinos.
Die Umsetzung des Wechsels auf die Kinoleinwand beeindruckt insbesondere wenn man beachtet, was die Macher zeitlgleich noch an anderen Projekten am Laufen hatten. Zunächst musste natürlich TNG als Serie zu Ende gebracht werden, die Schwesterserie DS9 war gerade mitten in der Produktion der 2. Staffel. Nebenbei entwickelte das Team die TNG-Nachfolgeserie Voyager. Fast schon nebenbei wurde der 7. Kinofilm gedreht.

Die gewohnten Enterprise-Kulissen wurden dieses Mal in ziemlich düsterem Licht aufgenommen, um die Makel, der nicht fürs Kino konstruierten Kulissen zu verschleiern. Das führt am Ende dazu, dass alles ein bisschen zu dunkel erscheint und die TNG-Kulissen das wohnliche Flair verlieren, welches sie zu Serienzeiten noch ausgestrahlt haben.
Was bei der Szene in 10 vorne besonders auffällt, ist die Tatsache, dass ein Kinofilm ein Vielfaches des Geldes einer Fernsehfolge zur Verfügung hat. Deswegen können auch viel mehr Statisten zum Einsatz gebracht werden, um die Enterprise somit noch lebendiger erscheinen zu lassen. Allerdings wirkt 10 vorne in der Szene, in der Picard Soran besucht fast ein wenig übervoll. Hier haben es die Produzenten vielleicht etwas übertrieben.

Nitpicking

Einige kleinere Ungereimtheiten in Star Trek VII sollen auch nicht unerwähnt bleiben, auch wenn sie nicht so gravierend sind, wie die weiter oben genannten Logikfehler.
Zunächst wäre da natürlich der oft zitierte Widerspruch zur TNG-Episode 6.04: Besuch von der alten Enterprise. In dieser Folge wird Scotty aus dem Transporterpuffer eines alten Schiffes geholt. Nachdem er wieder materialisiert wurde, meint er, dass es sicher Kirk persönlich war, der ihn da raus geholt hat. Da scotty nun aber nach den Ereignissen in "Star Trek VII" davon ausgeht, dass Kirk tot ist, macht die Bemerkung eigentlich keinen Sinn. Der Widerspruch ist natürlich schnell erklärt. Die Autoren wussten beim Schreiben der TNG-Folge natürlich noch nicht, was sie später im 7. Kinofilm mit Kirk vorhaben würden. Aber gehen wir einfach mal zu ihren Gunsten davon aus, dass Scotty halt einfach ein bisschen benebelt war, nachdem er jahrzehntelang in diesem Transporterpuffer hing.

Auch nicht ganz logisch ist die Verdunklung der Sonne des Veridian-Systems, als Soran die Rakete auf sie abschießt. Die Rakete würde zunächst eine ganze Weile zu dieser Sonne brauchen und wenn sie dann detoniert ist, würde es noch mal ein bisschen Zeit brauchen, bis das Erlöschen der Sonne auf dem Planaten zu sehen ist, so wie es bei unserer Sonne auch 8 Minuten dauert, bis das Licht auf der Erde eingetroffen ist. Würde unsere Sonne also erlöschen, würden wir das erst 8 Minuten später bemerken.

Merkwürdig ist auch das Vorbeiziehen des Nexus. Als Picard beim ersten Versuch Soran zu stoppen von diesem niedergeschlagen wird, startet kurz darauf die Rakete und die beiden werden in den Nexus gezogen. Beim 2. Versuch zusammen mit Kirk geht das Geschehen genau bei dieser Stelle wieder los. Dieses Mal dauert es aber eine halbe Ewigkeit, bis die Rakete endlich die Startsequenz einleitet, genug Zeit für Picard und Kirk, Soran unschädlich zu machen.

Ein wahres Durcheinander herrscht dieses Mal bei den Uniformen der Enterprise-Crew. Da es offensichtlich nicht genug Exemplare von den neuen Uniformen gab, die bei DS9 zum Einsatz kommen, wurden gleichzeitig auch noch die alten Uniformen der TNG-Serie verwendet. Das geht soweit, dass die Hauptpersonen ständig zwischen den verschiednen Uniform-Versionen hin- und herwechseln.

Die Synchronisation

Die deutsche Synchronisation ist dieses Mal ok. Mit Detlef Bierstedt (Riker), Michael Pan (Data), Charles Rettinghaus (Geordi) und Raimund Krone (Worf) waren bei diesen Charakteren die üblichen Synchronsprecher am Werk. Bei den Charakteren Picard, Troi und Dr. Crusher hatte es schon zu Serienzeiten einen Wechsel gegeben, als die Serie vom ZDF zu Sat.1 wechselte. Mit Rolf Schult (Picard), Evy Kryll (Troi) und Rita Engelmann (Crusher) waren beim 7. Film nun wieder die Synchronsprecher tätig, die die Rollen zu ZDF-Zeiten sprachen. Da sich die Synchronfirma beim ersten Wechsel der Sprecher große Mühe gegeben hatte, ähnliche Stimmen zu finden, fällt auch der erneute Wechsel zurück zu den ursprünglichen Stimmen nur dann auf, wenn man wirklich darauf achtet.
Kirk bekam mit Gert-Günther-Hoffmann wieder seine Standard-Synchronstimme. Auch Scotty wurde wieder von K.E. Ludwig synchronisiert, der jedoch kurz nach Vollendung der deutschen Version starb. Chekov bekam dieses Mal die deutsche Stimme von Frank Glaubrecht. Glaubrecht hatte Chekov schon in Star Trek III - AUf der Suche nach Mr. Spock synchronisiert.

Auch Guinan bekam mit Regina Lemnitz die Synchronstimme zurück, die sie schon zu ZDF-Zeiten hatte.

Schlecht war, dass der Begriff "Starfleet" wieder (wie in den Filmen üblich) mit Raumflotte übersetzt wurde, obwohl sich in der TNG-Serie "Sternenflotte" durchgesetzt hatte.

Der deutsche Titel ist wieder einmal komplett daneben, da er dem Zuschauer ein Treffen der Generationen verspricht, obwohl in Wirklichkeit nur die beiden Captains sich treffen.

Fazit

Da TNG es im Gegensatz zu TOS geschafft hatte, im Laufe seiner 7 Serienjahre, eine gleichbleibend hohe Episoden-Qualität zu garatieren, waren an das Kinodebüt der TNG-Crew von Anfang an große Erwartungen geknüpft. Viele Fans dachten, die TNG würde ihren Siegeszug auch im Kino ohne Schwierigkeiten fortsetzen können. Wenn man "Star Trek VII" betrachtet, war das ein Irrtum. Der Film hat insgesamt zu viele gravierende Probleme, um als guter Star Trek Film in Erinnerung zu bleiben.

Aufgrund seiner kurzweiligen und optisch-eindrucksvollen Umsetzung der holprigen Handlung ist der Film noch als passabel zu verbuchen, im Vergleich mit allen Star Trek Filmen reicht es aber lediglich zu einer durchschnittlichen Bewertung. Der sympathischen TNG-Truppe hätte man einen besseren Kino-Einstand gewünscht.

Bewertung von Punkte Zusammenfassung
Matthias Weber 3/6 Ein unkonzentrierter und handlungsschwacher Einstieg in die Kino-Ära der sympathischen TNG-Crew.
 
 
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Wertung mw 3/6
 

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  Zuletzt geändert:
  26. 11. 2020
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